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24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Die Flummi
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24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von Die Flummi » 30.08.2019, 15:30

Hallo zusammen,
ich bin 45 Jahre und eine Co. Meine Geschichte fängt vor über 24 Jahren an, da lernte ich meinen Mann kennen. Hier möchte ich nur Eckdaten schreiben, denn so viele Jahre hierher zu packen wird langatmig und zu detailreich.Nach drei Monaten zog ich zu ihm, wurde schwanger und nach weiteren drei Monaten heirateten wir. Alles war natürlich rosa-rot. War grade aus einer Beziehung mit viel Alkohol geflüchtet. Ich habe nicht damit gerechnet, das es mich wieder in die gleiche Richtung treibt.Schon während der Schwangerschaft merkte ich das er zu viel trank. In Gesprächen beteuerte er, wenn das Baby erst da sei, würde es anders.... natürlich nicht. Die häusliche Lage war prikär, drei Jahre teilen wir die Küche und das Bad mit meiner Schwiedermutter und seine ältere Schwester wohnte ihrem Lebensgefährten ( keine Kinder) mit im Haus, zusätzlich auch seine Großmutter. Am Anfang war es auch für mich okay, kam selber aus so einem Elternhaus. Und es war absehbar, wann wir unseren eigenen Wohnbereich bekamen.ch dachte dann wird es besser. Auch ein Irrtum meinerseits. Mein Mann wollte leider nicht so umbauen, das wir wirklich die Tür zumachen konnten, also jeder konnte überall hin im Haus. Die Schwester hat die Funktion des Familienoberhauptes inne gehabt, wurde mir aber erst mit den Jahren klar.Ihr Wort galt bei meinem Mann mehr, wie unsere gemeinsammen Beschlüsse. Drei Jahre soäter bekamen wir noch ein zweites Kind. Sein Bruder kam täglich nach der Arbeit vorbei und die beiden verschwanden in der Garage, mein Schwager war auch Alkoholiker bis vor 9 Jahren.Immer wieder versuchte ich auszubrechen, mutig zu sein und zu gehen. Anstatt es mir zuzutrauen selber so stark zu sein, dachte ich es sei besser schon jemand anderes zu haben, ging fremd vor einigen Jahren, auch ein großer Fehler von mir. Vor drei Jahren bin ich ausgezogen und nach einem halben Jahr zurüchgekehrt. Versprechungen wurden nicht eingehalten, eine Therapie wollte er nie. Getrunken hat er auf der Arbeit, der Chef toleriert es sogar, alle Kollegen wissen es. Nach und während er arbeitet sucht er sich leute die grade zuhause oder auch unterwegs sind, die Kiste Bier steht immer im Auto. Eskaliert ist es vor zwei Jahren, da fing er immer wieder an mit Suizidgedanken, die er mir gegenüber offen aussprach. Dieses Jahr im Februar bin ich erneut ausgezogen. Mit einem starken Gefühl, das ich es dieses Mal schaffen werde. Schloß mich im Juni jemandem an, der auch grade eine Trennung durchmachte, Leidensgefährten sozusagen. Der hat mich einfach benutzt, um seine Frau eifersüchtig zu machen, habe ich leider zu spät erkannt, trifft mich letztendlich nicht so sehr. Mit meinem Mann den Kontakt die ganze Zeit gehalten, da die "Kinder " bei ihm und seiner Familie geblieben sind. Seit dem ersten Auszug spricht der Kleine, jetzt 20 J. ,nicht mehr mit mir. Hat mich zusätzlich sehr belastet. Jetzt hat mein Mann eine Freundin, hat den Kontakt zu mir komplett eingestellt und ich geh kaputt. Er sagte mir vorher noch, das er für sie alles! ändern will und besser machen. Ich mache mich verrückt mit Gedanken, das er für sie aufhört zu trinken, sich mehr Zeit nimmt, usw. Ist bloß manipulativ, ich weiß, aber es tut so fürchterlich weh. Ich will das was ich erlebt habe, auf keinen Fall wieder, das weiß ich genau. Leider erinnere ich mich im Moment mehr an die schönen Seiten von ihm, wenn er gute Tage hatte und nicht getrunken hat.
Danke fürs lesen. Über Kommentare würde ich mich freuen.

Sunny1976
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Re: 24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von Sunny1976 » 30.08.2019, 17:55

Hallo liebe Flummi,
ich habe gerade Deine Geschichte gelesen und mich zurück gesetzt gefühlt in meine Lage vor ca. 2 Jahren. Das war sehr ähnlich... ich hatte mich nach knapp 10 Jahren auch von meinem Mann getrennt, weil ich die Trinkerei mit allem drum und dran nicht mehr ausgehalten habe. Kontakt bestand aber weiterhin. Bis er eine neue Freundin hatte... und dann auch überall erzählt hat, das SIE doch viel besser ist für ihn. Wegen ihr muss er nicht mehr trinken, wegen ihr hat er sich total geändert, sie tut ihm so gut... jetzt wird alles anders. Und meine Welt ist damals auch zusammen gebrochen. Eigentlich verrückt, denn sie hat doch nur das bekommen, was ich nicht mehr wollte.

Das verdrehte war, das ich damals auch wirklich dachte, das ich scheinbar doch an allem Schuld war. Das ich der Teil in der Beziehung war, weswegen es nicht funktioniert hat. Das er wohl doch wegen mir so viel trinken musste, wie er mir immer wieder damals eingeredet hatte. Und da ich damals ja nicht gegangen bin, weil ich ihn nicht mehr geliebt habe, sondern weil ein Zusammenleben nicht mehr möglich war, war es doppelt so schlimm. SIE bekommt jetzt den Mann, den ich mir so sehr gewünscht hatte...

So, und nun erzähle ich Dir mal wie die Geschichte ausging: JA, er hat zu der Zeit weniger getrunken. Das lief aber auch nur ein paar Monate mit dem Beiden, denn am Ende hat er ja trotzdem weiter getrunken wenn auch nicht so viel als zu der Zeit, als ich es nicht mehr ausgehalten habe. Sie hat jedenfalls dann doch relativ schnell das weite gesucht. Wir hatten danach wieder Kontakt zueinander und ich habe ihn auch mal gefragt, warum er mit ihr denn nicht so viel trinken musste. Seine Antwort darauf war, das das nicht mehr lange gut gegangen wäre... er hatte jede Nacht Entzugserscheinungen und wäre die Geschichte länger gelaufen, dann wäre der Konsum auch wieder gestiegen. Eine Zeitlang kann sich auch ein Alkoholiker mal zusammen reißen, aber eben nicht immer. Und auf Dauer kontrolliert trinken kann ein Alkoholiker nun mal auch nicht. Also ein Pulverfass!

Du hast oben geschrieben, das er eine Therapie nie wollte. Das heißt, er wird auch jetzt weiter trinken. Wenn er nicht gerade wieder eine CO erwischt hat, die ihn retten möchte wird also diese Dame es wahrscheinlich nicht lange mit ihm aushalten und bald die Beine in die Hand nehmen. Sollte es eine CO sein, so sollte sie Dir einfach sehr leid tun, denn dann wird sie eine lange Leidenszeit vor sich haben.

Ich kann Dir nur raten, Dir immer wieder die schlimmen Zeiten vor Augen zu halten, die ihr hattet. Klar, wenn man so traurig ist, dann denkt man erstmal nur an die schönen alten Zeiten. Aber am Ende waren sie ja leider überhaupt nicht schön.

Du hast jetzt 24 Jahre Leidenszeit durch, meinst Du nicht, Du solltest jetzt erstmal DIR eine schöne Zeit machen. Es Dir gut gehen lassen nach all dem Drama?

Ich persönlich glaube übrigens nicht, das es gut ist, sich gleich wieder einen neuen Partner zu suchen. Erstens hat Du Deine Ehe doch noch gar nicht verarbeitet und zweitens kannst Du Dich dann auch nicht mal nur auf Dich konzentrieren. Warum muss denn gleich wieder ein Ersatz her? Ich habe mittlerweile die Lebenseinstellung, das in erster Linie ICH mich glücklich machen muss, dafür ist niemand anders zuständig. Dein Glück solltest Du nicht von anderen abhängig machen.

Und auch je weniger Du von ihm mitbekommst, desto besser. Sonst kannst Du Dich nämlich nicht auf Dich konzentrieren und bist weiter bei ihm. Ich habe mittlerweile den Kontakt komplett abgebrochen, er ist auf allen Linien blockiert und ich höre auch selten von anderen Personen was er so macht. Das ist gut so, nur so kann man irgendwann loslassen.

Versuche Dich abzulenken, gehe mit Freundinnen aus, lass Dich von ihnen trösten. Ich habe mir damals eine Liste gemacht mit allen Dingen, die mir in der Beziehung gefehlt haben und warum ich am Ende gegangen bin. Damit ich eben nicht nur an die schönen Zeiten denke, sondern das ich mehr unglücklich in der Beziehung und Ehe war als glücklich.

Alles Liebe
Sunny

Die Flummi
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Re: 24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von Die Flummi » 30.08.2019, 23:35

Hallo Sunny,
vielen Dank für deine Antwort.
Eine Liste habe ich nicht gemacht, dafür aber im Handy auf dem Recorder selber Dinge für mich aufgesprochen, die ich mir in schlechten Momenten immer wieder anhören kann.
Ich finde gerade erst herraus, was mich glücklich macht und was ich selber gerne möchte. Unsere sozialen Kontakte habe ja immer ich aufrecht erhalten, trotz Protesten. Unsere Freunde sind eher meine Freunde, und die lasse ich mir nicht nehmen!! Das ist mir sehr wichtig. Ich brauche auch niemanden an meiner Seite im Moment, das habe ich zum Glück schon verstanden. Heute war eine Feier bei Freunden. Er war auch da. Ich habe gesehen wie er getrunken hat! Ich fühle mich nicht verantwortlich. Mir tut es unheimlich weh, das er mich ignoriert und nicht mal begrüßt. Nach so vielen Jahren, ist das bitter. Mich hat es nicht gestört, das er da war. Ich hatte Spaß. Er konnte das nicht aushalten und ist einfach irgendwann gegangen. Ich bin Stolz auf mich, das ich Stärke gezeigt habe und nicht einfach zu Hause geblieben bin.
Die neue, ist die Ex von seinem Cousin!!! Schätze sie als CO ein. Das pure Glück ist es nicht. Sie kennt auch sein Problem, von Familienfesten und von mir persönlich durch Gespräche. Das macht es leider für mich nicht besser, weil ich dadurch wieder im Kopf habe, das ich das mit dem Alkohol zu eng sehe und übertreibe. Seine Schwester ist ja auch der Meinung das er kein Alkoholproblem hat. Laut ihr war der andere Bruder auch keiner...
Ich bin oft daran verzweifelt und dachte ich sehe das alles falsch.
Fazit: Ich arbeite immer weiter an meinem Selbstwert und versuche immer weniger auf die Meinung anderer zu geben, sondern auf mich selbst zu achten.

Stern 67
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Re: 24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von Stern 67 » 31.08.2019, 17:35

wie ähnlich die Geschichten sind...
und wie schwer es ist, die Einstellung zu verändern.
Weil es ist nicht einfach schwarz oder weiss ist, wir lieben oder liebten diese Menschen... auch abhängige, cabhängige, kranke, behinderte, usw menschen werden geliebt und haben ihre gute liebenswerte Seiten.
Aber wie man hier oft sieht....die Liebe reicht nicht, die Sucht macht alles kaputt...
woher kommt sie nur.
LG
St

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Re: 24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von Die Flummi » 03.09.2019, 07:35

Guten Morgen, Stern 67,
du hast Recht. Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Die Einstellung verändern? Meine Einstellung ist ziemlich normal. Mein verhalten ist gestört, ich lasse mich manipulieren, von Menschen denen ich vertraue, die ich eng an mich heran lasse.
Lg Flummi

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Re: 24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von Die Flummi » 08.09.2019, 21:58

Ich weiß jetzt nicht mehr weiter. Mein Sohn 20 Jahre, hatte am Samstag Nachmittag einen Unfall.
1,8 Promille!!! Vom Unfallort entfernt, wurde aber in der Nähe aufgegriffen. Habe ja leider keinen Kontakt mehr zum Sohn. XY hat mir nicht mal bescheid gegeben. Hat der nur noch seine neue im Kopf? Will der mich fertig machen? Oder hat er jeden Abstand und Respekt mir gegenüber versoffen? Warum muss ich das von fremden Menschen erfahren? Auch wenn ich nicht mehr dort wohne, ich bin doch trotzdem noch die Mutter.

lütte69
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Re: 24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von lütte69 » 09.09.2019, 09:11

Hi Flummi,

kann es sein, dass Dein Ex das vielleicht gar nicht mehr übersieht und Dir deswegen nicht Bescheid gesagt hat? Du sagst ja, dass er weiter trinkt - ist keine Entschuldigung - könnte aber ein Grund sein für sein Verhalten. Das mit Deinem Sohn ist natürlich schwierig. Vielleicht öffnet dieses Ereignis ihm ja die Augen und er tritt nicht in die Fußstapfen seines Vaters. Meiner Meinung nach kannst Du ihm immer wieder nur signalisieren, dass du für ihn da bist, aber das hast Du ja bestimmt schon gemacht.

LG Lütte

Die Flummi
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Re: 24 Jahre verloren und mich selber gewonnen ?

Beitrag von Die Flummi » 09.09.2019, 19:25

Hallo,
danke für eure Antworten. Ich habe nicht mal geschafft die Höflichkeitsregeln einzuhalten. Entschuldigung.
Lütte...
Ja, er weiß das ich immer für ihn da bin. Anders wie der Rest der Familie, nicht vertuschen, sondern konsequent. Das macht es nicht einfacher, für mich der logische und hilfreichste Weg. Darum besteht kein Kontakt mehr zu mir.
Mein XY sagte heute zu mir, das er mich nicht aufregen wollte mit der Nachricht. Und das er auch nicht viel über den Unfall weiß. Er konnte noch nie über Probleme sprechen und eine Lösung erarbeiten. Das ändert sich auch nicht. Ich gebe die Hoffnung für meine Kinder nicht auf!!!! Für XY fällt es mir schon schwer genug die Hoffnung aufzugeben. Da habe ich noch nicht viel erreicht.

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