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Ich bin müde

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Lilli1990
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Lilli1990 » 24.06.2020, 08:42

Jetzt muss ich erst einmal die letzten Tage/Wochen überstehen. Mit einem erneuten Rückfall vor zwei Tagen, bei denen die Kinder wieder mehr mitbekommen haben, als gut für sie ist (morgens bereits getrunken, Kinder waren zum Mittagessen dort). Und mit vielen Tränen seinerseits, weil die Mutter der Kinder nun gesagt hat, dass diese nicht mehr kommen dürfen, wenn ich nicht dort bin (das setzt mich zusätzlich unter Druck). Mit noch mehr Tränen, weil er keine Freunde mehr hat und mit keinem mehr "einfach so ein Bier trinken kann". Und weil es ihm so schlecht geht. Und mit der erneuten Aussage, dass er keine Therapie machen wird. Mit Entscheidungen, die seitdem wir zusammen sind, nie getroffen wurden und bei denen es jetzt plötzlich ganz schnell gehen soll. Die mich noch mehr unter Druck setzen, weil ich evtl. doch bereits vor der Schlüsselübergabe die Karten auf den Tisch legen muss. Ich wünschte, ich könnte das Zeitrad etwas nach vorne drehen. :-(

lütte69
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Re: Ich bin müde

Beitrag von lütte69 » 24.06.2020, 09:29

Ach Lilli,

gibt es denn eine Möglichkeit,dass Du die letzten Wochen vielleicht bei Freunden noch unterkommen kannst?
Mit noch mehr Tränen, weil er keine Freunde mehr hat und mit keinem mehr "einfach so ein Bier trinken kann". Und weil es ihm so schlecht geht. Und mit der erneuten Aussage, dass er keine Therapie machen wird. Mit Entscheidungen, die seitdem wir zusammen sind, nie getroffen wurden und bei denen es jetzt plötzlich ganz schnell gehen soll.
Das Gejammere kenne ich auch. Aber es liegt an ihm, das zu ändern. Versuch diese Entscheidungen - wie auch immer - zu verzögern, nach hinten raus zu schieben, damit du ein bisschen Luft bekommst.

Kannst Du mit der Mutter ausmachen, dass die Kinder nicht mehr kommen können, weil er die Verantwortung nicht übernehmen kann auf Grund seines Alkoholkonsums. Dir diese Verantwortung aufzubürden finde ich nicht in Ordnung. Auch das kannst Du der Mutter mitteilen, dass Du diese Verantwortung nicht übernimmst. Es ist ne bescheidene Situation für Dich und Du hast wohl momentan genug damit zu tun für Dich zu sorgen - da ist es schwer, sich um anderer Leute Kinder zu kümmern.

Wünsche Dir viel Kraft und Geduld
Lütte

Eule89
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Eule89 » 25.06.2020, 17:46

Liebe Lilli,
bürde dir nicht seine Lasten auf. Seine Kinder, sind seine Kinder. Mach du dich nicht dafür verantwortlich, dass er sie sehen kann. Es ist seine Verantwortung. Und wenn er die nicht tragen kann, muss die Mutter handeln. Das wäre für die Kinder, denke ich, auch besser.
Ich bin selber Mutter von einem bald 1 1/2 Jährigen, Vater Alkoholiker. Ich bin auch froh, wenn seine Freundin oder och besser seine Mutter und/oder Oma beim Umgang dabei ist. Das kann ich aber nicht voraussetzen. Wenn er trinken würde, wenn der Kurze bei ihm ist, würde ich das Jugendamt einschalten und versuchen begleiteten Umgang zu bekommen.
Was ich dir damit sagen will ist, dass du nicht das Jugendamt bist. Du bist kein Puffer. Das müssen die beiden andere Erwachsenen unter sich regeln.

Das Gejammer und das plötzliche Pläne schmieden und ganz schnell umsetzen wollen kenne ich auch nur zu gut. Ich glaube fast, das ist normal. Um uns zu binden, zu halten. Damit wir wieder Hoffnung schöpfen usw.

Liebe Grüße
Eule

Lilli1990
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Lilli1990 » 29.06.2020, 17:06

lütte69 hat geschrieben:
24.06.2020, 09:29
Ach Lilli,

gibt es denn eine Möglichkeit,dass Du die letzten Wochen vielleicht bei Freunden noch unterkommen kannst?
Hallo Lütte,
das ist leider nicht möglich. Ich bin ja hierher gezogen und meine Freunde wohnen alle weit weg. Außerdem kann ich gerade nicht weg, weil ich ein wichtiges Projekt bearbeite und für Ende Juli erst Urlaub geplant habe.

Und die Entscheidung ist nicht mehr von mir abhängig. Er will ein Ferienhaus kaufen und ich habe schon gesagt, dass ich finanziell nichts beisteuern kann. Nun will er es alleine finanzieren, geht aber davon aus, dass ich so ja dann bei ihm bleibe. Da sie sich bisher mit dem Preis nicht einigen konnten, habe ich noch Hoffnung, dass es nichts wird. Es kommt dann schon das schlechte Gewissen durch, wenn er jetzt ein Haus kauft und ich bald gehe. Auch, wenn es seine Entscheidung ist. Vielleicht kennt ihr das. 🙄

lütte69
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Re: Ich bin müde

Beitrag von lütte69 » 30.06.2020, 08:28

Hallo Lilli,

es ist eine krasse Situation und da reagiert man vielleicht anders, als man das unter normalen Umständen tun würde. Wenn Du der Meinung bist, es ist besser, ihm von Deinem Auszug nichts zu erzählen, dann ist das in Ordnung. Wie sieht es aus mit der Wohnung? Hast Du den Vertrag unterschrieben und die Kaution zusammen? Wann könntest Du denn ausziehen?

sonnige Grüße
Lütte

Lilli1990
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Lilli1990 » 01.07.2020, 09:01

Hallo Lütte,
den Vertrag habe ich unterschrieben. Die Kaution habe ich auch zusammen. Ich würde es sehr gerne hinter mich bringen und das sofort klären. Dieses "so tun als ob" zehrt ganz schön an den Nerven. Aber da ich im Moment noch gar nicht weiß, wo ich bis zu meinem offiziellen Auszug bleiben sollte und nichts aus der Wohnung irgendwo zwischenlagern könnte, muss ich leider warten, bis ich tatsächlich die Schlüssel in der Hand halte. Das wird in der letzten Juli-Woche sein. Er arbeitet von zuhause aus und ist quasi immer da und er schleicht auch ständig um mich herum, da er bereits etwas ahnt. Vielleicht muss ich tatsächlich erst einmal mit nur ein paar Sachen "ausziehen" und die anderen Dinge später holen. Und ich kann im Moment nicht einschätzen, ob er mir dann noch Zugriff auf meine Sachen gewährt, wenn ich einmal weg bin. Ich versuche, zumindest schon einmal kleine Dinge im Büro zwischenzulagern. Was ich bei einem erneuten Rückfall mache, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.
Im Augenblick bin ich ständig unter Strom und hatte auch schon wieder mehrere Panikattacken. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass das alles bald vorbei ist. Aber, ehrlich gesagt, rechne ich auch nach meinem Auszug noch mit einem großen Drama. Und damit, dass ich an allem schuld sein soll. Nicht nur aus seiner Sicht, sondern auch aus der Sicht seiner Ex und der Kinder, wenn er sich dann wieder total betrinkt.
Es ist ein einziges Chaos in meinem Kopf. :-(

Morgenrot
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Morgenrot » 01.07.2020, 09:59

hallo Lilli,

natürlich wird er etwas merken, diese Antennen sind bei nassen Alkoholikern bestens ausgeprägt.
Auf seine EX brauchst du keine Rücksicht zunehmen, warum hat sie ihn verlassen, sie war sicher froh ihn "weiter reichen" zu können.
Du hast an nichts schuld, du tust es für dich, für ein Leben ohne Panikattacken. Du tust das richtige.


lg Morgenrot

Lilli1990
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Lilli1990 » 03.07.2020, 07:16

Guten Morgen (so gut ist der Morgen eigentlich nicht),
jetzt wird es richtig anstrengend. Gestern kam ein Anruf, dass man sich mit dem Preis doch noch einigen könnte und er das Haus kaufen kann. Er fing gleich damit an, Pläne zu machen. Wie "wir" das alles organisieren, dass ich anfangen kann, Möbel auszusuchen, dass meine Sachen, die noch im Keller gelagert sind (bin ja zu ihm gezogen und habe meine Sachen daher größtenteils nicht gebraucht) jetzt im neuen Haus auch Verwendung finden.
Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen und mich heute ganz früh deshalb auch geweckt, um nochmal mit mir zu sprechen. Er sagte mir immer wieder, dass er ja jetzt ganz viel Zuneigung braucht, weil es alles für ihn so stressig ist und dass er sich ja immer so schwer entscheiden könne. Und ob das nun wirklich auch etwas für ihn ist und ob ich ihn denn auch noch lieb habe und ob ich denn mit ihm auch in das Haus will, usw. Das am frühen morgen, während wir noch im Bett lagen. Immer wieder: "Hast du mich noch lieb? Bleibst du auch bei mir? Ich will jede Nacht neben dir einschlafen und jeden Morgen neben dir aufwachen! Soll ich das Haus kaufen?"
Natürlich habe ich ihn in den Arm genommen. Aber ich fühlte mich der Situation so ausgeliefert, mit allem überrannt und total überfordert. Er setzt mich einmal mehr unter Druck und ich habe nun überhaupt keine Ahnung mehr, wie ich reagieren soll.
Eigentlich müsste ich ihm nun sagen, dass ich das alles nicht mehr will und dass ich bereits eine Wohnung habe und ausziehen werde.
Aber wie mache ich das, wo gehe ich hin? Heute habe ich mich ganz früh rausgezogen und bin ins Büro gefahren. Ich weiß nicht, ob er sich heute wieder betrinkt, weil er mit dem Druck nicht umgehen kann und ich ja nicht da bin.
Ich bräuchte auch eine Therapie, aber vor Allem brauche ich jetzt/heute jemanden, mit dem ich darüber reden kann. Ich muss es loswerden, sonst zerfrisst es mich innerlich. Am liebsten würde ich einfach nicht mehr zurückgehen. Aber meine ganzen Sachen, alles von mir ist noch dort. Und einfach abhauen ist für mich auch eher ein NoGo. Ich würde mich wie ein Feigling fühlen.
Sorry, wenn das alles hier total chaotisch klingt, aber so sieht es im Moment in mir aus. Fühle mich total überfordert und alleine.

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