Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Alkoholabhängige Freundin

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

lütte69
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2141
Registriert: 28.05.2012, 09:44
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von lütte69 » 16.09.2020, 15:56

Mal ganz hart gesagt, dann setz sie vor die Tür. Es ist dein Leben, dass da den Bach runter geht. Ich stand damals vor der Wahl zu bleiben und langsam unter zu gehen oder mein Leben in den Hand zu nehmen und für mich zu sorgen. Es hat bei mir ein Weilchen gedauert bis ich es wirklich geschnallt hatte, aber jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Ich wollte ihm damals auch helfen und ihn retten. Ich bin auf der Suche nach Hilfe für ihn hier gelandet. Und es war für mich unvorstellbar, ihn einfach so "im Stich zu lassen". Es war das Beste, was ich tun konnte - für ihn und für mich. Zur Not behalte doch den Kater, wenn sie sich nicht kümmert, aber lass dich mit dem Tier nicht erpressen. Die Süchtigen wissen nur zu gut (meines Erachtens nach intuitiv), welche Knöpfe sie drücken müssen, damit ihre Co's funktionieren. Es war eine wirklich harte Zeit damals, denn mein Weggang hat ihn nicht glücklich gemacht und er hat alles versucht, mich zurück zu holen. Da heißt es mal wirklich kämpfen und hart bleiben. Überlege Dir mal, was Du Deinem besten Freund raten würdest, der Dir eben Deine Geschichte erzählt würde.

Es geht um Dich
sonnige Grüße
Lütte

BermudaB
neuer Teilnehmer
Beiträge: 11
Registriert: 04.09.2020, 09:14
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehöriger

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 16.09.2020, 16:07

Danke Lütte,
ich denke das in jedem Mensch ein gewisser Schutzmechanismus steckt. Ich merke wie mir mein Körper eindeutige Signale sendet das es unnormal ist was ich da mein Leben nenne. Es fühlt sich auch alles nicht richtig an. Wenn ich sie in Schutz nehme oder Ihr verzeihe. Ich tue damit meinem Umfeld und mir selber weh. Auch meiner Freundin, nur das sie das nicht merkt, weil sie ja krank ist. Ich werde sehen was die Tage bringen. Eines steht für mich fest, es muss sich etwas grundlegend ändern. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und schön das es dieses Forum mit Menschen gibt die einen verstehen oder ähnliches erlebt haben. Man fühlt sich irgendwie sicher und bestärkt.

Ganz liebe Grüße,
Bermuda

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 20084
Registriert: 08.10.2008, 23:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: EKA

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von Linde66 » 16.09.2020, 16:14

Hallo Bermuda,
ich lese das immer wieder hier, daß Hund oder Katze, einmal sogar ein im Garten des Suchtkranken stehendes großes Trampolin in solche wichtigen Lebensentscheidungen reingenommen werden. Damit die Kinder weiter Trampolin hüpfen konnten, wurden sie von der co-abhängigen Mutter nicht aus der Situation mit dem trinkenden und prügelnden Vater rausgenommen. Ich weiß, das ist ein krasses Beispiel. Ich bin auch tierlieb. Aber schau, was jetzt WIRKLICH dran ist. Der Rest findet sich!!
Lieber Gruß, Linde

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 20084
Registriert: 08.10.2008, 23:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: EKA

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von Linde66 » 16.09.2020, 16:19

P.S. Wenn du sie bittest auszuziehen und das auch durchziehst, dann kann ihr Tiefpunkt zu ihrem Wendepunkt werden. Nicht daß du das machen solltest, um eben dies zu "erreichen", das wäre co-abhängiges Verhalten deinerseits.
Du solltest die Entscheidung, welche auch immer, für DICH treffen und dann dazu stehen. Nichts "androhen", was du nicht auch durchziehst, denn sonst weiß sie, daß sie dich immer wieder zum Einlenken bringt - und schwupps bist du in der Co- Falle.
Pack es an, für dich.
Wie gesagt, der Rest findet sich.
Ich weiß von mir, daß es sehr viel Energie freisetzt, wenn man sich endlich für was entschieden hat und es durchzieht. Da ist plötzlich wie von Zauberhand reichlich Power in einem drin. Die war vorher aber auch schon da, sie war nur gebunden an den Suchtkranken. Die Kraft kannst du für DICH nutzen.

BermudaB
neuer Teilnehmer
Beiträge: 11
Registriert: 04.09.2020, 09:14
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehöriger

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 17.09.2020, 13:40

ich hatte gerade Mittagspause und bin heim. Sie war betrunken. Ich habe es Ihr sofort angesehen. Der Test zeigte 1,5promille....... Leute ich kann nicht mehr. Ich habe sie vor die Wahl gestellt das sie nun wieder zu sich zieht oder einen stationären Entzug macht. Ich weiß nicht was auf mich zukommt. Wie sie das nun verarbeitet. Ich bin völlig aufgeregt. Wie vor einer wichtigen Prüfung und man muss warten bis man dran kommt. Wird sie ausrasten, tut sie sich oder jemandem was an. Wird sie die Wohnung verwüsten ? Ich bin auf alles gefasst. Ich habe angst. Ich will einfach nur noch Ruhe und einen geregelten Alltag. Sie hat alles verleugnet. Dann hat sie gesagt das ich sie unter Druck setze. Aber ich habe mir das Ganze auch sehr lange angesehen und sie lügt und lügt und schiebt alles weg. Als wenn ich der Süchtige wäre.
Wünscht mir Kraft, es ist gerade alles dunkel um mich

lütte69
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2141
Registriert: 28.05.2012, 09:44
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von lütte69 » 17.09.2020, 14:59

Gut, dass Du eine klare Ansage gemacht hast. Wichtig wäre noch ein Termin und dann musst Du konsequent sein. Sie ist erwachsen und für sich und ihr Leben selbst verantwortlich. Das hat bei mir lange gebraucht, bis mein Herz das verstanden hat. Aber von dem Zeitpunkt an war es leichter für mich.

Viel Kraft und Geduld für Dich
sonnige Grüße
Lütte

Carmen
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 896
Registriert: 04.03.2020, 13:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von Carmen » 17.09.2020, 18:00

Hallo Bermuda,

ich lese seit einigen Tagen bei Dir mit und Deine Situation erinnert mich sehr stark an meine, mit dem Unterschied, dass ich die Alkoholikerin bin und mein Partner der Coabhängige ist. Mein Partner hat jahrelang auf mich eingeredet, kontrolliert, gedrängt, dass ich mit dem Trinken aufhöre, oft mit Trennung und Konsequenzen gedroht, die er dann wieder zurückzog und und. Es half alles nichts. Erst als ich einsah, dass ich krank bin, Hilfe brauche und keinen Alkohol mehr trinken darf, fing ich an Schritte einzuleiten.
BermudaB hat geschrieben:
17.09.2020, 13:40
Dann hat sie gesagt das ich sie unter Druck setze. Aber ich habe mir das Ganze auch sehr lange angesehen und sie lügt und lügt und schiebt alles weg. Als wenn ich der Süchtige wäre.
So war es auch bei mir, als ich noch keine Einsicht hatte. Du kämpfst gegen Windmühlen und verschleuderst deine Kräfte. Ich sehe auch aktuell wenig Hoffnung bei euch, da Deine Freundin ja garnichts verändern möchte. Und selbst wenn dann irgendwann die Einsicht ihrerseits da ist ( was übrigens noch Jahre dauern kann oder im schlimmsten Fall nie) , hast Du ja noch lange nicht die Garantie, dass sie trocken wird und bleibt. Die meisten Süchtigen brauchen mehrere Anläufe und Versuche, um trocken zu werden und auch zu bleiben, begleitet von Rückfällen, Entgiftungen, Klinikaufenthalten, Höhen und Tiefen usw. . Da musst Du dir natürlich auch die Frage stellen, ob Du Dir so Deine Zukunft vorstellst.

Mein Partner hatte übrigens auch psychosomatische Störungen wegen meiner Trinkerei. Das habe ich schon oft bei den Coabhängigen gelesen und ist mit Sicherheit als deutliches Warnsignal zu sehen. Da Deine Freundin null Einsicht hat, hast Du leider nur zwei Möglichkeiten: Entweder Du entfernst Dich von ihr und schützt Dich oder Du machst das Drama weiter mit und wirst dabei selbst immer kränker. Ich wünsche Dir viel Kraft.

LG von Carmen, die seit Jahren versucht, trocken zu bleiben.

BermudaB
neuer Teilnehmer
Beiträge: 11
Registriert: 04.09.2020, 09:14
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehöriger

Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 18.09.2020, 08:12

Guten Morgen liebes Forum,
guten morgen lütte linde und carmen. Ich danke euch, Ihr bestärkt mich und öffnet mir immer mehr die Augen. Eure Erfahrung hilft emmens beim Einschätzen der Situation. Gestern abend waren wir mit der Familie Abendessen. Es war wie in einem schlechten Film. Sie hat getan als wenn nichts wäre und auch danach. Als wenn ich nichts gesagt hätte. Ihr nicht gesagt hätte das sie nur noch diese 2 Optionen hätte. Ich konnte beim Essen keine Szene machen, ich bin direkt nach der Arbeit hin. Und abends vor dem Schlafen hatte ich keine Energie mehr. Nun sitz ich genau wieder da. Ich bin sowas von enttäuscht von mir und bin sauer das Sie meine Äußerung komplett wegschiebt und ignoriert. Das schlimme dabei ist das ich inzwischen mit sovielen Persönlichkeiten von ihr lebe. Manisch ist gar kein Ausdruck. Die ganze Palette. Mein Vertrauen ist auch am Ende weil sie mich fast nur noch anlügt. Auch was ihre Arbeitssuche angeht. Ich habe das Gefühl das sie sich einfach nur besaufen will und im suff bisschen den alltag sorgenfrei erleben will und dabei alle ihre Emotionen und Launen ausleben kann. Ich bin mir sicher das sie heute oder spätestens morgen wieder was trinkt. Dann werde ich meine 7 Sachen nehmen und gehen und wieder kommen wenn sie weg ist. Gut das ich im Haus mit meiner Familie ( mehrere Generationen lebe, die unterstützen mich ). Ich fühle mich gerade geistig wie in einer Achterbahn. Ich weiß nicht was als nächstes passiert.
Danke das ich hier sein kann, ihr seid stark und das gibt mir Hoffnung und Kraft,

liebe Grüße Bermuda

Antworten