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Ich bin Co- abhängig

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Weitsicht

Beitrag von Weitsicht » 21.02.2009, 09:18

Beim Gedichte schreiben kommt es bei mir sehr auf die jeweilige Tagesform an. Manchmal geht gar nicht, und dann wieder kommt es einfach so, aus mir heraus.
Hallo Lämmchen,

das ist eine wertvolle Gabe, hier kannst Du Dir sicher sein, dass es aus Deiner eigenen Tiefe kommt, das hochkommen und Dir was sagen möchte.

Ist ähnlich wie bei unseren Träumen, auch die möchten uns etwas mitteilen, oder dass wir Dinge die uns angehen, besser verarbeiten.

Meditationen schenken mir innere Bilder die mich in meinem Alltag begleiten.

Ich schreibe im EKA-Bereich

Alles Liebe Weitsicht

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 01.03.2009, 00:17

Hallo ihr lieben,

da es in diesem Jahr keinen 29. 2 gibt, nehm ich mir mal die Freiheit zu sagen, dass ich heute vor einem Jahr hier aufgeschlagen bin.

Es sollte ursprünglich ein letzter Versuch für meinen Mann werden, um ihn vom trinken abzuhalten. Da hätte ich gerne ein Rezept gehabt.
Dann fand ich die Grundbausteine der Nüchternheit, habe sie mir durchgelesen, und dachte, dass schaffst du nie. Da macht er nicht mit.

Draußen war es ein grauer Tag, und ich wurde immer mutloser. Bis ich dann den Bereich von den COs fand und dort gelesen habe.
Ich wußte, das es das gibt, und das ich wohl einen Hang in diese Richtung habe, aber ist doch normal in meinem Beruf.

Ich habe fast atemlos viele Geschichten gelesen, und hab gedacht. Die haben alle meine Geschichte geschrieben.
Da wußte ich hier bleibst du, hier wird man dich verstehen.

Jetzt ist also ein Jahr vergangen, ich habe keine Minute bereut, die ich hier zugebracht habe.
Oft verbringe ich hier Stunden, aber die sind für mich gut angelegt.

Ich möchte keine Bilanz ziehen, denn ich weiß, dass mich so etwas oft runter zieht, und das will ich nicht.
Mir gehts heute gut, das alleine zählt, was morgen ist, sehen wir dann.

Im Rückblick kann ich heute sehen und annehmen, dass ich mich verändert habe.

Sicherlich nicht in Riesenschritten, aber so wie ich es kann, in meinem Tempo.
Ich habe realisiert, wie tief ich im CO - Leben verhaftet war, noch bin, und vor allem wie lange schon.
Das passierte nicht erst mit meinem Mann, sondern gewisse Strukturen waren schon vorher angelegt.
Dessen bin ich mir bewußt geworden, dieses erkennen war und ist schmerzhaft, aber nach jedem Stückchen, was ich erkennen darf, fühle ich mich später dann auch wieder leichter.

Durch das Forum bin ich mutiger geworden, ich habe mich Menschen in meinem realen Umfeld öffnen und benennen können, wie es in mir tatsächlich aussieht.

Ich habe mich einer realen SHG anschließen können, die mir auch wichtig ist.
Dadurch haben sich weitere Kontakte ergeben, ich habe einen berenteten Kollegen wieder getroffen, von dem ich heute sagen kann, er ist mir fast ein väterlicher Freund geworden.

Für heute bin ich zufrieden, ich bin ganz nah bei mir. Das kann ich nur sein wenn ich mir und auch anderen gegenüber ehrlich bin.

Ich weiß, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe, aber der schreckt mich heute nicht.
Wenn die Zeit für weitere Schritte gekommen ist, werde ich es spüren und wissen.
Dann werde ich auch den Mut und die Kraft dazu haben, diese zu gehen.



lg Lämmchen

Speedy53
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Beitrag von Speedy53 » 01.03.2009, 00:44

Hallo Lämmchen,

dann gratuliere ich mal zu Deinem ersten Jahr! :lol:

Lämmchen hat geschrieben:Im Rückblick kann ich heute sehen und annehmen, dass ich mich verändert habe.
Und wie Du Dich verändert hast! Du bist selbstbewusster geworden und achtest auf Dein Wohlbefinden!
Lämmchen hat geschrieben:Sicherlich nicht in Riesenschritten, aber so wie ich es kann, in meinem Tempo.
Genau.... step by step und jeder Stein der im Weg liegt, kann auch für das Fundament des neuen Lebens genommen werden.

Ich wünsche Dir alles Liebe und... egal wie weit der Weg ist, er beginnt mit dem ersten Schritt und den bist Du gegangen!

Lieben Gruß
Speedy

Julchen148
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Beitrag von Julchen148 » 01.03.2009, 09:27

Hallo Lämmchen

auch von Gratulation zum ersten Jahr!

Ich bin erst zwei Monate dabei, aber es macht Mut zu lesen, was man alles schaffen kann wenn man sein Leben selber in die Hand nimmt.

Ich wünsch dir weiterhin alles Gute!

julchen

Weitsicht

Beitrag von Weitsicht » 01.03.2009, 11:03

Hallo Lämmchen,

auch von mir herzlichen Glückwunsch zu Deinem ersten Jahr und viel Freude mit Deinem Enkelchen

wünscht Dir Weitsicht

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 08.03.2009, 00:17

Hallo ihr lieben,

ich danke euch für euren lieben Worte. Das macht mir noch einmal zusätzlich Mut weiterzugehen. :wink:



lg Lämmchen

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 20.04.2009, 01:14

Hallo ihr lieben,

möchte euch ein wenig von meinem ersten Urlaub ohne meinen Mann, aber mit Tochter, ihrem LG und meiner kleinen Enkelin erzählen.

Die Hinfahrt habe ich geteilt, bin am Gründonnerstag bis HH gefahren, und habe dort bei einer Freundin übernachtet.
Wir haben einen schönen, langen Spaziergang durch den Hamburger Stadtpark gemacht, und am Planetarium in der Sonne gesessen.
Abends waren wir dann noch lecker essen.

Karfreitag bin ich dann weiter an die Nordsee gefahren, wo mich meine Tochter vom Zug abgeholt hat.

An diesem Tag plagte mich das schlechte Gewissen, meinen " armen " Mann zuhause gelassen zu haben.

Ich weiß, es klingt bescheuert und ist es sicher auch, vielleicht hätte ich mir für den ersten Urlaub alleine, eine andere Ecke an der Nordsee suchen sollen.
Wir waren schon sehr oft gemeinsam dort.

Ostersamstag hatte ich einen schönen Tag, mit ganz viel frischer Seeluft, am Wasser sitzen, in die Wellen schauen und nichts tun.
Am abend einen wunderschönen Sonnenuntergang, und dann Openair Gottedienst mit Osterfeuer.
Singen von Liedern, die ich schon seit ewiger Zeit kenne, und dann einfach die Gedanken laufen lassen.
Zum Abschluß sollte jeder seinem Nachbarn einen Wunsch mit nach Hause geben.
Mir wünschte eine wildfremde Person, das ich in allen Stürmen des Lebens, Ruhe in mir finden kann.
Ich war sprachlos, wie das mal wieder passte.

Der erste Ostertag war sehr entspannt. Wir haben morgens lange und ausgiebig gefrühstückt.
Danach bin ich lange mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Immer am Wasser entlang.
Da ich mich verfahren hatte, fand ich auf diese Weise ein ganz uriges Cafè.
Dort konnte ich schön in der Sonne sitzen, einen Cappuccino und ein Stück Friesentorte geniessen.

Zwischendurch kam ein Anruf meines Mannes, der meine Stimmung fast wieder zum kippen gebracht hätte, obwohl er nicht viel gesagt hat:
" Wünsche dir frohe Ostern, grüß unsere Tochter, und tschüss."
Das war der Anruf für mein schlechtes Gewissen, sollte auf diese Art mal wieder geweckt werden. Der Tonfall passte jedenfalls dazu.
Ist ihm aber nur vorrübergehend gelungen.
Am Abend war ich noch im Watt, herrlich kalt. Aber man bekommt ganz schnell wieder warme Füße hinterher.

Ostermontag morgen war ich einkaufen, und bin fündig geworden.
Habe tatsächlich Schuhe in meiner Größe bekommen, sogar wählen konnte ich.
Jetzt habe ich Schuhe für alle Gelegenheiten, zum Preis den ich sonst schon für ein Paar bezahlt habe, nur diesmal waren es vier paar

Nachmittags bin ich am Strand gelaufen, danach bin ich noch lange auf einer Bank sitzen geblieben,und hab einfach aufs Wasser gesehen.
Ich hätte nie gedacht, das mir das so gut tut.
Ich fühlte mich irgendwie weit weg, und ganz ruhig.
Es ist so vieles neu, was ich in diesen Tagen erlebt habe, oder ich sehe es mit anderen Augen.

Vieles habe ich früher wohl nicht wahrgenommen, weil meine Gedanken immer beim Alkoholkonsum meines Mannes waren.
Der hat hier immer Fahrradtouren gemacht, stundenlang, und kam meist angetrunken zurück.

In diesem Ort steckt ja viel Erinnerung an gemeinsame Urlaube, und erst jetzt in diesen Tagen ist mir aufgegangen, wie blauäugig ich doch war, und wie sehr ich ihm vertraut und geglaubt habe, weil ich daran glauben wollte, das alles gut werden könnte.

Dienstags war ich wieder sehr lange mit dem Fahrrad am Wasser unterwegs. Auf "meiner" schönen Bank bin ich dann richtig eingeschlafen. Solch eine Ruhe hab ich bisher nur sehr selten bei mir wahrnehmen können.
Weil ich mir gar nicht die Zeit genommen hätte, so lange
einfach nur auf einer Bank zu sitzen und nichts zu tun

Am Abend waren wir dann so als Abschluß für meine Tochter nochmal essen, sie mußten Mittwoch zurück.
Wir hatten von unserer Vermieterin ein Lokal empfohlen bekommen. Dort gab es Schnäppchenbüffett.
Bestellungen wurden aufgegeben, in dem man einen Flyer ausfüllte, und ihn in Tresennähe an eine Wäscheleine klammerte.
Das sah schon recht lustig aus.
Die Einrichtung war schon etwas gewöhnungsbedürftig und hatte einiges zu bieten,von Antiquitäten bis zum Kitsch.

Mit meiner Vermieterin habe ich mich auch mal lange unterhalten. Natürlich wurde nach meinem Mann gefragt, dafür kennen wir uns zulange.
Ich bin bei der Wahrheit geblieben, ich mag nicht mehr lügen und vertuschen.
Sie kann sich das alles kaum vorstellen, "er war doch immer so nett."
Sie hätte mir nie etwas angemerkt, wie es wirklich in mir aussieht.

Am Donnerstagnachmittag bin ich gut zuhause angekommen.

Der Abschied von dort oben ist mir, wie immer, sehr schwer gefallen.
Meine Vermieterin hat mir noch ganz viel Kraft gewünscht, und das bei ihr immer ein Zimmer für mich frei ist, wenn ich Luftveränderung brauche.

Daran werde ich sicher denken, wenn ich mal wieder an die Nordsee will.


lg Lämmchen

Gotti
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Registriert: 04.02.2008, 19:01

Beitrag von Gotti » 20.04.2009, 06:45

Ach, Lämmchen!

Eigentlich möcht ich schreiben, dass ich richtig neidisch bin, weil du so eine schöne Zeit an meiner geliebten Nordsee hattest.
Aber dann klingt doch so viel Trauer aus deinen Worten, dass ich - gern dabei gewesen wäre, um dich fest in den Arm zu nehmen.
Mir wäre/ würde es sicher genauso gehen. Dort oben, an verschiedenen Orten, haben wir auch schon sehr viel erlebt.
Das meiste auch in seiner nassen Zeit. Trotzdem waren es für die Kinder und mich "Inseln des Glücks", weil er da ein bisschen anders war.
Der letzte Urlaub - im Norden - im vergangenen Jahr - war für mich die Wende. Da war er ja schon ein dreiviertel jahr trocken. Da konnten wir die See so geniessen, wie du es beschrieben hast.

Ich weiss nicht, ob es dieses Jahr auch wieder so entspannend wird.
Ich kann nicht sagen, dass für uns jetzt alles gut ist. Ist ja eine Krankheit, die wieder ausbrechen kann.
Aber das Vertrauen kommt immer stärker zurück, gestärkt von der Hoffnung, die mir ein Stück meiner Gelassenheit gibt.

Dir wünsche ich, dass diese Erlebnisse, diese Entspannung noch lange innerlich bei dir anhalten können und dir viel Kraft für die nächste Zeit geben.
Ganz liebe Grüße, Gotti.

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