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Ich bin Co- abhängig

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 22.04.2009, 13:29

Hallo ihr lieben,

danke Gotti, das du mal wieder bei mir reingeschaut hast. Hat mich sehr gefreut. :lol:
Aber dann klingt doch so viel Trauer aus deinen Worten, dass ich - gern dabei gewesen wäre, um dich fest in den Arm zu nehmen.
Ja Gotti, es war Trauer dabei, aber vielleicht war die Zeit dafür gekommen, sie zu erleben, und sich ihr zu stellen.

So habe ich es für mich erlebt, aber, und das ist das neue, was ich immer öfter bei mir spüre, mir kann es trotzdem gut gehen.
Irgendwie habe ich das Gefühl mehr Platz in mir zu haben, seitdem ich für mich so einiges geändert habe.

Ich muß nicht mehr krampfhaft gute Miene machen, und die angeblich schöne Fassade aufrecht erhalten.
Das schafft Platz und es wird dadurch auch Kraft frei, die ich für mich nutzen kann.

Natürlich ist nicht alles gut, aber das erwarte ich auch nicht.
Ich habe gelernt mich auch über kleine Schritte freuen.

Ich will für mich spüren lernen, wann für etwas die richtige Zeit gekommen ist, und mich nicht von meiner Unruhe, eine Entscheidung fällen zu müssen, leiten lassen.
Wenn ich tief in meinem inneren zu etwas JA sagen kann, dann passt es.


lg Lämmchen

dagmar007
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Beitrag von dagmar007 » 22.04.2009, 15:26

Liebes Lämmchen,
nach viel Trauer und vielen Tränen strahlen die Augen oft wieder wunderbar. Vielleicht einfach, weil sie sich sauber gewaschen haben.

Ich denke Trauer, Liebe und alles andere sind Gefühle, die wir brauchen - besonders zur und bei der Bewältigung. Vielleicht müssen wir erst trauern um dann neu aufbauen zu können?`

Ich war lange sehr traurig und darf nun anderes spüren, das wünsche ich Dir auch ... und zwar ganz viele gute Gefühle

Lieben Gruß von Dagmar

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 04.05.2009, 10:49

Hallo ihr lieben,

Dagmar ich glaube auch, das all diese Gefühle dazu gehören. Ich weiß nicht mehr, was ich früher damit gemacht habe, einfach weggedrängt, es ging mir schlecht, und ich habe nichts getan, es zu ändern.

Im Gegenteil, ich habe darauf gehofft und vertraut, das andere doch endlich sehen müssen, wie schlecht es mir doch geht.
Das ich mich damit immer tiefer in die Opferrolle reingebracht habe, konnte ich nicht wahrnehmen.
Das wird mir erst jetzt deutlich, wie sehr ich da verstrickt war, wo ich dabei mein Leben zu leben, und für mich immer neues entdecke.

Ich kann und darf mich an meinen, auch manchmal kleinen Schritten freuen, es ist nicht das große, alles auf den Kopf stellende was mich zufrieden machen kann.

Gestern war es meine Zeit, auf meinem Balkon, die ich mit einer schönen CD genossen habe.
Ich bin heute zufrieden mit meinem Weg, das zählt.
Natürlich weiß ich, das noch vieles vor mir liegt, wie z. Bsp. die räumliche Trennung von meinem Mann.

Ich will darauf vertrauen, das ich auch das schaffe, auch wenn ich kleine Schritte gehe.
Dranbleiben Lämmchen, und nicht nachlassen.


lg Lämmchen

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 05.05.2009, 23:50

Hallo ihr lieben,

ch habe heute morgen etwas gelesen, das habe ich beim ersten Mal noch nicht verstanden, jetzt habe ich es nochmals gelesen, und alles wirkt logisch und klar.
Es ging um Kontrolle, dabei bin ich an einem Satz hängen geblieben, den ich mir, auf mich umschreiben möchte.

Alles was ich kontrollieren will, wird mich und mein Leben kontrollieren
Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, ob das wirklich so ist.
Ja, genau das ist es.
Was habe ich alles konrolliert, immer in Angst etwas zu übersehen, was meinen Mann veranlassen könnte zu trinken.
Alles wollte ich dafür aus dem Weg räumen.
Ich habe aber dabei nicht bemerkt, wie diese Maßnahmen mein Leben bestimmt und kontrolliert haben.
Ich habe zugelassen, das ein anderer mein Leben in allen Punkten beherrscht, er konnte sich sicher sein, das es genauso funktioniert,
das ich so weitermache.
Der Alkohol hat mich und mein Denken beherrscht, und mit meiner Kontrolle habe ich nie Ergebnisse bekommen, mit denen ich hätte zufrieden sein können.

Heute, wo ich immer mehr abgeben kann, fühle ich mich von einer Last befreit. Mein Anspruch an mich ein anderer, ich bin für mich selbst verantwortlich. Es ist mein Leben, es liegt in meiner Verantwortung was ich damit mache.
Ich erfahre immer mehr über mich, und es spannend mich kennenzulernen, nach so vielen Jahren.

Das ist für heute mein Glücksmoment gewesen, und ich bin froh, das ich ihn mit euch teilen kann.

lg Lämmchen

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 29.06.2009, 00:18

Hallo ihr lieben,

Ich habe mich immer bemüht Erfolg zu haben, bei dem bemühen, meinen Mann vom Alk wegzubringen.
Habe so vieles versucht, und wenn es fehl schlug, meine Bemühungen nochmal und immer wieder intensiviert.
Ich kam mir zum Schluß vor, wie in einer Falle. Ich zappelte und strampelte um alles zu versuchen, dabei merkte ich nicht, wie ich immer weniger Luft für mich hatte.
Ich wollte und konnte mir diese vergebliche Mühe nicht eingestehen, denn das wäre in meinen Augen die Bankrotterklärung für mich gewesen.
Ich hatte ja soviel gemeistert, und ausgerechnet in diesem Punkt ging alles schief. Ich fühlte mich als Versagerin auf ganzer Linie.

Heute weiß ich, das ich nie eine Chance hatte, gegen diesen übermächtigen Gegner Alkohol.
Das tut weh, aber ich das Leben dahinter für mich entdeckt.
Am Anfang habe ich nicht daran geglaubt, das es für mich noch schönes geben kann, aber jetzt ist es ein sehr gutes Gefühl mir sagen zu können:
Mir gehts gut, auch wenn nicht alles gut ist.
Das dieses mal nebeneinander stehen könnte, hätte ich nie gedacht, weil alles nur von meinem Mann abhängig war, von seinem Befinden, seinen Launen.
Das ging soweit, das sogar das Fernsehprogramm nach ihm ausgerichtet wurde. Nur damit es keinen Stress gab. Als ob ihn dass vom saufen abhalten würde. Wie blauäugig kann man eigentlich sein.

Natürlich ist es nicht leicht im gleichen Haus zu leben, aber es wird auch hier eine Lösung geben. Vielleicht ergibt sich etwas, woran ich ich im Moment noch gar nicht denke.
Das ist mir in letzter Zeit schon öfter passiert.
Ich sehe mich als getrennt, das habe ich ihm auch sehr deutlich gesagt.
Mir fällt gerade meine erste Entscheidung ein, die ich ohne ihn getroffen habe. Es war die Verlängerung meiner Rehamaßnahme, und es war eine sehr gute Entscheidung, mir diese 2 Wochen zu gönnen.

lg Lämmchen

Nancy
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Beitrag von Nancy » 29.06.2009, 07:06

Guten Morgen Lämmchen,
lese gerade und stelle fest wie stark du klingst bei dem was du schreibst. Diesen Zustand möchte ich auch erlangen. Kann viel von dir für mich raußziehen und wünsche dir weiterhin viel Kraft bei deinem Weg, auf dem du schon weit gekommen bist.
Glg
Nancy

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 22.07.2009, 22:48

Hallo ihr lieben,

Seit gestern habe ich einen neuen Nick.
Ich hatte plötzlich das Gefühl, es soll jetzt sein.
Diesem habe ich ganz spontan nachgegeben, ohne es erst einmal zu zerdenken.
Mir gehts sehr gut mit dieser Entscheidung, zeigt sie mir doch, das ich wieder spontan und nach Bauchgefühl handeln kann.

Ich bin als Lämmchen hier angekommen. Verletzt, gekränkt und gefangen in mir und in meinen Gedanken die nur um meinen Mann kreisten.
Ich sah mich als Opfer und hatte keine Ahnung, wie ich da raus kommen sollte.
Ich will nicht mehr in die Opferrolle, ich habe erkannt, das es einzig an mir liegt daran etwas zu ändern.

Mir wurde von vielen lieben Menschen hier geschrieben und gesagt, welche Fortschritte, sie an mir feststellen.
Darüber habe ich mich sehr gefreut, aber ich für mich, konnte sie nie so deutlich erkennen.

Das änderte sich, als ich meine Reha noch einmal an mir vorbeiziehen ließ schlagartig. Es war als ob der Nebel verflogen sei.
Ich konnte erkennen, was ich alles für mich geändert habe, ich konnte mich uneingeschränkt an meinem Erfolg freuen.

Die vielen Spaziergänge, mit langen Gesprächen, das abendliche Schwimmen, mit einem lieben Menschen, das Gefühl vertrauen zu können.
Er hat den häufigen Telefonterror meines Mannes mitbekommen, der mich fast keinem Tag verschont hat. Bis J. einfach abends mein Handy "ein kassiert " hat, weil ich es nicht schaffte, seine Anrufe zu ignorieren.

Ich hab mich noch nicht mal getraut, außerhalb der Therapien mein Handy im Zimmer zu lassen, dadurch war ich immer sehr angespannt, und von abschalten konnte keine Rede sein.

Mir wird gerade noch mal sehr deutlich, wie sehr ich mich aufgegeben habe, und mich habe kontrollieren lassen.
Ich war gefangen, und traute mich anfangs nicht etwas zu unternehmen, er hätte ja gerade dann anrufen können. Denn er rief natürlich immer zu unterschiedlichen Zeiten an.
Ich war nie sicher davor.
Ich erinnere mich an einen Samstagabend, an dem er anrief, um von mir die Nummer einer Versicherungspolice zu erfragen.
Die hatte ich ja auch dabei, ich reise ja nie ohne die Nummern meiner Versicherungen.
Dabei wußte er genau, das ich in ein Konzert wollte. Natürlich wurde daraus nichts, der Terror ging bis nachts um 2 Uhr, immer wenn ich dachte, jetzt ruft er sicher nicht mehr an, gings weiter.

Dann nahm ich dort zum ersten Mal an einer Angehörigengruppe teil, die mir Mut machte. Ich wollte alles umsetzen, wenn ich wieder zuhause war, und bin doch gleich wieder ins alte Fahrwasser geraten, wie vorher.
Der Gedanke, es ist doch nicht so schlimm, wie du es empfindest hat mich noch fast 2 Jahre begleitet.
Bin ich froh, das ich heute für ihn nicht mehr erreichbar bin. Heute brauche ich keinen, der mein Handy kassiert, das kann ich selbstständig abstellen.

Mein neuer Nick soll mich immer wieder daran erinnern, das die Sonne jeden morgen neu aufgeht, sich die Nebel immer wieder neu lichten, und das Leben neu erwacht.
Alexandra beschreibt dieses eindrucksvoll in ihrem Lied: Erstes Morgenrot
Jeder Tag eine neue Chance auf Leben.

Ich kann nur jedem Mut machen, sich auf den Weg zu machen.

lg Morgenrot

Gotti
sehr aktiver Teilnehmer
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Registriert: 04.02.2008, 19:01

Beitrag von Gotti » 23.07.2009, 06:34

Guten Morgen und Herzlichen Glückwunsch zum neuen Nick!

Also ich muss sagen, das "Lämmchen" kann man ja so und so auslegen.
Wir haben da gerade in unserem Urlaub ganz schön "starke" Lämmchen gesehen. Fand ich toll, wie sie so ihr karges, rauhes Wiesen - und Deichleben durchstehen. Mit einigen "Böckchen". Unheimlich knuddelig.

Aber das "Morgenrot" ist auch immer wieder ein Erlebnis.
Warmes, rotgoldenes Licht - ein neuer Anfang.

Auch für dich. Es sieht so aus, als ob du dich wirklich schon sehr geändert hättest. Nicht nur äußerlich, mit getrennten Wohnteilen.
Was du da über deine Kur geschrieben hast, den Telefonterror! - Furchtbar.
Das war keine Erholung. Gab es da keine psychologische Betreuung?
Ich glaube, ich hatte riesiges Glück, denn schon alleine mein Kurarzt hätte solche Probleme herausgefunden. Innerhalb fünf Minuten. Solche Fragen wurden mir immer wieder gestellt. Da hätte ich nie lügen können.

Egal, dir wünsche ich auf jeden Fall alles Gute mit deinem neuen Nick!
Schön, dass du uns hier erhalten bleibst und weiterschreibst.
Bleib fest weiter auf deinem Weg, denn er geht in die richtige Richtung!
Für Dich!
Liebe Grüße, Gotti.

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