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Co-abhängig ....und mittlerweilen ziemlich frustriert

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Diandra
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Co-abhängig ....und mittlerweilen ziemlich frustriert

Beitrag von Diandra » 07.04.2006, 00:05

Hi,

ich würde gerne ein bißchen Frust ablassen. Gestern war mal wieder so ein Tag.

Nachdem mein Partner 10 Tg. auf Entzug in einer Klinik war wurde er entlassen. Er hat wieder Kontakt zu seinem früheren Betreuer und auch zu seiner Psychologin aufgenommen. Bei ihr hat er direkt am anderen Tag einen Termin bekommen. Es ging darum, wie es weitergehen soll. Was man verstärkt machen sollte usw.

Er kam ziemlich niedergeschlagen wieder. Weil der Platz in einer Tagesklinik wird jetzt erst mal auf "Eis" gelegt. Obwohl sie mich noch nie gesehen hat, geschweige denn auch nur ein Wort mit mir gewechselt hat, ist sie der Meinung, er muss zu Hause raus - und ein 18monatiges betreutes Wohnen in Angriff nehmen.

Es ist einfach superklasse wie man so eingeordnet wird.

Der Alkoholiker fühlt sich schuldig, weil wegen der Trinkerei und was er damit alles angerichtet hat. Wenn er nicht mehr trinkt, fühlt er sich irgendwie schuldig, weil er das Gefühl hat mir "meinen Spaß" zu nehmen, da ich freiwillig darauf verzichte die 3 Glas pro Jahr zu trinken, die ich sonst immer getrunken habe. :cry:

Die engere Familie (Eltern, Geschwister) halten einen für verrückt, weil man in dem Alkoholiker trotz allem und gerade weil er schon eine längere Trockenphase geschafft hat noch den wertvollen Menschen sieht, der darin steckt. Da gibts Diskussion - wirklich sehr aufbauend :(

Psychologen stempeln einen gleich als für den Alkoholiker wertlos ab. Immerhin hat er ja zu Hause angefangen zu trinken. Da gibt es kein Gespräch oder Interesse, welcher Angehörige dahinter steckt - ich bin schlecht für ihn - basta :x

Der damalige Betreuer aus seiner 11monatigen Wohngemeinschaftszeit fand es überhaupt nicht gut, dass mein Partner wieder zu uns ziehen wollte, obwohl die damalige Psychologin da ganz anderer Meinung war. Also wurde meinem Partner erzählt, ihm fehle noch wichtiges "Handwerkzeug" um trocken zu bleiben und wenn ich ihn einfach so vor die Tür setzen würde, dann hätte er ja wieder so gar nichts :shock: Da wurden regelrecht Ängste geschürt.

Aus alledem kann ich nur eins erkennen. Niemand - egal welche Seite man sieht - ist daran interessiert, wieder ein intaktes Familienleben zu fördern.

Liegt es vielleicht daran, dass man einen Menschen, der nichts und niemanden mehr hat besser neu formen kann ? Widerspruch von dritter Seite nicht gern gesehen wird ?

Leider etwas lang geworden und bestimmt von Thema zu Thema gesprungen - irgendwie.

Grüßle
Diandra

Diandra
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Beitrag von Diandra » 18.04.2006, 00:09

Hallo Chrissyta,

harte Worte und nicht ganz fair.

Ich bin nicht gegen einen Klinikaufenthalt. Wenn er diese 4-6 Monate braucht, wäre ich die letzte, die sich dagegen wehren würde. Und wenn diese Klinik in einer anderen Stadt weit weg ist, dann ist das eben so - seine Gesundheit und sein Weg zufrieden trocken zu leben sind sehr wichtig, sowohl für ihn als auch für uns.

Aber 18 Monate in eine WG zu kommen um "Alltag" zu leben und nebenbei ein wenig therapiert zu werden - diesen Weg sehe ich nicht als den richtigen an - im Gegenteil - die Rückfallquote in den beiden angebotenen Häusern sind sogar relativ hoch - das macht keinen Sinn.

Wenn Du damit meinst, dass mir in einer Therapie erklärt wird, warum Angehörige so ziemlich das letzte Glied in dem gesamten Dilemma sind bzw. nur dann zögerlich mit einbezogen werden, wenn sie lautstark aufmucken - bin ich gerne bereit mich therapieren zu lassen.

Hätte ich kein Selbstwertgefühl, dann wäre ich schon "unbekannt" verzogen mit all dem Ärger dem man mal ausgesetzt war. Wahrscheinlich ist es einfacher einen Schlussstrich zu ziehen und sich den angenehmeren Dingen des Lebens zuzuwenden - anstatt zu kämpfen. Es ist ja nicht gerade so, als würde ich auf Biegen und Brechen versuchen ihn umzustimmen oder zu halten. Viele lange Gespräche in seiner "trockenen" Zeit haben dazu geführt, 25 gemeinsame Jahre nicht einfach "wegzuwerfen" und das Ziel soll sein - die nächsten 25 "guten Jahre" nun auch gemeinsam zu geniessen.

Wie gesagt, mit mir kann man reden (Therapeuten usw.) und lernfähig bin ich auch - aber Dinge die sich Widersprechen schlucke ich nicht, nur weil eine Psychologin oder ein angelernter Betreuer sich eine Meinung bilden ohne "alle" Parteien wenigstens 1 x gesehen und gesprochen zu haben.

Grüßle
Diandra

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Beitrag von Diandra » 18.04.2006, 00:37

Hallo Chiara,

ich danke Dir für Deine lieben Worte. Es gibt doch ein wenig Hoffnung, dass es anders angegangen werden kann und dass es sich lohnt zusammen zu kämpfen :)

Wenn mir mein Partner sagen würde, dass ich ihm nicht gut tue bzw. er seinen eigenen Weg gehen will und muss, dann muss ich das akzeptieren. Aber dieses bisherige "entscheiden" ohne mich einzubeziehen - finde ich unmöglich.

Deine Worte haben mir jedenfalls eine Menge gegeben - Danke.

Lieber Gruß
und ich wünsche dir weiterhin alles alles Liebe und Gute und die Kraft so weiterzumachen, wie ihr es bisher geschafft habt :D

Diandra

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Beitrag von Karsten » 18.04.2006, 08:12

Hallo Diandra,

viele Psychologen haben ihren Beruf verfehlt. Sie haben irgendwas in Büchern gelesen und denken nach einem Katalog.
Wie sollen sie es auch wissen, was für einen Suchtkranken richtig und gut ist? Ihnen fehlen einfach die eigenen Erfahrungen. Ein Studium kann sowas nicht ersetzen.

Sie können nur auf das eingehen, was ihnen vom Betroffenen erzählt wird.

Du bist sehr selbstbewusst und daher kommt bei mir die Frage auf, was hat Dein Partner erzählt, dass der Psychologe Deine Meinung nicht hören will?
Hat der Psychologe nur ein Schubladendenken, weil es ja in den meisten Fällen so ist, dass bedingt durch das Umfeld, ein nüchternes Leben in dem gleichen Umfeld nicht möglich ist oder hat Dein Partner eine Chance für sich gesehen und einfach zu allem ja gesagt, weil er endlich aus dem Kreis der Abhängigkeit raus möchte?

In der Selbsthilfe gibt es verschiedene Ansätze, die auch ein Einbeziehen der Angehörigen und Partner beinhaltet.
Es gibt Selbsthilfewohngemeinschaften, die zwar auch eine zeitliche Kontaktsperre zu Angehörigen, außer Kindern, vorsehen, aber dann der Kontakt langsam wieder aufgebaut wird.

Vielleicht ist das ja ein Weg für Euch?

Gruß Karsten
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Beitrag von Diandra » 01.05.2006, 01:21

Hallo Karsten,

ich hatte mein erstes gemeinsames Gespräch mit der Psychologin und meinem Partner. Sie hat erst mal deutlich gemacht, dass sie schon viele Jahre mit Suchtkranken arbeitet.

Die Tagesklinik hat sie auf "Eis" gelegt, weil sie das Gefühl hat, er will eigentlich gar nicht so richtig. Außerdem hat sie Andeutungen gemacht, dass es Alkoholiker gibt, denen kann man nicht mehr helfen, weil gewissen Hirnzellen bei denen durch das Trinken abgestorben sind, die normalerweise die Sucht in den Griff kriegen. Ähm also davon habe ich nun noch nie was gehört.
Ich werde sie beim nächsten Mal fragen, was man bitte schön mit diesen Menschen dann macht.

Da mein Partner nicht gerne viel redet kann man davon ausgehen, dass er oft ja und amen gesagt hat, oder manches klingt ja auch erst mal recht schlüssig - jedenfalls so lange, bis man dann eine andere Meinung hört und dann wankt man wieder.

Beim 2 Entzug hatten wir ja diese Kontaktsperre, danach kam er in eine kleine WG und ganz langsam haben wir unseren Kontakt in 11 Monaten wieder aufgebaut.

Meines Erachtens ist die Diakonie eher darauf geeicht, die Leute komplett aus ihrem Umfeld zu lösen und sie neu aufzubauen.

Naja - ich werde jetzt erst mal sehen, wie das 2. Gespräch in 2 Wochen weitergehen wird. Sicherlich wird es nicht einfach, sie hat gemerkt, dass ich nicht zu allem ja und amen sage und bequemerweise nur nicke.

Einiges, wo ich ganz anderer Meinung war wie die Psychologin, konnte sie nicht widerlegen bzw. manches was sie gesagt hat, konnte ich passend in meine Sicht der Dinge wiedergeben.
Ich hatte ein wenig das Gefühl, sie sieht mich jetzt als "Gegnerin". Mal sehen, wie es weitergehen wird.

Grüßle
Diandra

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Beitrag von Karsten » 01.05.2006, 08:09

Hallo Diandra,

kein Alkoholiker muß aufgegeben werden. Jedem kann geholfen werden, wenn der Betroffene es selbst will.
Es gibt natürlich auch Alkoholiker, wo viele Gehirnzellen abgestorben sind, die ja bei einem Menschen nicht mehr nachwachsen und sich auch nicht regenerieren.
Der Mensch hat aber sehr viele Gehirnzellen. Dadurch wird die Aufgabe der abgestorbenen Gehirnzellen von anderen Gehirnzellen übernommen. Das ist aber ein Lernprozeß und dauert sehr lange.
In der Schulmedizin gibt es viele Beispiele, wo die Ärzte oder Psychologen der Meinung sind, dem Patienten kann nicht mehr geholfen werden. Die Altanativmedizin, wie eben auch die Selbsthilfe hat da bessere Erfolge, weil sie eher auf langfristige "Behandlung" ausgelegt ist.

Psychologen wollen es auch sehr selten, dass man ihnen wiederspricht und manche ihrer Thesen in Frage stellt. Sie arbeiten ein vorgeschriebenes Behandlungsmuster ab und wenn jemand das in Frage stellt oder genauere Informationen haben will, sind viele überfordert.
Laß Dich nicht davon abbringen und Frage alles, was Du wissen willst.

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es hat nicht geklappt

Beitrag von Diandra » 20.06.2006, 23:33

Hallöchen hier bin ich mal wieder.

Leider hat es nicht geklappt. Mein Partner ist noch 2 x rückfällig geworden und schweren Herzens muss ich wohl einsehen, dass alle anderen Recht haben.

Den ersten Schritt haben wir nun gemacht - Er ist nun in einer Langzeittherapie.
Den zweiten Schritt muss ich jetzt allein machen - mich Abgrenzen, einen eigenen Egoismus zu entwickeln und den "ungeliebten" Alltag allein zu bewältigen. Mein Partner war mit unserem "Alltag" wohl überfordert. Nun darf ich diesen Part mitübernehmen und soll mich dabei noch wohl fühlen :? Aber ich hoffe, auch das werde ich gut in den Griff bekommen.

Ist schon irgendwie merkwürdig. Mein Partner darf sich jetzt auf sich konzentrieren, muss an sich arbeiten, hat feste vorgeschriebene Hausarbeitszeiten, jede Menge Freizeitangebote und natürlich auch Gruppen- und Therapiegespräche.

Ich darf jetzt das doppelte Quantum erledigen - immerhin bleiben mir ja meine beiden Kinder, der Haushalt und meine 8-10 stündiger Job gehört auch dazu. Dabei sollte ich dann noch gucken, Zeit für eine Therapie zu finden.

Was kann ich nun für mich lernen ? Mich Abgrenzen ? Gesunden eigenen Egoismus zu entwickeln ? Warten ....auf was ? Mein eigenes Leben lebe ich ja eigentlich (Job, Kinder).

Ich bin wirklich gespannt, was nun werden wird. Ob wir uns tatsächlich auseinanderentwickeln, ob unsere vielen gemeinsamen Jahre trotzdem weiterhin Bestand haben werden. Ich fürchte, um nicht in Selbstmitleid zu versinken, muss ich jetzt erst mal meinen eigenen Weg gehen und mir auch einen neuen Weg mit Veränderungen suchen müssen.

Grüßle
Diandra

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6 Wochen sind vorrüber

Beitrag von Diandra » 28.07.2006, 21:45

Hallöchen,

nun sind schon 6 Wochen vergangen, in denen mein Partner sich in der Langzeittherapie befindet. Vier Wochen durfte er nur in Begleitung das Gelände verlassen. Wir waren weiterhin in Kontakt, d. h. 2 x die Woche habe ich ihn für ca. 2 Std. besucht; hin und wieder auch mal telefoniert.

Seit 2 Wochen darf er nun wieder seine Freizeit selber bestimmen und ist stolzer Besitzer seines Haustürschlüssels :)

Mir war und ist klar, dass es keine einfache Zeit sein wird. Aber die Entfremdung ist schon da. Lt. Telefongesprächen freut er sich bei uns vorbeizukommen; ist er dann da, weiß er gar nicht so recht was mit uns anzufangen bzw. er fühlt sich doch sichtlich unwohl. Sitzen wir draußen zusammen, fällt ihm der Umgang mit mir viel leichter. Manchmal kommt mir nun in den Sinn, dass es besser ist, sich eher nicht zu sehen, als dieser verkrampfte Umgang miteinander.

Morgen will er nun für den ganzen Tag kommen und auch erst spät Abends wieder zurück. Im Moment habe ich ein leicht unwohles Gefühl bei dem Gedanken.

Ich bin aber froh, dass er sich in seiner Gruppe gut eingelebt hat und auch mit seinen Leutchen prima klarkommt.

Wir stehen ja noch ganz am Anfang und eigentlich bin ich sehr froh, dass wir doch noch in einer Stadt leben und somit keine sehr weiten Wege fahren müssen um uns zu sehen :)

Grüßle
Diandra

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