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Co-abhängig ....und mittlerweilen ziemlich frustriert

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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henri
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Beitrag von henri » 29.07.2006, 14:49

Hallo Diandra

Nach sechs Wochen Thera hat er sich bereits verändert und es werden noch sehr viele Kleinigkeiten kommen, die du von ihm anders gewöhnt bist. Anfangs wird er in manchen Dingen noch unsicher sein, doch mit der Zeit wird auch sein Selbstbewusstsein und sein Selbstwertgefühl größer werden. Das ist das Normale an so einer Therapie, hat aber auch zur Folge, dass ihr euch etwas fremd werdet und euch wieder neu kennen lernen müsst.

Lieben Gruß
Henri

Diandra
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Beitrag von Diandra » 30.07.2006, 00:15

Hallo Henri,

ich denke mir auch, dass sich noch einiges ändern wird im laufe der Zeit. Auch ich werde mich sicherlich in der Zeit ändern. Für ihn ist es sicherlich auch eine Gratwanderung zwischen zwei verschiedenen "Leben" hin und her zu wandern. Stell ich mir auch nicht gerade einfach vor. Deswegen halte ich mich auch mit negativen Bemerkungen zurück.

Dass das Selbstbewusstsein gesteigert wird bzw. das er auch nein sagen kann und will, kommt schon deutlich rüber. Vor kurzem hatten wir so eine Situation. Er kam uns besuchen und sagte: Ich geh nachher zur Friedrichstraße. Meine Antwort: okay - mach das. Kurze Zeit später das gleiche Spiel. Er hat tatsächlich erwartet, dass ich aus diesem Satz erkenne, dass er möchte, dass ich mitkomme. Da bin ich aber nun wirklich der Meinung - wir kennen uns sooo lange, dass er wissen sollte, dass er nur nett Fragen braucht, ob wir dort nicht gemeinsam hingehen wollen. Gut wärs gewesen.

Später erklärte er mir dann, dass sie halt bestimmt und deutlich sagen sollen, was sie wollen. Das ist für mich wieder echt schwierig nachzuvollziehen, weil hellsehen kann ich nicht; kann aber verstehen, dass er nicht von jetzt auf gleich einfach wieder umschalten kann.

Hoffentlich finden wir eine gemeinsame Basis, wo beide mit der neuen Situation zurechtkommen.

Der heutige Tag war übrigens ganz nett - nicht so verkrampft wie die letzten Male.

Ich wünsche allen hier einen wunderschönen Sonntag :D

Grüßle
Diandra

henri
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Beitrag von henri » 30.07.2006, 21:27

Hallo Diandra

Zitat: „Der heutige Tag war übrigens ganz nett - nicht so verkrampft wie die letzten Male.“

Das ist doch ein Riesenerfolg, ihr merkt, es geht vorwärts. Jetzt nichts überstürzen, die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen und noch etwas, ihr habt Zeit, viel Zeit, nehmt sie euch auch.

Lieben Gruß
Henri

Diandra
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Beitrag von Diandra » 30.07.2006, 22:46

Hallöchen,

Henris Aussage: "Nach sechs Wochen Thera hat er sich bereits verändert und es werden noch sehr viele Kleinigkeiten kommen, die du von ihm anders gewöhnt bist." ist mir gestern noch lange durch den Kopf gegangen und ich habe drüber nachgedacht.

Veränderungen sind gut - wenn man so viele gemeinsame Jahre miteinander verbracht hat. Der Alltag schleicht sich ja doch im Laufe der Zeit ein und der Alltagstrott hält einen gefangen. Somit freue ich mich eher auf die kleinen Veränderungen.
Außerdem habe ich viele Jahre viele Dinge eher allein entschieden. Es wäre wirklich schön, seine Sichtweise (die er dann endlich hat) zu hören, zu diskutieren, auch mal nicht meinen Kopf durchzusetzen, weil die andere Sichtweise viel plausibler erscheint.

Spannend ist und wird es allemal. Aber ich denke, um interessant zu bleiben, muss ich auch an mir arbeiten; ansonsten wird er eher immer das Gefühl haben, dieses früher Leben mag ich nicht mehr haben und sie erinnern mich einfach zu sehr daran bzw. haben sich so gar nicht verändert.

Und Zeit haben wir - ja - und Zeit werden wir uns lassen ! Eins nach dem anderen diesmal und das in kleinen Schritten. Auch wenn es schwer fällt, aber was sind 20 Jahre Trinkerei gegen 1 oder 2 Jahre die er braucht, um ein für sich zufriedenes trockenes Leben leben zu können.

Grüßle
Diandra

Diandra
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heute war es mal wieder völlig mies und daneben

Beitrag von Diandra » 01.08.2006, 23:03

So Tage wie heute brauche ich nicht wirklich :cry:

Unser kleines Kätzchen hat den Fernseher mal eben unter Wasser gesetzt - soviel zu "graziösen und eleganten Bewegungen" einer Katze :? Also wollten wir heute einen neuen Fernseher besorgen. Der Vorschlag kam von meinem Partner, dass wir das heute erledigen könnten, damit ich auch wieder fernsehen kann.

Also habe ich mich nach der Arbeit auf den Weg gemacht und den Gnädigsten abgeholt. Schon bei der Fahrt habe ich gemerkt, dass er irgendwie sehr still war und so gar nicht gut drauf war. Also war ich dann auch mal lieber still. Wir sind durch einige Geschäfte und haben dann ein Gerät gefunden - preislich ungefähr nach meinen Vorstellungen. Er brummelte vor sich hin - das Gerät gefiel ihm nicht - also wollte ich schon wieder raus. Nee das war ihm auch nicht recht - Gerät gekauft - ab nach Hause - eingestellt - bitte schön - dann laß uns mal fahren :shock: so ala - da haste nen Fernseher und gut ist.

Habe ihn dann ganz flott in seine Heimat gebracht - und siehe da - kaum waren wir auf dem Hof und seine Leutchen kamen an das Auto, da war er wie ausgewechselt. Charmant, redselig, lachend. Da er dort jemanden was versprochen hatte mitzubringen, es aber vergessen hat, weil sein Kopf ja heute so leer ist, muss er dieses Teil nu unbedint am Freitag abholen - jau - ich bin ja immer da :?

So ein Verhalten frustriert mich nu wieder total. Kann man nicht gleich sagen, laß uns das verschieben mir geht es heute nicht so besonders ? Immerhin hatte ich vorher kurz angerufen um zu fragen, ob es heute wirklich okay ist *kopfschüttel*.

Na gut, werde ich wohl demnächst mal deutlich sagen, dass er gerne vorbeikommen kann, aber bitte nur dann, wenn er es auch wirklich will.

Man ist das eine Gratwanderung :cry: Diese Spannungsfelder sind unglaublich - heute so, morgen so.

henri
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Beitrag von henri » 02.08.2006, 19:30

Hallo Diandra

Puuh, hatte bei deinem ersten Satz schon das schlimmste erwartet, kannst einen aber auch erschrecken, wenigstens das ist nicht eingetroffen. Langzeittherapie heißt auch, sich viel mit sich selbst zu beschäftigen und mit Gleichgesinnten umzugehen. Da kann das Leben draußen ungewohnt wirken, aber auch das wird er lernen müssen und er wird auch erfahren, dass er sich manchmal anpassen muss und nicht nur andere Leute auf ihn Rücksicht nehmen. Du hast Recht, es ist eine Gratwanderung für euch, aber auch du musst dich ihm nicht immer anpassen und auch du darfst mal schlechte Laune haben. Erfreulich ist, dass er durchgehalten hat, also sooo schlecht war der Tag doch auch wieder nicht.

Lieben Gruß
Henri

Diandra
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Beitrag von Diandra » 02.08.2006, 22:28

:oops: soooory Henri - ich wollte Dir keinen Schreck einjagen.

Dank dieses Forums geht es mir heute auch wieder viel besser :) Es ist halt schwierig nie zu wissen, was einen beim nächsten Mal erwartet.

Stimmt :lol: auch ich darf mal schlechte Laune haben - ist allerdings echt schwierig, irgendwie geht mir die immer abhanden *gg*.

Ich denke meine Erwartungshaltung sollte ich immer eher bei null halten, war wohl mal wieder zu euphorisch und meine Voraussetzungen für dieses Treffen sahen wohl anders aus als seine.

Ich denke, ich werde mich einfach ein bisken zurücknehmen und alles weitere wird sich wieder von selbst finden. Sicherlich ist es so, dass er irgendwann merkt, dass man sich selber hin und wieder auch anpassen muss, weil sonst wird es wohl kaum noch zu Gemeinsamkeiten kommen.

Wie heißt es so schööön: In der Ruhe liegt die Kraft - oder abwarten und Tee trinken :)

Es tut wirklich gut, hier seine Gedanken reinzuschreiben - am nächsten Tag sieht manches schon wieder ganz anders aus.

Grüßle
Diandra

henri
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Beitrag von henri » 03.08.2006, 18:18

Hallo Diandra

Solange es ein gutes Ende nimmt, darfst du mich ruhig erschrecken.

Klein wenig euphorisch darfst du schon sein, er ist doch auf dem besten Weg, aber es dauert seine Zeit und es geht halt nicht so schnell wie du es erwartest oder wie du schreibst: „In der Ruhe liegt die Kraft“ oder wie es im

rheinischen Jrundjesetz heißt:
§ 1 Et es wie et es
§ 2 Et kütt wie et kütt
§ 3 Et hätt noch immer jot jejange
§ 4 Wat fott es, es fott
§ 5 Nix bliev wie et wor
§ 6 Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet

Scheint zwar aus dem Karneval zu sein, aber auch da steckt immer etwas Wahrheit drin.

Lieben Gruß
Henri

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