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Ich wuensche mir, wieder frei zu sein.

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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TimeIsAHealer
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Ich wuensche mir, wieder frei zu sein.

Beitrag von TimeIsAHealer » 22.07.2012, 11:23

Hallo an euch alle,

ich habe gerade im letzten halben Jahr immer staerker erkannt, dass ich co-abhaengig bin, die letzten zwei Monate habe ich dann aktiv begonnen, damit umzugehen und Schritte aus der Abhaengigkeit heraus zu finden.

Meiner erster Schritt, ein sehr befreiender, war, zu erkennen, dass ich gegenueber der Krankheit und des Alkohols machtlos bin.

Auch die Erkenntnis, dass die Krankheit meines Partners nur Ausloeser meiner eigenen ist und er keine Schuld traegt, auch die habe ich erlangt.

Auch habe ich bereits den Weg zur professionellen Hilfe gemacht, was mir sicherlich nicht leicht fiel und was auch zur Erkenntnis fuehrte, dass ich bei mir selbst anfangen muss und nicht bei dem anderen.

Weiterhin habe ich mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen, weil ich in meinem normalen Umfeld natuerlich oft auf Unverstaendnis stosse, was meine Verhaltensweisen angeht und oft solche Fragen wie "Ja, willst du DAS denn wirklich fuer dein Leben?" " Wieso trennst du dich denn nicht EINFACH?" usw kamen.

Ich habe die Phase, in der ich sehr verblendet war und mir meiner eigenen Abhaengigkeit NICHT bewusst war, meiner Meinung nach und Gott sei Dank hinter mir, aber muss feststellen, dass erst jetzt der richtig steinige Weg beginnt.

Denn selbst mit der Erkenntnis, einer professionellen Beratung (leider momentan nur alle 2 Wochen) und einer Selbsthilfegruppe (zu der ich momentan einmal die Woche gehe), fuehle ich mich unglaublich verzweifelt und hilflos, ratlos und bin unglaublich muede.

Denn den Schritt, den Kontakt mit dem "Suchtmittel" zu unterbrechen, habe ich (noch) nicht gemacht und ich weiss nicht, wie es mir gelingen soll, mich MIT ihm je frei zu fuehlen, da er ja genau wie ich in seiner eigenen Krankheit gefangen ist ( diese aber nicht wie ich so erkannt hat und Hilfe in Anspruch nehmen will)

Gerade in den letzten Tagen scheint die Situation immer unertraeglicher zu werden. Ich habe das Gefuehl, den Schritt in die Freiheit nie zu schaffen und mich niemals loesen zu koennen, obwohl ich doch weiss, dass es fuer uns BEIDE das Beste waere.

Aggressionen, Aengste, Gefuehlsausbrueche, koerperliche Symptome kommen dann zusammen und lassen mich voellig gelaehmt scheinen gegenueber der Situation.

Wann kommt der Punkt, an dem ich die Entscheidung treffe, wo ich sie doch laengst haette treffen und auch wahr machen muessen??

In vielen Situationen haette ich gerne jemanden an meiner Seite, der mir sagt "Und so machst du das jetzt, das ist nicht schlimm", damit ich ohne Zweifeln und Sorge einfach meinen Gefuehlen, die mir schon lange sagen, dass ich nicht mehr kann, folgen kann.

Ich bin abhaengig. Und ich weiss nicht, wie ich mich alleine aus meiner sucht befreien soll?

Mit vielen Gruessen

Miriel

TimeIsAHealer
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Beitrag von TimeIsAHealer » 22.07.2012, 13:38

Heute,

nach einem Tag und einer Nacht maechtigen Lesens von vielen Beitraegen fuehle ich mich schon nicht mehr so allein wie gestern Morgen.

Eine Frage, die mich schon sehr lange und oft beschaeftigt und bei der ich immer wieder keine Antwort finde, ist

Sind meine Gefuehle wirklich nur noch co-abhaengiger Natur oder darf ich noch davon ausgehen, auch Liebe fuer den Mann empfinden zu koennen?

Eine Frage, die mich im Grunde immer traurig stimmt, da ich natuerlich nicht wahrhaben moechte, dass ich ihn vielleicht garnicht liebe, ihm irgendwann eben nur noch helfen wollte und die Angst, er koennte ohne mich nicht klar kommen vielleicht sehr viel groesser ist, als jedes andere Gefuehl.

Grazia
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Beitrag von Grazia » 22.07.2012, 14:07

Hallo Miriel

Ich war 24 Jahre verheiratet und heute muss ich ehrlich mir selbst gestehen, dass es keine Liebe war.
Es war ein mächtiges Gefühl, das, was ich für Liebe hielt, es hat mich ganz erfüllt mit Zwang und Angst, und doch war ich vollkommen leer.
Es war alles nur nicht Liebe.

Ob Du ihn liebst, kannst Du, glaube ich erst wissen, wenn Du aus Deiner Abhängigkeit raus bist.
Lieben ist nicht Brauchen

TimeIsAHealer
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Beitrag von TimeIsAHealer » 22.07.2012, 14:12

Hallo Grazia,

vielen Dank fuer deine Antwort.

Lieben ist nicht Brauchen. Das ist wohl wahr.

Ich habe das Gefuehl mit einer psychotherapeutischen Beratung alle 2 Wochen und einer Selbsthilfegruppe nicht aus meiner Gelaehmtheit und Sucht herauszukommen.

Vielmehr sehne ich mich danach einfach fuer ein paar Monate von der Bildflaeche zu verschwinden, somit das Kontaktaus zwingend zu haben und es so vielleicht zu schaffen.

Doch vielleicht ist auch das wieder nur ein altbekannter Fluchtgedanke, wie schon oft, um sich nicht im Hier und Jetzt damit auseinanderzusetzen.

Ich glaube sogar fast, dass ich Angst davor habe, dass wenn ich irgendwann aus der Abhaengigkeit draussen bin (was ich aufjedenfall will!), dann aber realisieren muss wie du auch, dass es keine Liebe war.

Vor diesem Gefuehl fuerchte ich mich.

Geraldjin
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Beitrag von Geraldjin » 22.07.2012, 14:35

erstmal abstand bekommen ist gar keine so schlechte Idee.
ich hab so angefangen,
ich bin gegangen, als er mal wieder von morgens bis abends blau war.

die ganze geschichte bekommt dann eine ganz eigene Dynamik und du wirst sehen und spüren wie viel er dir bedeutet, und wie viel du ihm.

Du hast die möglichkeit dich mal wieder selber zu fühlen, weit ab von dem was dir nicht gefällt.

Wenn du die Möglichkeit hast nimm dir doch erstmal ein Zimmer (Wohnen auf Zeit oder so).

TimeIsAHealer
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Beitrag von TimeIsAHealer » 22.07.2012, 14:45

Ich wohne nicht mit ihm zusammen.

Wir sind also raeumlich garnicht aneinander gebunden.

Oft fuehle ich mich so, dass gerade deshalb viele denken, es waere einfacher.

Aber es fuehlt sich alles andere als einfach an.

Ich glaube die Abhaengigkeit ist die gleiche.

Auch mich hat es geschockt zu erkennen, wie sehr ich in meinem Leben eingeschraenkt bin, auch ganz ohne, dass ich mit dem Mann in einer Wohnung lebe.

Auch dann bestimmte sein Verhalten meines und umgekehrt. Vielleicht unglaublich, aber wahr.

Ich wuerde so gerne raus. Raus aus dem Umfeld, raus aus der "Erreichbarkeit" und raus aus dem "Ihn erreichen koennen/wollen"

Genau da ich ja NICHT mit ihm zusammen wohne, habe ich also im Grunde was die Raeumlichkeit angeht erstmal keinen Schritt, den ich heraustreten kann, da ich ja raeumlich schon getrennt bin.

Mental sieht es da aber dennoch sehr viel anders aus.
Und ich habe das Gefuehl aus dem Kreislauf einfach nicht zu entkommen.

Geraldjin
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Beitrag von Geraldjin » 22.07.2012, 14:58

ohhhhh,

das ist natürlich richtig schwer
jetzt versteh ich warum dein Umfeld dich nicht ernst nimmt.

ich frag mich die ganze zeit, was kann ich dir raten?

mir fällt nur eines ein:
mach alleine Urlaub so lange es geht
aber das ist keine lösung.

Wie wäre es wenn du anfängst in einem Fitnesscenter kurse zu belegen um mehr zeit für dich zu finden und eine ausrede zu haben, warum ihr euch erstmal nicht treffen könnt oder Volkshochschulkurse. Einfach um dir Zeit für dich zu verschaffen.

Zimttee
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Beitrag von Zimttee » 22.07.2012, 15:06

Wie lange seid ihr denn schon zusammen?

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