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Hallo ich bins

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Julchen148
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Hallo ich bins

Beitrag von Julchen148 » 08.08.2012, 21:53

Hallo ich bins, julchen.

Ich war bis vor Kurzem im geschlossenen Bereich, habe dort jedoch nicht mehr verlängert, da meine Zeit hier im Forum immer weniger wurde. Allerdings vermisse ich mittlerweile das Schreiben hier, möchte oft meine Gedanken irgendwo lassen. Tja, dann bin ich jetzt wieder hier. :D

Mir geht es soweit gut, das Leben läuft mal besser, mal schlechter und ich bin zufrieden dabei.

Letztes Wochenende waren wir zelten, da ist was Schlimmes passiert. Jemand aus meiner Familie war schwimmen, kam aus dem Wasser und fiel einfach um. Herzmassage, Beatmung, Notarzt, es war ganz schrecklich.
Mittlerweile geht es ihm soweit wieder gut, er ist aus dem Koma aufgewacht und ist ansprechbar, Gott sei Dank.
Jetzt im nachhinein hab ich mir überlegt, wie ich mit der Situation umgegangen bin. Es fällt mir sehr schwer, nichts zu tun. Ich bin rumgewuselt und hab mich um alle gekümmert, getröstet und gemacht. Ich weiß nicht, ob das "noch normales" Verhalten war oder ich da so bisschen ins alte Co-Verhalten zurückgefallen bin. Katastrophen gab es ja früher genug, da bin ich oft zu meiner Bestform aufgelaufen, da war ich gut. :roll:

Die Beziehung zu meinem Ex läuft gut, ich hab nämlich null Kontakt mit ihm. :) Das, was ich manchmal von meiner Tochter höre, beweist mir immer wieder, wie richtig die Trennung war.

Schöne Grüße

julchen

inbetween
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Beitrag von inbetween » 08.08.2012, 22:02

Liebes Julchen, herzlich willkommen!

Also - trösten und helfen finde ich in solch einer Situation erst mal relativ "normal". Was hat dir denn das Gefühl gegeben, dass es unangemessen gewesen sein könnte?
Die Reaktionen derer, die du getröstet hast?
Oder hast du - wie soll ich es formulieren - das eigentliche Ereignis (die "Katastrophe") bzw. die Gefühle, die dadurch in dir ausgelöst wurden, mit deinen Aktionen versucht zu unterbinden/wegzuschieben?

Lieber Gruß, Lea

Julchen148
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Beitrag von Julchen148 » 08.08.2012, 22:19

Hallo Lea

Irgendwie habe ich immer noch Schwierigkeiten mit meiner Wertigkeit.
Ich tröste und helfe, wenn ich kann und das mache ich gern. Aber ich hätte auch gerne Trost gehabt, dass mich jemand in den Arm nimmt oder so. Es kommt aber niemand auf die Idee, weil ich ja die Starke bin (oder spiele?) Ich glaube nie daran, dass ich es jemanden wert bin, mich zu trösten. Also geb ich stark und abweisend, dann kann ich nicht enttäuscht werden.
Ich hoffe, du verstehst, wie ich das meine. So hab ich das mein ganzes Eheleben durch gemacht und solche Muster sind sehr schwer abzulegen.
Ich danke dir für deine Nachfrage, beim Überlegen und Schreiben wurde mir grad erst richtig bewusst, wie enttäauscht und allein ich mich gefühlt hab in der Situation.

Schöne Grüße

julchen

inbetween
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Beitrag von inbetween » 08.08.2012, 22:29

Hey Julchen,
das Problem kenne ich auch - andere in den Arm nehmen, weil man selbst in den Arm genommen werden möchte, sich aber nicht traut, zu fragen oder denkt, der andere müsste doch was merken.
Bin selbst meistens so ein "tough cookie" und fühle mich damit auch in den meisten Situationen ganz wohl.
Wenn ich selbst das "heulende Elend" kriege, kann ich mittlerweile (meistens) andere bitten, mich zu trösten oder aufzubauen. Aber immer kriege ich's auch nicht hin - dann greife ich zu anderen "Aufrichtungsmitteln", z.B. Musik oder Dinge, bei denen ich wieder Kontakt zu meinen Gefühlen bekomme. Manchmal trauere ich dann auch um Dinge, die mir gerade fehlen oder mal gefehlt haben. Es klingt zwar komisch, aber das hilft.

Lieber Gruß und eine dicke Umarmung unbekannter Weise,
Lea

TimeIsAHealer
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Beitrag von TimeIsAHealer » 09.08.2012, 09:05

Hallo liebes Julchen,

das ist wohl wirklich eine allseits bekannte Co-Sache...

Dass wir versuchen uns zu fuehlen, in dem wir andere fuehlen, oder so aehnlich.

Ich bin auch seit Kindheit an in der Rolle der Starken und beginne jetzt daran zu arbeiten, es nicht mehr zu sein.

Faellt es dir nicht auch vielleicht sogar schwer Trost anzunehmen?

So geht es mir naemlich oft.

Im Grunde geben wir immer das, was wir gerne zurueckhaetten und geben uns so stark, sodass unsere eigene Beduerftigkeit irgendwie unter den Tisch faellt.

Warum das so ist, und wie man es aendern kann, dem bin ich grade auf der Spur :)

Aber mal ganz ehrlich Julchen, du bist DEINEN Weg gegangen, du bist jetzt frei, du hast einen Weg fuer dich und deine Tochter gefunden und bist darauf geblieben!
Das ist verdammt stark und wertvoll, was du da alles geschafft hast!

Meinen Respekt!

Mit vielen Gruessen

Miriel

n i c i
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Beitrag von n i c i » 09.08.2012, 09:18

Hallo Julchen,

ich glaube so verbissen braucht man das nicht zu sehen.
Es gibt so viele hilfsbereite Menschen : Ärzte, Sanitäter,....
die sind doch nicht auch alle Co !
Nur sich selbst aufgeben bei der Hilfe für Andere,das ist Co, in meinen Augen.
Sich Trost holen, sich Hilflosigkeit eingestehen,
ja, das ist der Co-Anteil.

Mich mitteilen, die Sorgen ansprechen, das ist meine Art mir meine "Streicheleinheiten" zu holen.
Für mich ein wichtiger Schritt. Hier im Forum und im RL.
Mal mit großen Schritten, mal ganz kleine.

Und dabei spür ich mich immer mehr.
Gerade wenn ich das Gefühl habe, es wird zuviel von mir erwartet...
erstmal reinhorchen.
Ein ganz großes Übungsfeld, Tag um Tag.

LG nici

Aurora
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Beitrag von Aurora » 09.08.2012, 09:27

Hallo Julchen,

ich freu mich riesig, wieder was von dir zu lesen! Auch wenn da sehr unschöne Sachen passiert sind mit dem Familienmitglied.

Ich kenne das auch so, schon immer war ich "die Große", bei meinen Eltern, ich bin ja auch die Älteste unter meinen Geschwistern. Und diese Rolle habe ich auch immer gerne angenommen, fühlte mich wertvoll dabei :roll: . Wie das so ist... :? .

Heute habe ich gelernt, meine Schwäche auch zu zeigen. Und dadurch bekomme ich meine Streicheleinheiten. Ich rede z.B. sehr viel über meine Trauer um meine Tochter und ihren Kleinen. :cry: . Die Menschen fallen mir nun nicht reihenweise um den Hals - zum Glück nicht :wink: . Die Streicheleinheiten sind da auch anderer Art. Aber indem ich rede, forder ich mir Feedback ein. Und das bekomme ich. Und wenn ich's signalisiere, ist auch ein "In den Arm Nehmen" dabei...

Also, nächstes Mal einfach sagen, "ich will auch auf'n Arm..." :wink: .

Ach liebe Julchen, und von mir kriegst du eine extra Umarmung durch's www.
Aurora

Julchen148
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Beitrag von Julchen148 » 10.08.2012, 13:30

Hallo ich bins

Liebe Lea, Miriel, nici und Aurora, danke schön, auch für die netten Umarmungen. :D
Faellt es dir nicht auch vielleicht sogar schwer Trost anzunehmen?
Nicht mehr so sehr, mittlerweile geht das eigentlich ganz gut. Damals, kurz vor meiner Trennung (vor dreieinhalb Jahren) starb mein Bruder und vor der Beerdigung hatte ich wahnsinnig Panik, dass mich jemand zum Trost in den Armen nehmen könnte. Ist dann zwar auch passiert und ich fand es tröstlich, aber im Vorfeld war das schwer für mich.

Aber mal ganz ehrlich Julchen, du bist DEINEN Weg gegangen, du bist jetzt frei, du hast einen Weg fuer dich und deine Tochter gefunden und bist darauf geblieben!
Das ist verdammt stark und wertvoll, was du da alles geschafft hast!

Meinen Respekt!
:oops: Danke schön. So ein dickes Lob macht mich immer noch bisschen verlegen, aber ich kann es gut annehmen. Weil ich auch jeden Tag sehe, wie viel besser es uns ( es sind zwei Töchter und ein Sohn) heute geht.
Gerade wenn ich das Gefühl habe, es wird zuviel von mir erwartet...
Ich glaube, ich hab in der Situation zu viel von mir erwartet, ich bin da so bisschen ins alte Muster abgerutscht, deswegen hat mich auch so beschaftigt.
Mittlerweile seh ich das aber auch positiv, weil ich hab es ja gemerkt, dass mir dabei was fehlt. Früher hielt ich dieses Gefühl ja für normal.

Aurora, ich freu mich auch, von dir zu lesen, hab euch echt vermisst. :roll:

Heute ist mein letzter Urlaubstag, schade. :cry: Aber ich hab viel in der Woche geschafft, nicht nur Arbeit, sondern auch viel Faulenzen. :D Morgen geh ich dann noch mal zum Flohmarkt, da freu ich mich drauf. Ich hab nämlich so ein schönes Schwedenregal geschenkt bekommen, das hab ich gestern aufgestellt. Und das sieht noch so leer aus, da würden noch gaaaaaanz viele Bücher reinpassen. :oops: :D

Schöne Grüße

julchen

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