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Weg aus dem Jammertal

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Aiko
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Beitrag von Aiko » 28.03.2013, 11:03

Liebe(r) Sarawen,

nein, bei einer Beratungsstelle war ich bisher nicht. Aber ich habe mir vorgestern eine Selbsthilfegruppe hier in der Nähe rausgesucht zu der ich gehen möchte – ich muss es noch organisiert kriegen wegen Kinderbetreuung.

Und wir haben uns für eine Paarberatung angemeldet.

Ich mache mir viele Gedanken darum, wie es für meine Tochter ist. Was sie mitkriegt von den Schwierigkeiten.

Mit der Freizeit ist es etwas schwierig. Ich arbeite ja Vormittags und habe nachmittags meine Tochter. Durch meine Erkrankung brauche ich viele Ruhezeiten und viel Schlaf. Ich verbringe halt viel Zeit mit unserer Kleinen. Wenn ich es gesundheitlich kann, mache ich auch Sport (Yoga und Ausdauertraining in Maßen). Ich treffe mich regelmäßig mit Freund_innen. Und am Wochenende gehen wir als Familie oft zusammen spazieren oder auf den Spielplatz.

Ab und zu gehe ich abends mit Freundinnen auf Konzerte oder wir (Partner) gehen ins Kino oder essen wenn wir einen Babysitter haben. Früher haben wir uns häufiger mit Freunden getroffen gemeinsam, aber da da immer Alkohol getrunken wird habe ich da keine Lust mehr drauf. Und ich gehe auch am Wochenende früh ins Bett seitdem ich gesundheitlich so labil bin.

Wenn XY getrunken hat macht ich das meist sehr wütend. Es ist ja dann so, dass er nachts nicht nach Hause kommt, bzw. Morgens in der Früh erst. Da wir eigentlich den Deal haben, dass er sich um unserer Tochter Morgens kümmert, aufsteht, essen macht und sie zur Krippe bringt, bleibt in solchen Nächsten dann unvorhergesehen alles an mir hängen.

Und das macht mich wahnsinnig wütend. Leider streiten wir dann meist ganz schlimm wenn er nach Hause kommt. Was ja völlig sinnlos ist. Aber ich kann vor Wut dann nicht einfach ruhig bleiben. Ich kann leider auch nicht schlafen in solchen Nächten.

Wir haben schon sehr oft geredet. Das ist ein großes Plus unserer Beziehung, – wir können gut kommunizieren und er kann auch Fehler einräumen. Nur in diesem Punkt (Alkoholismus) drehen wir uns im Kreis und das nervt mich zunehmend. Es hat einfach keinen Sinn mehr darüber zu reden.

Liebe Grüße, Aiko

Seekrank
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Beitrag von Seekrank » 28.03.2013, 15:31

Hallo Aiko,

du bist chronisch krank und durch die ständige Aufregung wirst du den kürzeren ziehen,auf der Srecke bleiben.Du möchtest deine Tochter grossziehen und ins Leben begleiten,ruiniere dir nicht die Gesundheit.
Keiner will dich drängen auszuziehen, du alleine entscheidest wie du dein Leben führen möchtest.Es dauert bis man es nicht nur weiss,sondern auch umsetzen kann,das Wissen das du bei ihm nichts ändern wirst.Du kannst nur für dich und deiner Kleinen das Leben gesund gestalten.
Ich habe so viele Worte von M. gehört,"so schlimm ist das doch gar nicht","ich hole mir Hilfe","du siehst das zu eng"...Aber es war schlimm und die Hilfe die er sich holte dauerte immer genau so lange bis er mich wieder da hatte wo er wollte.Voller Selbstzweifel und Angst,Wahrnehmungsstörungen,kein Vertrauen in mich selbst.Das Rad drehte sich immer weiter und wir Cos zahlen mit unserer Gesundheit,vielleicht mehr als der trinkende Partner.
Tausche dich hier immer weiter aus,lese viel ,es wird dir sicher helfen.
lieben Gruss Seekrank

Aiko
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Beitrag von Aiko » 29.03.2013, 10:08

Liebe Seekrank,

vielen Dank. Ja, das werde ich tun (hier lesen / austauschen).
Ich fühle mich momentan so hilflos, verzweifelt.

Gestern waren wir auf einem Konzert und da hab ich total angefangen zu weinen, das war irgendwie gut. XY war ziemlich verstört, vor allem weil ich mich nicht von ihm trösten lassen wollte.

Ich sehne mich so sehr nach seiner Nähe, aber kann sie gleichzeitig nicht ertragen momentan. Ich habe so eine Wut in mir und fühle mich gleichzeitig furchtbar erschöpft und energielos.

Gerade hab ich das Gefühl noch ein Ekzess und die Grenze ist überschritten – und davor habe ich wahnsinnige Angst. Ich habe Angst, es nicht mehr ertragen zu können und dann Konsequenzen ziehen zu müssen.

Gestern Abend habe ich immer unsere liebe kleine Tochter vor meinem geistigen Auge gesehen – wie einen Geist der mich auf etwas aufmerksam machen will.

Die Erkenntnis das sich nichts tun kann kommt so langsam in den Emotionen an (vom Verstand her weiß ich das schon lange) und ich glaube seinen Beteuerungen nicht mehr (leise Hoffnung ist aber dennoch da). ich weiß: Ich mag gern alles kontrollieren, aber das kann ich nicht. Und hier wird das gerade sehr deutlich. Das macht mir Angst, das nimmt mir den Boden unter den Füßen.

Es heißt, man soll etwas für sich tun. Nicht immer um den anderen kreisen. Ich versuche das ja, aber ich komme doch immer wieder bei ihm an. Wie macht Ihr das?
Bei mir ist doch immer irgendwie die Hoffnung da, dass es bei IHM etwas auslöst wenn ich mich um mich kümmere. Ich mache es also nicht für mich, sondern eigentlich um ihn zu manipulieren. Wie kann man lernen damit aufzuhören?

Aurora
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Beitrag von Aurora » 29.03.2013, 15:05

Liebe Aiko,

hallo erstmal hier!

Ich finde mich schon in vielen Dingen wieder, die du beschreibst.
Gerade hab ich das Gefühl noch ein Ekzess und die Grenze ist überschritten – und davor habe ich wahnsinnige Angst. Ich habe Angst, es nicht mehr ertragen zu können und dann Konsequenzen ziehen zu müssen.
Diese Ängste kann ich gut nachvollziehen. Ich hatte sie ja auch. Und ich war dadurch ziemlich gelähmt und habe immer wieder versucht, was schön zu reden. Denn ich war noch nicht bereit, was zu verändern.

Auch deine leisen Hoffnungen kann ich verstehen. Ich hatte solche Hoffnungen ja auch. Heute, mit dem Abstand einiger Jahre, erkenne ich, dass ich diese Hoffnungen hatte, weil ich eben diese Ängste hatte. Ich hatte diese Hoffnungen, um wieder eine Ausrede zu haben, warum ich nicht handeln konnte.

Ja, und auch ich habe anfänglich Dinge dann für mich gemacht und gedacht, er sieht dadurch endlich mal was. Hat er nicht...

Tja, wie kannst du da was ändern? Ich überlege gerade, wie das bei mir war. :roll:

Es ging nicht von heute auf morgen. Langsam sah ich, dass er immer wieder meine Grenzen überschritt. Irgendwann war ich soweit, dass nur noch Trennung für mich in Frage kam. Mein Exmann ging ja dann zur Entgiftung und wir eierten noch Monate umeinander rum. Ich lernte dann, meine Grenzen zu sehen, und, was wirklich schwierig war, sie auch zu setzen und konsequent einzuhalten. Zu sehen, dass mir Dinge mehr Spaß ohne ihn machten. Dass ich dadurch frei war in meinen Entscheidungen, neue Leute kennen lernte und meine eigenen Interessen wirklich wahr nehmen konnte. Zum Beispiel in die Oper zu gehen. Ich genoss das immer mehr, ohne dabei an ihn denken zu müssen. Denn ich spürte, wie sehr es mir gut tat und gut ging hinterher. Aber da war ich schon getrennt.

Vor der Trennung machte ich auch Dinge für mich, aber da war immer die Angst, wie es wäre, wenn ich nach Hause kam. Es war ja nie klar, wie er dann drauf war. Und er hatte schon auch mit Selbstmord gedroht, ich hatte oft Angst, was mich erwarten würde, wenn ich aufschloss...

Es ist also auch eine Frage der Zeit und der Übung, wie du jetzt aufhören kannst mit der Hoffnung und der Manipulation. Ein Austausch hier kann dir gut dabei helfen, auch beim Sortieren.

Liebe Grüße
Aurora

Aiko
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Beitrag von Aiko » 29.03.2013, 20:07

Liebe Aurora, danke für Willkommen heißen und für Deinen Text.

Angst nach Hause zu kommen habe ich eigentlich nicht. Tagsüber trinkt er ja nicht und die Ekzesse sind bisher ja eher die Ausnahme als die Regel. Wenn er zu bestimmten Veranstaltungen geht ist es sehr wahrscheinlich dass er sturzbetrunken nach Hause kommt . Da fühl ich mich dann vorher auch schon nicht wohl.

Aber er hat ziemliche Stimmungsschwankungen oft (Alkoholunabhängig), da schleich ich manchmal schon angespannt hier rum weil ich nicht die schlechte Laune verstärken möchte.

Vielleicht bin ich einfach relativ früh dran hier. Ich habe schon bemerkt, dass es im Lauf der letzten drei Jahre eine Abwärtsbewegung gab, aber die verlief so unauffällig, dass ich es währenddessen kaum wahrgenommen habe.

Heute hat er gesagt, er trinkt ab jetzt nicht mehr, hat Angst davor und es wird schwer. Außerdem sucht er sich einen Therapieplatz.

Ich glaube nicht, dass er es wirklich durchhält. Aber ich habe schon das Gefühl, dass er mich gerade etwas ernster nimmt. Weil es auch ernster ist.

In den letzten Monaten habe ich auch neue Leute kennengelernt und mehr auf eigene Faust unternommen – war neulich sogar mal ein Wochenende mit einer Freundin im Urlaub. Er unterstützt mich da sogar.

Wenn ich hier so lese, denke ich oftmals "bei uns ist es anders" – vermutlich ein Irrglaube?

Ich lese weiter hier und bin sehr froh, dass es hier so viele Menschen gibt die mir Antworten und Zuhören. Ich werde das sicher mal zurück geben! Vielen Dank!

Alles Liebe, Aiko

Aiko
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Beitrag von Aiko » 29.03.2013, 20:11

Tatsächlich glaube ich nach wie vor die meiste Zeit dass wir das schaffen werden, schließlich sind wir von Anfang an auch ein gutes Team gewesen. :oops:

Aber ich WILL MICH NUN UM MICH KÜMMERN. Und dann sehen, was am Ende dabei raus kommt. Ich bin auf dem Weg ... :x

inbetween
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Beitrag von inbetween » 29.03.2013, 20:26

Liebe Aiko,

bei mir hat es viele, viele Anläufe bzw. Enttäuschungen gebraucht, bis ich für mich sagen konnte - ich gebe die Hoffnung auf. Und selbst jetzt tut es noch manchmal weh.
Wie es bei dir/Euch sein wird, kann sicher niemand vorhersagen.

Aber sorge bitte gut für dich und Eure kleine Tochter. Es klingt nicht schön, wenn du beschreibst, dass du dich aus Angst vor der schlechten Laune eines anderen Menschen am liebsten unsichtbar machen willst ...

Viel Kraft und Sichtbarkeit wünscht dir
Lea

Zimttee
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Beitrag von Zimttee » 31.03.2013, 14:46

Hallo Aiko,
Ob es euch tatsächlich anders ist, kann dir hier niemand sagen. Aber ich kann dir sagen, dass es auch bei uns mal Zeiten gab, in denen es mal anders war.
Es ist eine Abwärtsspirale, die sich immer tiefer schraubt. Auch bei euch, wenn er und du nichts ändert. Auch du bist Teil des Systems, wenn du dich mit der Tochter, nicht entfernst. Such mal nach dem Stichwort 'systemische Suchttheorie'.
Lass dich von Worten nicht hinhalten und verlange Handlungen: nicht er will eine Therapie machen, sondern er bemüht sich darum.
Was in deiner Tochter vorgehen wird, kannst du in meinem Faden hier nachlesen. Nach dem, was ich erlebt habe, fehlt mir noch immer die Fähigkeit nachzuvollziehen, wieso Eltern ihren Kindern solche Zustände zumuten. Mein Vater sagte mal, als Kleinkinder waren wir so klein, dass wir uns an nichts erinnern können. Das fatale an dieser Einstellung ist, dass man sich zwar an nichts bewusst erinnert, aber viel beobachtet und so für später am Modell lernt. Sie lernt momentan, indem sie euch beobachtet, wie man mit Menschen interagiert, umgeht, Beziehungen führt etc. Basisfähigkeiten, die zu massiven Problemen führen können, wenn man die 'falschen' Vorbilder hatte.
Ich wünsche euch dreien, dass ihren diese Situation baldige den Griff bekommt.

Österliche Grüße, Natalie

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