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Weg aus dem Jammertal

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Aurora
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Beitrag von Aurora » 12.01.2018, 12:01

Liebe Aiko,

ich freue mich auch sehr, wieder was von dir zu lesen :D .
Ja, Coabhängigkeit ist ein harter Brocken, da gebe ich dir recht.

Aber hiermit
Ich darf es mir erlauben neue Wege zu gehen. Es darf mir gut gehen. Das sind meine Mantren.
bist du auf einem echt guten Weg!

Liebe Grüße
Aurora

Aiko
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Beitrag von Aiko » 12.01.2018, 17:32

Liebe Cielo72, liebe Aurora,

ich freue mich sehr über Eure Grüße! :) Schön, dass ihr noch hier unterwegs seid. <3

Ja, ich bin auf einem guten Weg und dennoch merke ich wie sehr ich in diesen Strukturen fest hänge bzw. mich immer wieder reinziehen lasse. Es kostet so viel Kraft noch mich dagegen zu entscheiden.
Ich verstehe auch erst jetzt so langsam, wie tief diese Suchtstrukturen gehen – bei ihm und auch bei mir. Es ist eben wirklich überhaupt nicht damit getan, dass der Alkohol weg gelassen wird.

Neulich habe ich in einem Blog gelesen, dass Süchtige „dazu neigen, schnelle Kicks vor langfristige Gewinne zu stellen“ und zwar in allen Lebensbereichen. Und das trifft wie die Faust aufs Auge auf XY zu. Nichts wird langfistig gedacht, alles versandet schnell wieder. Leider auch in Bezug auf unser gemeinsames Kind.

Jetzt, wo er sich in einer psychischen Ausnahmesituation befindet zeigt sich das nochmal ganz deutlich. Er hatte mehrere Nervenzusammenbrüche, ist von Angst und Panik geplagt, weint extrem viel.

Er hat unser Kind total mit reingezogen. Dinge erzählt die nicht für ihre Ohren bestimmt sind und sie vor allem auch emotional völlig überfordert. Sie ist total ducheinander, nässt nachts ein, gerät ultraschnell in Zorn, ist sehr unausgeglichen und hat eine Trennungsangst entwickelt – sprich: Sie mag nicht mehr in die Schule gehen. Sie war drei Tage bei ihm und ich erlebe hier nun mit ihr gerade diese ganze Palette. Ich bin froh, dass sie sich auf diese Weise äußern kann, aber es tut mir natürlich weh zu sehen, wei schlecht es ihr geht. Und es ist wahnsinnig anstrengend für mich.

Er will sie weiterhin im normalen Rhythmus zu sich nehmen – ich kapiere gar nicht, warum er nicht verstehen kann, dass das gerade überhaupt nicht gut ist. Aber er kann halt auch einfach nicht allein sein.
An mir ist es, standhaft zu bleiben, für das Wohl unseres Kindes Entscheidungen zu treffen und für diese Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen. Und natürlich auch für mein eigenes Wohl zu sorgen. Ich lerne gerade beides über das seinige zu stellen. Uff!

Ganz liebe Grüße, Aiko

Waldhaus
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Beitrag von Waldhaus » 12.01.2018, 22:38

Liebe Aiko,
ich bin hier auf diese Seiten gestoßen, weil ich genau das bemerkte, wie fest ich doch in erlernten Strukturen hänge. Auch wenn ich dachte, mir wird es nicht mehr passieren, ich werde mich nicht mehr gefühlsmäßig abhängig von einem nassen Alkoholkranken machen, es gibt soviel andere psychische Auffälligkeiten, die im Ergebnis bei mir die gleichen Verhaltensmuster auslösen...
,... ich bin auf einem guten Weg und dennoch merke ich wie sehr ich in diesen Strukturen fest hänge bzw. mich immer wieder reinziehen lasse. Es kostet so viel Kraft...
Ich verstehe auch erst jetzt so langsam, wie tief diese Suchtstrukturen gehen

Eigentlich dürften wir keine Beziehung mehr eingehen, so wie Suchtmittelkranke kein Suchtmittel mehr nehmen dürfen, ist für uns ein bestimmter Schlag von Menschen nicht gut.

Was mir schwer fällt, ist zu unterscheiden, wer ist gut für mich und wer nicht.

Vielleicht gibt es für mich eine Entschuldigung. Die sucht man im Nachhinein immer für sich :roll:

10 Jahre habe ich mit meinem Mann in Trockenheit zusammengelebt. Wir waren immer noch auf dem Weg zu einem guten Leben, doch dann musste er plötzlich einfach gehen :cry: und ich hatte meine Lektion noch nicht zu Ende gelernt.
Ich darf es mir erlauben neue Wege zu gehen. Es darf mir gut gehen. Das sind meine Mantren.
Ich wünsche Dir, dass Du dieses Motto beibehältst. Es gefällt mir.

Du hast es verdient, dass es Dir gut geht. Wir alle haben es verdient, wenn wir erwachsen sind, müssen wir für uns selbst sorgen. Das kann Niemand anderes.

Viel Kraft auf Deinem Weg, Du bist eine starke Frau.

Aiko
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Beitrag von Aiko » 15.01.2018, 13:47

Liebe Waldhaus,

vielen Dank für Deine Worte. Ich habe auch bei Dir gelesen und denke, wir sidn auf einem ähnlichen Weg. Ja, es ist nicht nur der Alkoholismus vor dem wir uns in Acht nehmen müssen. Hilflose Helfer finden sich in vielen Konstellationen.

Ich bin selbst psychisch sehr angeschlagen mit einer starken und einschränkenden Angststörung seit der Kindheit … und habe den Eindruck, dass ich mich mit Menschen, die auch eine „Macke“ haben auf tieferer Ebene verstehe. Jedenfalls lerne ich eigentlich nur solche kennen. Das macht mich manchmal diesbezüglich recht hoffnungslos. Ich kann auch ganz gut ohne eine Beziehung leben und bin auch gern viel allein mit mir das kann ich mittlerweile gut und weiß es zu schätzen. Dennoch sehne ich mich schon auch nach Zweisamkeit. Nach einem Begleiter im Alltag. Und nach Familienleben für mein Kind.
Aber momentan ist es schwer vorstellbar, dass ich mich nochmal traue etwas tiefergehendes einzugehen. Ich vermute überall Fallstricke, Haken und habe große Angst davor wieder in Abhängigkeit zu geraten. :(

XY ist jetzt in der Psychatrie, das ist gut und entlastend für mich. Aber es fühlt sich doch auch ein Stück weit beängstigend an.

Liebe Grüße, Aiko

Aiko
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Beitrag von Aiko » 16.01.2018, 20:30

Wow!

Heute habe ich erfahren, dass XY sehr wohl noch „ab und zu ein Bierchen“ trinkt. Natürlich hab ich das nicht von ihm erfahren.

Wow. Erstaunlich eigentlich, dass mich das noch schockiert. Aber das ganze Drumherum. Er täuscht mir knapp zwei Jahre Abstinenz vor um mich wieder an seine Seite zu kriegen, einschließlich Kind, ist dann gekränkt und verletzt, dass ich nicht wieder komme, wo er doch nur wegen mir sooo hart durchgehalten hat. Wieviel Selbstbetrug ist das denn? Vom Betrug ganz abgesehen. Im Grunde ist er angeblich wegen mir in der Psychatrie gelandet. Da gehört er wohl auch hin. Ich ärgere mich über noch so kleinsten Minizweifel den ich hatte, über jedes Fünkchen schlechtes Gewissen.

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 16.01.2018, 21:31

Liebe Aiko, ich möchte Dir einen ganz lieben Gruß senden !
Schön, das Du mal wieder hier bist.

Unschön allerdings, das sich noch immer so viel um "ihn" dreht und es immer noch kein Ende damit hat.
Gerade wenn ich Dein letztes Post lesen, sehe ich, wie wenig sich im Grunde geändert hat.
Lügen, Trinken und die ganze Nummer... und Du immer noch involviert dabei :?
Wann steigst Du ganz aus und lebst Dein Leben?
Wie lange willst Du dich noch belügen lassen?

Eigentlich wollte ich Dir wirklich nur einen lieben Gruß senden, schon seit Tagen.
Aber zu Deinem letzten Post kann ich dann leider doch mal wieder den Mund nicht halten, kennst mich ja :wink:

Ich wünsche Dir die Kraft, irgendwann doch mal komplett loszulassen.
LG Sunshine

Aiko
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Beitrag von Aiko » 16.01.2018, 21:51

Liebe Sunshine,

schön, dass Du in mein Tagebuch gefunden hast. Ich wollte gerade noch einen Beitrag schreiben. Das war jetzt eben ein Kurz-Eindruck, ich hatte diese Gespräch vor ca. drei Stunden und musste das erst ein bisschen verdauen. Und mir ist schon selbst aufgefallen, dass das wieder eine altbekannte Reaktion war. Aber nur kurz. :D :roll: :oops: Es ist irgendwie gut für mich, es nochmal zu sehen, es bestätigt mich in meinem Handeln so sehr. Ein Mensch, der aus Verzweiflung in der Psychatrie landet ... und ich habe null Lust ihm zu helfen. Da kamen schon kurze Zweifel an mir und meiner Menschenliebe auf. Vor ein paar Monaten war ein Freund von mir in einer Psych. Reha und ich habe ihm ganz liebevoll ein Starter-Survival-Päckchen gepackt. Aber bei XY fehlt jeglicher Elan für etwas in diese Richtung, obwohl er der Papa meiner Tochter ist.

Ich bin sehr froh, dass XY jetzt erstmal weg ist und ich mir vorerst keinerlei Gedanken darüber machen muss wieviel Umgang mit unserem Kind ich verantworten kann und wie ich damit umgehe. Habe innerhalb der nächsten Woche diesbezüglich zwei Beratungstermine und suche auch etwas für das Kind, sie braucht auch professionelle Gesprächspartner – natürlich nicht nur, aber auch, weil mich das sicher etwas entlasten kann.

Liebe Grüße

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 16.01.2018, 21:59

Dann nutze die Zeit gut für Dich und Dein Kind, Aiko.
Gerade das mit dem Umgang ist ja keine einfach Sache.
Wieviel geht und ab wann schadet es und richtig, hole Dir auch da Hilfe.
Ein Mensch, der aus Verzweiflung in der Psychatrie landet ... und ich habe null Lust ihm zu helfen.
Natürlich hört sich das hart an.
Aber das ganze hat ja nu auch eine laaange Vorgeschichte.
Das darf man ja auch nicht vergessen !
Du hast genug gelitten, investiere Deinen (hoffentlich noch vorhandenen) Elan nun besser in Dich und Dein Kind.

Liebe Grüße und schön, das Du hier wieder schreibst.
Sunshine

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