Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Antworten
Sagara
neuer Teilnehmer
Beiträge: 282
Registriert: 22.03.2011, 11:12

Beitrag von Sagara » 21.07.2013, 16:40

Danke für das Thema!

Ich denke, dass man zum Co erzogen wird.
Wir sind als Kind von den "Eltern" ja mal prinzipiell abhängig, sollten jedoch im Lauf der Jahre lernen, mit unserem eigenen Leben zurechtzukommen / unser eigenes Leben zu leben.
Wenn ich mich so in meinem Leben umschaue, habe ich den Eindruck, dass das bei Vielen nicht so gut geklappt hat.
Als Co habe ich das Gefühl, das es bei mir "unterdurchschnittlich" geklappt hat und die Ursache sehe ich für mich va. in der Familie als auch, im Weiteren, im Gesellschaftsbild. (Es gehört sich nicht, dass ... usw.)

Schade finde ich, dass man mit seinen Eltern oft auch gar nicht darüber reden kann, weil sie nicht verstehen, worum es geht.
Sie waren ja selbst "Kind/er" in einer Familie und einer Gesellschaft; müssten also auch Ihre Vergangenheit aufarbeiten; was viele nicht können oder wollen.

Feuerpferd
neuer Teilnehmer
Beiträge: 7
Registriert: 29.06.2013, 09:29

Beitrag von Feuerpferd » 11.09.2013, 06:58

,,ich habe so viel Liebe zu verschenken, dass ich alles heilen kann."
Dieser Satz ist so typisch für mich, ich bin auch so vermessen zu glauben, dass ich mit meiner Liebe Menschen ändern kann.
Woher kommt es bei mir? Ich denke, es ist vieles anerzogen. Meine Mutter ist sehr früh verstorben, ich wuchs bei meiner Oma auf, während mein Vater Zuflucht in einer Sekte fand. Mit 11 Jahren musste ich zu meinem Vater und seiner neuen Frau ziehen und wurde indoktriniert. Liebe oder überhaupt Aufmerksamkeit gab es nur, wenn ich ,,gut" war, was mir meistens nicht gelang.
Mein Vater ist sehr gefühlskalt und abweisend, ich habe lange dafür gebraucht um zu merken, dass es nichts mit mir zu tun hat, dass er so ist. Ich spreche ungern über meine Kindheit, weil es mich total aufwühlt.
Dass ich mit meinem xy meine Vaterbeziehung immer und immer wieder nachlebe ist mir schon bewusst, aber es fällt mir schwer das Muster zu durchbrechen.
Der Satz ,,ich bin es wert um meiner selbst geliebt zu werden" ist für mich sehr schwer umzusetzen. Die ständigen Vorwürfe meines xy (wenn du das oder das tun würdest, oder nicht tun würdest, müsste ich nicht trinken) haben mich sooo verunsichert, dass ich mich nur noch schuldig fühle. Jeder Kontakt mit ihm läuft nach dem gleichen Muster ab, ich bin schuld, ich rede mir alles nur ein, ich bin psyschich krank......und von mir kommt: bitte hab mich lieb.
Irgendwie hab ich jetzt einfach ganz wirr meine Gedanken aufgeschrieben und das hat mir schon etwas beim sortieren geholfen. :idea:

Heid2001
neuer Teilnehmer
Beiträge: 133
Registriert: 05.09.2013, 18:44

Beitrag von Heid2001 » 11.09.2013, 07:10

Liebes Feuerpferd,

Du bist nicht schuld am Verhalten der Anderen - das muss Dir ganz bewusst werden. Ich habe jahrelang mit ähnlichen Gedanken gekämpft und habe mich selbst dabei schuldig und schlecht gefühlt. Was mir damals sehr geholfen hat, war eine Aussage, die ich Dir gerne zum Nachdenken hier lassen möchte:

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Ich habe festgestellt, dass ich mich selbst gar nicht mehr lieben konnte, eben weil mir von allen Seiten Schuldgefühle vermittelt wurden. Erst als ich anfing, mich selbst zu lieben, mich selbst so anzunehmen, wie ich bin, wurde dieser Kreis meiner Schuldgefühle durchbrochen. Es wurde mir klar, dass auch der Nächste sich selbst lieben muss, damit er diese Liebe weitergeben kann. Das ist leider meistens nicht so. Daher können auch oft die Anderen unsere Erwartungshaltung nicht erfüllen, genauso wie wir oft die Erwartungshaltung anderer Personen nicht erfüllen können.

Versuche mal diesen Gedanken für Dich zu reflektieren.

Liebe Grüße
Heid2001

Morgenrot
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 14137
Registriert: 29.02.2008, 11:36

Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Morgenrot » 24.04.2019, 10:30

Hallo ihr Lieben,

ich habe mal diesen Thread gesucht, da Ideja noch einen, für mich auch sehr interessanten Aspekt in den Wochenthemen eingebracht hatte.
Wenn ich darüber nachdenke, muss ich mich fragen, wie kann ein Mensch überhaupt religiös UND NICHT co-abhängig sein.
Ich sehe mich durchaus auch als einen religiösen Menschen, ich bin auch COabhängig. Hat mich diese Religiösität dazu gemacht?
Meine erste spontane Reaktion wäre vor einigen Jahren ein eindeutiges "Ja" gewesen. Endlich die Ursache gefunden. Kann ja gar nicht anders sein.
Wenn ich heute und jetzt darüber nachdenke kann ich mich nur von diesem "Ja" distanzieren, denn schon in der Bibel steht ein Satz, der an meine Selbstfürsorge apelliert, ja sie sogar regelrecht einfordert.
Der Satz: Liebe deinen nächsten den kennt sicher jeder, aber das ist nur der erste Teil, der Satz geht ja weiter.
Den letzten Teil habe auch ich immer "überlesen" und "überhört" wie dich selbst.
Ich fand es immer sehr schwer mich zu lieben, bis heute frage ich mich, was ist denn liebenswert an mir, was macht mich aus?
Damit sind wir wieder bei der Erziehung angekommen, oder ist es ein Zusammenspiel von beidem ?
Hat jemand von euch noch andere Erfahrungen gemacht?

lg Morgenrot

ideja
neuer Teilnehmer
Beiträge: 211
Registriert: 26.10.2018, 00:32
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von ideja » 24.04.2019, 13:14

Hallo,

das Problem ist in Auslegung von den was wir hören, oder lesen...

Wo ist denn dieses meines Selbst in der Ehe wo wir nur zwei Teile eines Ganzen sein sollten?

lG ideja

lütte69
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1979
Registriert: 28.05.2012, 09:44

Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von lütte69 » 25.04.2019, 08:46

Hallo Morgenroth,
Der Satz: Liebe deinen nächsten den kennt sicher jeder, aber das ist nur der erste Teil, der Satz geht ja weiter.
Den letzten Teil habe auch ich immer "überlesen" und "überhört" wie dich selbst.
Mir ging es ähnlich, obwohl ich ja nicht in einem religiösen Umfeld groß geworden bin. Aber in unserem System ging es ja auch nicht um den einzelnen sondern um das Wohl der Masse. Gefühlt habe ich meine Entscheidungen immer danach gerichtet, wie sie auf's Umfeld wirken könnten und nicht danach ob ich mich damit wohl fühle :roll: . Das wirkt natürlich bis heute und bedarf ner Menge Arbeit, dass zu ändern.

sonnige Grüße
Lütte

Veilchen
neuer Teilnehmer
Beiträge: 9
Registriert: 22.04.2019, 00:15
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Veilchen » 26.04.2019, 03:13

Hallo,

das Thema erinnert mich an meine Kindheit, mein Vater war fast immer betrunken, meine Mutter oft krank.
Ich war die älteste von 6 Kindern.
Als meine jüngste Schwester geboren wurde war ich 8 1/2 Jahre alt.
Wenige Wochen nach ihrer Geburt musste meine Mutter ins Krankenhaus, es waren Ferien und ich war mit den jüngeren Geschwistern quasi alleine.
Mein Vater hatte wohl Urlaub war aber kaum für uns da.
Das Jugendamt schickte uns später eine Frau, die sich tagsüber um uns kümmerte.
Eines Tages musste ich mit ansehen wie diese Frau vom Vater fast vergewaltigt wurde - ich hatte ihn durch mein plötzliches Auftauchen gestört.

Die Frau packte ihre Sachen, eine Schwester und ich kamen in ein Heim, die Ferien waren inzwischen vorbei, die kleineren Kinder wurden bei Verwandten untergebracht, bis meine Mutter wieder gesund war. In dem Heim verbrachte ich 3 Monate.

Es dauerte dann noch 5 Jahre bis meine Mutter die Scheidung einreichte. Was bis dahin alles passierte würde ein Buch füllen.

Da ich die älteste war, habe ich viel helfen müssen. Die Kinder beaufsichtigen, Einäufe erledigen .....
Meine Mutter war einfach zu krank um das alles alleine zu schaffen, zudem ging sie auch jeden Morgen noch Zeitungen austragen.

Jede Nacht kam mein Vater betrunken von seinen Sauftouren zurück und fiel laut schreiend über unsere Mutter her.
Meine Geschwister weinten und kamen zu mir ins Bett.
Wir hatten alle schreckliche Angst.

Ich fühlte mich immer für meine Mutter und Geschwister verantwortlich, auch noch nach der Scheidung.

Erst jetzt verstehe ich so richtig mein Verhalten meinem Mann gegenüber.

Gute Nacht und liebe Grüße, Veilchen

Nadless
neuer Teilnehmer
Beiträge: 37
Registriert: 07.04.2019, 00:46
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Nadless » 26.04.2019, 21:11

Liebe Veilchen. Das ist ja schrecklich. :(

Lass dich mal ganz fest drücken

Antworten