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Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Heid2001
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Beitrag von Heid2001 » 11.09.2013, 07:10

Liebes Feuerpferd,

Du bist nicht schuld am Verhalten der Anderen - das muss Dir ganz bewusst werden. Ich habe jahrelang mit ähnlichen Gedanken gekämpft und habe mich selbst dabei schuldig und schlecht gefühlt. Was mir damals sehr geholfen hat, war eine Aussage, die ich Dir gerne zum Nachdenken hier lassen möchte:

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Ich habe festgestellt, dass ich mich selbst gar nicht mehr lieben konnte, eben weil mir von allen Seiten Schuldgefühle vermittelt wurden. Erst als ich anfing, mich selbst zu lieben, mich selbst so anzunehmen, wie ich bin, wurde dieser Kreis meiner Schuldgefühle durchbrochen. Es wurde mir klar, dass auch der Nächste sich selbst lieben muss, damit er diese Liebe weitergeben kann. Das ist leider meistens nicht so. Daher können auch oft die Anderen unsere Erwartungshaltung nicht erfüllen, genauso wie wir oft die Erwartungshaltung anderer Personen nicht erfüllen können.

Versuche mal diesen Gedanken für Dich zu reflektieren.

Liebe Grüße
Heid2001

Morgenrot
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Morgenrot » 24.04.2019, 10:30

Hallo ihr Lieben,

ich habe mal diesen Thread gesucht, da Ideja noch einen, für mich auch sehr interessanten Aspekt in den Wochenthemen eingebracht hatte.
Wenn ich darüber nachdenke, muss ich mich fragen, wie kann ein Mensch überhaupt religiös UND NICHT co-abhängig sein.
Ich sehe mich durchaus auch als einen religiösen Menschen, ich bin auch COabhängig. Hat mich diese Religiösität dazu gemacht?
Meine erste spontane Reaktion wäre vor einigen Jahren ein eindeutiges "Ja" gewesen. Endlich die Ursache gefunden. Kann ja gar nicht anders sein.
Wenn ich heute und jetzt darüber nachdenke kann ich mich nur von diesem "Ja" distanzieren, denn schon in der Bibel steht ein Satz, der an meine Selbstfürsorge apelliert, ja sie sogar regelrecht einfordert.
Der Satz: Liebe deinen nächsten den kennt sicher jeder, aber das ist nur der erste Teil, der Satz geht ja weiter.
Den letzten Teil habe auch ich immer "überlesen" und "überhört" wie dich selbst.
Ich fand es immer sehr schwer mich zu lieben, bis heute frage ich mich, was ist denn liebenswert an mir, was macht mich aus?
Damit sind wir wieder bei der Erziehung angekommen, oder ist es ein Zusammenspiel von beidem ?
Hat jemand von euch noch andere Erfahrungen gemacht?

lg Morgenrot

ideja
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von ideja » 24.04.2019, 13:14

Hallo,

das Problem ist in Auslegung von den was wir hören, oder lesen...

Wo ist denn dieses meines Selbst in der Ehe wo wir nur zwei Teile eines Ganzen sein sollten?

lG ideja

lütte69
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von lütte69 » 25.04.2019, 08:46

Hallo Morgenroth,
Der Satz: Liebe deinen nächsten den kennt sicher jeder, aber das ist nur der erste Teil, der Satz geht ja weiter.
Den letzten Teil habe auch ich immer "überlesen" und "überhört" wie dich selbst.
Mir ging es ähnlich, obwohl ich ja nicht in einem religiösen Umfeld groß geworden bin. Aber in unserem System ging es ja auch nicht um den einzelnen sondern um das Wohl der Masse. Gefühlt habe ich meine Entscheidungen immer danach gerichtet, wie sie auf's Umfeld wirken könnten und nicht danach ob ich mich damit wohl fühle :roll: . Das wirkt natürlich bis heute und bedarf ner Menge Arbeit, dass zu ändern.

sonnige Grüße
Lütte

Veilchen
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Veilchen » 26.04.2019, 03:13

Hallo,

das Thema erinnert mich an meine Kindheit, mein Vater war fast immer betrunken, meine Mutter oft krank.
Ich war die älteste von 6 Kindern.
Als meine jüngste Schwester geboren wurde war ich 8 1/2 Jahre alt.
Wenige Wochen nach ihrer Geburt musste meine Mutter ins Krankenhaus, es waren Ferien und ich war mit den jüngeren Geschwistern quasi alleine.
Mein Vater hatte wohl Urlaub war aber kaum für uns da.
Das Jugendamt schickte uns später eine Frau, die sich tagsüber um uns kümmerte.
Eines Tages musste ich mit ansehen wie diese Frau vom Vater fast vergewaltigt wurde - ich hatte ihn durch mein plötzliches Auftauchen gestört.

Die Frau packte ihre Sachen, eine Schwester und ich kamen in ein Heim, die Ferien waren inzwischen vorbei, die kleineren Kinder wurden bei Verwandten untergebracht, bis meine Mutter wieder gesund war. In dem Heim verbrachte ich 3 Monate.

Es dauerte dann noch 5 Jahre bis meine Mutter die Scheidung einreichte. Was bis dahin alles passierte würde ein Buch füllen.

Da ich die älteste war, habe ich viel helfen müssen. Die Kinder beaufsichtigen, Einäufe erledigen .....
Meine Mutter war einfach zu krank um das alles alleine zu schaffen, zudem ging sie auch jeden Morgen noch Zeitungen austragen.

Jede Nacht kam mein Vater betrunken von seinen Sauftouren zurück und fiel laut schreiend über unsere Mutter her.
Meine Geschwister weinten und kamen zu mir ins Bett.
Wir hatten alle schreckliche Angst.

Ich fühlte mich immer für meine Mutter und Geschwister verantwortlich, auch noch nach der Scheidung.

Erst jetzt verstehe ich so richtig mein Verhalten meinem Mann gegenüber.

Gute Nacht und liebe Grüße, Veilchen

Nadless
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Nadless » 26.04.2019, 21:11

Liebe Veilchen. Das ist ja schrecklich. :(

Lass dich mal ganz fest drücken

Veilchen
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Veilchen » 28.04.2019, 02:21

Danke liebe Nadless!

Emma2010
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Emma2010 » 29.04.2019, 06:44

Weiß nicht, wem es euch geht? Mir ist im Laufe meiner Abhängigkeit aufgefallen, dass ich in allem und jedem immer vorrangig das Positive
wahrnehme. Allerdings auf mich bezogen, mich stets abwertend bedacht und gefühlt habe, habe mich in Gedanken und Wort selbst erniedrigt.
Dabei hatte z.B. meine Mutter als Kind ein viel härteres Leben, denn sie wurde damals bei ihrer Verwandtschaft abgegeben und als billige
Arbeitskraft benutzt. Leider unbewusst übernommen habe ich ihre Art Negativismus. Noch heute ertappe mich, dass ich bei Besprechungen, Veranstaltungen, auf Anhieb recht schüchtern bin, Angst habe zu versagen und erst den Schalter im Kopf umlegen muss, bevor mich dann zu zeigen verstehe. Inwieweit das mit Co-Abhängigkeit zusammenhängt, weiß ich nicht.

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