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Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Veilchen
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Veilchen » 28.04.2019, 02:21

Danke liebe Nadless!

Emma2010
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Emma2010 » 29.04.2019, 06:44

Weiß nicht, wem es euch geht? Mir ist im Laufe meiner Abhängigkeit aufgefallen, dass ich in allem und jedem immer vorrangig das Positive
wahrnehme. Allerdings auf mich bezogen, mich stets abwertend bedacht und gefühlt habe, habe mich in Gedanken und Wort selbst erniedrigt.
Dabei hatte z.B. meine Mutter als Kind ein viel härteres Leben, denn sie wurde damals bei ihrer Verwandtschaft abgegeben und als billige
Arbeitskraft benutzt. Leider unbewusst übernommen habe ich ihre Art Negativismus. Noch heute ertappe mich, dass ich bei Besprechungen, Veranstaltungen, auf Anhieb recht schüchtern bin, Angst habe zu versagen und erst den Schalter im Kopf umlegen muss, bevor mich dann zu zeigen verstehe. Inwieweit das mit Co-Abhängigkeit zusammenhängt, weiß ich nicht.

FreeWell
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Re:

Beitrag von FreeWell » 01.05.2019, 12:57

Feuerpferd hat geschrieben:
11.09.2013, 06:58
,,ich habe so viel Liebe zu verschenken, dass ich alles heilen kann."
Dieser Satz ist so typisch für mich, ich bin auch so vermessen zu glauben, dass ich mit meiner Liebe Menschen ändern kann.
Woher kommt es bei mir? Ich denke, es ist vieles anerzogen.
Hallo Feuerpferd,
was du da schreibst, kann ich sooo sehr nachempfinden. Ich habe, wie andere sagen, heilende Hände und wo ich sie auflege, da gehen Schmerzen weg, Husten hört auf und ein warmes Gefühl geht durch den Körper. Früher kostete es meine Kraft, diese Hilfe zu geben, heute habe ich vermeintlich gelernt, die Kraft des Universums zu nutzen und weiter zu geben. Aber manchmal möchte ich garnicht helfen/heilen ... und tue es trotzdem.

Die Kraft der Liebe kann sicher lindern und heilen. Das ist nicht grundsätzlich verkehrt. Dennoch, ich habe auf einer Messe einen begnadeten Heiler bei seiner Arbeit beobachtet und er war am Ende des Tages völlig erschöpft ... Auch das kostet also Kraft.

Und außerdem: Als ich 1,5 Jahre alt war, kam meine herzkranke Schwester zu Welt. Meine Mutter war überfordert und ich war automatisch in die Pflege meiner geliebten Schwester eingebunden. Jede Bewegung war anstrengend, selbst essen. Nach der dritten Herz-OP verstarb sie dann mit 6 jungen Jahren als ich 8 Jahre alt war. Für meine Eltern zerbrach eine heile Welt, mein Vater ging arbeiten und ich kümmerte mich um meine Mutter, die häufig tagelang mit Migräne im Bett lag ...

Ich habe mich immer verantwortlich gefühlt für meine Schwester und meine Mutter betont immer, dass sie das nie verlangt hat und ich das von ganz alleine gemacht hätte ... soviel zum Thema angeboren oder erzogen ?

Die Wissenschaftler sagen, dass wir viele Eigenschaften/Veranlagungen in den Genen zur Verfügung haben. Welche dann "aktiviert" werden, hängt von unserer Lebensumgebung ab. Einige Wissenschaftler sagen auch, dass die Vererbung nur 20% ist und der Rest epigenetisch.Das bedeutet, dass durch die Erziehung veranlagte Eigenschaften ausgeprägt und verstärkt werden. Hm, man wird also zu 20% als CO geboren und wenn man dann eine herzkranke Schwester bekommt, dann wird man zu 80% zur CO ausgeprägt ?

Ich kann nur für mich sprechen. Wenn ich so zurück schaue, sehe ich ein lebensfähiges Mädchen, welches viel Kraft für seine Familie hatte und das schon mit 1,5 Jahren. In der Schule war ich ein 1er-Kandidat, damit ich zuhause mit den Hausaufgaben schnell fertig war und für meine Schwester Zeit hatte. Und dennoch habe ich versagt ... ich habe nicht genug getan, um sie am Leben zu erhalten ... so meine Gedanken und Gefühle, ca. 40 Jahre nach dem Tod meiner Schwester.

Zentrum meiner Gedanken war also: "Ich habe nicht genug getan. Ich habe versagt." Ich habe also das anerzogene, genetisch vordisponierte, schlechte Gewissen geübt, gelernt, dass ich nicht genüge. Egal was ich tue, es reicht nicht. So suchte ich mein Leben lang Situationen, Menschen, wo ich etwas gutes, heilendes tuen konnte, um etwas Balsam auf meine Wunden zu erhalten, dass ich aber diesmal ein bisschen etwas richtig gemacht habe...

Dann konnte ich mich eine Zeit lang gut fühlen, bis die Wirkung der"Heil-Gebungs-Droge" nachließ und ich erneut mein Helfersyndrom verwenden musste, um mich wieder gut zu fühlen. Warum also nicht einfach mit einem Mann zusammen leben, der ständig diese Zuneigung, Aufmerksamkeit und Liebe im Übermaß braucht ? So saß ich doch an der Quelle meiner eigenen Lebensenergie und konnte permanent mein Helfersyndrom ausüben und jeden Tag auftanken ? Es sollte also ideal sein, wenn eine CO mit einem jammernden Alkoholiker, der sich nur als Opfer sieht, zusammen zu leben !!!

Was ist also falsch an dieser Sache wenn doch alles passt wie Deckel auf Topf ??? Was ich übersehen habe die ganzen Jahre ist, dass das Leben eine ständige Veränderung und Bewegung beinhaltet. In Momentaufnahmen ist alles perfekt und jeder kann sein Schema leben. Wir CO's können geben und der Alk kann nehmen. Aber in der Bewegung des Lebens ist der Knackpunkt. Der Alk will immer mehr, da seine Bedürfnisse ja nur augenscheinlich befriedigt werden. Die wahre Ursache seines Jammertals bleibt unberührt. Und immer mehr kann auch die beste CO irgendwann nicht mehr leisten.
Sie fängt an, sich zu verweigern, sich zurück zu ziehen und entzieht damit dem Alk sein Lebenselexier, was er gewohnheitsmäßig einfordert.

Und damit kommt auch das schlechte Gewissen der CO wieder auf, nicht zu genügen, zu versagen. Und schon ist die Abwärtsspirale auf der Überholspur angekommen. Immer häufiger Streit, immer häufiger Konflikte, Vorwürfe, Entzug auf BEIDEN Seiten. Der Alk schafft es, Schuldgefühle zu produzieren, die CO funktioniert im Alltag nicht mehr, sagt Fortbildungen ab (wie in anderen Beiträgen zu lesen), findet keinen neuen Job und ist immer mehr nicht arbeitsfähig. Damit ist auch die bislang funktionierende CO im Strudel angekommen, der wie ein schwarzes Loch zieht und nicht mehr los lässt. Wie entkommt man diesem schwarzen Loch, welches einen unweigerlich immer stärker aufsaugt ? Nur durch ABSTAND !!

So lerne ich zurzeit, Abstand zu halten von meinem Jammerlappen, meine Gedanken neu zu konditionieren: Ich darf am Feiertag in meiner Wohnung bleiben, in diesem Forum schreiben, lesen und stöbern und meine neuen Gedanken üben: Ich bin wertvoll, denn ich bin als ein von Gott geliebtes Wesen auf diese Welt geboren. Ich darf das tun, was mir gut tut und mein Alk darf genau das selbe. Ich bin verantwortlich für mein Wohlergeben und meine Arbeitsfähigkeit und nur ich bin verantwortlich dafür, dass ich heute Momente finde, die mich strahlen und lachen lassen. Suchen wir also das Licht. Es leuchtet in uns und es leuchtet in Menschen, Tieren und Pflanzen da draußen. Achten wir auf das Licht und erlauben wir ihm den Zutritt zu unserer Seele.

In diesem Sinne danke ich, dass ich heute meinen Gedanken hier freien Lauf lassen durfte und wünsche allen einen sonnigen Feiertag !
L, FreeWell

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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Mylala » 01.05.2019, 17:33

Es gibt viele Bücher, die ich empfehlen kann. Da ich nur toxische Beziehungen hatte, habe ich mich sehr mit meinen Anteilen daran beschäftigt. Die Strukturen und Beziehungsmuster werden in den ersten fünf Lebensjahren geprägt. Wie auch bei mir. Ich kann hierzu das Buch "Wenn Frauen zu sehr lieben" und "Das Kind in dir muss Heimat finden" empfehlen.

Diese Beziehungsmuster sitzen so tief, wie unser Überlebungswille.

Warum wir uns genau das antun, was wir am wenigsten brauchen? Weil wir diese Muster kennen und in diesen eine Art Sicherheit sehen.

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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von Mylala » 01.05.2019, 17:37

Fehlende Liebe oder zu sehr ausgeprägte Liebe ist für Kinder schädlich und führen dazu, dass die natürliche Abnabelung nicht stattfindet.

FreeWell
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von FreeWell » 01.05.2019, 17:41

Hier noch ein Nachtrag zu meinem Beitrag eben:

Es arbeitet in mir, auch auf meinem Spaziergang in der Sonne konnte ich nicht loslassen. Nur selten Momente, wo ich die Sonne geniesse und mich mit Menschen unterhalte, die offensichtlich "ganz normal" sind...

Je länger ich wegbleibe und schweige, desto stärker wird der Druck aufgebaut, dass ich zurück komme. So ist das mit der Bewegung in der Beziehung. Hat man ein bisschen Abstand gefunden, beruhigen sich die Gemüter. Aber sowohl beim Alk als auch bei der CO fängt die Sucht an zu ziehen. Ist es nicht so, dass man sich als CO wieder zu seinem Partner hingezogen fühlt, sobald man zur Ruhe kommt ? Er fehlt einem, man will wissen was er macht, wie es ihm geht. Man sehnt sich danach ihm wieder zu helfen. Auch der Alk hat sich beruhigt und wäre jetzt wieder mit "etwas" Zuneigung und Hilfe zufrieden. Also die normale Dosis, die man auch verkraften kann.
Ginge man an diesem Punkt zurück in die Beziehung, würde der Sog unweigerlich wieder stärker werden. Alk zieht, braucht immer mehr und CO gibt wieder über ihre Kräfte, Grenzen hinaus. Dann kommt unweigerlich der Zeitpunkt, wo sie wieder ausbricht, wütend wird und wieder Abstand braucht ... nur um sich erneut zu erholen und zurück zu gehen zum Blutegel der Liebe ...

Ja, kann man eine Beziehung retten, die so hoffnungslos auf die Abhängigkeiten eingefahren ist ? Ich weiß es im Moment nicht, denn sobald man wieder zusammen kommt, geht es ja von vorne los. Man müsste neue Verhaltensmuster auf beiden Seiten üben und leben, aber ob das auf die Dauer geht ohne rückfällig zu werden ? Wahrscheinlich müssten beide Partner erst über Monate gesund werden, bevor sie es nochmal miteinander versuchen könnten.

Oder gibt es andere Beispiele, dass so eine Beziehung dauerhaft heilen kann ? Würde mich interessieren von euch zu hören ...

LG, FreeWell

lütte69
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von lütte69 » 02.05.2019, 08:51

Hallo FreeWell,
Man müsste neue Verhaltensmuster auf beiden Seiten üben und leben, aber ob das auf die Dauer geht ohne rückfällig zu werden ? Wahrscheinlich müssten beide Partner erst über Monate gesund werden, bevor sie es nochmal miteinander versuchen könnten.
So hab ich es bei uns erlebt. Wir mussten beide an unsere Muster ran. Das ist kein leichter Weg und manchmal kann man halt nicht aus seiner Haut und altes, vertrautes bricht sich seine Bahn, aber ich habe Mittel und Wege an der Hand, damit umzugehen. Bei uns gab es einen Rückfall nach 6 Jahren - ein einmaliger Vorfall. Wir mussten nicht wieder bei Null anfangen, aber es ist schon ein anstrengender Weg.

sonnige Grüße
Lütte

FreeWell
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Re: Kann man/ ich zur CO erzogen werden?

Beitrag von FreeWell » 04.05.2019, 00:15

lütte69 hat geschrieben:
02.05.2019, 08:51
So hab ich es bei uns erlebt. Wir mussten beide an unsere Muster ran. Das ist kein leichter Weg und manchmal kann man halt nicht aus seiner Haut und altes, vertrautes bricht sich seine Bahn, aber ich habe Mittel und Wege an der Hand, damit umzugehen. Bei uns gab es einen Rückfall nach 6 Jahren - ein einmaliger Vorfall. Wir mussten nicht wieder bei Null anfangen, aber es ist schon ein anstrengender Weg.
Liebe Lütte,

danke für deine Worte, die Hoffnung machen. Ich denke, dass auch "Normalos" in ihren Beziehungen/Ehen Stress haben und Achterbahn fahren. Nur, dass die nicht auf so einer Abwärtsspirale unterwegs sind.

Ich war gestern bei meinem Lebensgefährten und wir haben ruhig geredet und neue Verabredungen getroffen. Ich sage offen und fest, was ich machen möchte und er akzeptiert es, wenn ich bei mir sein möchte. Er zieht nicht, da ich sonst sofort gehe. Ich komme zu ihm, wenn es entspannt ist und wir geniessen schöne Stunden. Dennoch gehe ich nach einigen Stunden, bevor es wieder "eng" wird. So hat er seinen Freiraum, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

Auch habe ich deutlich sagen können, dass ich mich in seinem Haus nicht wohl fühle, weil er aus Bequemlichkeit zuwenig aufräumt und putzt. Er möchte dass jetzt ändern, damit ich mich wieder wohl fühle. So komme ich zu ihm, er putzt, ich koche, wie essen und sprechen und nach einer Weile eines positiven Treffens gehen wir zurzeit wieder eigene Wege. Vielleicht klappt es so. Es fühlt sich gut an.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten. :-)

LG, FreeWell

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