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Ich weiß nicht mehr weiter, meine Frau trinkt

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Co2013
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Beitrag von Co2013 » 05.02.2014, 09:10

Hallo Karl65,

wie Morgenrot schrieb
selbst Jahrzehnte
Jahrzehnte. Ich habe es zum Glück nur ein Jahrzehnt mitgemacht.

Gruß

oldie
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Beitrag von oldie » 05.02.2014, 09:15

Hallo Karl,
Mir persönlich half enorm hier bei den Trockenen und bei den frisch hinzugekommenen zu lesen. Es gab halt eklatante Unterschiede zu den Worten, Einstellungen und Handlungen meines Mannes und sehr viele Sachen, die von denjenigen, die erfolgreich mit ihrer Erkrankung umgehen, als klitschnasses Denken bezeichnet werden.

Karl, hast du dir bereits konkret überlegt, wie der Plan B, eine Trennung, ablaufen kann, wenn Plan A, das Trockenlegen, nicht erfolgreich ist?
Lg oldie

Aurora
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Beitrag von Aurora » 05.02.2014, 09:34

Hallo Karl,

ui, so viele Beiträge... und ich komm auch noch. Und schließe mich meinen Vorschreiberinnen auch an!

Ich spürte immer diese große Euphorie, diese Hoffnung, wenn mein Exmann mal wieder "vernünftig" wurde.

Und genau wie deine Frau sagte er dann, der Alkohol könne da stehen bleiben, ihm würde das ja nichts ausmachen, er könne das beherrschen, sich beherrschen. Und "ab und zu mal ein Gläschen" würden ihm nun nichts ausmachen...

Dass das nicht geklappt hat, ist klar... und ganz ehrlich, irgendwann wusste ich das heimlich auch, dass es so nicht funktionieren kann. Aber ich wollte es doch so gerne glauben, damit ich einen Grund hätte, bleiben zu können.

Inzwischen kenne ich viele trockene Alkoholiker, bin ja auch mit einem in 2. Ehe verheiratet. Diese Leute gehen ganz anders mit sich um, mit ihrem Leben und ihrer Suchtkrankheit. Anders, als ich es eben von meinem Exmann kenne, anders, als du es hier beschreibst und ich auch schon oft hier in anderen Co-Fädchen gelesen habe.

Du fragst
Jetzt frage ich euch: Gibt es nasse Alkoholiker, die ohne wirkliche fremde Hilfe den Schalter umlegen können und das auch dauerhaft so leben können?
Ich kenne keinen...

Viele Grüße
Aurora

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 05.02.2014, 10:04

Hallo Karl,

ich noch mal.
"der Alkohol kann ruhig stehen bleiben, der stört mich nicht, denn ich brauch ihn nicht. "
das war O - Ton "meines" Alkoholikers, wenn er mir mal wieder beweisen wollte, das er kein Alki ist.
Was dachte ich als gute CO? Toll, klasse er meint es ernst. Das Ergebnis war ganz anders, er soff munter weiter und befüllte die Flaschen anschließend mit Wasser.
Selbst dafür hatte er noch eine Ausrede, die ich irgendwann auch geglaubt habe, weil ich sie glauben wollte. Ich wußte er erzählt großen Mist, aber er war so überzeugend, wie es nasse Alkoholiker nur sein können.


lg Morgenrot

RenateO
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Beitrag von RenateO » 05.02.2014, 12:26

Hallo Karl
Auch ich habe keine besseren Nachrichten.
Mein ex war halb Tod als er beschloß zum Entzug zu gehen(kriechen!!)
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in seiner Wohnung Unmengen ,überwiegend leerer Bierflaschen,allein im Wohnzimmer hinter der Tür mindestens 50 Stück.
Nun war er in der Klinik und ich überlegte (fragte ihn auch) ob ich das Zeug mit seinem Sohn wegräumen soll bevor er wieder nach Hause kommt und direkt da wieder draufschaut.

Er ganz groß,, das ist nicht nötig,mit dem Zeug ist er ein für allemal durch,,!!!
Es diene höchstens noch zur Abschreckung!
So standen die Flaschen da ,monatelang ,noch als er in die Tagesklinik ging.
Tagsüber ,,Trockenarbeit ,, und abends die Sicht auf den Dreck.
Er wurde noch während der beruflichen Eingliederung rückfällig .erst nur am Wochenende (man hats ja im Griff) inzwischen schon lange wieder täglich.
Mit dieser Einstellung (Schaps beim Griechen,ein ,,Weinchen,,.......) ist sie nicht Trocken ,ja nichtmal abstinent.
Karl lass dich nicht auf den Arm nehmen.
Pass auf dich auf,denn letztendlich ist es doch dieses Hoffen ,glauben wollen ,die kurzen schönen Momente etc. was uns Angehörige auf Dauer immer mehr schwächt und krank macht/in die Verzweiflung treibt und zermürbt.

Diesen Zustand bei dir ! zuzulassen das wird als CO bezeichnet,das ist unsere Störung /Krankheit.

Sie ist krank und täuscht dich und evtl auch sich selbst.

LG R..
,

Kaleu
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Beitrag von Kaleu » 05.02.2014, 13:23

Jetzt frage ich euch: Gibt es nasse Alkoholiker, die ohne wirkliche fremde Hilfe den Schalter umlegen können und das auch dauerhaft so leben können?
Ich würde mal sagen - ich halte das für möglich. Wohlgemerkt, ich halte es nur für möglich. Es ergibt nur absolut überhaupt keinen Sinn.

Jeder, der ernsthaft aufhören WILL zu trinken, wird sofort bemerken, daß er ein Problem damit hat und es ziemlich schwierig wird das völlig allein zu bewältigen. Jeder der ernsthaft aufhören WILL zu trinken, wird demnach auch alles versuchen, damit er das schafft. Und Jeder der ernsthaft WILL hat sich seinen Alkholismus schon eingestanden und demnach würde er sowieso Hilfe in Anspruch nehmen.

Also nochmal, ich halte es durchaus für möglich, daß man es alleine schaffen kann, aber schlicht und einfach Niemand der es ernst meint und wirklich aufhören WILL, würde es ohne Hilfe machen.

Der einzige Grund seinen Alkoholismus zu verstecken ist weil man ihn sich nicht eingestehen will und vor allem - weil man weiter saufen will.

Es gibt keinen anderen Grund dafür es allein überhaupt nur zu versuchen.

Und da leg ich meine Hand in's Feuer, daß jeder trockene Alkohoiker den Du fragst Dir ganz genau das Gleiche erzählt. Solange er keine Hilfe annahm - dann weil er noch weiter saufen wollte!

Was ihren Alkoholismus angeht kannst Du Deiner Frau nicht vertrauen. Punkt! Da gibt es kein Wenn, kein Aber, kein Vielleicht und kein Irgendwann.

Ich finde es gruselig anderen Menschen Ratschläge zu geben, ob sie sich trennen sollen oder dergleichen. Ob Du die Beziehung beenden willst, Dich trennen willst weil es in der Beziehung für Dich einfach nichts mehr zu holen gibt, ist alles Deine Sache. Selbst wenn Du glaubst, Du könntest Deine Frau irgendwie retten, musst Du eben diesen langen harten Weg bis zu dem Eingeständnis, daß Du da überhaupt nichts machen kannst und es auch nicht Deine Verantwortung ist, gehen. All das ist alleine Deine Sache.

Aber eins kann ich Dir versichern. Wenn sie keine Hilfe will - dann weil sie saufen will!

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 07.02.2014, 09:59

Hallo Karl,

wie geht es dir denn?
Ich hoffe wir haben dich mit unseren Erfahrungen nicht so abgeschreckt, das du nicht mehr schreiben magst.


lg Christiane


lg Morgenrot

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 07.02.2014, 10:41

Moin Karl,

Kaleu schrieb Dir:
Und da leg ich meine Hand in's Feuer, daß jeder trockene Alkohoiker den Du fragst Dir ganz genau das Gleiche erzählt. Solange er keine Hilfe annahm - dann weil er noch weiter saufen wollte!


Da muss ich widersprechen !!
Bei mir war es nicht so!
Ich wünschte mir sehnlichst, mit dem Saufen aufhören zu können. Ich habe mehrere Versuche dazu unternommen. Aber dann kamen die Entzugssymtome und ich bekam große Angst bis hin zu extremen Panikattacken.
Im nachhinein bin ich froh, nie einen kalten Entzug weiter durchgezogen zu haben, denn dann wäre ich sicher nicht mehr am Leben.
Ich wollte also weiß Gott nicht weiter saufen.

Was also hat mich sonst abgehalten, zu handeln?
Ich habe mich so furchtbar geschämt für meine Sauferei und vor allem dafür, das ich es nicht allein wieder stoppen konnte.
Ich habe mich zu sehr geschämt, um zum Arzt zu gehen und alles zu erzählen. Ich habe mich auch vor anderen sehr geschämt, Freunden, Arbeitskollegen etc.

Dann brach irgendwann alles zusammen und ich landete auf der Intensiv.
Dort bekam ich endlich Hilfe, um die ich mich nicht getraut hatte, zu bitten.
Und ich nehm sie sehr dankbar an.
Ich weiß noch meine Gedanken, als ich nach der Untersuchung aufs Zimmer kam... die waren: "schau her, nun bist Du hier gelandet!!"
Und der zweite Gedanke war: "Endlich bist Du hier gelandet, wo Dir geholfen wird.
Ja, so war das...
Ich ahnte allerdings nicht, wie schlimm es gesundheitlich um mich schon steht und ich hätte den Entzug beinah nicht überlebt.
Es wurde dann ein sehr harter Weg für mich in die Trockenheit.
Ich mußte nach der Entgiftung erstmal wieder essen lernen, laufen lernen und vieles mehr.
Trotzdem konnte ich ab dann meinen Weg in die Trockenheit gehen.
Und ich nahm auch ab dann jede Hilfe dankbar an.
Ich habe auch nei mehr meine Krankheit verheimlicht, ich bin von vorn herein sehr offen damit umgegangen.
Denn ich wollte nicht wieder erneut lügen... ich hatte einfach genug davon.

Ob man es allein schaffen kann?
Ich denke, es gibt sicher Menschen die das schafften.
Aber warum sollte man??
Ich denke, dahinter steckt nicht immer, das man im Grunde weiter saufen will.
Sondern dahinter kann ebenso die Scham stehen, nun Alkoholiker/in zu sein und die Angst, nun sozusagen geächtet zu werden dafür.
Denn Alkoholismus ist immer noch ein bisschen ne "Schmuddelkrankheit".
Ich hatte auch diese Ängste, bewahrheitet haben sie sich NIE.
Im Gegenteil, als ich trocken wurde, habe ich viele neue Freunde finden können. Und keiner ist mir da blöd begegnet aufgrund meiner Krankheit.
Auch Arbeitskollegen und meine Chefs nicht.
Von daher waren diese Ängste unbegründet, trotzdem waren sie da.

LG Sunshine

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