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Der lange Weg in die Freiheit, gehen oder bleiben?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

anonym86
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Der lange Weg in die Freiheit, gehen oder bleiben?

Beitrag von anonym86 » 16.09.2015, 19:59

Hallo alle mit einander,
ich möchte mich kurz einmal vorstellen.
Seid langer Zeit lese ich hier Still mit und tanke Kraft.
Einiges ist mir erst hier durch euch klar geworden, manches sehe ich nun mit anderen Augen und so vieles kann ich jetzt verstehen.
Ich bewundere die Stärke von so einigen und habe mir ein Beispiel genommen.
In nicht einmal 4 Wochen bin ich weg aus dieser Hölle und doch, obwohl ich mich darauf freue, habe ich Zweifel und Ängste. Ich versuche mal von vorne zu erzählen:

Seid vielen Jahren trinkt mein Mann täglich Alkohol in großen Mengen. Er hat mich mehrfach betrogen, belogen, gedemütigt, beleidigt, geschlagen....Die komplette Palette. Immer unter Alkohol und am nächsten Tag weiß er von gar nichts. Nie hat er meine Wut und die Trauer verstanden, im Gegenteil ich wurde für verrückt erklärt. Ich übertreibe und bin zu sensibel. Trotzdem versprach er immer Besserung. Niemals hat er gesagt er würde mit dem Trinken aufhören aber er möchte weniger trinken. Therapie, Beratung und Hilfe im allgemeinen lehnt er ab. Laut seiner Aussage ist er nicht Abhängig und hat alles unter Kontrolle. Er kümmert sich um rein gar nichts, Briefe bleiben verschlossen, Rechnung unbezahlt und auch sonst besteht kein Interesse von ihm, am Familienleben teilzunehmen. Wir haben ein Kind zusammen (9J.) Leider sieht er seinen Vater nur noch betrunken. Ich bin Alleinerziehend mit Mann, kann man sagen. Vor ca 2 Jahren war bei mir das erste mal der Punkt angekommen ausbrechen zu wollen und zu müssen. Er wurde mir gegenüber körperlich Gewalttätig, als ich mich weigerte mit ihm zu schlafen. Meine ersten Unternehmungen waren mich Finanziell völlig unabhängig von ihm zu machen, ich habe Geld bei Seite gelegt und mich nicht weiter um seine Angelegenheiten gekümmert, also ich habe aufgehört ihn zu Unterstützen. So begann für mich der Spießrutenlauf erst richtig, Vorwürfe, Drohung und unkontrollierte Wutausbrüche. Er hat mich behandelt wie ein Kind, fing an mir vorzuschreiben was ich zu tun habe, bestrafte mich für "fehlverhalten" ein Beispiel: Ich habe frische Wäsche von der Leine genommen und den Korb im Flur abgestellt, weil das Telefon klingelte. Er ging durch den Flur und brüllte mich an weshalb der Korb im Weg stehen muss, seine Sachen gehören sofort in den Schrank geräumt. Dann nahm er den Korb und kippte ihn im Garten aus, verteilte alles und strampelte darauf rum. Am Ende folgte die Drohung "wehe du bekommst die Flecken nicht raus". !!! Ich glaube die Liste der Beispiele ist Unendlich, Fakt ist er hat mich fertig gemacht und mir so gut er konnte das Leben zur Hölle gemacht, lange habe ich wirklich geglaubt selber Schuld zu sein! Vor 6 Wochen hat er mir eine Todesangst gemacht, was mich letztendlich dazu bewegt hat ENDLICH die Augen zu öffnen. Nach einem typischen Abend wie er immer verlief, flippte er mal wieder aus. Dieses mal beruhigte er sich überhaupt nicht, als er wieder kam hatte er ein Jagtgewähr in der Hand und schoss zweimal auf mich. Ich hatte nur Glück das er zu betrunken war um zu treffen. Am nächsten Morgen war das natürlich alles wieder nur quatsch was ich erzähle, das war nur ein Spaß von ihm und er wusste wo er hin zielt.

Um auf den Punkt zu kommen, entschuldigt den langen Text. Ich habe mir in einer anderen Stadt eine kleine Wohnung besorgt, die Umschulung meines Kindes organisiert und auf Arbeit Urlaub genommen. Alles still und heimlich, in 4 Wochen geht es los. Fahrer, Autos und Träger habe ich besorgt, alle wissen bescheid.
Und nun? Ich habe solche Angst...Zweifel und sogar Mitleid mit ihm. Er wird morgens aufwachen und alles wird für ihn sein wie immer, plötzlich kommen hier Autos und Menschen, nehmen alles mit (das meiste im Haus ist meins) nehmen mich mit und das wars dann. Die Vorstellung wie sehr er am Boden zerstört sein wird, sich betrinkt und leidet, wirft mich um 2 Jahre zurück. Tue ich das richtige indem ich mich aus dem Staub mache ohne ihm vorher etwas zu sagen? Kampflos habe ich uns nicht aufgegeben aber dennoch habe ich hinterrücks meine Flucht geplant. Auch mein Sohn weiß von nichts, er kann sich nirgends verabschieden und wird an dem besagten Wochenende unter einem Vorwand bei Oma schlafen. Am Montag danach hat er den ersten Schultag in der neuen Schule. Ich habe solche Angst davor wie mein Kind das verkraften wird, ob er das überhaupt versteht!?
Nun sitze ich hier also, bin schon so weit gekommen und Zweifel doch schon wieder an mir selber, mache ich das richtige!? Die Angst wie dieser Tag verlaufen wird, wie mein Kind reagieren wird, was passiert danach...Diese Unsicherheit frisst mich auf.

Liebe Mitleser, ich wäre über eine Antwort sehr dankbar. Ich brauche ehrliche Worte und Menschen die verstehen können weshalb man so ein "Monster" liebt.

Liebe Grüße Coco

Die_Susanne
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Beitrag von Die_Susanne » 16.09.2015, 20:29

Hallo Coco,
wenn ich das richtig lese, war das versuchter Totschlag.
Da geht es nicht darum, ob du noch Gefühle für deinen Mann hast, was sich sicher auflösen wird, wenn du dich auch räumlich getrennt hast.
Es geht um dein Leben und um das deines Kindes.
Du hast die Pflicht, es zu schützen und dich natürlich auch.
Ich habe ähnliches erlebt und geglaubt, ich liebe diesen Mann.
Durch eine Traumtherapie konnte ich einiges aufarbeiten und mich besser verstehen.
Guck mal im netz nach der Seite: re empowerment, das sind Fachfrauen für solche Beziehungen, wie du sie schilderst.
Alles Gute
Susanne

anonym86
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Beitrag von anonym86 » 16.09.2015, 20:38

Hallo Susanne
Danke für deine Antwort, mein Verstand sagt mir auch genau das was du mir rätst. Deshalb bin ich ja nun auch schon so weit das alles Organisiert ist. Einfach war das nicht, alles still und Heimlich zu Planen. Aber aus irgendeinem Grund habe ich ein schlechtes Gewissen und Mitleid mit ihm.

Vielen lieben Dank für die Seite, da werde ich mich mal durch lesen.
Liebe Grüße
Coco

Die_Susanne
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Beitrag von Die_Susanne » 16.09.2015, 20:46

Hallo Coco,
versuche dich auf deinen Auszug zu konzentrieren, wenn es schwer wird, dann denke an dein Kind!!!
Im Moment geht es nur um euch beide, nicht um den Mann!
Gruß
Susanne

anonym86
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Beitrag von anonym86 » 16.09.2015, 21:07

Ich hoffe er lässt mich gehen ohne das es eskaliert und ich hoffe er findet die neue Adresse nicht raus. Hast du einen Rat für mich wie ich das meinem Sohn alles erkläre?

Ko 68
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Beitrag von Ko 68 » 16.09.2015, 21:17

Hallo Coco,

auch ich stehe kurz vor dem Auszug und habe meinem Mannn nichhts davon gesagt und Dinge heimlich organisiert.


Unsere Kinder sind ja etwas älter, aber sie haben schon früh mitbekommen, dass bei uns etwas nicht stimmt.

Ich habe mir irgendwann Unterstützung bei der Suchtberatungsstelle geholt (auch das vorerst ohne das Wissen meines Mannes).

Dort wurde mir geraten, offen mit den Kindern zu sprechen.
Es hätte z.B. auch eine Gruppe für Kinder alkoholabhängiger Eltern gegeben.
Hast Du schon einmal überlegt, solch eine Hilfe für Dich in Anspruch zu nehmen?

Ich wünsche Dir viel Kraft.
LG
KO

anonym86
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Beitrag von anonym86 » 16.09.2015, 21:31

Wie hast du den Auszug geplant, ist er zuhause dann oder Nacht und Nebelaktion?
Über diese Möglichkeit habe ich noch nicht nachgedacht, damit setzte ich mich jetzt auseinander. Weiß dein Kind darüber bescheid? Alkoholismus, der Auszug?
Ist dein "Mann" auch aggressiv und Gewalttätig?
Vor dem besagten Tag habe ich solche Angst, seine Reaktion und das er sich was antun könnte.

Aiko
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Beitrag von Aiko » 16.09.2015, 21:37

Liebe Coco,

harter Tobak!

Nach Deiner Schilderung halte ich Dein Vorgehen für goldrichtig. Deinen Mann einzuweihen heißt Dich und Dein Kind in Lebensgefahr zu begeben. Hast Du vielleicht noch die Möglichkeit einer vertrauenswürdigen Nachbarin die Situation zu schildern, damit sie die Polizei ruft, falls es in den vier Wochen doch noch zu einer Eskalation kommt?

Außerdem würde ich Dir raten irgendwo eine Tasche mit dem Nötigsten für Dich und Deinen Sohn abzustellen und immer eine Notfallnummer (Frauenhaus, oder dies hier * bitte keine fremden Links * parat zu haben damit Du sofort hanedeln kannst, falls noch einmal ähnliches passiert.

Ich wünsche Dir, dass Du die verbleibenden vier Wochen gut überstehst und Dir mit Deinem Sohn die Flucht gelingt.

Liebe Grüße, Aiko

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