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Verantwortung

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Verzweifelt15
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Beitrag von Verzweifelt15 » 19.05.2016, 15:23

Hey...
Es ist immer noch sehr schwer für mich das auszuhalten! Die Schuldgefühle sind zwar nicht mehr so schlimm, aber sie sind noch da! Ich verbiete mir regelrecht darüber nachzudenken und mich zu Fragen was wäre wenn... Es ist nicht leicht sich nicht mehr um seinen Partner zu sorgen und zu kümmern... Ihn allein machen zu lassen und zu sehen wie es immer weiter abwärts geht! Ich habe Angst vor dem Moment, wenn er ganz unten ist und ich dann denke ... Hättest du mal! Auch diesen Gedanken verdränge ich! Es bereitet mir Schwierigkeiten, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll... Ich kann nicht nett sein, mein Wesen ist erfüllt von Unverständnis und zum Teil Hass! Mir wär es lieber wenn ich mich s noch mehr aus der Distanz sehen könnte und gar keine Hoffnung mehr in mir tragen würde!
Lg

JUF2015
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Beitrag von JUF2015 » 30.05.2016, 11:25

Hallo Verzweifelt,

das kenne ich noch. Die Hoffnung trägt man sooo lange mit sich rum.
Ich wollte es damals auch einfach nicht hören, wenn mir jemand gesagt hat, dass es vielleicht keine Hoffnung mehr gibt.
Deshalb sag ich dir das hier auch nicht.

Ich wünsche dir sehr, dass es Hoffnung gibt.
Sei dir nur bitte sehr bewusst, dass DU nichts beitragen kannst.
Entweder ER kommt mit sich klar und geht diesen Schritt oder eben nicht.

Das hört sich im Moment bestimmt unmöglich und nicht machbar an, aber du solltest DEIN Leben im Blick behalten.
Wir COs hören irgendwann auf UNSER Leben zu führen und legen alles on hold für die zeit wenn es wieder besser wird.

In dem Moment wo du anfängst dir DEIN Leben wieder zurück zu holen wird es sich für DICH wieder besser anfühlen.
Deshalb wünsche ich dir, dass du die Kraft dafür findest das zu tun.
Das kostet Kraft am Anfang.
Auch Kraft, die man häufig glaubt nicht mehr zu haben.
Aber wieder ein EIGENES Leben zu haben gibt einem so viel Kraft zurück!
Und Freude...und Sonnenschein....und Freunde....und Chancen....

Aber die ersten Schritte in diese Richtung sind schwer.
Denn häufig muss man den Partner stehen lassen.....

Schreib mal wie es dir geht, hol dir hier Kraft ab
:D

Dafür sind wir AUCH da :)

Liebe Grüße
JUF

Verzweifelt15
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Re: Verantwortung

Beitrag von Verzweifelt15 » 18.05.2018, 22:26

Hallo meine Lieben,
Ich wollte euch berichten, dass ich seit 10 Wochen getrennt bin.
Jedoch merke ich immer wieder, dass ich in die Verantwortungsfalle rutsche und ich ab und zu ein paar klare Worte benötige, deshalb bin ich zurück.
Mein xy hat in den letzten 10 Wochen jegliche Taktik versucht vom androhen eines selbstmord, über Beschimpfungen bis weit unter die Gürtellinie, bis hin zu Drohungen im Wechsel mit Tränen.
Ich habe es ausgehalten und ihm keine Chance mehr gegeben...Das ist hart und ich habe eine sehr hohe Mauer dafür aufbauen müssen...die immer wieder von Tränen überschwemmt wird. Was ich ihm nie sagen würde.
Es ist wirklich nicht einfach für mich, ich sehe und fühle...dass es mir viel besser geht. Aber trotzdem trauere ich um ihn und die Beziehung. Oft verbiete ich mir einfach Gedanken, sage so fünf Minuten darfst du drüber nachdenken; -) dass klappt auch!
Jedoch stellt ich mir trotzdem die Frage...habe ich ihn im Stich gelassen? Er macht mir Vorwürfe ich hätte ihn einfach auf die Strasse gesetzt ihn allein gelassen! Ich Frage mich hätte ich helfen sollen, jetzt ist er in Therapie! Nicht zu letzt auch, weil sich aus seiner alkoholsucht ein extremer eifersuchtswahn entwickelt hat...
Ich weiss der Text ist durcheinander so wie meine Gedanken...Ich kann sagen ich bin überzeugt davon, dass richtige getan zu haben...aber ich hasse mich schon wieder dafür, dass ich so hart sein muss.
Alles braucht Zeit...die

Gotti
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Re: Verantwortung

Beitrag von Gotti » 20.05.2018, 07:26

Hallo Verzweifelt !
Alles braucht Zeit - auch die Trauer um deine Beziehung!
Für mich war es auch ein langer Prozess, und ich wollte es auch nicht so wahrhaben, aber ich habe ganz lange um unsere Ehe, unser gemeinsames Leben getrauert, geweint. So richtig bewusst wurde es mir in der Reha, die dann auch der "Wegweiser" in mein neues Leben wurde. Ich erinnere mich an die ersten Therapiestunden, in denen ich kaum reden konnte, ohne in Tränen auszubrechen. Langsam hat sich alles gelöst und Antworten gefunden. Jetzt, nach 1 1/2 Jahren Getrenntsein bin ich weit davon entfernt.
Du musst dich nicht hassen, hart zu sein!!! Er ist hart zu dir gewesen ohne selbst eine Schuld zu sehen. Was er mit dir angestellt hat, das ist hart. Und es ist für ihn - KANN !!! - für ihn das Beste sein, eine Therapie zu machen, wenn er sich darauf einlässt, und für SICH selbst Hilfe sucht und annimmt!!!
DU bist jetzt da raus! Er muss seinen Weg gehen und du kannst dir noch weitere Hilfen suchen, die dir deine Freiheit verbessern.
Der Ansatz - "in fünf Minuten denke ich drüber " - ist sehr gut! Vielleicht hilft es dir auch, zu denken : "Was denke ich nächste Woche ? in einem halben Jahr? - in einem Jahr? ...."
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und gute Ideen, dich abzulenken, dein neues Leben zu gestalten!!!
LG Gotti

Verzweifelt15
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Re: Verantwortung

Beitrag von Verzweifelt15 » 20.05.2018, 21:05

Hallo Gotti,
Danke für deine lieben Worte! Sie treiben mir die Tränen in die Augen!
Ja er ist in Therapie und hätte ich alles nicht so rigoros durchgezogen, wäre er da wahrscheinlich nicht!
Mein Problem ist, dass ich den Kontakt nicht komplett abgebrochen habe. So ist es, dass er mir weiter ein schlechtes Gewissen macht...alle bekommen Besuch nur er nicht, er tut mir leid...und es fällt schwer nicht rückfällig zu werden. Ist es richtig, dass man einen Menschen so vollkommen im Stich lässt? Ich weiss er hat das bei mir auch oft gemacht, aber ich will nicht so sein...aber vielleicht muss ich es ja auch für ihn tun.

Speranza
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Re: Verantwortung

Beitrag von Speranza » 20.05.2018, 22:22

Hallo Verzweifelt!
Ist es richtig, dass man einen Menschen so vollkommen im Stich lässt? Ich weiss er hat das bei mir auch oft gemacht, aber ich will nicht so sein...aber vielleicht muss ich es ja auch für ihn tun.
Du musst es in erster Linie für dich tun um wieder ein besseres Leben zu haben denn er würde dich immer tiefer in seinen Sumpf hineinziehen. Seine Verzweiflung hat auch viel mit Manipulation zu tun er versucht dir ein schlechtes Gewissen einzureden damit du dich um ihn kümmerst oder es dir nochmals überlegst.

Er ist ein erwachsener Mensch und es steht ihm ja frei einen trockenen Weg zu gehen. Du kannst ihm eh nicht helfen trocken zu werden da muss er alleine durch.

Bleib stark für dich und für dein neues Leben.

LG Speranza

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