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Die Kraft lässt nach !!!

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Flor61
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 25.11.2015, 08:42

Die Kraft lässt nach !!!

Beitrag von Flor61 » 26.11.2015, 08:10

Hallo zusammen ,

ich lese schon seit einiger Zeit hier im Forum Berichte , die sich mit der Co Abhängigkeit befassen. Das so viel Menschen in der gleichen Sitution sind wie meine 2 Kinder und ich , macht mich sehr traurig , habe aber die Hoffnung eventuelle Ratschläge zu bekommen.

Wie kann ich mein Geschichte anfangen ?

Meine Frau trinkt seit ca. 3 Jahren regelmässig ganz harte Sachen und verändert Ihr Wesen total. Wir fragen uns immer wieder , wie ist es dazu gekommen ist. Vielleicht weil Ihre Eltern aus einem kleinen Streit heraus den Kontakt seit 7 Jahren beendet hat oder ist es der Grund das ich vor 13 Jahren eine Affäre mit einer anderen Frau hatte.?

Die Affäre damals war , glaube ich ,der Auslöser das sie anfing zu trinken ( regelmässig Flaschen an Wein ). Wir rauften uns zusammen und einige Jahre ging es halbwegs gut. Der Harte Anfang fing dann vor ca. 3 Jahren bei uns auf dem Schützenfest an. Sie betrank sich so das sie kaum noch stehen konnte. Ich schickte sie nachhause , damit die Ihren Rausch ausschlafen konnte. Vor diesen Jahren wusste sie eigentlich immer wann sie aufhören musste und trank Wasser zwischendurch.

Jetzt ist es so das sie heimlich trinkt, sie versteckt Ihren Korn , Wodka oder ander harten Sachen. Anfang des Jahres war es so schlimm , das wir mehrmals einen Krankenwagen rufen mussten , weil sie kurz vor der Vergiftung stand. Kurze Zeit später meinte sie :Ich mache einen Entzug und lasse mir helfen . Sie ging zu diesem, stationär in eine Klinik. 2 Wochen. Sie war sehr positiv verändert , als sie raus kam. Wir dachten es ist geschafft. Wir irrten uns. Nach 2 Wochen fing es wieder an. Bis zum heutigen Tag. Wir haben sie darauf angesprochen , aber sie sagt das sie kein Problem hat und nur am WE trinkt...das machen andere auch.

Wir flehen sie an : Mama Mach eine Therapie bitte , aber sie blockt ab und reagiert nicht darauf.
Da sie noch im Arbeitsleben steht , halbtags , mussten wir teils mit ansehen das sie auch angetrunken zur Arbeit fährt.

Wir machen uns grosse Sorgen.

Der Gedanke kommt , einfach die Kids zu nehmen und auszuziehen , aber wie soll das gehen?

Die Grosse wohnt schon teilweise bei Ihrem Freund , die Kleine ist oft mit Ihr alleine zuhause , da ich im Aussendienst des öfteren in der Woche unterwegs bin. Sie wird auch ab und an leicht gewalttätig gegenüber der "Kleinen". Schubsen , beissen . Wenn ich sie zur Rede stelle dann sagt sie: es stimmt nicht.

Ich hänge total in der Co Abhängigkeit , da sie weiss, das wir das Eigentum noch nicht verkaufen können. Die Kohle kommt rein und alles wird bezahlt.

Warum macht sie keine Therapie und warum gibt sie nicht zu , das sie krank ist?? Wir wollen helfen , aber sie lässt es nicht zu.

Verstehe es nicht. Meine Kinder werden krank davon und ich , ja ich muss versuchen eine Lösung zu finden , die allen gerecht wird.

Wir denken , wenn wir einfach gehen , tut sie sich was an.

Ihr leiblicher Vater ist mit 49 verstorben , eben an dieser Alkoholsucht!!!
Das was dem Vater geschehen ist , wollen wir natürlich nicht.

Ich möchte nur das sie eine normale Mutter und Frau ist , aber Sie entfernt sich von uns , vom Herzen und vom Respekt , leider.

Die Angst Sie einfach sitzen zu lassen , ohne helfen zu können , ist bei uns im Gedanken fest eingebrannt.

Es gibt noch soviele Fragen , aber ich belasse es erstmal dabei.

Lieben Dank das ich einfach einen Teil unserer Gedanken hier lassen durfte.

LG Flor

lütte69
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Beiträge: 1961
Registriert: 28.05.2012, 09:44

Beitrag von lütte69 » 26.11.2015, 09:10

Hallo Flor,

herzlich willkommen im Forum.
Wir wollen helfen , aber sie lässt es nicht zu.
Das wichtigste, was ich aus der Alkohol-Phase meines Mannes gelernt habe ist, dass ich nicht helfen kann, wenn der andere meine Hilfe nicht will.

Du bist nicht der einzige, der seine Frau hintergangen hat. Es gibt auch genügend Betrogene, die nicht saufen. Du bist nicht der Grund für ihre Trinkerei. Der Grund ist, dass sie es so will oder eventuell nicht mehr anders kann.

Du merkst, dass Du Deiner Frau nicht helfen kannst. Wem kannst Du helfen? Ich denke, Du kannst Dir und Deinen Kindern helfen.
Der Gedanke kommt , einfach die Kids zu nehmen und auszuziehen , aber wie soll das gehen?
Ich würde nur den Schluss dieses Satzes ändern in ... und es wird gehen. Ich hab auch viel zu lange gezögert, weil ja noch dieses und jenes und weil ich Angst hatte, es nicht zu schaffen, kein Selbstvertrauen. Als ich dann ausgezogen bin, wurde es auch nicht von heut auf morgen besser, aber ich hatte mehr Ruhe in meinem Leben und konnte mich besser auf mich konzentrieren. Mein Mann musste seine Entscheidungen treffen. Es hat funktioniert, wir leben wieder glücklich zusammen, aber wir haben uns beide verändert/entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Entwicklung nicht genommen hätten, wenn ich zu Hause geblieben wäre. Ich denke, es ist wichtig, dass Du Dich und Deine Kinder in den Focus stellst. Deine Frau ist erwachsen, kann sich um sich selbst kümmern und sich Hilfe suchen, wenn sie das will. Ich denke, Deine Kinder brauchen Dich als handelnden Vater.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Geduld für Deinen Weg
Lütte

Ko 68
neuer Teilnehmer
Beiträge: 230
Registriert: 22.09.2014, 15:26

Beitrag von Ko 68 » 26.11.2015, 17:07

Hallo Flor,

ich habe auch 2 Kinder und jahrelang mit einem trinkenden Partner "ausgehalten". Leider musste ich schlussendlich merken, dass ich ihm nicht helfen kann, wenn er nicht möchte.
Auch habe ich immer wieder die Gründe gesucht, warum das so ist. Geholfen hat uns das allen nichts und ich musste lernen zu akzeptieren, dass es eine Krankheit ist und ich mit meinem Willen nichts dagegen ausrichten kann.
Der Alkoholkonsum meines Partners hat sich in den Jahren stark verändert- zum Schluss trank er nur noch heimlich. Auch mein Co abhängiges Verhalten ihm gegenüber wurde immer größer. Wir haben alle sehr darunter gelitten.
Im Oktober bin ich nun mit meinen Kindern ausgezogen, sie sind in einem Alter, in dem ich gut mit ihnen darüber sprechen konnte, nachdem ich den Mut dazu gefunden hatte.
Jetzt versuche ich mich immer mehr zu befreien. Die Kinder und ich bauen uns ein neues, freies Leben auf. Ich dachte auch immer, das geht doch nicht, ich schaff das nicht,...

Wie alt ist denn deine "Kleine"? Wie geht sie mit der Situation um, vor allem, wenn sie alleine mit der Mutter ist?
Ich wünsche Dir die Kraft nach Dir und deinen Kindern zu schauen, pass gut auf Dich auf, damit du nicht beim" allen gerecht werden", selbst krank wirst.

LG
KO

Flor61
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 25.11.2015, 08:42

Beitrag von Flor61 » 26.11.2015, 20:18

Hallo Ihr Lieben ,

Danke für eure ehrklichen Antworten. Im Grunde sehe ich es genau wie ihr.

ich weiss das ich vieles nur rauszögere , aber bei mir ist es auch echt schwierig. Eigentuim das noch nicht bezahlt ist.Das ist das Grösste problem. Verkauf geht nur mit ihrer Zustimmung.
Meine Kinder 16 Jahre und 19 Jahre würden GERNE SEHEN das wir unser eigenes Leben leben. Ich mit meinen 2 Mäusen.
Jetzt so kurz vor Weihnachten ist es natürlich doppelt so schlimm. Ich glaube fest daran das ich eine Lösung für uns alle finde. ( Kids und meine Person )

Ich hatte gestern mal kurz in einer halbwegs nüchternen Phase versucht mit Ihr zu reden und bat sie wieder normal zu werden , aber sie meint nur : Ich als Mann muss für sie da sein.Will ich ja , teilte ich Ihr mit , aber nur wenn sie sich helfen lässt. Ich bin es satt ins Bett zu gehen ( haben nur 1 SZ ) und diesen Gestank von alkohol ertragen zu müssen.

ich sehne mich auch nach Zuneigung und Streicheleinheiten , aber das wird es wohl nicht mehr geben in meinem leben. Auch Gespräche mit einem Partner fehlen. Eigentlich ist es zu 100% mit der Ehe erledigt , aber man hofft immer noch.

Ich versuchen die Kraft zu finden und das richtige für meine Kids und meiner Person zu tun.

Nochmals lieben Dank

Morgenrot
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Registriert: 29.02.2008, 11:36

Beitrag von Morgenrot » 27.11.2015, 09:56

Hallo Flor,


herzlich Willkommen bei uns im Forum.
Ich hatte gestern mal kurz in einer halbwegs nüchternen Phase versucht mit Ihr zu reden
das habe ich auch immer versucht, bis mir ein langjährig trockener Alkoholiker die Frage stellte, wann ist denn ein nasser Alkoholiker nüchtern?
Ich habe immer gedacht, morgens kann ich mit ihm reden, da ist er nüchtern.
Ist er aber nicht, da hatte er noch den Rest vom Abend drin.
Du hast keinen nüchternen gegenüber, das tut verdammt weh.
Diese Hoffnung kenne ich auch sehr gut, Partner hat man schon lange keinen mehr.
Dann gibt es Momente die ich gerne teilen würde, und wenn es nur ein schöner Sonnenuntergang am Meer ist, dann werde ich traurig.
Das dürfen wir auch, es ist ja auch traurig niemanden zu haben, und den von dem ich dachte mit ihm alt werden zu können, an den Alkohol verloren zu haben.
Du kannst aber nichts daran ändern, du kannst deiner Frau nicht helfen.
Nimm deine Kraft, und tue etwas für dich und deine Kinder.
Versuche dein Leben zu leben, und alles ist besser als in einem Schlafzimmer mit Alkoholdunst zu liegen. Ich habe die erste Zeit auf einer alten Couch gelegen, bis ich mir mein Zimmer gerichtet hatte.


lg Morgenrot

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