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Alle Hoffnungen zerplatzt...

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Melina71
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Alle Hoffnungen zerplatzt...

Beitrag von Melina71 » 18.12.2015, 08:13

Hallo allerseits,

ich kopiere erst mal den Text aus meiner Vorstellung hier rein:

Ich bin 44 und hatte ein sehr bescheidenes Jahr 2014. Mein Mann ist gestorben und hat mich mit meiner mittlerweile 6-jährigen Tochter zurückgelassen.
Ich habe Anfang diesen Jahres einen total netten Mann kennengelernt, ich war seit langer Zeit mal wieder glücklich. Und musste dann leider feststellen, dass er Alkoholiker ist. Bereits mein allererster Freund war Alkoholiker und ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Aber ich wollte die Zeichen nicht sehen bzw. nicht wahrhaben, gesehen habe ich sie durchaus.

Wie schlimm die Ausmaße wirklich sind, habe ich erst gestern in einem Telefonat mit seinen Eltern erfahren. Hatte sie angeschrieben und geschildert, was so alles passiert ist und dachte eigentlich, sie fallen aus allen Wolken. Aber nein, sie kennen das Problem und mein Freund ist sozusagen schon seit Jahren abhängig. Passiert in Wellen, der typische Quartalsäufer sozusagen.

Ich bin seitdem vollkommen geschockt und nur noch am Weinen...



Der Eintrag war im September. Mein Freund hat nach der damaligen Eskalation Hilfe in einem Beratungszentrum gesucht. Wir haben uns lange unterhalten und ich hatte den Eindruck, er hätte nun endlich verstanden, dass er ein Problem hat und dass nur die Abstinenz eine Lösung ist. Wir haben seitdem eine ganz tolle Beziehung geführt und ich hatte gehofft, es könne doch noch alles gut werden. Tja und gestern beim Telefonieren (wir führen eine Fernbeziehung und sehen uns daher immer eine Zeit lang nicht, telefonieren aber jeden Abend) hatte ich ein ganz ungutes Gefühl (ich höre es meistens, wenn er was getrunken hat, je nach Menge) und hab ihn dann direkt angesprochen, ob er denn in der letzten Woche bis gestern was getrunken hätte. Er meinte dann, ja, letzte Woche 2 Bier. Zu gestern hat er nichts gesagt, wobei ich mir eigentlich sicher bin. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ist natürlich auch das perfekte Timing, 1 Woche vor Weihnachten bricht gerade meine ganze Welt zusammen.

Und wenn ich es richtig verstanden habe, muss diese Trulla von der Beratungsstelle sich auch noch so geäußert haben, von wegen, er wäre ja 'kein hoffnungsloser Fall' und könne wieder zu normalem Trinkverhalten zurück kehren. Gehts eigentlich noch??? Wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich am liebsten hinfahren und der mal ein paar Takte erzählen!!!

Auf jeden Fall weiß ich nun echt nicht, was ich machen soll. Wobei eigentlich weiß ich es, ich scheue mich aber vor den Konsenquenzen. Und was ich meiner Tochter erzählen soll, weiß ich grad gar nicht. Bis jetzt war ich ehrlich zu ihr, was das Thema Alkohol angeht, aber es hat sie auch jedes Mal sehr mitgenommen.

Traurige Grüße

Melina :cry:

Dante
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Beitrag von Dante » 18.12.2015, 16:19

Deiner Tochter jetzt etwas vorzuspielen, was sie eh durchschaut, nimmt sie zumindest genauso mit, Melina. :?
Ich würde das so halten: Weihnachten nüchtern oder Weihnachten getrennt. & wenn er mit einer Fahne anrückt, kann er gleich wieder gehen.

Syrinx
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Re: Alle Hoffnungen zerplatzt...

Beitrag von Syrinx » 18.12.2015, 17:18

Hallo Melina!
Melina71 hat geschrieben:Und wenn ich es richtig verstanden habe, muss diese Trulla von der Beratungsstelle sich auch noch so geäußert haben, von wegen, er wäre ja 'kein hoffnungsloser Fall' und könne wieder zu normalem Trinkverhalten zurück kehren. Gehts eigentlich noch??? Wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich am liebsten hinfahren und der mal ein paar Takte erzählen!!!
Das sagt...? Wer? Er? .... Nun ja. Ich kenne deinen Freund nicht, kann mir kein Urteil erlauben! Aber aus meiner Erfahrung heraus, würde ich nicht alles "blind" glauben.

Deine Geschichte erinnert mich sehr an meine. Er, meine erste große Liebe mit 14 Jahren und nach 30 Jahren ein Wiedersehen. Wieder die größte Liebe, Fernbeziehung... zack. Hammer. Alkoholiker. Seit vielen Jahren. Wenn du Langeweile hast, kannst du gerne mal bei meinem Beitrag reinlesen.

Bei mir hat er auch immer alles sehr verharmlost. Hat vom kontrollierten Trinken gesprochen. Das er da schon jahrelang Alkoholiker war, hat er aber nicht erwähnt. Warum auch, sonst hätte er mich ja verschreckt.

Ich bin ein Gut-Mensch, ich bin da für Menschen, die mir etwas bedeuten. Gebe niemanden einfach so auf... Nun wohnt er (nach einem Entzug und wirklich glaubhaften Bekundigungen, dass er das Trinken sein lassen will mit jeder Konsequenz) seit 4 Wochen bei mir. Es gab 2 Rückfälle, von denen ich 100%ig weiß und nach meiner Einschätzung trinkt er seit 2 Wochen wieder regelmässig, allerdings so wenig, dass er vielleicht meint es vor mir verheimlich zu können. Ich rieche es, ich merke es, ich sehe es an seinem Gesicht. Seit einer Woche ist die Beziehung beendet und er weiß, dass er wieder ausziehen muss. Er streitet alles ab, er beteuert, dass er keinen Schluck trinkt... natürlich bin ich nun die ganz Böse!
Alles umsonst... Gut, für mich war es lehrreich, denn scheinbar konnte ich es erst so kapieren, dass es Menschen gibt, für die es keine Hoffnung gibt. Er ist so ein Mensch.

Warum ich dir das alles schreibe? Du hast eine 6 jährige Tochter. Nehme die Beine in die Hand und renne.... schau nicht zurück, da ist nur Elend...

Es tut mir unglaublich leid, dass du das nun durchmachen musst, nach den schlimmen vergangenen Jahren. Auch wenn ich dich nicht kenne, sage ich voller Überzeugung: Das hast du nicht verdient! Niemand hat so etwas verdient.

LG Syrinx

Melina71
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Beitrag von Melina71 » 18.12.2015, 17:20

Dante hat geschrieben:Deiner Tochter jetzt etwas vorzuspielen, was sie eh durchschaut, nimmt sie zumindest genauso mit, Melina. :?
Ich würde das so halten: Weihnachten nüchtern oder Weihnachten getrennt. & wenn er mit einer Fahne anrückt, kann er gleich wieder gehen.
Das ist an sich gar nicht mein Problem. Ich bin mir eigentlich sicher, dass er hier und speziell an Weihnachten nichts trinken würde. Aber dass er an sich überhaupt wieder Alkohol angerührt hat, zeigt doch deutlich, dass er das Problem nach wie vor nicht ernst nimmt.

Er war jetzt gerade mal 2,5 Monate trocken, das hat er vorher auch schon öfter gepackt, selbst ohne 'Therapie'. Aber dann geht es halt wieder los. Und das Problem ist, dass er eben nicht nach einem oder zwei Glas aufhört. Es wird gesoffen, bis man keinen geraden Satz mehr formulieren kann. Es werden heimlich Vorräte angelegt und heimlich die Schnapsflasche angesetzt.

Für mich ein Stadium, das 'kontrolliertes' Trinken nicht mehr zulässt, jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. UNd wir hatten klare Absprachen, wenn er das nächste Bier trinkt, ist es aus. Oder ist das zu krass? Wenn ich immer wieder nachgebe, mache ich mich ja auch total unglaubwürdig. Ihm gegenüber, meiner Tochter gegenüber und mir selbst letztendlich auch... :roll:

Rhein
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Beitrag von Rhein » 18.12.2015, 19:58

Hallo,

- ich stimme Srynx zu: ob das so stimmt, was die Frau von der Beratungsstelle angeblich gesagt haben soll wirklich gesagt hat steht in den Sternen.
- wenn ihr eine klare Absprache hattet, dass es nach dem nächsten Bier aus ist, dann müßte jetzt aus sein, oder? Warum würdest ansonsten eine solche Absprache fordern? Warum hast Du wirklich diese Abpsrache so getroffen?
- Alkokohliker sind krank. Es ist eine Krankheit. Er sollte wegen sich selber gesund werden wollen und wegen nichts anderem.
- scheinbar hat er seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht. Ansonsten würde er dauerhaft aufhören.
- ich habe das Gefühl, dass dir die Beziehung nicht gut tut, da Du auf Lauer liegst, ob er getrunken hat, in der Ferne.
- zudem dann die Infos der Eltern, die ihrem Sohn sicher auch nur das Beste wünschen.

Worauf wartest Du?

Gruß
Rhein

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Beitrag von Melina71 » 19.12.2015, 19:37

Worauf warte ich???

Wahrscheinlich immer noch auf das Wunder der Einsicht. Auch wenn ich es besser wissen sollte.

Es ist einfach echt schwer für mich... wie wohl letztendlich für alle hier... mir ging es furchtbar schlecht nach dem Tod meines Mannes... dann dieser Silberstreif am Horizont. Dieses Glück, einen Menschen kennzulernen, den man glaubt, schon Jahre zu kennen. Es war einfach von Anfang an diese unglaubliche Nähe und Vertrautheit... es fällt so unglaublich schwer, das wieder loszulassen...

Erst die Freude, dass das Schicksal es endlich mal wieder gut mit mir meint... und dann die bittere Erkenntnis, dass es doch wieder nur ein Tritt in den Hintern war... ich kann damit einfach nicht umgehen...

:cry:

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Beitrag von Melina71 » 21.12.2015, 09:04

So, jetzt ist die Katze sozusagen aus dem Sack. Wir haben gestern nach ein paar Tagen Funkstille telefoniert.

Die Therapeutin hat mit ihm wohl tatsächlich über das Erlernen des sogenannten kontrollierten Trinkens gesprochen. Ich habe darüber jetzt noch mal intensiv nachgelesen, auch da gibt es ja sowohl Befürworter als auch Gegner.

Es kommt wohl sehr auf den Einzelfall an. Bei körperlicher Abhängigkeit braucht man logischerweise da nicht drüber nachdenken. Bei meinem Freund ist es ja so, dass er sehr wohl auch über einen längeren Zeitraum komplett drauf verzichten kann (jetzt waren es z.B. 2,5 Monate). Ob diese 'Technik' bei ihm funktionieren könnte, steht in den Sternen. Alles in allem gehe ich eher mal davon aus dass nicht. Wenn er es bis jetzt nicht kontrollieren konnte, warum sollte es dann plötzlich gehen. Er meint, weil er jetzt viel mehr Wissen hätte, zusätzlich ja weiterhin die Therapie machen würde...

Ich bin jetzt erst mal hin- und hergerissen, wie es weitergehen soll. Fakt ist ja, dass er sich nach Jahren überhaupt mal ernsthaft mit der Problematik auseinandersetzt, das hat er bisher wohl wirklich nie getan.

Ich bin halt - was das Thema angeht - ein gebranntes Kind. Finde es schon furchtbar, wenn Leute nur leicht angesäuselt sind, was andere rein gar nicht stört. Ob ich dann mit dieser Methode leben kann??? Ich wage das zu bezweifeln...

Aber jetzt knallhart zu sagen, dass es aus ist, obwohl er sich ja wirklich bemüht, erscheint mir auch nicht richtig.

Bleibt also nur, abwarten, WACHSAM bleiben und sehen, was die Zukunft bringt...

@Syrinx: Bin immer noch am Lesen von Deinem Thread und hab deswegen noch nicht direkt geantwortet...

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 21.12.2015, 10:11

Hallo Melina,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.
Die Therapeutin hat mit ihm wohl tatsächlich über das Erlernen des sogenannten kontrollierten Trinkens gesprochen.
Ich habe noch keinen einzigen trockenen Alkoholiker getroffen, bei dem kontrolliertes Trinken funktioniert hätte.
Das würde er auch in jeder Selbsthilfegruppe zu hören bekommen. Dies ist bei Therapeuten nicht der Fall, gibt ja kaum welche die Abstinenzerfahrung weiter geben können. Nur vom anlesen und lernen kann Sucht nicht verstanden werden.
Woher weißt du, ob er seit 2,5 Monaten nichts getrunken hat? Hast du ihn kontrolliert?
Einem nassen Alkoholiker kannst du seine Angaben über seinen Konsum nicht glauben, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Die haben soviele Tricks auf Lager, da kannst du nur staunen.

Warum willst du wachsam bleiben? Aufpassen ob er etwas trinkt? Liebe Melina vergiß es, er wird seine Nischen finden.
Du bist machtlos, und wenn es dir beim "angesäuselt" sein schon zuviel wird, warum willst du dir es dann antun?
Du kannst ihn nicht retten, und kündige auch bitte nur Konsequenzen an, die du auch ausführst. Du machst dich ansonsten unglaubwürdig, und glaub mir, er weiß ganz genau, wie er dich wieder beruhigen kann.
Sei WACHSAM für dich und deine Tochter.
Ich habe es selbst erlebt, die ganzen Versprechungen, die Lügen, ich bin dabei fast mit kaputt gegangen.
Pass auf dich auf.


lg Morgenrot

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