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Wie soll ich mich entscheiden ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Aurora
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Beitrag von Aurora » 18.02.2016, 22:59

Liebe Cielo,
XY ist nun seit letzter Woche immer noch ohne Alkohol und zuvorkommend, liebevoll, mit meinen Eltern redend,... Jetzt kommt schon wieder so eine Stimme in mir die sagt: was hast Du denn ??? Stell dich doch nicht so an, er liebt Dich, arbeitet,ja ok du hast kein Vertrauen mehr, aber hast du dir das nicht vielleicht eingeredet ???
Kennst Du so etwas ??
Oh ja, das kenne ich leider nur zu gut :(
Das ist dann so die Sache mit dem Selbstvertrauen. Ich habe meinen Gefühlen und Wahrnehmungen nicht vertraut. Meinem Ex natürlich auch nicht... und doch bin ich geblieben. Viel zu lange. Es gab immer für mich einen Grund, weshalb ich mich nicht trennen konnte. Der Hauptgrund aber, den wollte ich nicht sehen. Der Hauptgrund war einfach Angst. Und dass ich dachte, ich hätte eben nichts anderes verdient und könne noch froh sein. Und ich fühlte mich schuldig. Verantwortlich.

Ja, ich kenne das zu gut. Immer wenn ich ernst wurde und sagte, ich hau ab, wurde mein Exmann freundlich, hörte auf so viel zu trinken und gab mir das Gefühl, unentbehrlich zu sein. Das habe ich mit Liebe verwechselt und war wieder im alten Kreislauf.

Es ist nicht einfach, neue Wege zu beginnen. Es tut weh, Grenzen und Schlussstriche zu ziehen. Wenn du es nicht gewohnt bist.
Es tut weh, aber es ist trotzdem zu schaffen. Hab nur Mut, du kannst das!

Liebe Grüße
Aurora

cielo72
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Beitrag von cielo72 » 19.02.2016, 10:55

Guten Morgen Kitz,Rhein und Aurora,

danke auch für Eure Antworten und den Tipp mit der Beratungsstelle werde ich machen.

Welchen Fehler ich wieder gemacht habe, dass ich irgendwann nicht die Grenze bei XY gezogen habe. Dass ich immer versuche, für alles und jeden dazusein, es jedem "Recht" zu machen und dabei mich verliere und nicht mehr auf mich höre..dass ich nicht ich bin, sondern so wie mich andere sehen möchten/wollen.

Ja Aurora, wenig Selbstvertrauen und Angst ist es, das stimmt. Dann noch die "Scham" dass ich dann mit 2 Kinder alleinerziehend bin, mit unterschiedlichen Vätern. Die Trauer wo mich gerade in den letzten Tagen irgendwie "einholt" vielleicht weil ich seither immer weitergemacht hatte.Meine Eltern, welche sich so sehr gefreut haben, dass ich endlich einen "anständigen" Mann habe...

Gestern erzählte mir meine große Tochter etwas Schreckliches, sie wäre beinahe von einem Auto überfahren worden.. sie kam nach dem Turnen heim, ganz gefasst, da sie ausnahmsweise XY holte (da kein Alkohol) und ich die kleine Tochter ins Bett bringen konnte. Sie wollte es mir zuerst nicht erzählen, nur als ich ihr versprach, dass ich XY nichts davon sage, "sprudelte" es mit Tränen aus ihr heraus.. Nach meiner Nachfrage warum ich XY nichts erzählen soll, meinte sie, sie hätte Angst wie er reagiert..
Puh habe immer noch so ein furchtbares Gefühl wegen dem was beinahe passiert wäre.

Sage mir immer wieder dass ich doch schon so viel mitgemacht habe und dafür auch Mut und Stärke brauchte..

cielo72
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Beitrag von cielo72 » 26.02.2016, 10:25

Guten Morgen,
nach einem Wochenende voller Kopfschmerzen kann ich héute wieder klar denken.
Gestern habe ich mit XY gesprochen (nachdem er nun schon seit 2 Wochen nichts trinkt), doch was für ein Gespräch ?!!
XY meinte gleich am Anfang, dass er sich gesagt hatte wenn er gehen muss geht er, bezahlt aber nur für unser Kind, er möchte nur glücklich sein,trinkt keinen Alkohol mehr und versucht nur für die Familie da zu sein. Wenn ich nicht mehr will soll ich es ihm sagen und er geht.XY war nur genervt... Ich versuchte zu erklären, dass mich sein Verhalten verletzt z.Bsp. wenn er sich heimlich mit ihr trifft, an ihren Geburtstag denkt (Telefoniert und ein Geschenk vorbeibringt) und meinen vergisst.. bin gar nicht dazu gekommen mehr zu sagen, da XY meinte sie wäre "eine gute Freundin". XY war dann beleidigt und meinte "lass mich in Ruhe "..

Heute morgen dann dass XY mich liebt und dass er mit dem Alkoholentzug/Gewichtsabnahme/Arbeit gerade an sein Limit kommt.

Merke dass ich schon wieder so viel über ihn schreibe...Einerseits sagt mir eine Stimme, komm dann bleibt alles beim alten, sei nicht so und mache alles kaputt.... und die andere Stimme, wenn XY bleibt wird sich gar nichts ändern, es wird weitergehen mit dem Lügen/Betrügen,...

Aurora
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Beitrag von Aurora » 26.02.2016, 22:15

Hallo Cielo,
Heute morgen dann dass XY mich liebt und dass er mit dem Alkoholentzug/Gewichtsabnahme/Arbeit gerade an sein Limit kommt.
Aha... und nun? Hat er seine Trinkpause schon beendet? Für mich hört sich so etwas nämlich genau danach an. Und du machst ihm auch noch Druck, indem du ihn mit Dingen konfrontierst, du Böse (ich mein das nicht böse!) , aber so sind oft die Denkweisen und ich kenne auch das sehr gut!

Dieses "nun trink ich ja schon nichts mehr und du bist immer noch nicht zufrieden und machst hier Stress" und dann "da kann ich auch gleich wieder trinken, denn ich aaaaarmes Opfer halte das nicht aus".

Und schwupps, schon hängst du drinnen. Ja, wie fühlst du dich? Fühlst du dich schuldig? Überfordert? Ratlos? Ängstlich, ihm zu viel Druck gemacht zu haben? Ängstlich, weil du ein wenig von deinen Gefühlen preis gegeben hast und ihm damit Druck und ein schlechtes Gefühl machst? Ihn kränkst, überforderst?

So sollst du dich auch fühlen, aus seiner Sicht, denn so wirst du weiterhin so gut für ihn funktionieren wie immer. Und er ist fein raus, denn die Schuldige an allem bist ja du. Er hat doch alles getan, nur du bist wieder mal nicht zufrieden.
die andere Stimme, wenn XY bleibt wird sich gar nichts ändern, es wird weitergehen mit dem Lügen/Betrügen,...
Ich denke mal, diese Stimme hat Recht.
Einerseits sagt mir eine Stimme, komm dann bleibt alles beim alten, sei nicht so und mache alles kaputt....
Und diese Stimme ist eines der Muster, das dich immer wieder an alten und schlechten Beziehungen festhängen lässt. Das ist die Stimme: Verantwortung, Schuld und Angst. Und ein Gefühl von: ich hab's eben nicht anders verdient, so wie ich bin...

Kann sein, ich liege damit falsch, dann schmeiß es in die Tonne. Ich will dich auch keinesfalls damit kränken oder so, nur Gedanken anstoßen.

Hab Mut und vertraue der Stimme die sagt, wenn er bleibt, wird sich nichts ändern. Das ist ein Gefühl von dir, ein Gefühl von Selbstfürsorge und Wertsein. Lass mal diese Stimme ruhig lauter in dir werden.

Liebe Grüße
Aurora

cielo72
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Beitrag von cielo72 » 29.02.2016, 09:28

Liebe Aurora,

danke für Deine Antworten und ich bin keinesfalls gekränkt, denn ich möchte doch auch einiges von mir verstehen oder ändern.

XY trinkt keinen Alkohol mehr, aber es ist trotzdem so, dass bei mir in meiner "Gefühlswelt" etwas kaputt gegangen ist. Gerade auch das Thema Betrügen/Belügen, wo XY sofort "genervt" ist, wenn ich ihn mit der Wahrheit konfrontiere. Fühle mich für ihn so benutzbar, ein paar Häppchen von "ich liebe Dich, ich will keine Frau außer Dir,Du bist wunderbar" und XY macht dann so weiter als wäre nichts gewesen..

Du hast Recht, natürlich denke ich, wenn ich nun die Beziehung beende, dass er dann wegen dem wieder anfängt zu trinken,.. Sein Arbeitsplatz ist evtl,.auch gefährdet, unser gemeinsames Kind, wo jeden Tag nach "Papa" ruft und dann wieder diese Seite von mir das kannst Du nicht machen..

Ich muss diese Stimme von Selbstfürsorge und Wertsein tatsächlich lauter werden, denn ich merke dass ich überhaupt nicht mehr glücklich bin, freue mich auch nicht mehr auf die Wochenenden... Dann natürlich das "Umfeld" : wie kannst Du nur so etwas machen ???

Doch ich glaube ich kann..

Aurora
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Beitrag von Aurora » 29.02.2016, 10:07

Liebe Cielo,

ich freue mich, dass du dich meldest und vielleicht auch was mit meinen Beiträgen anfangen kannst :) .

Dieses Umfeld, meene Jüte, das kenn ich ja auch :shock: .
"Das kannst du doch nicht machen..."
"Wenn du gehst, geht er ganz unter..."
"Nun sei doch nicht so hart..."
"Du musst eben mehr Druck auf ihn ausüben..."
"Du musst ihn besser kontrollieren..."

Das sind nur ein paar von den Sprüchen, die ich gehört habe. Und die mich fest gehalten haben.

Heute weiß ich, niemand aus meinem Umfeld lebt ja mein Leben. Mein Leben lebe ich. Und darum darf ich auch entscheiden, wie ich es lebe. Und wenn es mir nicht gut geht mit meinem Leben, habe ich das Recht, das zu verändern.
Du hast Recht, natürlich denke ich, wenn ich nun die Beziehung beende, dass er dann wegen dem wieder anfängt zu trinken
Das ist auch so ein Todschlaggedanke... Er wird dann wieder anfangen, wenn er es will. Und dazu wird er immer einen Grund finden! Da hast du keinen Einfluss darauf. Er wird es vielleicht so hinstellen, dass du Schuld hast. Aber das hast du nicht! Niemals! Es ist immer seine Entscheidung. Oder hältst du ihm die Pulle an den Mund? Und zwingst ihn zum Trinken?
Doch ich glaube ich kann..
Ich glaube es auch!

Liebe Grüße
Aurora

cielo72
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Beitrag von cielo72 » 29.02.2016, 12:13

Liebe Aurora,

schreibe nie von unserem PC zu Hause, daher kann es manchmal etwas dauern.

Manchmal gehen einem die Gedanken gar nicht mehr aus dem Kopf und ich möchte dieses "Rädchen" wo sich dreht und dreht am liebsten abstellen. Bin natürlich sehr nachdenklich, und ein Teil von mir hat auch gehofft, bei unserem Gespräch, dass XY sagt das alles nicht stimmt,... doch dem war so nicht. Natürlich kam wieder, "Du kommst aus einer kranken Beziehung " und nun sehe ich alles nicht so richtig. Und dann sage ich mir, schalte Deinen Verstand ein: Das was alles war und noch ist, ist nicht normal und wir haben auch keine "offene Beziehung" oder ähnliches vereinbart. Meine "endlose" Geduld mit dem Alkohol war auch nicht normal... und was haben wir noch miteinander?

Verständnis - kaum, Zärtlichkeiten - weniger, Respekt - ?, von einem anderen Thema ganz zu schweigen...

Aurora
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Beitrag von Aurora » 29.02.2016, 18:50

Liebe Cielo,

ja, diese Rädchen im Kopf können sehr anstrengend sein.

Mein Therapeut hat mir da mal einen Tipp gegeben, wie ich versuchen kann, das abzustellen.

Habe ich solche Gedankenspiralen kann ich mir sagen: "Stopp jetzt da oben. Ich habe jetzt lange nachgedacht und bin erst mal zu keinem Ergebnis gekommen. Jetzt leg ich die Gedanken mal beiseite und hole sie später wieder hervor. Jetzt ist Zeit für was anderes." Oder so in der Art geht das. Klappt mal und mal nicht bei mir. Vielleicht magst du das mal versuchen.

Denn die Rädchen da oben drehen sich, ganz klar. Aber eine Spontanlösung wird es nicht geben. Das geht nur Schritt für Schritt. Also mach dir nicht noch extra Druck, wenn nicht gleich alles klappt. Oder du Schuldgefühle hast, weil du diese Dinge so lange mitgemacht hast. Das, was war, kannst du nun eh nicht mehr ändern. Nur das, was jetzt wird. Und das geht eben nach und nach.

Liebe Grüße
Aurora

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