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Mit Verdacht auf Co-Abhängigkeit Beziehung beginnen?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
JanaP
neuer Teilnehmer
Beiträge: 3
Registriert: 19.05.2017, 19:51

Mit Verdacht auf Co-Abhängigkeit Beziehung beginnen?

Beitrag von JanaP » 19.05.2017, 21:55

Hallo, ich bin Jana, 30 Jahre alt und Studentin. Letzten Winter habe ich einen Mann kennengelernt, natürlich beim Bier trinken(was ich allerdings sehr selten tue) Wir verstanden uns auf Anhieb und ich verliebte mich sofort. Er schien ein paar Probleme zu haben aber ich fand ihn so unendlich reizvoll und wollte ihn unbedingt kennenlernen . Also trafen wir uns anfangs in größeren Abständen immer nachts immer in einer Bar. Ich dachte nicht darüber nach.. Er hat einen sehr guten Beruf (den Gleichen, den ich anstrebe) arbeitet hart und viel und ist sehr erfolgreich.

Inzwischen ist er auch verliebt in mich und wir sehen uns fast täglich aber meistens ist Alkohol im Spiel. Ich nenne es noch keine Beziehung weil ich merke, dass ich mich nicht richtig darauf einlassen kann. Er hat mich schon sämtlichen Freunden vorgestellt und seiner Familie, ich nicht.

In seiner Familie sind fast alle Alkoholiker und sehr erfolgreich. Und immer wenn ich ihn darauf anspreche dass er ziemlich viel trinkt, erzählt er mir wie erfolgreich alle trotzdem sind...

Ich habe große Angst mich auf eine Beziehung mit ihm einzulassen weil ich glaube, dass mich das runterzieht auch wenn er damit mehr oder weniger klarkommt. In meiner Familie wird kaum Alkohol getrunken und er ist der erste Mann, den ich kennengelernt habe bei dem das so ist... ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll oder ob ich schnell weglaufen soll bevor wir uns total verstricken...

Heute habe ich den ganzen Tag "verschwendet" indem ich über gestern Abend nachgedacht habe. Er war krank im Bett und ich wollte zu ihm gehen und ihm was von der Apotheke bringen. Er fragte ob er Bier trinken darf(weil ich deswegen schon mal gegangen bin), ich sagte nein, ausserdem bist du krank. Später schrieb ich dass ich losfahre und er antwortete, dass er dachte, dass ich nicht mehr komme und jetzt Bier getrunken hat. Das hat mich verletzt und ich drehte dann wieder um und habe ihn nicht besucht. Jetzt herrscht gerade Funkstille.

Ich bin im Moment sehr nachdenklich und möchte wissen ob ich schon co abhängig bin... ich fühle mich so ratlos und verwirrt. Manchmal denke ich er hat recht, er macht das seit Jahren stabil so und ich komme daher und mische mich ein. dann sehe ich aber wie er auch in meiner Gegenwart nicht aufhören kann zu trinken und bin erschüttert und finde ihn eindeutig krank. Ich bin noch nie zuvor an einen Alkoholiker geraten und mache mir Sorgen darüber dass ich nicht richtig damit umgehe und will auch nicht dass Trennung der einzige Weg ist....

Was ist Eure Meinung dazu?

Danke Euch und freue mich über Antworten

B.Nyborg
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Registriert: 15.08.2008, 15:02

Beitrag von B.Nyborg » 20.05.2017, 01:12

Hallo JanaP,
willkommen in unserem Forum.

Mit allem, was ich heute weiß,
würde ich gehen, laufen, rennen,
wenn ich wüsste,
dass Alkoholismus im Spiel ist.
Eine Entscheidung kannst nur du treffen,
"drin" steckst du, glaube ich, allemal,
selbst wenn du dich noch zurück hälst,
mit dem Beziehungswort,
so leben wir ja immer in Beziehung zueinander.

So wie du euch schilderst,
euer Kennenlernen und Zusammensein,
immer mit Alkohol und
einem Mann, der das so leben WILL,
was er darf,
weil es sein Leben ist,
all deine Zweifel,
die an dir nagen und dich
nachdenken lassen,
ob du das so willst
oder dass du das so nicht willst..
Du kannst niemand retten,
trocken legen, wenn er nicht will.
Auch das dir zu liebe
nicht trinken,
all das hat bisher nie zu einem guten Ende gefunden,
in keiner Geschichte,
die ich kenne.

Viele Grüsse, B.Nyborg

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 20.05.2017, 10:19

hallo Jana,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.

Es soll sogar erfolgreiche Chirurgen geben, die nur mit einem gewissen Pegel operieren können, aber dieses erfolgreich sein, sollte dein Handeln nicht bestimmen.
Alkoholiker gibt es in allen Schichten, das sind nicht nur die Menschen auf der Parkbank. Das sind auch viele in Anzug und Krawatte, wie du es ja selbst erlebt hast.

Du machst dir Gedanken um das Trinkverhalten eines anderen Menschen, und wenn das der Fall ist, solltest du dir vertrauen und nicht den Sprüchen des Trinkenden.
Deine Gedanken und Wahrnehmungen sind richtig, und verdienen es ernst genommen zu werden.
Richtig ist auch, dass du keinen nassen Alkoholiker "trocken legen" kannst, mit keiner Liebe der Welt.
Wenn du jetzt in dieser frühen Phase schon "Bauchschmerzen" hast, dann renne, denn es wird nicht besser, das kann ich dir aus Erfahrung sagen.


lg Morgenrot

Martin

Beitrag von Martin » 20.05.2017, 14:51

Hallo Jana,

ich bin trockener Alkoholiker und aus meiner Sicht funktioniert ein Alkoholiker nicht ewig.

Irgend wann reicht die Alkoholmenge nicht mehr um den Pegel zu halten und es wird mehr getrunken.

Das geht über Jahre bis auch auf der Arbeit oder morgends getrunken werden muss.

Ich habe es an mir selbst erlebt, überlege dir ob du so einen Mann möchtest.

LG Martin

Chuck81
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Beitrag von Chuck81 » 27.05.2017, 19:59

Schnell weg!

B.Nyborg
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Beitrag von B.Nyborg » 28.05.2017, 02:33

Hallo JanaP,
wie ist es dir denn ergangen in der Zwischenzeit?

Viele Grüsse, B.Nyborg

JanaP
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Re: Mit Verdacht auf Co-Abhängigkeit Beziehung beginnen?

Beitrag von JanaP » 24.06.2018, 12:36

Hallo, ich wollte mich nochmal zurückmelden.
Danke für Eure Tipps, ich hätte sie schon vor einem Jahr befolgen können... aber manchmal muss man aus Fehlern lernen..

Wir hatten ein wildes Jahr mit vielen aufs und abs, vielen schönen Reisen aber auch dramatischen Streits. Mein Vertrauen war bis zuletzt nicht wirklich gewachsen und wurde vorallem immer wieder zerstört wenn Alkohol ins Spiel kam.

Anfang Juni habe ich mir ein paar Tage Abstand verschafft und gemerkt, wie gut es mir tut nur von mir abhängig zu sein und nur mit meinen Freunden zu planen auf die ich mich zu 100% verlassen kann. Ich habe in der Zeit gemerkt, dass ich absolut nicht mehr mit ihm planen kann und will, weil es im letzten Moment meistens scheitert weil er doch lieber saufen gehn will und dann doch nicht kann. Ich wollte auch keinen Urlaub für den Sommer buchen, weil ich mich irgendwie eingezwängt und unfrei gefühlt hätte und wohl schon gemerkt habe dass ich nicht mehr will.

Es waren ein paar Dinge passiert, die für mich wirklich nicht ok waren und als jetzt auch kurz vor dem Geburtstag meiner Mutter doch ein Rückzieher kam wegen Saufen gehn( und dann nicht fit sein um den Eltern unter die Augen zu treten, daher lieber nicht zum geburtstag(der schon lange zusammen geplant war)) habe ich mich schliesslich vor ein paar wochen von ihm getrennt, nach ziemlich genau einem Jahr Beziehung. Wir haben seither keinen Kontakt und ich blühe total auf. Die Depression die ich hatte löst sich gerade auf und ich habe viel Zeit und Energie und Liebe für mich übrig.

Er ist zurück in den Kneipen und jedes Wochenende am saufen, wie ich von gemeinsamen Freunden höre und das finde ich sehr krass aber helfen kann wohl nur er sich und ich werde diese "Entscheidung" für den Alkohol statt für Beziehung Liebe Vertrauen als Nichtalkoholikerin wahrscheinlich nie verstehen können. Ich weiß nur mit dem Kopf dass es so richtig ist. Mir kam zuletzt immer wieder dieser Spruch von Georg Christoph Lichtenberg in den Kopf: "Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll."

Jetzt ist es anders :) Es ist noch etwas komisch aber eigentlich schon viel besser, weil es leichter ist. Und ich kann es kaum abwarten jemanden zu treffen mit dem ein Wort ein Wort ist und ein Plan ein Plan und mit dem ich zu einer Party gemeinsam kommen und gemeinsam gehen kann. Dessen Wesen sich nicht ständig verändert und der Verantwortung für sich und sein Leben übernimmt.

Alles Liebe und Gute für euch alle! Und in Zukunft schließe ich mich eurem Rat uneingeschränkt an: Wenn ihr es irgendwann mit einem Alkoholiker oder einer Alkoholikerin zu tun bekommt, rennt so schnell ihr könnt!!!!!!!!!!! Es bringt einfach nichts.

Jana

JanaP
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Re: Mit Verdacht auf Co-Abhängigkeit Beziehung beginnen?

Beitrag von JanaP » 24.06.2018, 12:59

PS. Das klingt jetzt vllt als ob das alles ganz leicht war aber ich hatte professionelle Hilfe und das kann ich jedem in dieser Situation nur ans Herz legen. Ich war bei einer Suchtberatungsstelle bei einer Therapeutin die auch auf Coabhängigkeit spezialisiert ist und das hat mir sehr geholfen ganz klar zu werden und mich nicht mehr an irgendwelchen verklärten Hoffnungsschimmern festzuhalten. Sie sagte zB.: "Auch wenn er sich zusammenreißt und vll schon etwas besser geworden zu sein scheint und verspricht dass es stückweise aufwärts geht, er wird es ohne professionelle Hilfe wahrscheinlich nie alleine ganz raus schaffen, diesen Zahn muss ich Ihnen ziehen."
Und dann war da irgendwann so eine Art Gleichung in meinem Kopf die nicht aufging:
Alkoholiker+Nichtalkoholiker=inkompatibel => er hört auf(wird gesund) oder ich fange an(werde krank)...
ich möchte nicht krank werden und er geht nicht in Therapie also bewegen wir uns nicht auf einander zu => wir müssen uns trennen.

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