Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Die Prägung "Nicht stören"

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Martin

Beitrag von Martin » 21.10.2017, 21:53

Hallo Biene,
Ist ein Bedürfnis nach Freundlichkeit im Umgang miteinander schon zuviel Last, die ich ihm da aufbürde?
alles was ihn vom trinken abhält ist eine "Last" für ihn.

Es ist auch nicht so einfach die jeweils andere Seite zu verstehen, so geht es mir zumindest :oops:

Ich lese schon seit Jahren die Beiträge hier und ich habe immer noch Probleme die Co's zu verstehen.

Bei einem Alkoholiker ist mir das klar, der fühlt sich elend, krank wenn er nicht genug Alkohol bekommt.

Damit will ich die Alkoholiker nicht "freisprechen", sie müssen was unternemen um trocken zu werden.

Wie soll er sich denn plötzlich ein Leben ganz ohne vorstellen wenn er schon bei 2-3 Stunden Probleme bekommt.

Du solltest aber nicht glauben dass automatisch alles gut ist wenn er nicht mehr trinkt,

wer weiss was dann aus ihm wird/von ihm übrig bleibt :!:

LG Martin

Biene1967
neuer Teilnehmer
Beiträge: 48
Registriert: 25.08.2017, 17:38

Beitrag von Biene1967 » 01.12.2017, 15:58

Liebe Mitleser und -schreiber,

unsere Beziehung ist vorbei. Mein Partner hat sich vor 4 Wochen getrennt, einen Grund hat er nicht konkret genannt, war eben nur in den letzten Monaten immer unleidlicher. An mir fand er tausend Unzulänglichkeiten, war genervt u.s.w.
Eine neue Frau ist auch schon da, viel extrovertierter und auch lebendiger im Wesen als ich (sie war im letzten Jahr auf seinem Geburtstag).

Ja, ich bin traurig. Meine Therapeutin meinte (schon vorher war ich manchmal bei ihr), ich sei traurig um das Potential, das ich in ihm/uns gesehen hätte.
Ja .... wir sind Beide so Intros ,-) mit weichen Zügen.
Und ich bin traurig, so ausgetauscht worden zu sein in so eine ganz und gar andere Frau.

Heute las ich im Magazin einer Wochenzeitung das Inteview einer Paartherapeutin (Esther Perel) , die da sagt, man müsse spannend bleiben für den Partner, dann ginge es gut.
Ich bin nicht spannend, ich werde es nie sein.
Und das macht mir Angst.
Geht man so mit mir um, wirft man mich fort, weil ich nicht "spannend" bin?
Ich bin ein ruhiger, eher zurückgezogener Mensch. Ich meide Lautes, spiele keine Spielchen, trickse nicht, bin zuverlässig und berechenbar. Langweilig?

Ist man als solch ein Mensch
- anfälliger für schädliche Beziehungen?
- nicht liebenswert, da nicht aufregend?

Ich fühle mich gerade allein, auch ich habe nun einen "Entzug" von meiner Droge XY. Der ja auch gut war, grüblerisch, nachdenklich, introvertiert.

Dann wieder denke ich (denke, nicht fühle), dass ich die ganze Zeit in einer Mangelbeziehung war, in der meine Bedürfnisse keinen Platz hatten.
Denn sie galten meist als unangemessen oder meinen Defiziten geschuldet, insofern war xy nicht zuständig, sie zu erfüllen.
Doch der Wunsch nach in den Arm genommen werden ist doch ziemlich bescheiden. Irgendwann war ich mir sicher, dass das zuviel verlangt ist.
Und ich fühle mich "selbst schuld", dass ich das nicht bekommen habe.
Und wie bei vielen Verlassenen die Angst, die Nachfolgerin bekäme das nun alles und er bleibt nicht jede Nacht bis zwei Uhr mit Bier auf dem Sofa ...
Ich bin in all den Jahren allein schlafen gegangen. Immer.
Das war oft ein allein fühlen zu zweit. Aber es war die Option auf ein WIR da.

Mir fällt es sehr schwer gerade, das Alleinsein. Und dieses unfreiwillige Kopfkino, wie schön die zwei es nun haben.

Aurora
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 12445
Registriert: 02.05.2007, 13:47

Beitrag von Aurora » 01.12.2017, 22:06

Hallo Biene,

ja, das ist traurig, wenn eine Beziehung zu Ende ist, auch wenn sie irgendwann nicht mehr gut war. Es ist ja trotzdem ein Verlust von etwas.
Von Kindheit an bin ich gewohnt - oder geprägt - nicht zu "stören".
Ich glaube, diese Prägung ist bei dir ganz stark präsent. So wie du dich beschreibst. Und deine Ex-Beziehung. Was bedeutet es, "spannend" zu sein? Das verstehe ich nicht so ganz. In meiner Beziehung möchte ich Ruhe finden, Geborgenheit, Liebe. Und natürlich auch Lustiges, Leichtes, Freudiges. Aber Spannendes? Das habe ich mir noch gar nicht überlegt... Ich habe eine 26-jährige Lebenszeit mit meinem Ex hinter mir, da war es spannend und unberechenbar genug. Mit seiner Trinkerei und all dem... Das brauche ich echt nicht mehr, mein Bedarf ist gedeckt. Und bei dir?
Geht man so mit mir um, wirft man mich fort, weil ich nicht "spannend" bin?
Ich bin ein ruhiger, eher zurückgezogener Mensch. Ich meide Lautes, spiele keine Spielchen, trickse nicht, bin zuverlässig und berechenbar. Langweilig?
Vielleicht war es so in dieser gerade beendeten Beziehung. Das kann doch sein, dass dieser Mann da was anderes braucht. Das hat ja aber was mit diesem Mann zu tun und nicht mit dir! Hast du dir das schon mal so überlegt? Ich kenne Männer, die möchten eher so unaufgeregte Frauen wie dich (und ich bin auch so), das gibt es doch auch.

Und das heißt doch überhaupt nicht, dass du nicht liebenswert bist :shock: . Knall mal diesen Killergedanken in die Tonne, da gehört er hin :wink: .

Du bist es von Kindesbeinen an gewöhnt, dich ruhig zu verhalten und angepasst zu sein. Nur nicht stören und schon gar nicht eigene Bedürfnisse haben, die wahrscheinlich eh nicht befriedigt werden.

Dieses alte Muster ist für dich schädlich. Das hast du ja in dieser Beziehung selbst gemerkt. Es macht es dir schwer was einzufordern, was du gerade brauchst, zum Beispiel eine Umarmung. Du fühlst dich schuldig, solche Gefühle und Bedürfnisse zu haben, die ganz natürlich und menschlich sind. Wenn du nun noch solchen Partner hast wie deinen Ex, dann bedient das dein Muster ja klasse, denn er ist ja nicht in der Lage, dir das zu geben, was du brauchst. So wie früher...

Gut, dass du eine Therapeutin hast. Um das mal anzuschauen und zu entschärfen, dieses alte Muster.
Mir fällt es sehr schwer gerade, das Alleinsein. Und dieses unfreiwillige Kopfkino, wie schön die zwei es nun haben.
Ja, das Alleinsein fällt schwer, aber alleine warst du ja auch schon in der Beziehung.
Und ob die Beiden da es nun wirklich schön haben steht in den Sternen. Du bist jedenfalls diesen Mann los, der nicht bereit war, dir ein Minimum an Zuneigung zu geben. Ist das wirklich solch Verlust?

Das fühlt sich bestimmt gerade trotz allem so an. Aber das vergeht auch. Ich wünsche dir eine gute Nacht und morgen einen schönen Tag, vielleicht hast du etwas Nettes vor?

Liebe Grüße
Aurora

Helli 48
neuer Teilnehmer
Beiträge: 7
Registriert: 27.11.2017, 17:26

Beitrag von Helli 48 » 04.12.2017, 09:12

Hallo Biene,

Wie geht es Dir?
Nachdem Du mir auf meine Geschichte geantwortet hast habe ich mir Deinen Thread durchgelesen.
Alles was Du schreibst habe ich genauso erlebt. Nachdem ich nun schon mehr als ein Jahr getrennt bin habe ich mich bereits sehr ausführlich mit dem Thema Schuld zu sein und nicht zu genügen beschäftigt. Glaube mir, Du bist richtig so wie Du bist. Bei anderen sieht man das ja meist sehr deutlich, bei der eigenen Geschichte ist es meist nicht so klar.
Ich habe auch einige Therapiesitzungen hinter mir, auch früher schon nach Beziehungen. Die Prägung kommt aus der Kindheit ja, bei mir war da kein Alkohol im Spiel, aber die Scheidung meiner Eltern. Und ich musste danach mit 12 Jahren auch funktionieren wie es von mir erwartet wurde. Ansonsten wurde mir vorgehalten das ich genauso unzulänglich war wie meine Mutter, die ja die Familie verlassen hatte. Ruhig sein, sich so verhalten damit ich niemand provozierte, all das was Du auch beschreibst. Das setzte sich natürlich in Beziehungen fort. In der Familie gab es keine Zuwendung und auch in den Partnerschaften nicht. Davor waren es Männer die in der Karriere aufgingen oder anderweitig keine Zeit für die Beziehung hatten, bzw. keine Nähe zulassen wollten. Es muss also nicht unbedingt immer mit Alkohol zu tun haben. Aber natürlich war ich in dieser Konstellation die "richtige" Partnerin. Aber dann doch wieder nicht, denn ich habe mich schon sehr viel weiter entwickelt und erkannte bereits in welches Fahrwasser ich wieder gerate. Das ich mich auf ihn eingelassen hatte war weil ich ihn von früher kannte. Was genau das Problem war, er war noch der selbe, aber ich passte doch nicht mehr ganz in dieses Muster. Habe mich gewehrt, das nicht mehr hingenommen. Und trotzdem wurde ich mit der Zeit immer schwächer und alles was ich mir erarbeitet hatte drohte wieder einzubrechen. Ein Reden über Wünsche und Bedürfnisse ist ja hier nicht möglich. Und steter Tropfen höhlt den Stein- man glaubt es dann doch irgendwann wieder das man schuld ist. Es kommt in immer anderer Verkleidung daher. Hier konnte mir jemand ganz gut die Schuld geben weil ich ihn ja angeblich im Stich ließ. Und ich habe mich viel zu viel damit beschäftigt woher die Stimmungsschwankungen, die Du auch beschreibst, kommen, ob ich daran Schuld bin oder doch das Trinken. Und er hatte daher leichtes Spiel von sich abzulenken. Wenn man genug Selbstvertrauen hätte würde man sich diese Frage nicht stellen und die Konsequenzen aus so einem Verhalten ziehen.
Du schreibst, das ihr auch in einer Fernbeziehung ward. War zusammen ziehen auch bei Euch ein Thema? Und Du hin und hergerissen weil er gesagt hat das dann ja alles anders (besser) wäre mit euch?

So wie Du es beschreibst, beruflich bist Du selbstbewusst und kannst auch gut alleine etwas unternehmen. Aber in der Beziehung zieht es Dir den Boden unter den Füßen weg. Ich will mir privat kein Scheitern eingestehen, will nicht alles aufgeben in das ich investiert habe und kann Herz und Verstand schwer trennen. Um keinen Preis die Liebe verlieren, auch wenn der Preis zu hoch ist. Ich merke nicht wann ich aufhören muss zu kämpfen. Bis irgendwann nichts mehr über bleibt von mir selber.
Kann es sein das unsere Liebe dadurch so "gross" wird, weil wir derart darum kämpfen müssen? Das die Zurückweisungen und der Schmerz die Gefühle noch anfeuern?
Wenn ich schon ausgehungert war nach Zuwendung kam plötzlich die sensible und liebevolle Seite, die uns das Gefühl gibt das er ja doch so ein liebevoller Partner ist. Aber immer nur soweit wann und wieviel er brauchte.
Wenn er seine "Ruhe" wollte, war wieder schnell ein Grund gefunden um mich zurück zu weisen und zu schweigen. Du schreibst sinngemäß:" dann saß er mit glasigen Blick mit seinem Bier am Sofa". Es war furchtbar. Wenn der Schmerz nach der Trennung groß war habe ich mir dieses Bild hervorgeholt und mir gedacht : " Eigentlich schön wenn Du das nicht mehr sehen musst und um seine Liebe betteln". Und das wird dann klammernd weil es nicht mehr frei ist. Du wirst wieder zum bedürftigen Kind und er wird mächtig. Der die Beziehung kontrolliert hat die Macht. Und auch die Macht zu gehen wenn man nicht funktioniert.

Dieses Gefühl weggeworden und ausgetauscht worden zu sein hatte ich auch. Offiziell weil sie dort lebt wo er wohnt und in der Nähe ist, was ich ja nicht war. Inoffiziell weil sie mit ihm trinkt und dadurch die Beziehung sicher "besser" ist. Es fällt ja viel Druck und Schuld von ihm ab.
Vielleicht hilft es auch Dir irgendwann zu denken das, auch wenn er jetzt vielleicht glücklicher ist, diese Beziehung die er lebt nicht diese ist die Du brauchst und die Dir gut tut. Niemand ändert sich oder ist bei einem anderen Partner anders. Es kann nur sein, das diese neue Partnerin anders darauf reagiert, oder selber so ist- was auch immer.
Und auch für uns wird es diesen Einen geben, der uns Wärme, Zuneigung, gute Gespräche und Gemeinsamkeit bietet. Es gibt ihn und wir müssen ihn nur irgendwann sehen und in unser Leben lassen. Weil wir es nicht verdienen um Liebe kämpfen zu müssen. Das ist mein Mantra geworden
Das wir alle hier in irgendeiner Form das Gleiche erlebt haben macht uns stark.

In diesem Sinne, alles Liebe
Helli

Biene1967
neuer Teilnehmer
Beiträge: 48
Registriert: 25.08.2017, 17:38

Beitrag von Biene1967 » 04.12.2017, 17:44

Liebe Heli,

ja, Du beschreibst viel Vertrautes.
Insgesamt war es eine "Mangelbeziehung" für mich, ich bekam stets weniger, als ich brauchte. Vielleicht ist man deshalb zufrieden, wenn man überhaupt ein bisschen bekommt?
Und das abgewiesen werden, das wurde ja begründet mit meinen Mängeln.
(Beispiel: Ich bat ihn um eine Umarmung. "Warum brauchst Du das? Was ist mit Dir, dass Du das brauchst?")
So, als könne man mich eben nicht so lieben, wie ich es brauche bzw. mein Bedürfnis irgendwie besonders absurd wäre.

Und ich war mehr als bescheiden und gewiss nicht zu anspruchsvoll.
Nur so im Nachhinein fällt mir auf, dass mir das Wenige lieber war als so gar Nichts.

Die Trauer ist trotzdem da und wirklich auch diese Vorstellung, er kann das nun doch alles geben .... jemand anderem.
Wenn man ausgetauscht wird, dann glaubt man leicht, das Neue sei eben doch besser, liebenswerter.

Ich versuche mir auch manchmal dieses Sofa-Bier-Bild in den Kopf zu rufen, gelingt aber gerade nicht.
Im Moment überwiegt eben dieses Schuldgefühl, nicht liebenswert zu sein, er offenbar schon (neue Partnerin eben).
Und mein Kopfkino läuft, das dort alles gut ist.

Er sagte mal zu mir: "Warum ist es nicht leicht bei uns". Wie soll es für mich leicht sein, wenn ich immer nur auf mehr warte wie ein trockener Schwamm und ich vor allem nie das Gefühl hatte, es gibt ein WIR.
Einer gab in wohldosierten Portionen, ich war so "ausgeliefert", ob und wieviel man mir zuteilt. Unbefangenheit hatte da keinen Raum für mich und easy-locker-flockig war ich dann auch nicht.
Es blieb zu wenig übrig für ein Wir.

LG Biene

Helli 48
neuer Teilnehmer
Beiträge: 7
Registriert: 27.11.2017, 17:26

Beitrag von Helli 48 » 05.12.2017, 15:37

Hallo Biene,

ja, es wird wahrscheinlich sehr oft gleich ablaufen. Das ist ja einerseits das "Gute", man fühlt sich endlich verstanden.
Ich kenne auch die Zurückweisung wenn ich in den Arm genommen werden wollte sehr gut. "Du bist wie ein kleines Kind" oder " das wollt nur ihr Frauen, Männer sind da anders..." usw.
Martin hat geschrieben:
Du kannst dich verhalten wie du willst, es wird nie richtig sein oder etwas bringen.
Für einen nassen Alkoholiker zählt nur dass er in Ruhe trinken kann, alles andere stört nur.
Gehst du ihm aus dem Weg liebst du ihn nicht mehr, suchst du Nähe störst du ihn beim Trinken.
Redest du mit ihm kann es genau so falsch sein wie wenn du still bist.
Und da liegt der Schlüssel. Du musst Dir bewusst machen das XY suchtkrank ist. Ich habe das auch immer wieder ausgeblendet und das Gedankenrad ist wieder in der Schuld gefangen gewesen. Immer wieder von vorne: hätte ich doch dieses und jenes gemacht/nicht gemacht. Ich habe es ja oft genug gehört das dann alles anders wäre und er mich liebevoller behandeln könnte wenn ich doch nur.....
Was ich glaube ist, das er so lange Dir die Schuld gab bis er es selber glaubte das man mit Dir einfach nicht leben kann, so wie Du bist. Weil mit ihm ist ja alles ok, muss es sein weil er nichts ändern kann/will.( Ich meine das jetzt allgemein in diesen Konstellationen, nicht auf Dich persönlich bezogen). Und dann muss er sich eben jemand Neuen suchen und denkt jedes mal das er nun zufrieden sein wird, aber in Wirklichkeit wird es nie dieses Glück sein das er sucht. Er wird weiter unzufrieden sein, es kommen andere Probleme und es wird so lange weitergehen bis er sich seinem eigentlichen Problem stellt.
Das hab ich auch gehört:" warum ist alles so schwierig und kompliziert mit uns,.." das gehört alles in die Schiene das er das Opfer ist, weil er ja anscheinend soviel für die Beziehung macht, aber es halt leider an uns scheitert weil uns ja nichts genug ist! Was hat er WIRKLICH für die Beziehung gemacht?! Darüber denkst Du gar nicht mehr nach weil Du ja damit beschäftigt bist endlich selber alles richtig zu machen.
Ich fand es auch sehr ungerecht das er so schnell wieder jemand gefunden hat. Aber das ist sicher einfacher wenn man keinen großen Anspruch an die Beziehung hat, es ist jemand da und das passt. Und es ist der einfachste Weg, sieh es mal so.

Es ist schwer, aber geht vorüber. Ich habe ein Jahr lang fast jeden Tag geweint weil ich mich so schuldig gefühlt habe und hätte nie gedacht das es doch langsam klarer wird und der Schmerz auch weniger wird.
Du brauchst Geduld.
Viel Kraft und alles Liebe, Helli

Biene1967
neuer Teilnehmer
Beiträge: 48
Registriert: 25.08.2017, 17:38

Beitrag von Biene1967 » 05.12.2017, 17:09

Helli 48 hat geschrieben:
Das hab ich auch gehört:" warum ist alles so schwierig und kompliziert mit uns,.." das gehört alles in die Schiene das er das Opfer ist, weil er ja anscheinend soviel für die Beziehung macht, aber es halt leider an uns scheitert weil uns ja nichts genug ist!
Was hat er WIRKLICH für die Beziehung gemacht?! Darüber denkst Du gar nicht mehr nach weil Du ja damit beschäftigt bist endlich selber alles richtig zu machen.
Danke, liebe Helli,

darin erkenne ich Viele wieder.
Ich war so sehr damit beschäftigt, alles "richtig" zu machen, dass ich seine Schwäche (vor allem auch den Bierkonsum) nicht wahrnahm bzw. ausblendete. Ich war sozusagen abgelenkt, der Fokus lag ja bei meinen Schwächen (die ich zweifelsohne auch habe).
Manchmal (selten), wenn ich um etwas bat (in seinen Augen forderte, nun, ich bin eigentlich ein höflicher und sehr bescheidener Mensch), dann kam der Satz:
"Warum quälst Du mich so?" Mit Tränen in den Augen.
Und so war ich wieder schuldig, da ich "quälte".
Ja, und kleines Mädchen war ich natürlich auch, wenn ich bat, in den Arm genommen zu werden.
"Um so Etwas kann man nicht bitten. Das muss VON SELBST kommen."
Ich war irgendwann total verunsichert.
Bitten darf man nicht .... aber wie soll man dann authentisch sein? Sich zeigen mit Bedürfnissen?

Nicita
neuer Teilnehmer
Beiträge: 11
Registriert: 13.08.2014, 10:47

Beitrag von Nicita » 07.12.2017, 08:30

Hallo Biene,

ich melde mich auch mal, obwohl ich Gott sei Dank nie in einer Beziehung zu einem Mann war, der suchtkrank war und es hoffentlich auch nie kommen werde. Bei meinem Mann und mir ist das Thema Sucht durch meine Mutter und damit seine Schwiemu so präsent, dass wir beide da sehr gut aufpassen, was zuviel sein könnte. Ich dagegen trinke kaum Alkohol. Man könnte sagen, gelegentlich, wobei das auch übetrieben ist.

Dein Verhalten bzw. Deine Gefühle kenne ich dennoch - aber aus der Sicht der Tochter.

Meine Mutter (sie ist seit über 20 Jahren Alkoholikerin, seit 3 Monaten zwangstrocken und schwerkrank) hatte immer eine etwas unberechenbare Persönlichkeit. Ich glaube, das war schon immer so, auch damals, als sie quasi noch keine „echte“ sondern geduldete Alkoholikerin war.

Sie war einmal nett und liebevoll, dann wieder zornig und eingeschnappt und ich als Kind ständig hin und her gebeutelt, zwischen ihren Launen. Ich hab edann immer versucht mich auf ihre Laune einzustellen und besonders lieb zu sein, sie aufzuheitern, Späße zu machen, auszugleichen, denn wenn ich besonders lieb und bemüht bin, dann mag sie mich ja auch vielleicht wieder?!

Dieses Verhalten kann ein Kind gar nicht anders übernehme, denn ein Kind möchte ja, dass es geliebt wird von seiner Mama.

Als Erwachsene steckt das Verhalten aber immernoch in uns drin. Nur, dass es jetzt an der Zeit ist, dies zu ändern und überdenken. Gar nicht einfach ...

im Moment tangiert mich das nicht mehr so, aber ich weiss, dass es für mich als Kind sehr schwer war und ich habe das Gefühl gehabt, ich musst emich ständig verbiegen, denn ichbin ja Schuld daran, dass meine Mama so gereizt war.

Ich frage mich, ob vieles Alkoholiker nicht schon vorher ein einer Art Persönlichkeitsstörung leiden die natrlich durch die Sucht noch mehr verstärkt wird?

Heute bin ich dennoch überhaupt nicht frei von dem Thema Schuld. Hätte ich meiner Mutter nicht helfen können? War ich keine gute Tochter? Wäre ...
diese Fragen laufen auch bei mir ständig im Hintergrund ab und jetzt sowieso, wo alles auswegslos ist und ich mit ihr ihre letzte Zeit beschreite.

LG zu Dir, Du schaffst das. So schwer das ist (un dich kann es doch nachfühlen), er war Alkoholiker. Wer weiss, wie es noch gekommen wäre.
Es ist klar, dass du unendlich traurig und verletzt bist!!!
Denn Du hattest ja auch ein WIR gehofft. Aber mit ihm war nicht gut Kirschen essen.

N

Antworten