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Wie schaffe ich es ihn los zu lassen?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Sunny1976
neuer Teilnehmer
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Wie schaffe ich es ihn los zu lassen?

Beitrag von Sunny1976 » 03.10.2017, 16:35

Hallo, ich habe mich heute hier neu angemeldet, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Ich hatte im letzten Jahr schon viel in diesem Forum gelesen, bevor mein Mann und ich uns getrennt hatten und es hat mir sehr geholfen.

Ich habe meinen Mann vor über 10 Jahren kennen gelernt, zu der Zeit hat er bereits viel Alkohol (Bier) getrunken. Erst konnte ich alles nicht richtig deuten, wir haben da ja noch nicht zusammen gewohnt und am Anfang dachte ich mir noch nicht so viel dabei. Als wir dann im ersten gemeinsamen Urlaub waren und er dort nicht sein gewohntes Weizen bekommen hat kamen trotz normalen Bieres Entzugserscheinungen und er bekam Depressionen. Kurz nachdem wir wieder zuhause waren habe ich mich getrennt wegen des Alkohols. Dann vergingen ein paar Monate, aber er wollte einfach nicht aus meinen Kopf. Wir haben uns dann wieder getroffen und er hat zu dem Zeitpunkt nicht mehr getrunken. Alles war schön, dann ging es langsam wieder los. Nur mal ein Bier am Wochenende etc. Ich bin trotzdem weiter bei ihm geblieben, es ging über die Jahre auf und ab, mal mehr mal weniger und auch die totale Verzweiflung von ihm darüber mit der Bitte um Hilfe meinerseits. Ich habe immer versucht ihm zu helfen und zu ihm gehalten.

Wir haben schon immer viel gestritten, er ist sehr dominant und ich auch, wir haben uns viel aneinander gerieben. Er hat eine Gabe bei einem Streitgespräch, wo ich vorher absolut überzeugt war im Recht zu sein, mir die Worte im Munde zu drehen, so das ich am Ende die böse war.

Richtig schlimm wurde es als wir dann gemeinsam ein Haus gebaut haben. Wir haben viel gestritten, er wollte immer seinen Willen bei allem durchsetzen und als Rechtfertigung für die ganzen Streitigkeiten hat er noch mehr getrunken. Ich bin zu dem Zeitpunkt schon immer alleine ins Bett gegangen, und hab die Nacht dann kaum ausgehalten weil er so geschnarcht hat.

Im neuen Haus dachte ich es läuft besser, wir haben kurz darauf geheiratet, aber schon kurz danach fingen die Probleme wieder an. Er hat mir immer gesagt, er trinkt nur, weil ich so bin wie ich bin... niemand würde eine Frau mögen die nur meckert. Ich konnte aber einfach nicht anders. Mein Mann ist selbstständig und geht selten zu Arbeit. Zum Glück hat er gut Mitarbeiter und der Laden läuft trotzdem einigermaßen. Ich habe einen Vollzeitjob, der zu dem Zeitpunkt sehr stressig war. Bin ich abends nach hause gekommen, war die Küche eine Müllhalde und er hat im Bett seinen ersten Rausch von tagsüber ausgeschlafen. Bei mir hat er zu der Zeit schon nicht mehr geschlafen sondern im Gästezimmer. Ich habe gefleht und gebettelt, das es so nicht weiter geht und er hat mir immer Versprechungen gemacht und hat dann doch bis nachts gesessen und getrunken.

Als es ihm dann gesundheitlich schlecht ging wegen der ganzen Trinkerei hat er Anfang letzten Jahres einen Entzug gemacht. Als er wieder kam war er so euphorisch und gut drauf. Er wollte neu anfangen, ist jeden Abend mit mir ins Bett gegangen und hat seinen Ehering wieder getragen. Leider hat er aber sein Leben sonst nicht geändert, er hat weiter zuhause gehockt und jedes Wehwehchen in seinem Körper beobachtet. Dann hatte ich keinen betrunkenen Mann mehr zuhause sondern nur noch einen, der alle 5 Minuten seinen Blutdruck gemessen hat und unausstehlich war. Zu dem Zeitpunkt war mir schon klar, das es so nicht weiter geht und ich gehen muss. Kurz darauf hat er wieder angefangen zu trinken, er dachte er könnte kontrolliert trinken. Im Herbst letzten Jahres bin ich dann ausgezogen und war erst mal unendlich erleichtert. Keine Bierflaschen morgens mehr wegräumen, nicht die dauernden Sorgen um ihn. Wir hatten weiterhin aber viel Kontakt und haben uns häufig gesehen.

Nun hat er eine neue Freundin kennen gelernt und mir ist das Herz gebrochen. Er hat mir erzählt das sie einen guten Charakter hat, und auf ihn aufpasst und ihm so gut tut. Er würde jetzt auch nicht mehr so viel trinken und hätte schon viel abgenommen... für mich ist eine Welt zusammen gebrochen, er fehlt mir unendlich und ich kann nicht mehr... ich denke den ganzen Tag an ihn, ich denke das ich alles falsch gemacht habe und hätte ich nicht so viel gemeckert wären wir jetzt noch glücklich. Im Prinzip weiß ich, das ich nicht daran schuld bin, ich komme bloß nicht davon los. Es zerreißt mir das Herz, das er für sie nicht mehr so viel trinkt und wir es nicht geschafft haben. Könnt ihr mir Tipps geben, wie ich aus diesem extremen Tief wieder raus kommen kann?

Vielen Dank schon mal, Sunny

Elahase
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Beitrag von Elahase » 03.10.2017, 20:07

Oh man, Sunny...

das hätte ich schreiben können...unsere Geschichten ähneln sich sehr, vielleicht liest du mal meine Thread...und nimmst dir die vielen tollen Beiträge der anderen zu Herzen.
Ich versuche dies zu tun. Es klappt nicht immer und auch nicht beständig aber ohne die anderen hier, wüsste ich nicht, wo ich jetzt stehen würde.
Nur dieSelbstzweifel sind einfach zu groß...ich falle immer wieder zurück in dieses Loch...

Ich wünsche dir viel Hilfe hier!

LG Elahase

Sunny1976
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Beitrag von Sunny1976 » 03.10.2017, 21:05

Hallo Elahase,
Oh ja, das hört sich ziemlich ähnlich an zwischen uns. Er ist wirklich wie meine Droge und ich habe das Gefühl ich kann einfach nicht ohne ihn. Aber auch erst, als er jetzt eine Neue hat und alles so toll sein soll! Ich kann an nichts mehr anderes denken als an ihn und es macht mich so kaputt! Du hattest in Deinem Thread geschrieben das Du einen Termin beim Therapeuten gemacht hast... warst Du schon dort?

LG Sunny

Katrienchen
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Beitrag von Katrienchen » 04.10.2017, 09:03

sieh es doch mal von einer etwas anderen seite: er hat jetzt eine Co-Abhängige die besser als Du funktioniert!

Das heisst doch nicht, dass sie besser ist als Du, sondern viel eher, dass Du stärker bist als sie, weil Du dich getrennt hast, während sie (noch) bei ihm ist ;)

Natürlich verkauft er Dir das so, dass jetzt mit "der Neuen" alles besser ist, alles andere wäre ja auch ein Eingeständnis bzw Zugeständnis.
Wie gut, sie wirklich für ihn ist, wird erst die Zeit zeigen.
Und sollte es mit ihnen tatsächlich ein alkoholfreies Happy-End geben, dann habt ihr beide einfach nicht perfekt zueinander gepasst...wobei ich das nicht glaube.

Kümmere Dich mehr um Dich, weil ein anderer tut es nicht :)

Elahase
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Beitrag von Elahase » 04.10.2017, 13:08

Hallo Sunny,

ich habe meinen Termin in der nächsten Woche und freue mich schon fast darauf. Es wird bestimmt ein anstrengender Weg und wahrscheinlich muss ich mich mit vielem auseinandersetzen, was auch meinen Anteil an den Problemen angeht. Aber ich will das, ich will nicht unter dem Scherbenhaufen liegen bleiben.
Ich hatte meinem Mann angeboten, gemeinsam den Scherbenhaufen wegzuräumen und zu schauen, ob darunter noch was ist...Zuerst wollte er das auch, jetzt ist die Neue da und er will es nicht mehr. Jetzt macht er einen auf superduper Patchworkfamilie während ich viel Geld für nen Therapeuten ausgebe....

Das ist es vielleicht auch, was uns beide so ins Loch zieht...sie gehen einfach weiter, haben die Verantwortung für die Sauferei auf unseren Schultern abgeladen und machen sich ein schönes Leben.
Wir hängen fest, weil wir glauben, was sie sagen: das sie nicht mehr trinken und wir alles falsch gesehen haben.

Sunny1976
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Beitrag von Sunny1976 » 05.10.2017, 11:29

Jetzt bricht meine Welt gerade wieder zusammen... Vorgestern hat mein Noch-Ehemann abends angerufen und wir haben fast zwei Stunden geredet. Es war sehr schön, wir haben auch viel über uns geredet und was alles schief gelaufen ist zwischen uns. Er hat mir dann auch erzählt das es zwischen seiner neuen Freundin auch so seine Probleme gibt. Und sofort habe ich mir wieder Hoffnungen gemacht. Es hat mich so beruhigt das doch nicht alles perfekt ist. Er hat gesagt, das er noch viel an mich denkt und nach dem Gespräch vieles klarer sieht.

Und jetzt hat er mich gerade angerufen. Er war super gut drauf und hat mich nach seinem blöden Koffer gefragt, den ich natürlich nicht habe. Logisch das ich ihn dann gefragt habe ob er verreisen will. Dann erzählt er mir das er im November auf die Malediven fliegt. Und das mit seiner neuen Freundin 😪 Ich bin total sauer geworden am Telefon. Warum macht er sowas, er weiß doch wie weh mir das tut? Ich habe ihm gesagt, das ich ihm nie - wenn ich jemanden kennen lernen würde - sagen würde, dass der Neue so toll ist, nicht säuft, sich mit mir toll unterhalten kann und so wunderbar ist. Und ich würde ihn garantiert nie anrufen wegen einem verdammten Koffer sondern erst mal selber nachsehen. Für mich kam das wie Absicht vor! Wobei ich nicht glaube das er mir absichtlich weh tun würde. Warum tut er sowas? Ich hab dann einfach aufgelegt und er hat mir dann nochmal geschrieben das es ihm leid tut und er mir nicht weh tun wollte. Jetzt bin ich am Boden zerstört, ich kann nur noch heulen und weiß einfach nicht mehr weiter. Im November werde ich jetzt die ganze Zeit daran denken wie schön die beiden es sich machen werden...

lütte69
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Beitrag von lütte69 » 05.10.2017, 12:10

Hallo Sunny,

böser XY, nun seid ihr nicht mehr zusammen und er macht dein Leben immer noch kaputt (Sarkasmus aus). Wie wäre es, wenn Du mal an Dich denkst und Dir Dein Leben schön gestaltest? Du musst auch nicht mit ihm telefonieren, wenn dich das runter zieht. Du hattest Deine Gründe für eine Trennung und wer weiß, wie es wirklich bei den beiden läuft. Du bist nicht sein Kummerkasten oder was auch immer. Du bist die, die sich um dich kümmern muss und dafür sorgt, dass es Dir gut geht.

sonnige Grüße
Lütte

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 05.10.2017, 12:24

Hallo Sunny, Du schreibst:
Warum macht er sowas, er weiß doch wie weh mir das tut? Ich habe ihm gesagt, das ich ihm nie - wenn ich jemanden kennen lernen würde - sagen würde, dass der Neue so toll ist, nicht säuft, sich mit mir toll unterhalten kann und so wunderbar ist. Und ich würde ihn garantiert nie anrufen wegen einem verdammten Koffer sondern erst mal selber nachsehen. Für mich kam das wie Absicht vor! Wobei ich nicht glaube das er mir absichtlich weh tun würde. Warum tut er sowas?
Du bist Du und er ist nun mal er.
Warum erwartest Du von jemand anderen, das er sich verhält, wie Du Dich verhalten würdest?
Versteh ich nicht.
Dein Ex muss sich doch nicht so verhalten, wie Du es gern hättest.
Im November werde ich jetzt die ganze Zeit daran denken wie schön die beiden es sich machen werden...
Tja, das ist dann aber DEIN Problem.
Du könntest ja auch selbst was schönes machen, für DICH.
So wie lütte69 es auch schon schreibt.
Dein Ex ist nicht für Dein Wohlbefinden zuständig, das ist nämlich niemand außer Du (auch kein zukünftiger Partner ist dafür verantwortlich !)

Sunny, balle mal bitte Deine beiden Hände ganz fest zu zwei Fäusten, so als ob Du in einen Sandsack hauen wolltest...oder um etwas ganz dolle fest zu halten.
Und dann öffne mal Deine beiden Hände und halte sie ganz ohne Anspannung vor Dich.
Was hat Dich mehr Kraft gekostet, das Festhalten oder das Loslassen?
Genau so ist es auch, wenn man jemanden nicht gehen lassen kann/gehen lassen will. :wink:
Dann hältst Du immer krampfhaft fest und steckst da immer wieder sehr viel Kraft rein.
Öffnest Du aber die Hände, benötigst Du keine Kraft mehr.
Loslassen ist also immer besser für den persönlichen "Energiehaushalt" als krampfhaft festzuhalten.

LG Sunshine

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