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Wie schaffe ich es ihn los zu lassen?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Honeymaker
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Beitrag von Honeymaker » 05.10.2017, 12:34

Liebe Sunny,
dann erst einmal "Herzlich Willkommen im Forum".

Was du jetzt schreibst, ist natürlich gefühlt und gedacht in einem gewissen Grad der GAU. Der Ex, für den du noch Gefühle hast, macht mit der Nachfolgerin den absoluten Traumurlaub. Blaues Meer, romantische Stimmung, funkelnde Sterne, Alkoholfahne in der Nacht, verkatertes, schlecht gelauntes Aufstehen, am Abend beim Buffet mit einem Besoffenen am Tisch gesessen (Er sagt: Das Zeug ist ja all-inclusive, das muss man ja mitnehmen), im vollen Kopf durch die Gegen gestolpert und Unsinn gelabert, viele Aktivitäten finden nicht statt, weil der andere noch dicht ist - na, klingt das alles noch so wundervoll??

Liebe Sunny, was dich jetzt erst einmal quält ist Trennungsschmerz und der ist - und das wissen alle und ich besonders - schmerzhaft und alles ist sehr, sehr traurig. Aber nicht unerträglich.

Dennoch ist die Frage, warum du dich getrennt hast. War das nicht, weil du diese Art und das Trinken nicht mehr ertragen konntest? Weil Versprechen gebrochen wurden und die Situation nicht mehr machbar war? Oder bist du einfach so aus dem blauen Dunst heraus gegangen, weil zu wenig Drama in deinem Leben war? Ich glaube nicht, dass du jetzt beim letzten Satz genickt hast. Es hat gute Gründe für die Trennung gegeben. Nämlich die, dass dein Mann alkoholsüchtig ist, sich zu Tode säuft und damit auch dein Leben zur Hölle macht. Das ist es doch, was zur Trennung führte. Klar, es hat schöne Momente und schöne Zeiten gegeben - aber was hat denn zum Schluss überwogen?

Sunny, der Pinsel der Erinnerung malt golden - aber war denn alles golden? Er hat eine Therapie gemacht, es aber nicht geschafft, trocken zu bleiben. Er ist also wieder nasser Alkoholiker. Und jetzt glaubst du so sehr an die Macht der Liebe, dass er seiner Neuen zu Liebe eingeschränkt trinken kann? Sorry, das glaube ich nicht. Ich fürchte, die neue Freundin - das arme Mädchen - wird auch bald sehen, was sie sich da eingehandelt hat. Die Hölle kann auch einen blauen Himmel und weiße Strände haben.

Aber mal ganz davon abgesehen - warum machst du es immer noch zu deiner Sache? Mach' dir doch auch - soweit es geht - hier eine schöne Zeit. Geh' mal zum Friseur, ins Kino, zum Sport, zur Massage. Nüchtern, mit nüchternen fröhlichen Menschen und wenn du unbedingt mal auf die Malediven willst, dann spare und fahre auch mal dahin. Aber mit einem netten Menschen, mit dem du wirklich schöne Zeiten erleben kannst und nicht mit einem nassen Alki.

Liebe Grüße und jetzt mal Kopf hoch
HM

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 05.10.2017, 12:41

Ach so... und noch was... wenn es Dich tröstet: :wink:

Die Neue wird die gleichen Probleme mit Deinem XY bekommen, denn Alkoholabhängigkeit kann auch durch einen neuen Partner nicht geheilt werden.
Da kann die Neue auch so gut auf ihn "aufpassen" wie sie will.
Ein Alkoholiker MUSS trinken, er kann das nicht mehr kontrollieren.
Und jemand anderes kann es ebenfalls nicht kontrollieren.

Es kann auch so sein, das er wirklich glaubt, was er Dir erzählt.
Das alles so viel besser mit der Neuen ist. Er empfindet das sicher auch so.
Denn die kennt nicht seine Vorgeschichte. Kennt sich vielleicht überhaupt nicht mit der Alkoholkrankheit aus.
So bleibt er von "Meckereien" erstmal verschont.
Aber das wird kaum so bleiben... denn die Sauferei wird auch wieder schlimmer werden, ein Alkoholiker KANN NICHT dauerhaft seinen Alkoholkonsum kontrollieren.
Das macht ja gerade unsere Krankheit aus, ist eines der auffälligsten Symptome.
Also wird sie auch bald merken, was wirklich los ist.
Und darum ist sie dann ganz sicher nicht zu beneiden. Mir würde sie eher leid tun, und das meine ich völlig ernst !

Malediven hin-oder her... drauf geschis**en... wahrscheinlich wird er sich dort schon mehrmals die komplette Breitseite verpassen.
(Urlaub... muss doch gefeiert werden... hoch die Tassen etc.pp)
Und dann beginnt der nackte Horror wieder... da hilft dann auch keine noch so schöne Palmeninsel im Indischen Ozean.
Und wenn er dort noch nicht trinkt, weil auf den Malediven alkoholische Driks bekanntlich sauteuer sind,
dann wird er sich wieder Zuhause die Breitseite verpassen, weil er doch so viel "entbehren" musste.
So funzt nun mal die Alkoholikerbirne.

LG Sunshine (Alkoholikerin, 15 Jahre trocken)

Sunny1976
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Beitrag von Sunny1976 » 05.10.2017, 13:12

Ihr habt so Recht, danke für die Worte! Ich weiß bloß gar nicht mehr wie ich mich um mich selbst kümmern kann, es fällt mir schwer für mich selbst glücklich zu sein. Zum Glück kommt gleich eine liebe Freundin und ich glaube ich brauche dringend professionelle Hilfe, sonst komme ich aus dem Tief nicht mehr raus. Meine Gedanken sind manchmal so gemein, ich wünsche mir, das es mit der Neuen nicht gut geht, damit er merkt das nicht nur ich ein Problem mit dem Alkohol habe.

Warum vergisst man die schlimmen Zeiten bloß so schnell? Warum bin ich nicht stark genug und kann endlich auch mal wütend auf ihn sein?

lütte69
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Beitrag von lütte69 » 05.10.2017, 14:35

Hallo Sunny,

also ich bin glücklich, wenn ich meinen Hobbies nachgehen kann, wenn ich mich mit Leuten umgebe, die ich mag, die mich mögen. Vielleicht ein tolles Schaumbad kaufen und eine Badewanne genießen, so die Kleinigkeiten im Leben. Das kannst Du üben und es funktioniert bestimmt.

sonnige Grüße
Lütte

Sunny1976
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Beitrag von Sunny1976 » 05.10.2017, 18:30

So, ich habe ihm jetzt eine lange Mail geschrieben, das es wichtig ist für mich, das wir keinen Kontakt mehr haben. Das ich auch krank bin und mir helfen lassen muss. Und, das ich - auch wenn ich das immer gesagt habe - nicht immer für ihn da sein werde! Gar nicht mehr! Und ich habe bei einer Therapeutin angerufen und hoffe auf einen schnellen Termin.
Ich glaube, ich war noch nie so am Boden, und heute Abend werde ich mich noch mal gehen lassen und meinen armen Vierbeiner nass weinen, aber so geht es einfach nicht weiter. Ich kann und will einfach nicht mehr von ihm abhängig sein.

Wenn ich hier im Forum lese, so weiß ich, das ich damit nicht alleine bin. Das loslassen ist wahrscheinlich schwieriger als das ausziehen, weil es so endgültig ist und man alle Träume begraben muss... aber wenn ich/wir nicht auch krank wären wären wir wohl gar nicht hier 😥

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 05.10.2017, 19:31

Sunny, auch wenn das alles sauschwer ist... Du hast erkannt, wie es ist und das Du auch Hilfe brauchst.
Das ist schonmal echt klasse !
Das ich auch krank bin und mir helfen lassen muss. Und, das ich - auch wenn ich das immer gesagt habe - nicht immer für ihn da sein werde! Gar nicht mehr! Und ich habe bei einer Therapeutin angerufen und hoffe auf einen schnellen Termin.
Sehr gut !
Ich glaube, ich war noch nie so am Boden, und heute Abend werde ich mich noch mal gehen lassen und meinen armen Vierbeiner nass weinen, aber so geht es einfach nicht weiter. Ich kann und will einfach nicht mehr von ihm abhängig sein.
Du darfst weinen... auch hier im Forum... und auch jammern und auch wütend sein. Alles okay.
Nur ist es wichtig, das Du konsequent bleibst und DEINEN Weg nicht wieder aus den Augen verlierst.
Wenn ich hier im Forum lese, so weiß ich, das ich damit nicht alleine bin. Das loslassen ist wahrscheinlich schwieriger als das ausziehen, weil es so endgültig ist und man alle Träume begraben muss... aber wenn ich/wir nicht auch krank wären wären wir wohl gar nicht hier
Nein, Du bist nicht allein.
Klar ist das Loslassen schwer... und genau... weil man damit auch seine eigenen Träume begraben muss.
Das ist schon bitter.
Aber Du hast mit einem Trinker an Deiner Seite keine Chance, Deine oder sogar Eure Träume zu verwirklichen.
Es funzt einfach nicht. Der Alk wird da immer im Wege stehen.
Und am Ende stehst Du nicht nur mit Deinen unerfüllten Träumen da, sondern wirst auch noch selbst krank, siehe Psychosomatische Erkrankungen.

Opfere bitte nicht Dein Leben für andere Menschen, Du könntest ihnen damit sowieso nicht helfen.
Schau jetzt lieber nach Dir, wie DU Hilfe bekommst und wie Dein Leben zufriedenstellend bis schön weiter gehen kann.
Auch wenn es jetzt noch nicht so aussieht, Deine Welt kann auch wieder ganz bunt werden !

Viel Kraft wünscht Dir Sunshine :wink:

Sunny1976
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Registriert: 03.10.2017, 10:58

Beitrag von Sunny1976 » 08.10.2017, 10:46

Das war bis jetzt ein schwieriges Wochenende für mich... ich habe sehr viel hier gelesen und es ist erschreckend wie sich viele Geschichten ähneln.

Ich dachte immer, wenn ich nur genug kämpfe, dann schaffen wir das. Was ich alles gemacht habe, wie ich immer wieder festgehalten habe... ich begreife langsam, das es eben nicht normal ist, das man kämpft und bleibt sondern das es normal gewesen wäre zu gehen 😔 Das man wahrscheinlich in einer glücklichen Beziehung gar nicht kämpfen muss!? Was mich am meisten beschäftigt ist nun, warum ich so bin, warum ich das gemacht habe? Was stimmt mit mir nicht??? Ich wünschte ich hätte mich schon viel früher damit auseinander gesetzt.

Mein xy hat mich nie geschlagen, ist nach außen nie extrem auffällig geworden. Bei Feiern oder wenn andere dabei waren hat er nie viel getrunken, es wusste ja keiner das er dann zuhause erst richtig losgelegt hat. Warum bloß habe ich das auch manchmal zu sehr verharmlost?

Ich denke immer noch jede Minute an ihn - an die "gute" Vergangenheit, aber ganz langsam mischen sich auch wieder Erinnerungen dazu, die nicht schön waren.

Auf jeden Fall bin ich schon jetzt sehr dankbar für dieses Forum!

Honeymaker
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Beitrag von Honeymaker » 08.10.2017, 11:39

Hallo liebe Sunny,
das ist das, was ich auch immer gedacht habe: Wenn du dir mehr Mühe gibst und besser bist, dann wird das schon klappen. Dann kannst du ihn mit herumreißen - und alles wird dann schon gut.

Natürlich funktioniert so etwas nicht. Aber da kam ich nicht drauf. Er hat erst aufgehört zu trinken, als er es selber wollte und merkte, dass es so nicht weiter geht. Mit mir oder ohne mich - genau betrachtet war das eigentlich relativ egal. Obwohl ich immer noch denke, dass es in der Therapie hilft, wenn einer/eine "da" ist. Vorausgesetzt es ist nicht so viel kaputt gegangen, dass keine/r mehr da ist....

Aber was ich damit sagen möchte: Wenn du an dir arbeitest und dich mühst, klar, dann wirst du natürlich immer besser. Aber nur du und es ist natürlich die Frage, ob du für dich einen "Optimierungsbedarf" siehst. Aber du bist die einzige, die du aktiv ändern kannst. Alle anderen - leider - nicht.

Ich hoffe aber, dass es dir jetzt ein bisschen besser geht und wünsche dir noch ein schönes Rest-WE!
Ganz viele Grüße
HM

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