Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Ich bin wieder hier

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Dafina
neuer Teilnehmer
Beiträge: 21
Registriert: 19.01.2012, 22:47

Ich bin wieder hier

Beitrag von Dafina » 17.10.2017, 14:53

Hallo ,

Ich habe vor Jahren hier schon einmal einen Thread "Wie lerne ich loszulassen" geschrieben. In der Zeit habe ich immer wieder mal mitgelesen, war aber nicht mehr aktiv. Nun würde ich mich so gerne wieder hier austauschen. Aber nochmal von Anfang.

Ich habe meinen Mann mit 18 kennengelernt. Dann haben wir geheiratet, das war im Jahr 2000. Wir haben mittlerweile 2 Kinder von 10 und 6 Jahren. Mit Ihm war es immer schwer, er hat eigentlich von Anfang an getrunken.
Dann vor 9 Jahren habe ich mich das erste Mal von Ihm getrennt. Da war unser Sohn 1 Jahr alt. Ich habe es aber nur ein halbes Jahr ausgehalten, konnte einfach nicht ohne ihn. Dann kam er wieder zurück. Es ging genau so weiter wie zuvor. Keine Arbeit, ganzen Tag Bierflasche in der Hand. Ich habe teilzeit gearbeitet und er war nicht mal fähig auf den kleinen aufzupassen.
Er wird wenn er getrunken hat aggresiev und beleidigend, pöbelnd . Dazwischen Tage an denen es besser ist und ich immer die Hoffnung hatte, das wird besser eines Tages, ich liebe ihn doch so sehr.
Dann kam irgendwann das zweite Kind.... Vor drei Jahren fand er dann einen Job und es wurde etwas besser, die Exzesse verlagerten sich allerdings aufs Wochenende. Vor drei Monaten wurde er dann gekündigt, weil er es nach den Wochenenden nicht in die Frühschicht schaffte und einfach unentschuldigt daheim seinen Rausch ausschlief. Seit er dann nicht mehr arbeitete wurde es wieder jeden Tag so schlimm wie früher. Mein Gott, ich könnte Geschichten erzählen, da gruselt mich wenn ich nur daran denke.Ich muss dazu sagen dass ich die ganzen Jahre natürlich immer wieder gebettelt, gefleht, gedroht habe das er was ändern muss. Kurz vor den Sommerferien diesen Jahres habe ich dann gesagt, wenn sich bis zum Schulbeginn nichts ändert ist Schluss zuhause mit diesem Stress, unter dem zunehmend (eigentlich schon immer) auch die Kinder leiden. Mein Sohn sagte mir schon ständig, Mama lass Dich scheiden.

Und das habe ich auch gemacht. Es war zwar schwer Ihn "raus" zu bekommen, dabei hatte ich Unterstützung von meinem Vater. Aber ich habe es gemacht. Als Auslöser war ein Tag, als er besonders schlimm zu uns war. Da habe ich mir gesagt, so das reicht jetzt.
Als er dann, zu spät, gesehen hat das ich es ernst meine hat er eine Entgiftung im Krankenhaus gemacht und was anschliessend noch 6 von 30 Tagen in einer Tagesklinik, aber nur unter der Voraussetzung das er wieder nach Hause kommen darf. Als ich ihm klargemacht habe, das er trotzdem nicht kommen kann, hat er sofort abgebrochen und ist wieder in seinem alten Rhytmus mit trinken. Der Arzt im Krankenhaus hat ihm sogar gesagt, das wenn er so weitermacht, er in 4 Jahren weg sei.

Die ersten Tage waren total schlimm, wie ein Entzug. Aber jetzt habe ich Ihn seit fast 2 Monaten nicht mehr gesehen, und ich bin nicht so fertig wie ich mir das vorgestellt habe. Ich bin nicht mal richtig traurig. Ich habe Angst dass das noch kommen wird und ich in ein tiefes Loch falle und ihn vermisse, so wie bei der ersten Trennung vor Jahren. Aber mir geht es eigentlich ganz gut. Dann denke ich, das kann doch nicht sein dass es mir gut geht. Mir müsste es doch miserabel gehen. Das habe ich nicht erwartet. Ich hatte jahrelang so panische Angst vor einer Trennung, dass ich denke, das kann doch jetzt nicht so leicht sein. Oder rede ich mir das nur ein, weil er mir ständig schreibt und wieder nach Hause will, und wenn das nicht mehr so ist kommt der tiefe Fall... Ich weiss auch nicht, ich hoffe ich habe nicht zu konfus und durcheinander geschrieben.

Sunny1976
neuer Teilnehmer
Beiträge: 74
Registriert: 03.10.2017, 10:58

Beitrag von Sunny1976 » 17.10.2017, 20:16

Hallo Dafina,

Natürlich kann es sein, das die Phase des tiefen Falls noch kommt wenn er sich irgendwann nicht mehr meldet... allerdings hast Du auch Sachen durchgemacht, die Dir vielleicht auch endgültig gezeigt haben, das du mit ihm nicht glücklich werden kannst.

Er erpresst dich damit, das er nur den Entzug macht, wenn er zurück darf... er hat also gar nichts verstanden - nämlich das der Entzug wenn nur Sinn macht, wenn er es für sich macht!

Denk in erster Hinsicht jetzt an deine Kinder und an dich! Und genieße die gerade "leichte" Zeit!

Liebe Grüße
Sunny

Dafina
neuer Teilnehmer
Beiträge: 21
Registriert: 19.01.2012, 22:47

Beitrag von Dafina » 28.10.2017, 09:28

Danke für die Antwort :-)
Im Moment grüble ich wieder wie ich mich verhalten muss/soll. Ständig überlege ich was richtig wäre wie ich reagieren müsste . Es sieht im Moment so aus das er seit er auf sich alleine gestellt ist überhaupt nicht klar kommt. Er hat leider auch keine Angehörigen in der Nähe. Die Nachrichten von ihm kommen täglich und wechseln je nach Alkoholisierung zwischen verzweifelt, hilfesuchend und wütend und beleidigend. Er ist nun ja arbeitslos und gibt zb. Sein Geld (was nicht wenig ist) innerhalb von ein paar Tagen aus. Dann fleht er mich an, ich könne ihn doch nicht verhungern lassen. Obwohl ich selbst finanziell wegen der Trennung im Chaos bin, zahle ich ihm dann z.b. wieder was aufs Konto. Dann ärgere ich mich hinterher wieder über mich , weil er ja dann doch nur in die nächste Kneipe geht. Er wohnt im Moment kostenlos in einer Wohnung bis er was gefunden hat, tut aber überhaupt nichts. Ich fühle mich trotzdem immer wieder verantwortlich für ihn, obwohl ich im Moment weiß, daß die Trennung richtig ist und auch so bleiben wird. Er kümmert sich um nichts, und seine Lage wird dadurch immer schlimmer und ich bekomme das Gefühl, ich bin schuld daran, einfach nicht los. Was ist denn richtig nach fast 20 Jahren zusammen leben? Ich habe ihn seit wir getrennt sind (ausser dem einen Arztbesuch) nicht mehr sehen wollen /können und auch nicht telefoniert, der Kontakt ist seither nur über WhatsApp, ich weiß auch nicht warum aber das ist irgendwie leichter für mich. Was er wiederum nach der langen Zeit die wir verheiratet waren unfair findet. Ich würde mich über Antworten sehr freuen, ich bin immer so unsicher.

Aurora
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 12532
Registriert: 02.05.2007, 13:47

Beitrag von Aurora » 28.10.2017, 10:29

Liebe Dafina,

im Prinzip ist es ganz einfach, wie du dich verhalten könntest...
Aber ich weiß auch, wie schwer das ist. Es ist aber der einzige Weg, der auch hilft.

Und das ist Kontaktabbruch. Warum whatsappt ihr denn noch? Du hast dich getrennt. Und er ist erwachsen und muss selbst für sich sorgen. Du hast da keinerlei Verantwortung für. Wieso denkst du das?

Ich weiß, es ist dieser Killergedanke :twisted: , immer wieder dieses Gefühl von "ich bin verantwortlich". Ich sag nur, kenne ich leider auch, aber ich kann dir auch sagen: "Nein, biste nich!"

Jeder Kontakt, den ihr habt, wird von ihm benutzt, dich wieder in die Spur zu bringen. Er redet dir Schuldgefühle ein, macht dich verantwortlich, macht sich leidend, damit du wieder dieses Gefühl hast, helfen zu müssen. Weil ohne dich nichts geht. Wenn du ihm immer wieder Geld überweist und genau weißt, wofür er das nimmt, nämlich um sich Suff zu kaufen, dann unterstützt du ja seine Sucht noch...

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig das ist, da los zu lassen. Aber es ist eben wirklich der einzige Weg.

Liebe Grüße
Aurora

Honeymaker
neuer Teilnehmer
Beiträge: 118
Registriert: 03.01.2014, 10:03

Beitrag von Honeymaker » 28.10.2017, 19:54

Liebe Dafina,
ich habe vor einiger Zeit mal ein Seminar besucht, in dem es um Verhaltensbeeinflussung ging. Erst einmal kann die Frage, warum wir uns überhaupt so oder so verhalten. Weil wir durch irgendetwas belohnt werden wollen. Arbeite ich viel, habe ich viel Geld und kann mir viel leisten, arbeite ich sehr wenig habe ich viel Freizeit, arbeite ich viel, spende mein ganzes Geld, fühle ich ich durch ein gutes Gefühl belohnt. Die Frage war dann wieder, wie erhalte ich den "gewünschtes" Verhalten. Die Antwort ist recht einfach: Gewünschtes Verhalten belohne ich, unerwünschtes Verhalten belohne ich nicht. Der Seminarleiter sagte auch eine sehr interessante Sache: Wenn unerwünschtes Verhalten immer und immer wieder auftritt, sollten wir uns einmal Gedanken machen, womit wir das belohnen - auch wenn uns das nicht bewusst ist - aber irgendwie würden wir es belohnen, denn sonst würde es nicht auftreten.

Dein Mann ist erwachsen und dürfte laut meiner groben Rechnung mittlerweile stramm auf die 40 zugehen. Das heißt, der kann schon grundsätzlich rechnen. Er bekommt Arbeitslosen - wie du sagst mehr Geld als du - davon muss er nicht mal Miete zahlen. Aber er haut die ganze Kohle in einem Rutsch auf den Kopf (Unerwünschtes Verhalten), dann ruft er dich an, heult dir die Ohren voll, du zahlst (Belohnung) und alles ist wieder gut. Bis zum nächsten Mal und jetzt weiß er wie das funktioniert, denn er wird ja belohnt. Du wirst auch ein bisschen belohnt, denn du fühlst dich nicht mehr ganz so schuldig an einer Sache, für die du überhaupt nichts kannst.

Das wird so weitergehen. Du rechnest, kalkulierst und drehst jeden Pfennig und er haut's raus.

Dafina, es ist weder deine Schuld, dass er überhaupt trinkt und es ist auch nicht deine Schuld, dass er die Therapie abgebrochen hat. Der Grund, dass du nicht mehr zurückkommst, der kam ihm doch gerade zupass. Da konnte er aufhören mit dem Aufhören - der Arme, klar, jetzt hat er doch einen Grund zum Trinken, denn die Frau und die Kinder sind weg. Hätte es den Grund nicht gegeben, hätte er - meiner Meinung nach - einen anderen gefunden.

Mein Vorschlag wäre, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Du bist nicht schuld, zahl ihm also kein "Schmerzensgeld" und wenn er erst einmal merkt, dass die Quelle versiegt ist, wird er vielleicht mal ernsthaft versuchen sein Leben zu ordnen.

Ganz viele Grüße und trotzdem ein schönes WE
HM

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 19113
Registriert: 08.10.2008, 23:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: EKA

Beitrag von Linde66 » 28.10.2017, 21:34

Er kümmert sich um nichts
Hallo Dafina,

dafür hat er ja dich. Ist doch bequem so. Ein bißchen Knöpfchen drücken und schon funktionierst du wie gehabt.

Vielleicht wäre es ein guter Trick für dich, daß jedesmal, wenn du Ambitionen hast ihm Geld zu überweisen, den Betrag stattdessen auf die Konten deiner beiden Kinder überweist. Die wollen irgendwann man den Führerschein machen.

Ich kenne es von mir, daß mir solche kleinen Übergangslösungen gut helfen, um ein neues Verhalten zu etablieren.

Liebe Grüße, Linde :)

Dafina
neuer Teilnehmer
Beiträge: 21
Registriert: 19.01.2012, 22:47

Beitrag von Dafina » 01.11.2017, 08:53

Erstmal vielen Dank für eure Antworten, ich bin so froh über dieses Forum und lese mir die Antworten so oft durch und diese helfen mir wirklich sehr. So verstanden fühle ich mich nur hier.
Ich habe nun mal seine Familie (Eltern und 2 Brüder) die im europäischen Ausland leben kontaktiert und über unsere Trennung und seine jetzige Lage informiert. Das einzige was da aber kommt, sie hätten mit ihm geredet und er hat versprochen er bessert sich. Er braucht uns, ich soll ihn praktisch wieder zurück nehmen. Ich habe mich dann bei Ihnen bedankt, schöne Grüße geschickt und werde den Kontakt zu Ihnen einstellen.
Er sitzt jetzt seit ein paar Tagen in seiner Wohnung, hat keinen Cent mehr, nichts zu essen und trinken und schreibt immer ich soll ihn da raus holen, er kann nicht mehr, verkraftet das alles nicht, er ist schwer krank, ich soll Krankenwagen rufen, Leichenwagen usw. Geld bekommt erst wieder in 4 Wochen. Dann telefoniert er mit seinem Bruder, der macht sich Sorgen und schreibt mir wieder ich soll mich kümmern.
Ich versuche nun einfach stark zu bleiben. Überlege aber auch wieder, wie es mit ihm weitergehen soll.
Was Aurora meinte wegen totalem Kontaktabbruch, wir haben ja zwei gemeinsame Kinder. Im Moment wollen die ihn nicht sehen und haben auch keinen Kontakt. Aber ich denke auf Dauer hat er grundsätzlich das Recht seine Kinder zu sehen, wie auch immer. Daher wird totaler Kontaktabbruch auf Dauer nicht funktionieren ?

Katrienchen
neuer Teilnehmer
Beiträge: 138
Registriert: 11.03.2017, 11:28

Beitrag von Katrienchen » 01.11.2017, 09:18

Liebe Dafina, Dein Handy hat ne "Blockieren"-Funktion, benutzt sie bitte!

Das ist ja kein Zustand, von wegen Krankenwagen oder gar Leichenwagen :shock:
Der macht dich fertig auf die Entfernung.

Deine Kinder können den Kontakt auch später wieder suchen, aber im Moment, in der Situation KONTAKTABBRUCH! Zu deiner eigenen Sicherheit ;)

GLG...Katrienchen

Antworten