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Ich bin wieder hier

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Dafina
neuer Teilnehmer
Beiträge: 21
Registriert: 19.01.2012, 22:47

Beitrag von Dafina » 26.12.2017, 11:39

So nun ist Weihnachten fast vorüber und mir fällt es so schwer nicht an ihn zu denken. Er ist immer noch bei seiner Familie und es scheint so als ob er tatsächlich nicht trinkt. Er schreibt mir ständig wie er uns vermisst... Mir fällt es so schwer und ich ertappe mich immer wieder dabei wie ich mir vorstelle ihm noch eine Chance zu geben, die schlechten Zeiten verschwimmen immer mehr in meinem Gedächtnis und ich male mir ständig aus wie schön wir es haben könnten. Ich schaffe es auch nicht ihn im Telefon zu blockieren und schau ständig ob er geschrieben hat. Ich will das eigentlich nicht, aber ich schaffe es nicht. Wie bekomme ich es nur hin auf meinem Weg, den ich bis hierher gegangen bin, zu bleiben.

Waldhaus
neuer Teilnehmer
Beiträge: 16
Registriert: 18.12.2017, 05:17

Beitrag von Waldhaus » 28.12.2017, 07:01

Liebe Dafina, ich bin erst seit kurzer Zeit hier und lese mich durch die Beiträge die Angehörigen.

Es tut mir leid, dass Du so eine schwere Zeit durchmachst.
Bitte pass gut auf dich auf, dass du gerade in solch einer Lage nicht an einen neuen "Hilfebedürftigen" kommst, sonst geht das alles von vorne los! Das ist nämlich leider meistens der Fall, wenn Cos sich ihrer Muster nicht bewusst sind. Sie suchen sich dann einen neuen Partner, bei dem sie ihr Muster wieder ausleben können und fühlen sich dann wieder wertvoll. Und der neue Partner geht nach dem selben Muster vor und somit ziehen sich solche Beziehungen gegenseitig an.
In dieser Antwort finde ich mich wieder.
Wir müssen ein Leben lang auf uns und unser Gefühl, helfen zu wollen, wichtig für andere zu sein, aufpassen.
Warum das so ist?
Warum zu fragen ist bestimmt nicht verkehrt. Damit müssten wir uns mit uns selbst beschäftigen und hätten erst mal keine Zeit für die, die uns ein schlechtes Gewissen machen wollen.

Es ist ein verdammt harter Weg. Wir müssen lernen, Dinge auszuhalten, die uns Bauchschmerzen machen. Wir müssen lernen, dass die Welt nicht untergeht, wen es uns gefühlsmäßig nicht gut geht.

Wir haben die Macht, uns selbst von diesen Gedanken abzulenken.

Und dann... fängt alles wieder von vorne an.... die Lebenssituation ändert sich, Routine schleicht sich ein..., die Aufmerksamkeit für einen selbst nimmt ab, und schon sitzt man wieder mittendrin.
Unser Stoff ist ein Mensch, der Hilfe braucht, der die Verantwortung für sich selbst genauso abgibt, wie wir sie für uns nicht wahrnehmen wollen.

Dazu kommt unser schlechtes Gedächtnis:
..... die schlechten Zeiten verschwimmen immer mehr in meinem Gedächtnis und ich male mir ständig aus wie schön wir es haben könnten

Liebe Dafina, ich will Dir damit sagen, Du bist nicht allein mit Deinen Zweifeln und Gedanken.

Ich bin dabei, mich wieder mit mir selbst zu beschäftigen. Wohin dieser Weg führt weiß ich nicht. Froh bin ich, dieses Forum entdeckt zu haben.

Froh bin ich, Deine Beiträge lesen zu dürfen. Viele Deiner Gedanken habe ich auch. Vielleicht helfen sie mir, meinen Weg zu finden. Gemeinsam kann man stark sein.

Liebe Grüße
Charlotte

Gotti
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Beitrag von Gotti » 28.12.2017, 09:41

Liebe Dafina!
Vielleicht war ich schon zu lange vorher in der "Trennungsphase", so dass ich diese Trennungsschmerzen nicht mehr habe. Trotzdem ist Weihnachten immer wieder so ein Fest, an dem man eben besonders an der Familie hängt, und ein harmonisches Miteinander haben möchte. Dazu gehört natürlich in erster Linie der Partner. Auch ich hatte - wenn auch nur kurz - die Erinnerungen an schöne gemeinsame Feste. Es hat mich auch gefreut, meinen Mann für einen Nachmittag bei seinen Eltern zu wissen.
Aber er ist ja selbst dafür verantwortlich und zuständig, sein Leben in den Griff zu bekommen. Und "Sand in den Augen" habe ich lange genug gestreut bekommen! Ein paar trockene (oder scheinbar!!!) trockene Tage bedeuten mir nichts mehr!
Veränderungen in Menschen spürt man erst nach langer Zeit - vor allem Zeit des Getrenntseins.
Du darfst traurig sein! Das steht dir zu! Dein Herz ist schwer enttäuscht und verletzt, und schreit doch nach Liebe. Gib ihm Zeit zu heilen. Mit Geduld und Ablenkungen, die dir alleine Spaß machen, dein Selbstbewusstsein stärken und den Blick auf Neues, Spannenderes werfen, was du vielleicht vorher nie gesehen hättest!
Ich habe noch so viele Träume, Ideen, Ziele ..... :D :D :D
Auch wenn ich sie mir vielleicht nie erfüllen kann, aber ich kann mich darauf freuen und hinarbeiten!
Ich wünsche dir einen guten Übergang ins Neue Jahr, dass dein Schmerz mehr und mehr nachlässt, und dann viele schöne Tage , Wochen und Monate für dich!!!
LG Gotti.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 13.02.2018, 09:41

Liebe Dafina,

wie geht es dir inzwischen?
Sind die Gedanken um IHN weniger geworden? Oft hilft da ja nämlich einfach auch die Zeit. Wenn der Kontakt unterbrochen ist dauert es erst mal schon, bis ER nicht mehr dauernd im Kopf präsent ist. Aber das Leben geht ja weiter und oft tun sich dann neue Wege auf.

Viele Grüße
Aurora

Dafina
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Re: Ich bin wieder hier

Beitrag von Dafina » 04.01.2019, 09:22

Liebe Aurora,

Wir sind jetzt schon lange getrennt und ausser über WhatsApp schreiben habe ich ihn auch nicht mehr gesehen oder gesprochen. Allerdings ist er trotzdem noch dauernd in meinem Kopf. Er wohnt die letzten 6 Monate bei seiner Familie und sie sagen, seit er bei ihnen ist trinkt er nicht mehr. Er wäre nun geheilt. Ok, ich müsste mich nun für ihn freuen. Irgendwie kann ich mich aber nicht freuen. Was er all die Jahre mit mir und später mit den Kindern wegen seiner Trinkerei gemacht hat. 20 Jahre habe ich gekämpft und mich fertig gemacht wegen ihm, und jetzt soll es so einfach gewesen sein? Sein Bruder geht paar mal mit ihm angeln und er ist vom Alkohol geheilt? Ich komm einfach nicht darüber hinweg, jetzt sind 1,5 Jahre vorbei, er ist trotzdem immer in meinem Kopf.

Morgenrot
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Re: Ich bin wieder hier

Beitrag von Morgenrot » 04.01.2019, 09:57

Hallo Dafina,

willkommen zurück.

Niemand kann einen nassen Alkoholiker heilen.
Nur er selbst kann seine Krankheit stoppen, er bleibt aber immer Alkoholiker.
20 Jahre habe ich gekämpft und mich fertig gemacht wegen ihm, und jetzt soll es so einfach gewesen sein?
Ich kenne diese Gedanken gut, mir erging es ähnlich.
Ich hatte Jahrzehnte geredet und alles dafür getan, das er nicht mehr trank, und nichts passierte. Dann hatte er seinen ganz persönlichen Tiefpunkt, mit dem ich nichts zu tun hatte, und wird trocken.
Das nagt am eigenen Selbstbewußtsein, aber dafür kann der Alkoholiker nichts, daran müssen wir selbst arbeiten.
Wir COs haben nicht die Macht einen Menschen zu ändern.
Was die plötzliche Veränderung in seiner Familie angeht, das kann stimmen, muß aber nicht. Schließlich sind sie auch Angehörige.
Ich bin mir sicher, das du alles getan hast, das machen wir COs ja gerne und ausgiebig.
Versuche etwas für dich zu tun, damit es dir besser geht.

lg Morgenrot

Sunny1976
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Re: Ich bin wieder hier

Beitrag von Sunny1976 » 08.01.2019, 20:59

Hallo Dafina,

ich möchte Dir auch noch mal etwas schreiben.

Als erstes möchte ich Dir ans Herz legen: lass das mit den WhatsApp schreiben! Solange ihr immer noch Kontakt habt - auch wenn es nur über das Schreiben ist - kannst Du einfach nicht loslassen! Ich weiß, wie schwer das ist, aber mach doch einfach mal einen Selbstversuch... eine Woche, zwei... und dann schaust Du mal, wie es Dir geht, wenn Du nichts hörst!

Jetzt zum "er ist geheilt"... Glückwunsch! Und das meine ich ganz ernst! Es wäre doch toll, wenn es so wäre!
So, und nun ruf Dir einfach mal hervor, wie es die letzten 20 Jahre waren. Wieviel Entzüge Du mitgemacht hast, wieviele Rückfälle. Es kann ja wirklich sein, das er jetzt begreift, dass der Alkohol ihn umbringt. Aber hat er denn wieder einen Entzug gemacht? Geheilt ist kein Alkoholiker so einfach, das bedeutet richtig Arbeit an sich. Nur nichts zu trinken reicht doch nicht! Und auch wenn er gerade nichts trinken sollte, möchtest Du ihn wirklich zurück??? Die Angst, ob er wirklich dauerhaft durchhalten kann? Dein ganzes Leben würde sich auch wieder komplett verändern?

Ihr seid jetzt 1,5 Jahre getrennt, das ist keine lange Zeit um die ganzen Jahre zu verarbeiten. Das dauert einfach noch, glaube mir. Ich bin jetzt schon über 2 Jahre getrennt und ich habe immer wieder mal schlechte Zeiten, wo er mir trotz allem was passiert ist unendlich fehlt. Auch wenn das Außenstehende schwer verstehen können, hier im Forum hast Du aber Menschen, die das nachvollziehen können. Aber - auch wenn wieder schlechte Zeiten kommen - jeder kleine Schritt zählt! Versuche einfach, selbst aktiv zu werden. Du hast in einem vorigen Beitrag geschrieben, das Du mit Sport angefangen hast. Was unternimmst Du denn noch, um DEIN Leben zu ändern?

Alles Liebe
Sunny

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