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Ich bin wieder hier

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

lütte69
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Beitrag von lütte69 » 23.11.2017, 13:43

Hallo Dafina,

mir ging es kurz nach meinem Auszug ähnlich. Ein Anruf von ihm - annehmen oder ignorieren - Kampf ohne Ende. Ich bin nicht die Böse, also annehmen. Mein Herz in der Hose, Bauchknoten und Atemnot - auf der anderen Seite Vorwürfe, Phrasen ... . Der innere Kampf wieder auflegen? Furchtbare Situationen. Irgendwann war ich soweit, dass ich nicht mehr rangegangen bin. Du kannst das auch.

Wie Aurora schreibt, richte Dich nach den Wünschen der Kinder. Vielleicht denkst Du mal über die Bedingung nach, dass er nüchtern sein muss, wenn er die Kinder sehen will. Du hast das Recht die Kinder vor dem trinkenden Elternteil zu schützen. Und Du hast das Recht, zu entscheiden, ihn nicht zu sehen. Die Entscheidung fällt sicher schon schwer und diese Entscheidung konsequent durchzuziehen noch schwerer. Aber es geht um Dich und Deine Kinder und da entscheidest Du und das ist richtig.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Geduld.

sonnige Grüße
lütte

Dafina
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Beitrag von Dafina » 29.11.2017, 14:23

Ich muss heute einfach nochmal hier schreiben.
Sein Bruder war hier und hat viel für ihn geregelt, und sie planen nun dass er wahrscheinlich bald zu ihm ins Ausland umzieht und sich seine Familie dort um ihn "kümmert" weil sie gesehen haben, das er hier alleine vor die Hunde geht. Er hat hier ja ausser mir und den Kindern niemand. Eigentlich müsste ich nun froh und erleichtert sein, dass das nun soweit geregelt ist und ein gehbahrer Plan für ihn da ist und sich jetzt seitens seiner Familie gekümmert wird und er mich nicht mehr "braucht".
Mir geht es aber garnicht gut damit. Ich bin nicht froh, dass er bald wahrscheinlich "weg" ist. Irgendwie fühlt es sich schon fast wie Panik an wenn ich mir vorstelle dass die ganze Familie dort dann zusammen ist, er "gesund" wird und womöglich neu heiratet und glücklich wird. Ich weiss, das ist echt krank, aber ich kann nichts gegen dieses Gefühl machen. Ich schau ständig aufs Handy ob irgendeine Nachricht von ihm kommt, denke ständig daran. Vielleicht ist das aber auch so, weil ich eigentlich ziemlich alleine bin mit den Kindern. Irgendwie ist im Moment alles traurig.

Dafina
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Beitrag von Dafina » 29.11.2017, 14:56

Dazu kommt das ich mit niemandem reden kann wie es mir wirklich geht. Es wird erwartet das ich glücklich und froh sein muss ihn endlich los zu haben und nun zufrieden sein muss. Niemand würde verstehen das es mir trotzdem nicht gut geht und ich die Tage sogar richtig fertig bin und wegen jeder Kleinigkeit heulen könnte. Zb. jetzt schon wieder.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 30.11.2017, 10:09

Liebe Dafina,

zum Reden kannst du immer hier her kommen! Hier wirst du auch verstanden, denn wir haben alle ähnliche Dinge erlebt. Und können daher gut nachvollziehen, wie du dich fühlst.
Mir geht es aber garnicht gut damit. Ich bin nicht froh, dass er bald wahrscheinlich "weg" ist. Irgendwie fühlt es sich schon fast wie Panik an wenn ich mir vorstelle dass die ganze Familie dort dann zusammen ist, er "gesund" wird und womöglich neu heiratet und glücklich wird.
Das ist ein riesen Problem bei uns Cos. Diese Angst, dass ein anderer das schafft, was wir nicht geschafft haben, dass wir zurück bleiben als ein Häufchen Unglück.

Mach dir bewusst, warum das so ist. Es hat sehr viel mit Selbstwert zu tun. Du hast deinen Wert darüber gespürt, dass du ihm eine Zeit lang helfen konntest, dass du wichtig für ihn warst, dass er es ohne dich nicht geschafft hat. Du warst wichtig bzw. hast es so empfunden. Für ihn warst du sicher auch wichtig in dieser Zeit, aber nicht aus Liebe sondern weil er dich gebraucht hat. Um irgendwie existieren zu können.

So habt ihr euch beide mit euren Mustern bedient. Du hattest das Gefühl gebraucht zu werden und helfen zu können, ein typisches und sehr primäres Gefühl bei Cos, Menschen mit wenig Selbstwert. Und er hatte jemanden, bei der er ungestört seiner Sucht freien Lauf lassen konnte und aufgefangen wurde. Versorgt wurde.

So funktionieren diese Beziehungen irgendwann. Ich sage nicht, dass anfänglich da nicht auch wirklich Liebe dabei ist! Ich habe meinen Exmann auch mal sehr geliebt...

Nun hat er andere Menschen, die deine Rolle übernehmen und du fühlst dich wieder wertlos. Du hast es nicht geschafft, denkst du. Du bist zu schwach und zu blöd und konntest ihn nicht retten. Dein Selbstwert ist wieder weg denn du hast keine Gelegenheit ihn zu spüren. Du bist verzweifelt, dir fehlt eine wichtige Grundlage deiner Persönlichkeit.

Bitte pass gut auf dich auf, dass du gerade in solch einer Lage nicht an einen neuen "Hilfebedürftigen" kommst, sonst geht das alles von vorne los! Das ist nämlich leider meistens der Fall, wenn Cos sich ihrer Muster nicht bewusst sind. Sie suchen sich dann einen neuen Partner, bei dem sie ihr Muster wieder ausleben können und fühlen sich dann wieder wertvoll. Und der neue Partner geht nach dem selben Muster vor und somit ziehen sich solche Beziehungen gegenseitig an.

Darum ist es wichtig, dass du dir selbst jetzt Gutes tust. Du hast deine Kinder, macht einen gemütlichen Plätzchenbacken-Nachmittag. Zum Beispiel. Oder geht euch die grellhellen Weihnachtsbeleuchtungen angucken oder einen lustigen Film im Kino. Oder geh für dich alleine raus und treffe dich, lass die Kiste mit den Gedanken an ihn Zuhause, schließ sie ein. Und genieße einfach die Freiheit, unbeschwert sein zu können!

Was aus ihm wird steht in den Sternen. Das hat mit dir nichts zu tun sondern ist sein Ding.

Und glaub mir, du bist mit Sicherheit eine sehr gefühlvolle, liebevolle und freundliche Frau! Warum auch nicht? Erkenne deine Stärken und dass du durchaus ein sehr wertvoller Mensch bist, für sehr viele Menschen. Menschen ohne Suchtproblematik, Menschen, die dich einfach mögen und lieben, weil du "du" bist...

Liebe Grüße
Aurora

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 30.11.2017, 13:23

Liebe Dafina,

vielleicht hast du ja auch Lust, dich - zusätzlich zum Forum - einer Angehörigengruppe anzuschließen. Diese ambivalenten Gefühle, die du hast, und die auch Aurora beschrieben hat, verstehen am besten andere Angehörige von Suchtkranken. Hier und auch im "analogen" Leben.

Viele Grüße und alles Gute!

Thalia

Dafina
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Beitrag von Dafina » 15.12.2017, 11:55

Ich habe bei mir in der Gegend leider keine geeignete Gruppe gefunden. Allerdings tut mir allein das Schreiben und mitlesen hier und die Antworten auch sehr gut um in der Spur zu bleiben bzw. zurück zu kommen und wenn mal wieder ein "falscher Film" in meinem Kopf läuft, was ich immer noch nicht verhindern kann. Dafür bin ich sehr dankbar.
Er ist jetzt bei seiner Familie und anscheinend geht es ihm ganz gut. Ich überlege die ganze Zeit welche Gedankenstrategie ich mir zurecht legen muss um nicht ständig zu grübeln ob ich wohl einen Fehler mit der Trennung gemacht habe und nun den "geheilten" Ehemann "verpasse". Ich denke immer, vielleicht hat er es ja jetzt begriffen und alles wäre gut, heile Familie . Und ich verpasse es weil ich stur die Trennung durchziehen möchte und dadurch die Chance verpasse und ihm keine Chance mehr gebe.

lütte69
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Beitrag von lütte69 » 16.12.2017, 09:38

Liebe Dafina,

meinst Du irgendjemand aus seiner Familie würde Dir sagen, dass es nicht gut läuft mit ihm? Und wenn, ist es jetzt auch egal. Du hattest Gründe für Deine Trennung. Du hast Dir die Trennung nicht leicht gemacht und ihm beim ersten Problem alles vor die Füße geworfen. Du hast so lange gekämpft wie du konntest und jetzt ist die Zeit für einen Schlusstrich. Bei mir war es wichtig, dass jeder für sich wieder zu sich finden musste. Das ging nicht in der kranken Beziehung, dazu brauchten wir die schmerzhafte Trennung. Wir haben es jeder für sich geschafft und damit hatten wir eine gesunde Basis für eine neue Chance, die wir genutzt haben. Das war ein langer, steiniger Weg, bei dem ich mich selbst wieder kennen gelernt habe. Ich denke, dass das wichtig war.

Ich möchte Dir Mut machen, Dich erst mal ganz liebevoll um Dich zu kümmern und Deine Wunden heilen zu lassen. Die Zeit hilft dabei ungemein. Und wenn es sein soll, findet ihr wieder zusammen und wenn nicht, hast Du die Möglichkeiten Dir trotzdem ein zufriedens Leben zu schaffen.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Geduld für Dich.

sonnige Grüße
lütte

Gotti
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Beitrag von Gotti » 16.12.2017, 13:19

Liebe Dafina!
Dein Ehemann ist geheilt? Ich würde es für ihn wünschen, aber glauben - tut mir leid - kann ich es noch nicht. Mein Mann hat mir so oft "Trockenheit" vorgespielt. Einmal sogar ein halbes Jahr. Solche Geschichten kannst du hier bei den Alkoholikern jederzeit nachlesen.
Verpasst hast du nur die Zeit mit ihm, die du nicht genießen konntest. Die Stunden, Tage, Nächte, wo du nur traurig warst, weil er den Alkohol lieber hatte als dich.
Tja, und die Familie .... da hat sich bei mir auch sofort herausgestellt, wer von ihnen mich schon vorher richtig gemocht hatte. Und wer meinen Mann schon vorher durchschaut hatte. Wir Co- abhängigen machen uns nämlich gerne was vor, dass keiner merkt, wie unsere Trinker drauf sind, wenn wir nur genug vertuschen und verheimlichen. Leider ist das Gegenteil der Fall, und ich wurde in dieser Richtung schnell aufgeklärt, nachdem die Trennung "öffentlich" war.
Ich würde dir aber doch sehr wünschen, dass du eine reale Gruppe findest. Es gibt eigentlich in jeder Stadt welche, von vielen verschiedenen Einrichtungen. Damit du richtig spürst, dass du verstanden und nicht alleingelassen bist.
Liebe Grüße!

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