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Fragen an einen Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 12.12.2018, 22:18

ideja hat geschrieben:
10.12.2018, 01:00
eine Frage an Carl Friedrich
in wie weit hat das Alkohol Verzicht deine Partnerschaft beeinflusst? wie könnte dir deine Frau "helfen"?
ich kann mich irgendwie nicht entspannen, obwohl ich weiß dass es nichts mit mir zu tun haben sollte
Hallo!

Die Antwort ist relativ einfach: Ohne den Alkohol verläuft alles entspannter. Es dreht sich nicht mehr alles darum, wann und wo ich wieder konsumieren kann. Ich bin offener und rücksichtsvoller geworden, was die Belange, Interessen und Bedürfnisse der Familie anbelangt.

Ganz wichtig ist der Faktor Zeit. Es ändert sich nicht alles zum Guten, dass ein Alki mal 'ne Weile nichts trinkt. Es dauerte ein paar Monate bis wieder neues Vertrauen der Familie wachsen konnte.

Wie kann die Familie helfen? Für mich war wichtig, nicht ständig kontrolliert zu werden. Man sah, dass ich mich aktiv mit meiner Krankheit auseinander setzte, da wurde mir nicht hinterher geschnüffelt, wie ernst ich es denn meine und standhaft bleibe. Auch war es für mich wichtig, nicht fortlaufend auf mein Problem angesprochen zu werden.

Die Gesundung des Partners erfolgte bei uns spiegelbildlich zu meiner eigenen positiven Entwicklung.

Völlig verdaut ist das Problem bei meiner Frau noch nicht. Ab- und an teilt sie mir auch mit, dass ich meiner Familie durch meinen Suff heftig zugesetzt habe und sie auch gelitten hat.

Gruß
Carl Friedrich

ideja
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von ideja » 12.12.2018, 23:47

Danke Carl Friedrich,
ich habe nie versucht, oder doch, sein Trinken zu kontrollieren. in den ersten Jahren schon, aber es war nutzlos, und so habe ich es einfach gelassen. habe dabei gesessen so lange ich konnte, dann bin ich gegangen.
in meinen Gedanken kontrolliere ich ihn ständig, also, ich denke mir dass er von der Arbeit zu kneipe gehen könnte, oder dass er Morgen beim Treffen mit jemanden was trinken könnte. aber, dass ich es ausspreche, kommt nicht in Frage. In meinem Kopf sind auch alle möglichen Anlässe, zu welcher er trinken könnte, gespeichert.
Hattest du / oder hast du noch/ Stimmungsschwankungen ? Manchmal kann ich sein Verhalten nicht erklären/ wie dass er sich, ohne Grund,über mich oder eines der Kinder ärgert...
vor 3 Tagen habe ich ihn fast gebeten dass er endlich geht was zu trinken, es war schon unheimlich wie er sich benommen hat.
dabei, sagt er Vorgestern, dass ihm das Trinken überhaupt nicht abgeht...

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 13.12.2018, 16:22

Hallo Ideja!

Stimmungsschwankungen hat jeder Mensch. Niemand ist jahrein jahraus gleichbleibend gut drauf. Das gibt es nicht.

Während meiner aktiven Zeit waren sie deutlich ausgeprägter als heute.

Bist Du sicher, dass die Schwankungen deines Mannes mit der Abstinenz zu tun haben und nicht andere Gründe haben? Mangelnde Zufriedenheit mit seiner persönlichen, beruflichen und familiären Situation? Hat er evt. das Gefühl im Vergleich zu Bekannten/Freunden/Kollegen "zu kurz" zu kommen?

Will er selbst abstinent leben oder praktiziert er es nur, weil es von ihm erwartet wird?

Gruß
Carl Friedrich

ideja
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von ideja » 14.12.2018, 21:01

hallo,
er sagt er pausiert für sich, er hat endlich bemerkt was er seiner Gesundheit, Ehe, Familie, antut.
ob man es drängen nennen kann, weiß ich nicht, aber ich habe ihm deutlich gesagt und gezeigt dass ich mich in Zukunft, in allen Situationen wobei er etwas alkoholisches trinkt, heraushalte.
ich zerbreche mir den Kopf wegen Stimmungsschwankungen... Alle möglichen Gründe die du nennst fallen aus, ich kann diesen Ärger oder Traurigkeit, oder was auch immer, nach so langer Zeit erkennen.
die Situation hatten wir einmal im Sommer. es war Sonntag, wir sind am Nachmittag in den Garten eines Kaffeehauses gesessen und haben Kaffe getrunken. Er fing dann an, Blödsinn zu reden (bis dann war es ein sehr harmonischer Tag), alles wirr... wie dass ich mit jemand ganz Fremden da sitzen würde. er hat sich über alles mögliche geärgert, bis ich dann wütend wurde (nur innerlich :roll: ) und gesagt habe, er soll sich doch bitte, sein Bier bestellen. was er auch tat. und siehe da, bevor das zweiter Bier geöffnet wurde, war die Welt wieder ganz in Ordnung für ihn.
jetzt vor Paar Tagen war er in ähnlicher Stimmung.

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 14.12.2018, 21:33

Hallo ideja!

Was Du schilderst sind klassische Entzugserscheinungen. Er brauchst seinen Stoff. Das kenne ich aus meiner aktiven Zeit. Ruhe gab ich erst, wenn ich das erste Weißbier intus hatte und das zweite im Anmarsch war.

Gruß
Carl Friedrich

ideja
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von ideja » 15.12.2018, 00:26

hallo Carl Friedrich,
es ist beruhigend zu wissen dass ich meiner Wahrnehmung vertrauen kann, und dass das etwas mit Alkohol zu tun hat. falls es wieder dazu kommt, kann ich ruhig mein Leben weiter leben und abwarten bis es vorbei ist. :) nicht mein Leben, sondern sein "Ding" :D
wie lange kann man mit Entzugserscheinungen rechnen? es sind immerhin 25 Tage dass er nichts trinkt
wie lange nach dem letzten Getränk, hattest du sie noch?
Grüß, ideja

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 15.12.2018, 11:33

Hallo!

Da gibt es keine verbindliche Richtschnur.

Will er denn überhaupt für sich trocken werden? Ich wollte es, auch wenn die Familie Anschubhilfe geleistet hat. Als mein Karren der Abstinenz dann Fahrt aufnahm, wollte und will ich ihn am Rollen halten. Daher kam bei mir bei Besuchen von Cafes etc. nicht mehr automatisch der Wusch nach einem Bier auf.

Diesen Punkt muss dein Mann erst noch erreichen. Das geht nicht binnen Monatsfrist. Rückblickend meine ich, dass ich das Gröbste nach 1/2 Jahr hinter mir hatte. Allerdings bin ich mein Problem konzentriert und von mehreren Seiten aus angegangen: Ambulante Therapie, Fachliteratur aus Patienten- und Therapeutensicht sowie dieses Forum hier.

Gruß
Carl Friedrich

ideja
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von ideja » 15.12.2018, 11:49

vielen Dank für deine Antworten
etwas näher habe ich es beschrieben in meinem Tagebuch, wie es mit ihm aussieht. leider, ist er nicht so wie du und die anderen hier auf sein Problem konzentriert.
ich versuche einfach für mich herauszufinden wie es weiter gehen kann, und denke dabei in allen Richtungen.
liebe Grüße, ideja

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