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Fragen an einen Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Netti14
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Netti14 » 18.12.2018, 02:38

Ich möchte mich erstmal bedanken für eure Offenheit. Ich lese hier schon eine Weile mit und versuche vieles zu verstehen. Ich hatte das Pech oder auch Glück nur kurz einen Alkoholiker kennen zu lernen. Wir waren in der Anfangsphase einer Beziehung. Frisch verliebt, jedenfalls ich und ich glaube auch er. Ich habe das alles in meinem Vorstellungsgespräch geschrieben, wie das ganze geendet ist. Nur nochmal kurz zusammen gefasst. Er hat schon immer gerne getrunken, nicht nur am Wochenende, das habe ich schon gemerkt und mir so meine Gedanken gemacht. Auch schon angesprochen, dass es mir an ihm aufgefallen ist. Aber da meinte er immer noch, er braucht den Alkohol nicht. Ich konnte das nicht kontrollieren. Irgend wann bei einer Feier beschimpfte er seine Kumpels so sehr,dass er die Notbremse gezogen hat. Er offenbarte mir in schriftform,dass er ein Problem mit Alkohol hat und es jetzt in Angriff nehmen will. Er will mich nicht verletzen und ich bin eine ganz tolle Frau. Dann hat er mich blockiert. Das ganze liegt jetzt so ca.drei Monate zurück. Nur mal ein kurzes Zeichen, in schriftform,dass er einen ersten Termin hat und dann wieder nichts.
Ich habe mir lange den Kopf zerbrochen, was ich noch machen kann. Ich kann nichts machen, das weiß ich jetzt auch. Es ist ein toller Mensch,den ich da kennen gelernt habe,aber auch ein verdammt guter Schauspieler.
Ich selbst bin in einer Familie groß geworden, wo Alkohol eine große Rolle spielte. Mein Vater trank sehr oft und war auch sehr oft aggressiv zu meiner Mutter. Gewalt war da oft im Spiel. Mein Vater ist schon 20. Jahre tot und ich habe bis heute so meine Probleme mit Alkoholiker. Auch in meinem Beruf habe ich täglich mit Alkoholiker zu tun und ich sehe täglich, was Alkohol aus einem Menschen macht. Das alles habe ich ihm auch alles erzählt. Ich glaube, er schämt sich sehr für seine Krankheit. Ich hoffe, er hat sie in Angriff genommen und lässt sich helfen. Ich habe ihn ja noch die Beratungstelle genannt.
Ich will nur sagen, dass ich durch eure Fragen und Antworten so einiges verstehe. Aber es macht mich immer noch traurig.

Rattenschwanz
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Rattenschwanz » 18.12.2018, 07:25

Netti14 hat geschrieben:
18.12.2018, 02:38
Dann hat er mich blockiert.
Das erinnert mich an mich. Ich habe Menschen, die mir lieb waren, bewusst verbal verletzt damit die abhauen, mich in Ruhe lassen. Danach hab ich fleißig jeden Versuch von Ihnen ignoriert, mit mir in Kontakt zu treten.

Mir fehlte die Bereitschaft mit dem Saufen aufzuhören und ich wollte nicht, dass diese Menschen sich mit mir und meinem damaligen Leben beschäftigen.

Ich wusste, dass meine Wohnung zeitweise unter aller Sau aussah und ich auch, das war mir peinlich, ich war mir peinlich und das sollten die nicht sehen und die sollten mir nicht helfen.

Die sollten aufhören, sich um mich zu kümmern und die sollten sich ihr Leben nicht mit meinem versauen, redete ich mir ein.

Dabei wollte ich wollte mich einfach nur gehen lassen können und nur saufen und das 24 Stunden lang.

Speranza
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Speranza » 18.12.2018, 09:56

Hallo Netti!
Es ist ein toller Mensch,den ich da kennen gelernt habe,aber auch ein verdammt guter Schauspieler.
Im Grunde hast du ihn ja nicht richtig kennengelernt denn wie du selber erkannt hast sind nasse Alkoholiker auch gute Schauspieler. Dass er auch anders kann als nett sein hast du ja gemerkt wie er sich seinen Kumpels gegenüber verhalten hat. Wenn du länger mit ihm zusammen gewesen wärst hätte er dir bestimmt seine anderen Seiten gezeigt die wahrscheinlich nicht so angenehm sind.

Wenn ein nasser Alkoholiker das Gefühl hat man würde ihn vom Trinken abhalten wird es oft richtig ungemütlich denn die Sucht ist ihm wichtiger als alles andere sogar wichtiger als seine Partnerin und seine Kinder.

LG Marie

la vie
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von la vie » 18.12.2018, 23:05

Schönen Abend,
ich wüsste gern, wie nimmt ein Alkoholiker der Alkohol trinkt Veränderungen in seinem nahen Umfeld wahr. Bemerkt er sie?
Gute Nacht und merci für die Gedanken dazu.

lG, la vie

Netti14
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Netti14 » 30.12.2018, 00:22

Guten Abend,
Ich habe auch noch eine Frage. Wer von euch hat sich am Anfang eingeredet, er könne das Trinken irgend wann kontrollieren. Wie zum Beispiel , Anstoßen mit Sekt beim Geburtstag oder auch Mal ein gepflegtes Feierabendbier? Nicht täglich, nur zu Anlässen. Und wann habt ihr es gemerkt, dass dieser Weg für euch nicht richtig ist? Gibt es sowas überhaupt, wenn man Alkoholiker ist?

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 30.12.2018, 10:28

Netti14 hat geschrieben:
30.12.2018, 00:22
Ich habe auch noch eine Frage. Wer von euch hat sich am Anfang eingeredet, er könne das Trinken irgend wann kontrollieren. Wie zum Beispiel , Anstoßen mit Sekt beim Geburtstag oder auch Mal ein gepflegtes Feierabendbier? Nicht täglich, nur zu Anlässen. Und wann habt ihr es gemerkt, dass dieser Weg für euch nicht richtig ist? Gibt es sowas überhaupt, wenn man Alkoholiker ist?
Hallo Netti!

Davon war ich jahrelang felsenfest überzeugt. Mit meinen Saufpausen hatte ich mir ja vorgemacht, alles im Griff zu haben, was tatsächlich nicht der Fall war. Denn nach der Saufpause war die alte Schlagzahl schnell erreicht.

Bei mir kehrte die Einsicht ein, es nicht mehr ohne äußere Hilfe zu schaffen, als es mir nicht mehr gelang, wenigstens mal eine kurze Saufpause einzulegen, genauer gesagt, ich war nicht mehr fähig, wenigstens mal einen Tag auf Alkohol zu verzichten. Ich stand da und sprach zu mir selbst: "Jetzt stehst Du da wie ein Penner neben der Tanke und schüttest dir in "Windeseile" 2-3 Kannen Bier in die Birne. Du kannst nicht mehr ohne. Du bist am Ende. Der Alkohol hat dich geschafft." Es war ein Moment, indem ich mich sehr vor mir selbst geschämt habe.

Für mich persönlich gilt: Ein Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken. Ich habe den point of no return schon vor langer Zeit hinter mir gelassen.

Ich kann jedoch nicht zu 100% nicht ausschließen, dass es tatsächlich hier und da evt. mal einen Alkoholiker gibt, dem der Umstieg in einen moderaten und unbedenklichen Konsum gelingt. Es handelt sich dann um die berühmte Ausnahme von der Regel. Ich habe bislang keinen kennengelernt.

Ein großes Problem für viele frisch Abstinente ist der Gedanke, von nun an für alle Tage auf den Alkohol zu verzichten. Bei vielen spukt es noch im Hirn umher, irgendwann geht doch noch mal was mit Alkohol. Diesen Gedanken hatte ich in den ersten Wochen meiner Abstinenz auch. Ich dachte auch, nach 1-2 Jahren Abstinenz wäre evt. ein moderater Konsum möglich. Erst meine gründliche Beschäftigung mit dem Thema und einige Teilnehmer meiner ambulanten Therapie als abschreckendes Beispiel haben zu dem nötigen Umdenken geführt.

Gruß
Carl Friedrich

coup
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von coup » 30.12.2018, 16:51

Hallo,

ich finde diesen Thread sehr interessant. Wahrscheinlich wünschen sich die meisten Alkoholiker, sie könnten kontrolliert trinken. Meines Wissens wird sogar von Fachleuten dazu in letzter Zeit häufiger geraten. Eventuell kommt das vom amerikanischen Einfluss, wo ambulante Therapien der Standard sind (die kriegen immer ganz große Augen, wenn sie hören, dass man in Deutschland Wochen oder Monate in einer Klinik Therapie macht.) Dort wird auch meistens zum kontrollierten Trinken geraten, in Deutschland jetzt auch immer häufiger. Vielleicht gibt es auch einen bestimmten Typen Alkoholiker, bei dem das klappt.

Mein Lebensgefährte probiert das auch immer wieder, ich weiß nicht, wie oft er noch auf die Schnauze fallen muss, um zu kapieren, dass das bei ihm gar nicht mehr geht.

coup
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von coup » 30.12.2018, 16:53

Ich würde auch gerne mal wissen, ob ihr auch mal den Wunsch hattet, beim Saufen zu sterben, damit das endlich vorbei ist?

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