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Fragen an einen Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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la vie
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von la vie » 18.12.2018, 23:05

Schönen Abend,
ich wüsste gern, wie nimmt ein Alkoholiker der Alkohol trinkt Veränderungen in seinem nahen Umfeld wahr. Bemerkt er sie?
Gute Nacht und merci für die Gedanken dazu.

lG, la vie

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 30.12.2018, 10:28

Ich habe auch noch eine Frage. Wer von euch hat sich am Anfang eingeredet, er könne das Trinken irgend wann kontrollieren. Wie zum Beispiel , Anstoßen mit Sekt beim Geburtstag oder auch Mal ein gepflegtes Feierabendbier? Nicht täglich, nur zu Anlässen. Und wann habt ihr es gemerkt, dass dieser Weg für euch nicht richtig ist? Gibt es sowas überhaupt, wenn man Alkoholiker ist?
Hallo Netti!

Davon war ich jahrelang felsenfest überzeugt. Mit meinen Saufpausen hatte ich mir ja vorgemacht, alles im Griff zu haben, was tatsächlich nicht der Fall war. Denn nach der Saufpause war die alte Schlagzahl schnell erreicht.

Bei mir kehrte die Einsicht ein, es nicht mehr ohne äußere Hilfe zu schaffen, als es mir nicht mehr gelang, wenigstens mal eine kurze Saufpause einzulegen, genauer gesagt, ich war nicht mehr fähig, wenigstens mal einen Tag auf Alkohol zu verzichten. Ich stand da und sprach zu mir selbst: "Jetzt stehst Du da wie ein Penner neben der Tanke und schüttest dir in "Windeseile" 2-3 Kannen Bier in die Birne. Du kannst nicht mehr ohne. Du bist am Ende. Der Alkohol hat dich geschafft." Es war ein Moment, indem ich mich sehr vor mir selbst geschämt habe.

Für mich persönlich gilt: Ein Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken. Ich habe den point of no return schon vor langer Zeit hinter mir gelassen.

Ich kann jedoch nicht zu 100% nicht ausschließen, dass es tatsächlich hier und da evt. mal einen Alkoholiker gibt, dem der Umstieg in einen moderaten und unbedenklichen Konsum gelingt. Es handelt sich dann um die berühmte Ausnahme von der Regel. Ich habe bislang keinen kennengelernt.

Ein großes Problem für viele frisch Abstinente ist der Gedanke, von nun an für alle Tage auf den Alkohol zu verzichten. Bei vielen spukt es noch im Hirn umher, irgendwann geht doch noch mal was mit Alkohol. Diesen Gedanken hatte ich in den ersten Wochen meiner Abstinenz auch. Ich dachte auch, nach 1-2 Jahren Abstinenz wäre evt. ein moderater Konsum möglich. Erst meine gründliche Beschäftigung mit dem Thema und einige Teilnehmer meiner ambulanten Therapie als abschreckendes Beispiel haben zu dem nötigen Umdenken geführt.

Gruß
Carl Friedrich

coup
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von coup » 30.12.2018, 16:51

Hallo,

ich finde diesen Thread sehr interessant. Wahrscheinlich wünschen sich die meisten Alkoholiker, sie könnten kontrolliert trinken. Meines Wissens wird sogar von Fachleuten dazu in letzter Zeit häufiger geraten. Eventuell kommt das vom amerikanischen Einfluss, wo ambulante Therapien der Standard sind (die kriegen immer ganz große Augen, wenn sie hören, dass man in Deutschland Wochen oder Monate in einer Klinik Therapie macht.) Dort wird auch meistens zum kontrollierten Trinken geraten, in Deutschland jetzt auch immer häufiger. Vielleicht gibt es auch einen bestimmten Typen Alkoholiker, bei dem das klappt.

Mein Lebensgefährte probiert das auch immer wieder, ich weiß nicht, wie oft er noch auf die Schnauze fallen muss, um zu kapieren, dass das bei ihm gar nicht mehr geht.

coup
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von coup » 30.12.2018, 16:53

Ich würde auch gerne mal wissen, ob ihr auch mal den Wunsch hattet, beim Saufen zu sterben, damit das endlich vorbei ist?

coup
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von coup » 30.12.2018, 20:26

Hallo Moony,
Moony007 hat geschrieben:
07.12.2018, 13:40
...
Mein Freund hat in unregelmäßigen Abständen Trinkphasen; ca. 2 Flaschen harter Alkohol wie Schnaps und Wodka pro Tag, Promille Level im Schnitt 4,0 pro Tag. Das ca. 1-2 Wochen, dann ab in die Entgiftung, einige Wochen trocken, dann wieder das Ganze von Vorne. Längste trockene Phase 3,5 Monate.
...
LG Moony
mein Freund hat ein ähnliches Trinkverhalten wie deiner, allerdings hatte er in seinem ganzen Leben nur 2x im Krankenhaus entgifet. Länger als 5 Tage war er noch nie im Krnakenhaus, meistens geht er am gleichen Tag wieder.

Und das mit dem Führerschein hatten wir auch schon mal. Das letzte mal hatte er seinen Führerschein nur 2 Jahre lang. Und davor konnte er ein ganzes Jahr lang abstinent bleiben, nur um den FS wieder zu bekommen, weil er ihn für die Arbeit brauchte. Am selben Tag, er dem er ihn sich abholte, ist er auf dem Heimweg Alkohol kaufen gefahren und 2 Stunden später schon war er total besoffen. Ich bin damals schier durchgedreht, weil mir klar war, dass er das alles nur wegen dem FS gemacht hat, und eben nicht um sein Leben zu ändern.

Jetzt hat er wieder keinen, und weil er ihn nicht mehr braucht, schafft er auch nur noch kürzere Trockenphasen.

Ich sehe auch nicht ein, warum immer der oder die Co gehen soll, wenn Trennung ansteht. Die saufen doch nicht. Soll doch der Säufer gehen! Weil dann zahl ich nämlich 2 Wohnungen bzw. das Haus und meine Wohnung. Der Vermieter braucht nur einen, an den er sich halten kann. Geht einem das Geld aus, ist der andere dran, das bin jetzt ich.

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 31.12.2018, 10:48

coup hat geschrieben:
30.12.2018, 20:26

Und das mit dem Führerschein hatten wir auch schon mal. Das letzte mal hatte er seinen Führerschein nur 2 Jahre lang. Und davor konnte er ein ganzes Jahr lang abstinent bleiben, nur um den FS wieder zu bekommen, weil er ihn für die Arbeit brauchte. Am selben Tag, er dem er ihn sich abholte, ist er auf dem Heimweg Alkohol kaufen gefahren und 2 Stunden später schon war er total besoffen. Ich bin damals schier durchgedreht, weil mir klar war, dass er das alles nur wegen dem FS gemacht hat, und eben nicht um sein Leben zu ändern.

Ich sehe auch nicht ein, warum immer der oder die Co gehen soll, wenn Trennung ansteht. Die saufen doch nicht. Soll doch der Säufer gehen! Weil dann zahl ich nämlich 2 Wohnungen bzw. das Haus und meine Wohnung. Der Vermieter braucht nur einen, an den er sich halten kann. Geht einem das Geld aus, ist der andere dran, das bin jetzt ich.

Hallo!

Die Führerscheinaspiranten in meiner ambulanten Therapie waren schon ein ganz spezieller Fall. Die meisten von ihnen gingen nur zur Therapie, um bessere Karten bei der MPU zu haben. Das ärgerte mich seinerzeit, heute nicht mehr, weil meine persönliche Erkenntnis zum Thema Sucht deutlich tiefgreifender ist, als damals. Auch die Therapeuten erklärten unverblümt, dass viele von ihnen einige Zeit später wieder auf der Matte der Suchtberatung stünden.

Zur Wohnungsfrage: Wer hat denn den Vertrag unterschrieben? Falls beide, wird's schwer, den Trinker raus zu bekommen. Daher verfährt der nicht trinkende Teil besser nach der Devise, "der Klügere gibt nach", um sich selbst zu schützen.

Gruß
Carl Friedrich

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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Mcfly » 31.12.2018, 11:32

Hallo ich bin neu hier und habe eine Frage die mir schon länger unter den Nägeln brennt. Es wird bei Alkoholismus von einer Krankheit geredet,für die niemand was kann.....gut verstehe ich,akzeptiere ich. Aber........einem Menschen mit riskantem Alkoholkonsum wird doch meist von seiner Umwelt oder Partnern sehr eindrücklich gesagt,dass es Zuviel ist und merkt man das nicht selber???? Da wäre doch ein umdrehen bis hin zum ab und an mal trinken möglich,oder???? Ich stelle mir das wie bei Diabetes vor. Ich esse zu viele Kohlenhydrate,bin zu dick,etwas unsportlich und mein Blutzucker ist erhöht. Gut also,der Arzt sagt nehmen Sie Insulin,damit bleiben Sie ein Leben lang Zuckerkrank oder essen sie weniger süßes,machen Sie Sport und nehmen Sie ab,dann werden sie wieder ganz gesund. Wenn ich mich für Option A entscheide, bin ich doch selber Schuld an meiner Krankheit. Für mich wird es dann echt schwierig die Eigenverantwort dieses Menschen so ganz in den Hintergrund zu schieben und ihn wegen seiner schlimmen Krankheit ,in diesem Fall Diabetes zu bedauern und alles zu verstehen was diese Krankheit im weiteren für Folgen haben wird. Ist das bei Alkohol anders oder verstehe ich etwas nicht ganz richtig?... Liebe Grüße Mcfly

Elly
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Elly » 31.12.2018, 12:15

coup hat geschrieben:
30.12.2018, 16:53
Ich würde auch gerne mal wissen, ob ihr auch mal den Wunsch hattet, beim Saufen zu sterben, damit das endlich vorbei ist?
Hallo coup,

diesen Gedanken hatte ich... es war einfach eine schreckliche Zeit!

Der Alkohol bringt den Körper und die Seele eines Alkoholikers an die Grenze
des Erträglichen!

Umso mehr bin ich froh, dass ich es geschafft habe, aus dieser Spirale, die nur
nach unten führt, aus zu steigen!

Und jedem, der noch auf der Suche nach dem Ausstieg aus der Alkoholsucht ist,
möchte ich schreiben, wagt es, holt Euch Hilfe! Es ist zu schaffen und lohnt sich!!!


Grüsse

Elly

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