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Fragen an einen Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Nordy
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Nordy » 12.05.2019, 13:27

Hi....
ich komme grad nicht klar. Meine Frage wäre: sind die Menschen drum herum wirklich egal? Oder könnt ihr garnicht anders? Denkt ihr nicht an den Kummer anderer? Meine ,,Geschichte,, findet ihr hier unter Schuldvorwürfe.
Gruß Nordy

Anonymia
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Anonymia » 24.10.2019, 17:06

Lieber Hartmut,

ich möchte auch eine Frage stellen. Kann ein Alkoholiker im nassen Zustand wirklich lieben? Wie ernst sind seine Versprechungen? Für mich ist es ein Unterschied, ob er mich bewusst anlügt und schon mit der Absicht, mich zu täuschen, Sätze sagt wie "das war das letzte Mal, für dich gebe ich das Saufen auf!" oder ob er es in diesem Moment wirklich so meint und dann doch von der Sucht übermannt wird.

Und wie geht man als Partner/Ex-Partner am besten mit einem nassen Alkoholiker um? Ist rigoroses Fallen-Lassen mit Kontaktsperre notwendig oder doch zu hart? Bin so hin- und hergerissen momentan und weiß nicht, was richtig ist..

Liebe Grüße
Anonymia

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 24.10.2019, 21:26

Anonymia hat geschrieben:
24.10.2019, 17:06
Sätze sagt wie "das war das letzte Mal, für dich gebe ich das Saufen auf!" oder ob er es in diesem Moment wirklich so meint und dann doch von der Sucht übermannt wird.

Und wie geht man als Partner/Ex-Partner am besten mit einem nassen Alkoholiker um? Ist rigoroses Fallen-Lassen mit Kontaktsperre notwendig oder doch zu hart?
Er/Sie mag es in dem Augenblick wirklich ernst meinen, doch später, wenn der Saufdruck aufkommt werden alle guten Vorsätze rasch über Bord geworfen. Da geht es dann nur noch darum, möglichst schnell wieder an die Flasche zu kommen.

Meine Familie hat mir die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder Therapie oder Trennung.

Zum Glück war ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in der Lage, wenigstens mal ein paar Tage auf den Stoff zu verzichten, wie es mir früher als Akt der Selbsttäuschung immer gelungen war. Mir war in dem Augenblick klar, dass ich mich selbst ganz schön in die Sche... geritten hatte.

Daher ging ich zur Suchtberatung, nachdem meine Familie bereits dort vorgesprochen hatte, ohne mich vorher zu informieren.

Bei mir ist diese Taktik der Familie gut gegangen, zumindest bis heute. Es gibt aber auch andere Fälle.

Gruß
Carl Friedrich

Anonymia
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Anonymia » 24.10.2019, 23:04

Danke für deine Antwort, Carl Friedrich.

Wie geht man als Partner bzw Ex-Partner am besten mit einem nassen Alkoholiker um? Ist rigoroses Fallen-Lassen mit Kontaktsperre der richtige Weg oder ist das zu hart?

Liebe Grüße
Anonymia

Carl Friedrich
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Carl Friedrich » 25.10.2019, 14:28

Anonymia hat geschrieben:
24.10.2019, 23:04
Wie geht man als Partner bzw Ex-Partner am besten mit einem nassen Alkoholiker um? Ist rigoroses Fallen-Lassen mit Kontaktsperre der richtige Weg oder ist das zu hart?
Hallo!

Das lässt sich nicht pauschal beantworten wie ich es gestern an meinem Beispiel dargelegt habe. Es hängt vom Einzelfall ab, ob er/sie wirklich aussteigen oder lediglich den Partner besänftigen will.

Egal wie man sich entscheidet, wichtig ist die nötige Konsequenz.

Übrigens: Die meisten Aussteiger aus dem aktiven Part der Sucht benötigen mehrere Anläufe und häufig den entscheidenden Anstoß von außen: Dem Arbeitgeber, der Führerscheinstelle, die mit der MPU wedelt, die Familie, die klar gemacht hat, dass sie sich trennt, wenn nicht zeitnah das Problem in Angriff genommen wird.

Aber entscheident ist die Einstellung des Probanden: Will er überhaupt selbst raus aus dem Elend der Sucht oder macht er/sie es lediglich für andere?

Gruß
Carl Friedrich

Anonymia
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Anonymia » 25.10.2019, 16:07

Mir scheint, mein Ex-Freund will selber gar nicht raus aus der Sucht. Er glorifiziert den Alkohol meiner Meinung nach viel zu sehr und blendet die Folgen komplett aus.

Mariqita
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Mariqita » 10.04.2020, 12:59

Hallo, ich bin neu hier und versuche grade, das Verhalten von Alkoholhängigen besser zu verstehen bzw. für mich einzuordnen. Mein Partner trinkt schon seit 30 Jahren, anfangs eher exzessiv beim Wegggehen mit Freunden (eher unregelmäßig); nach einigen Jahren gingen die Exzesse stark zurück und es ging über zum täglichen Trinken von 3-4 Halbliterflaschen Bier. Inzwischen sind es 5 pro Tag (zumindest das, was ich mitkriege).

1. Frage: Er trinkt täglich ab 17 oder 18h bis ca. Mitternacht, dann sind die 5 Bier weg. Man merkt ihm das aber nicht sehr an, frühestens ab 20 oder 21h wird er etwas redseliger, und noch später wird's dann etwas nervig, weil er mich dann gern zutextet. Ist das normal, oder ein klares Zeichen von Gewöhnung?

2. Frage: kann ein solcher Konsum (über mehr 20-25 Jahre) bereits eine körperliche Abhängigkeit hervorrufen?

3. Wir streiten uns in den letzten 2-3 Jahren immer heftiger, meinem Eindruck nach, weil er sehr oft gereizt ist und dann an allem was auszusetzen hat, ich mache alles falsch, und er kritisiert mich auf eine wie ich finde verletzende, unterschwellig aggressive Art. Dies passiert aber nicht nur abends, wenn er getrunken hat, sondern kann zu allen möglichen Zeiten esklalieren. Kann diese Verhaltensveränderung durch seinen regelmäßigen Alkoholkonsum verursacht sein?

4. Vor drei Tagen habe ich ihn gebeten, eine Trinkpause von 4 Wochen zu machen, um mir zu zeigen, daß meine Sorgen grundlos sind. Er hat sich etwas widerwillig und mit der Bedingung, daß ich auch auf was verzichte, darauf eingelassen. Mir ist dann aufgefallen, daß sich seine Stimmung oft ändert - mal ein paar Stunden sehr brummig und einsilbig, dann zwischendurch mal wieder ganz gut drauf, dann abends mal wieder genervt, gereizt und voller Vorwürfe. Ich habe auch gestern in einem Abstellraum eine leere Bierflasche gefunden, die morgens noch nicht da stand - es ist also wahrscheinlich, daß er sich nicht ganz an die Vereinbarung hält. Wie würdet Ihr diese Verhalten einschätzen - ist das ein Zeichen von Abhängigkeit, womöglich von Entzug, oder bin ich da zu panisch?

Würde mich sehr freuen, eine Einschätzung aus erster Hand zu bekommen. Ich möchte herausfinden, wie weit es schon ist; die Situation belastet mich enorm, und mein Partner geht leider alles andere als offen damit um.

Dante
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Dante » 10.04.2020, 14:03

Ich beantworte deine Fragen mal nach deinen Punkten.

1:
4 oder 5 Bier über den Abend ist das, was du mit bekommst. Ich wurde auch nach einigen Bier kommunikativer. Das werden aber die meisten. Aus diesem Grund gibt es auch den Sekt vor dem Date & ähnliches. Die Stimmung heben. Das hat etwas mit dem Hormonhaushalt zu tun, der durch Drogen (also auch Alkohol) gezielt in eine vom Konsumenten gewünschte Richtung verändert wird.
Die Redseligkeit ist also kein Zeichen für Alkoholismus, dass man ihm den Konsum nicht anmerkt allerdings viel eher.
So etwas nennt man Steigerungstrinken - Um den gewünschten Effekt zu erhalten muss bei dichten, regelmäßigen Konsum mehr vom Suchtstoff konsumiert werden. Darum auch mein erster Satz in dieser Antwort.

2:
Ja, aber das bekommt man erst beim Entzug mit. Der kann allerdings auch schon beim aufstehen vorhanden sein: zittrige Hände, "Trockenkotzen", der allbekannte "Kater" ist genau genommen ein Zeichen körperlichen Entzugs.
Richtig heftige Entzugssymptome sind allerdings ein eindeutiges Zeichen für eine körperliche Abhängigkeit. Alkoholentzug kann sogar tödlich enden, weshalb man nie ohne ärztliche Aufsicht entziehen sollte.
Bei mir waren die Entzugssymptome recht harmlos: Am Anfang konnte ich schlecht schlafen & ich hatte in den ersten Wochen ständig kalt-schwitzige Hände, was mir am Anfang nicht so auffiel, weil gerade eine recht heiße Wetterlage ablief.

3:
Ganz eindeutig ja! Dauerhafter Alkoholabusus verändert das psychische Gesamtbefinden nachhaltig. & es dauert auch sehr lange, bis sich das wieder reguliert. & auch darüber hinaus gilt: Der trockene Alkoholiker ist niemals mehr der Mensch, der er vor seinem Alkoholismus war. Dazwischen liegt eine vieljährige Krankheitsgeschichte.

4:
Auch hier eindeutig ja! Gerade Abends, zu Bierchentrinkzeit gereizt & genervt sein - da liegt etwas sehr nahe. Stimmungsschwankungen überhaupt sind ein Zeichen für eine psychische Abhängigkeit, genauer, können das sein. Es gibt ja auch natürlich stimmungslabile Personen.
Das hat etwas mit den von mir anfänglich erwähnten Hormonhaushalt zu tun, der gewissermaßen krumm gesoffen, jedenfalls aus dem natürlichen Rhythmus heraus ist.
Die versteckte Bierflasche jedenfalls ist ein alkoholikertypisches Verhalten. Ein normal konsumierender Mensch hält es nicht für nötig, seine Flaschen vor dem Partner zu verstecken.

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