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Fragen an einen Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Mariqita
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Mariqita » 11.04.2020, 16:09

Hallo Dante, vielen Dank für deine Einschätzung. Ich hätte zwar lieber was anderes gehört, aber Klarheit zu haben ist wichtiger. Die beschriebenen Zeichen für körperlichen Entzug konnte ich nicht beobachten; aber die Stimmung und das Verhalten sind wechselhaft und seltsam. Während unseres letzten gemeinsamen Urlaubs habe ich das auch nicht gesehen (da habe ich mehr mitgekriegt als zuhause, wo wir in getrennten Zimmer schlafen).
Ich befürchte allerdings, daß er seinen Konsum nach wie vor als unproblematisch einschätzt, und ich ihn dabei nur störe / nerve. Er hat mir nach einem schlimmen Streit schon 2x gesagt, daß wir uns besser trennen sollten, weil wir uns gegenseitig nur noch brutalst fertigmachen (was nicht so weit hergeholt ist; wenn man das Alkoholproblem ausblendet). Rein verstandesmäßig konnte ich dem zustimmen; allerdings war ich gleichzeitig auch geschockt, daß er mehr als 30 Jahre Beziehung einfach mal eben so beenden will, ohne nochmal was zu versuchen (ich hab wenigstens die Eheberatung initiiert). Irgendwie ziemlich abgebrüht; nachdem was ich gelesen hab, soll das aber auch nicht unbedingt untypisch sein.

Dante
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Dante » 12.04.2020, 12:42

Es können aber durchaus noch andere Faktoren als der Alkoholmissbrauch dazu beigetragen haben, dass ihr euch auseinander gelebt habt.
Der Alkohol wäre dann gewissermaßen der Kristallisationspunkt.

Mariqita
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Mariqita » 16.04.2020, 16:02

Ja, das kann auch eine Rolle spielen. Aber solange das mit dem Trinken im Vordergrund steht, ist das schwer einzuschätzen.
Er trinkt jetzt (eventuell) seit letztem Dienstagaben nichts mehr. Allerdings habe ich ja Mittwochnachmittag letzer Woche eine leere Flasche gefunden. Er war bis etwa Samstag ziemlich unausstehlich, dann wurde es langsam besser mit der ewigen Gereitzheit (die ersten 2-3 Tage war er unerträglich und hat über alles und jedes geschimpft wie ein Rohrspatz - der Käse liegt auf der falschen Seite im Kühlschrank, der Herd geht nicht gleich an.... Schimpftiraden ohne Ende). Dann wurde es langsam besser und seit Sonntag ist er wesentlich verträglicher, wir reden wieder normal miteinander und Meinungsverschiedenheiten können meist normal geklärt werden, ohne daß es auf Anschreien und Streit bis aufs Blut hinausläuft.

Was mit dabei auffiel: diese aggressive Gereitzheit, die ihn bei jeder Kleinigkeit hochgehen läßt, hat er noch mehr, wenn er noch gar nichts getrunken hat. Betrunken ist er tendenziell friedlicher (regt sich dann nicht so schnell über Kleinigkeiten auf) - da geht er erst hoch, wenn ich irgendwas an ihm kritisiere.
Ich fand es die letzten Tage richtig angenehm mit ihm, wenn es so bliebe, hätten wir vielleicht eine Chance, wenigstens herauszufinden, was bei uns schiefläuft und ob/wie es noch was zu retten gibt.

Leider hab ich heute wieder eine leere Bierflasche in dem Abstellraum gefunden, wo vor einer Woche schon mal eine aufgetaucht ist. Heute vormittag ist er wieder zu einer Radtour aufgebrochen und in dem Raum, wo das Fahrrad steht, stand dann auch eine Flasche mehr. Gestern war die noch nicht da. Ich frage mich, ob ich ihn darauf ansprechen soll. Habe Angst, daß dann die Streiterei wieder losgeht, das halte ich nervlich nicht mehr lange durch.

silten
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von silten » 01.05.2020, 18:20

Ich brauche dringend eine Information von euch, bitte! Wie finde ich heraus, ob sich ein Verhalten als ein Delir herausstellt, und wann muss ich die Ambulanz rufen?!
Mein Mann macht seit zwei Wochen einen Entzug mit Unterstuetzng eines Psychiaters. Er hat selbstverstaendlich auch in dieser Zeit etwas getrunken.Der Arzt meinte, ich koenne die Ambulanz rufen, wenn "es mir zu viel wuerde". Ich habe eine hohe Toleranzschwelle, sonst waere ich ja nicht hier im Auf und Ab.Er redet wieder ohne Unterlass, vor sich hin, laut, murmelnd und an mich ran, ohne zu akzeptieren, wenn ich -nein- sage.
Aehnliches war vor zwei Wochen passiert, nachdem diese Rederei eine ganze Woche ging, nur mit Unterbrechung eines gelegentlichen Schlafes. Grund fuer dieses Verhalten war eine Flasche Wodka, weil man den angeblich nicht riecht. Nach diesem Exzess war sogar er bereit zum Arzt zu gehen.
Er, das Haeufchen Elend und ich als Verzweifelte, so gingen wir zum Termin. Heraus kam er mit Willen, ich mich einer neuen Buerde.
Ich habe es definitiv verpasst zu gehen, jetzt haenge ich hier mit dem Alkohol an einem Abgrund, an dem ich nie sein wollte. Ich sehe den Verfall, immer schneller. Und bin trotz Unterstuetzung des Arztes hilflos, wenn ich jetzt entscheiden muss, ob ich ihn an die Ambulanz "ausliefere". Genauso ist mir zumute. Es gibt doch immer wieder ein paar Stunden Lichtblicke, dann geht das Gerede weiter. Die Themen wechseln sich zu schnell ab, als dass ich folgen koennte.Was auch immer er tut, er bringt es nicht zu Ende. Allerdings kann man das beim Kochen wenigstens riechen!
Wann muss ich handeln, was muss noch geschehen,wie muss er sich auffuehren? Oder kommt die Ambulanz auch, wenn ich von einem Verdacht auf Delir spreche und nimmt ihn mit in die Klinik?

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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von silten » 01.05.2020, 18:24

@Mariqita: ich habe gerade die Fortsetzung deiner Geschichte geschrieben.
Ich hoffe, dass du dir das nicht aufbuerden willst/wirst

Aurora
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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Aurora » 01.05.2020, 19:54

Hallo silten,

das ist echt eine schwierige Situation.

Wichtig dafür, dass ihn ein Krankenwagen mitnimmt ist, dass er auch dazu bereit ist, mit zu gehen. Ich weiß ja nicht, wie sein Geisteszustand ist, ob er ansprechbar ist. Oder ob er völlig verwirrt ist die ganze Zeit. Das kann ich jetzt aus deinem Bericht nicht heraus lesen.

Ausliefern tust du ihn nicht, wenn du dir Hilfe rufst, dann rufst du in dem Moment auch für ihn Hilfe. Du kannst die Verantwortung, die du meinst für ihn zu haben, an die Ärzte abgeben. Er selbst kann sie anscheinend nicht mehr übernehmen.

Der Psychiater erscheint mir echt zweifelhaft! Für mich sieht das nicht so aus, dass er deinen Mann beim Entzug unterstützt! Er hat dich in die Verantwortung genommen, und das geht absolut gar nicht! Was heißt, du könntest die Ambulanz rufen, wenn es dir zu viel würde?

Hallo! Was soll DAS denn? Ein Entzug kann lebensgefährlich sein, da geht es nicht darum, dass es dem Angehörigen mal "zu viel" werden könnte. Dieser Arzt handelt in meinen Augen verantwortungslos...

Wie dem auch sei, du brauchst dringend auch Hilfe für dich. Google doch mal unter bapk, vielleicht kannst du dort auch Hilfe finden...

Lieber Gruß
Aurora

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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von Aurora » 01.05.2020, 19:56

Ach so,

lieber ein Mal zu viel die Ambulanz rufen als ein Mal zu wenig...
Wenn alle Stricke reißen ruf einfach an und lass einen Krankenwagen kommen.

Aurora

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Re: Fragen an einen Alkoholiker

Beitrag von silten » 01.05.2020, 21:38

Aurora hat geschrieben:
01.05.2020, 19:54
Wichtig dafür, dass ihn ein Krankenwagen mitnimmt ist, dass er auch dazu bereit ist, mit zu gehen. Ich weiß ja nicht, wie sein Geisteszustand ist, ob er ansprechbar ist. Oder ob er völlig verwirrt ist die ganze Zeit.
Das ist schwierig fuer mich zu sagen: die Rederei ist verwirrt, sein Verhalten: sitzen, in die Gegend starren und vor sich hin murmeln...(der Geruch von Alk., ist natuerlich Desinfektionsmittel!)) das ist fuer mich verwirrend. So kenne ich ihn ueberhaupt nicht. "nebbe dr Kapp" wuerde man dazu bei uns sagen. Er ist nicht durchgehend "weg".
Koennen das Entzugssymptome sein, dann ist Handeln noetig. Ist es Suff, da muss ich warten, bis er wieder nuechtern ist.
Jetzt ist Wochenende, am Montag hat er wieder einen Termin. Ich hoffe, dass bis dahin wenig geschieht.
Danke Aurora fuer die schnelle Antwort!

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