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Distanz aber wie?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Eule89
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Beitrag von Eule89 » 06.04.2018, 04:09

Hallo Julia,

einiges an deiner Situation kommt mir leider sehr vertraut vor. Vorallem das Gefühl der Kraftlosigkeit und des verloren Fühlen.
Ich habe es damals auch versucht mit Distanz und innerhalb der Beziehung "etwas für mich tun". Mit dem Ergebnis, dass mein XY dann auch körperlich aggressiv wurde.

Ich weiß wie wenig Kraft und Energie man in solch einer Beziehung nur noch hat. Aber wenn du dir was Gutes tun willst, wenn du da endgültig raus möchtest, dann sammel die letzten Reserven und geh. Das funktioniert, Schritt für Schritt. Jeden Tag ein bisschen.
Hinterher fühlte ich mich wie neu geboren.

Das möchte ich dir nur mit auf den Weg geben, damit dir nicht das Gleiche widerfährt wie mir. Dieses tägliche Leben in Angst und die täglichen Frage, ob heute wieder ein Tag ist, an dem er ausrastet.
Bis dies passiert ist, hätte ich übrigens immer die Hand dafür ins Feuer gelegt, dass er mir nie körperlichen Schaden zufügen würde. Und heute kämpfe ich mit den körperlichen Folgen. Lass es nicht so weit kommen.

Liebe Grüße,
Eule89

Ps. Das soll jetzt keinesfalls heißen, dass Alkoholiker grundsätzlich gewalttätig oder gewaltbereit sind. Ich möchte damit lediglich sagen, dass die Möglichkeit besteht, dass man einen Menschen auf dieser Ebene falsch einschätzen kann.

JuliaTara
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Beitrag von JuliaTara » 08.04.2018, 10:14

Eule89 hat geschrieben:Hallo Julia,

einiges an deiner Situation kommt mir leider sehr vertraut vor. Vorallem das Gefühl der Kraftlosigkeit und des verloren Fühlen.
Ich habe es damals auch versucht mit Distanz und innerhalb der Beziehung "etwas für mich tun". Mit dem Ergebnis, dass mein XY dann auch körperlich aggressiv wurde.

Ich weiß wie wenig Kraft und Energie man in solch einer Beziehung nur noch hat. Aber wenn du dir was Gutes tun willst, wenn du da endgültig raus möchtest, dann sammel die letzten Reserven und geh. Das funktioniert, Schritt für Schritt. Jeden Tag ein bisschen.
Hinterher fühlte ich mich wie neu geboren.

Das möchte ich dir nur mit auf den Weg geben, damit dir nicht das Gleiche widerfährt wie mir. Dieses tägliche Leben in Angst und die täglichen Frage, ob heute wieder ein Tag ist, an dem er ausrastet.
Bis dies passiert ist, hätte ich übrigens immer die Hand dafür ins Feuer gelegt, dass er mir nie körperlichen Schaden zufügen würde. Und heute kämpfe ich mit den körperlichen Folgen. Lass es nicht so weit kommen.

Liebe Grüße,
Eule89

Ps. Das soll jetzt keinesfalls heißen, dass Alkoholiker grundsätzlich gewalttätig oder gewaltbereit sind. Ich möchte damit lediglich sagen, dass die Möglichkeit besteht, dass man einen Menschen auf dieser Ebene falsch einschätzen kann.
Hallo an alle,

vielen Dank für eure Antworten.

Liebe Eule89, ich lege für ihn auch die Hand ins Feuer, dass er mir nichts tut aber ich muss dir sagen, ich fühle mich bei ihm immer unwohler und unsicherer.

@WildRover nein, ich halte das auch nicht mehr aus. Es ist mir egal, was für Probleme er hat. Ich will so nicht mehr leben.

Ich habe zwei Nächte nicht zu Hause geschlafen und jetzt ist er übers Wochenende bis morgen bei seinen Kindern und ich fühle mich so unglaublich gut und entspannt. Wenn er zurück kommt sage ich ihm, dass ich ausziehe. Ich habe mir Zimmer in WGs angeschaut und habe Alternativen, wo ich hin kann.
Vor dem Gespräch habe ich Angst, nicht, weil ich denke, dass er gewalttätig wird, sondern Angst, dass ich einknicke. Ich habe mit ihm auch in den letzten Tagen nicht kommuniziert, er hat ein paar Mal versucht Kontakt aufzunehmen und mich gefragt, wie es mir geht. Ich bin stolz, dass ich jetzt standhaft bin und meine Entscheidung für mich getroffen habe.

Drückt mir die Daumen, dass ich es wirklich durchziehe.

@CoA ich glaube, ich habe in dieser Beziehung sehr viel über mich und meine Grenzen gelernt. Und alleine sein erscheint mir jetzt auch das Beste und einzig Richtige um wieder Energie zu sammeln. Was du über Katzen sagst und ihr Herumstreunen finde ich so schön, weil ich Katzen liebe und auch immer welche hatte. Nur ist da für mich ein Riesenunterschied: Ich weiß, dass Katzen unabhängige Wesen sind, das ist ihre Natur. Sie gehen keine Verantwortung ein, wenn ein Mensch sie zu sich holt. Wenn man in eine Beziehung geht, tut man das sehr wohl, das ist beidseitig. Mein Katzi hat mir mit seinem Streunen nicht weh getan und mein Vertrauen damit zerstört. Mein Freund schon. Und eine weitere traurige Konsequenz aus seinem "Streunen" ist, dass ich mich fast schon ein bisschen vor ihm ekle. Nicht weil ich denke, er betrügt mich, sondern weil er immer mehr physisch verfällt. Er stinkt wie eine Brauerei und wenn er sich dann so ins Bett legt, stirbt immer mehr Gefühl in mir für ihn.

Ich wünsche euch allen viel Kraft und einen schönen Sonntag!

Grüße aus Finnland
Julia

Danja
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Beitrag von Danja » 08.04.2018, 14:56

Glückwunsch zu Deiner Entscheidung und zwei gedrückte Daumen für die Standhaftigkeit!

Fokussiere Deinen Kopf auf das Negative und die deutlichen Verfallserscheinungen. So hält das noch schwankende Herz am ehesten die Klappe.

Bleib vor allem auch beim Gedanken "Was er für Probleme hat/denkt/tut ist nicht (mehr) wichtig, ich will und kann so einfach nicht weiterleben".

Das war für mich der Knack- und Schlusspunkt.

JuliaTara
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Beitrag von JuliaTara » 08.04.2018, 16:10

Danja hat geschrieben:Glückwunsch zu Deiner Entscheidung und zwei gedrückte Daumen für die Standhaftigkeit!

Fokussiere Deinen Kopf auf das Negative und die deutlichen Verfallserscheinungen. So hält das noch schwankende Herz am ehesten die Klappe.

Bleib vor allem auch beim Gedanken "Was er für Probleme hat/denkt/tut ist nicht (mehr) wichtig, ich will und kann so einfach nicht weiterleben".

Das war für mich der Knack- und Schlusspunkt.
Danke Danja! Ich mach das! Ich muss einfach!

Eule89
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Beitrag von Eule89 » 09.04.2018, 12:34

Hallo Julia,

ich weiß wie schwer der Schritt ist und weiß wie hart so ein Gespräch sein kann.

ich habe mich damals "feige" aus dem Staub gemacht. Ich habe einfach meine Sachen gepackt und bin abgehauen, während er arbeiten war. Aber mein XY war ja auch gewalttätig und hoch aggressiv. Daher war das für mich selber die beste Lösung.

Du musst ganz alleine für dich entscheiden, wie du das machen willst. Wenn du Angst hast einzuknicken, dann schreib ihm doch einen Brief und gib ihm den, den er sofort lesen soll.
Denk in dem Moment, in dem er versucht dich zu manipulieren, dich zu halten, immer darüber nach, was dich zu diesem Schritt bewegt hat.

Ich drücke dir fest die Daumen!

Liebe Grüße
Eule89

JuliaTara
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Beitrag von JuliaTara » 09.04.2018, 13:47

Eule89 hat geschrieben:Hallo Julia,

ich weiß wie schwer der Schritt ist und weiß wie hart so ein Gespräch sein kann.

ich habe mich damals "feige" aus dem Staub gemacht. Ich habe einfach meine Sachen gepackt und bin abgehauen, während er arbeiten war. Aber mein XY war ja auch gewalttätig und hoch aggressiv. Daher war das für mich selber die beste Lösung.

Du musst ganz alleine für dich entscheiden, wie du das machen willst. Wenn du Angst hast einzuknicken, dann schreib ihm doch einen Brief und gib ihm den, den er sofort lesen soll.
Denk in dem Moment, in dem er versucht dich zu manipulieren, dich zu halten, immer darüber nach, was dich zu diesem Schritt bewegt hat.

Ich drücke dir fest die Daumen!

Liebe Grüße
Eule89
Liebe Eule89,

es tut mir sehr leid, dass dein XY gewalttätig geworden ist! Als ob es nicht reicht mit einem Alkoholiker zusammen zu sein bzw. zu leben.

Ich habe mir auch überlegt mich aus dem Staub zu machen. Aber ich möchte ihm gegenüber treten, das will ich einfach und ich weiß, ich kann das. Ich sehe es als Teil eines Prozesses bei dem ich lerne, mich selbst mehr zu lieben und zu respektieren.

Vielen Dank für deine lieben Worte. Auch ich wünsche dir viel Kraft und positive Energie!

Liebe Grüße
Julia

Eule89
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Beitrag von Eule89 » 09.04.2018, 14:33

Liebe Julia,

es braucht dir nicht leid tun, du kannst ja nichts dafür :)
Er war auch nicht jeden Tag handgreiflich, das ist vielleicht falsch rüber gekommen. Er ist drei Mal so richtig ausgetickt. "Mehr" nicht.

Aber dadurch wusste ich ja dann, wozu er fähig ist.

Ich kann es aber voll nachvollziehen, dass du ihm gerne gegenübertreten möchtest. Sie einfach nur vorsichtig. Das war alles, was ich dir damit mit auf den Weg geben wollte :)

Ich wünsche dir viel Kraft für diesen Schritt!

Liebe Grüße
Eule89

JuliaTara
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Beitrag von JuliaTara » 11.04.2018, 09:05

Eule89 hat geschrieben:Liebe Julia,

es braucht dir nicht leid tun, du kannst ja nichts dafür :)
Er war auch nicht jeden Tag handgreiflich, das ist vielleicht falsch rüber gekommen. Er ist drei Mal so richtig ausgetickt. "Mehr" nicht.

Aber dadurch wusste ich ja dann, wozu er fähig ist.

Ich kann es aber voll nachvollziehen, dass du ihm gerne gegenübertreten möchtest. Sie einfach nur vorsichtig. Das war alles, was ich dir damit mit auf den Weg geben wollte :)

Ich wünsche dir viel Kraft für diesen Schritt!

Liebe Grüße
Eule89
Ich habe es getan. Gestern habe ich meine Sachen genommen und bin gegangen. Ich habe versucht mit ihm zu reden aber er war so geladen und wollte nur saufen gehen, dass ich mir gedacht habe, ich will so nicht mit ihm sprechen. Am nächsten Tag habe ich gepackt und bin gegangen, habe ihm eine Nachricht geschrieben, dass ich ausgezogen bin. Vielleicht nicht unbedingt die beste Art aber in dem Moment konnte ich nicht anders.

Zum Glück lässt er mich in Ruhe. Das Trinken ist jetzt das Wichtigste und hat in der letzten Zeit noch mehr zugenommen. Ich bin erleichtert und froh, dass ich weg bin. Zugleich auch traurig, dass ich das so lange mitgemacht und an leere Versprechungen geglaubt habe.

Ich bin stolz auf mich, diesen Schritt gegangen zu sein und sehe jetzt positiv und entschlossen einer neuen Zukunft entgegen.

Alles Gute und viel Kraft!

Liebe Grüße
Julia

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