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Distanz aber wie?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

conbira
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Beitrag von conbira » 04.04.2018, 17:50

Hallo Sunshine 33,

Du sprichst mir aus der Seele.

"Du wirst immer mehr Kraft verlieren", das ist so. Ich konnte mich grad mal noch so aufrappeln und distanziere/entliebe mich.

Aber ich bin auf dem Weg.

Lieben dank für deinen ehrlichen Beitrag.

Conbira

WildRover2017
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Re: Distanz aber wie?

Beitrag von WildRover2017 » 04.04.2018, 19:31

Liebe Julia,
JuliaTara hat geschrieben:Deshalb fällt es mir hier so schwer klar zu sehen, hat mein Freund ein Problem oder ist es eher ein kultureller Unterschied, den ich akzeptieren lernen muss oder eben nicht
Ja, ist es einfach ein kulturelles Phänomen oder ist es pathologisch...?

Ich fürchte nur, dass Du da nicht wirklich weiterkommen wirst:

Erstmal wirst Du kaum sicher feststellen können, ob es pathologisch ist oder nicht. Mit diesem Problem haben wir uns hier wahrscheinlich alle herumgeschlagen - ich auch: Trinkt sie nur viel oder ist das schon irgendwie eine Abhängigkeit? Du kriegst es nicht raus, höchstens dadurch, dass Du abwartest, ob es immer schlimmer wird ... Na toll ...

Aber selbst wenn es "nur" kulturell und nicht pathologisch ist, dann wird es Dich doch immer noch genauso stören, denn es ist Dir zu viel, zu oft, zu heftig.

Mit dieser Frage kommst Du also einfach nicht weiter. Stattdessen: Kann ich damit leben, wie er trinkt, oder nicht? Das kannst Du schon eher beantworten.

Wenn ja, dann OK. Wenn nicht: Wird er es ändern, wenn Du ihn darum bittest? Und zwar sofort und auf Dauer?

Wenn ja, dann OK. Wenn nicht, dann heißt Distanzieren im Endeffekt: Trennung. Es ist ein riesengroßer Mist, aber darauf läuft es hinaus.

LG
WildRover


Mein Freund trinkt manchmal mehrere Tage hintereinander, manchmal wochenlang nicht. Manchmal kommt er nächtelang nicht nach Hause weil er auf Sauftour ist. Wenn er trinkt, dann kippt er das Bier runter wie Wasser. Das hat mit Genusstrinken nichts mehr zu tun. Er hat ständig Blackouts danach und wird verbal fies. Er trinkt wenn er Stress hat und depressiv ist als Kur und Lösung zu all seinen Problemen.

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 05.04.2018, 00:16

Hallo Julia,
Deshalb fällt es mir hier so schwer klar zu sehen, hat mein Freund ein Problem oder ist es eher ein kultureller Unterschied, den ich akzeptieren lernen muss oder eben nicht
das alles sind Nebenschauplätze.
Du hast Probleme mit dem Alkoholkonsum eines Menschen, das allein sollte dein Gradmesser sein.
Vertrau deinen Wahrnehmungen und verwässere sie nicht mit anderen scheinbar wichtigen Argumenten.
Was nützt es dir, wenn du weißt, das bestimmte Völker viel trinken, du es aber nicht aushalten kannst, wenn dein Freund trinkt.


lg Morgenrot

JuliaTara
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Re: Distanz aber wie?

Beitrag von JuliaTara » 05.04.2018, 09:48

WildRover2017 hat geschrieben:Liebe Julia,
JuliaTara hat geschrieben:Deshalb fällt es mir hier so schwer klar zu sehen, hat mein Freund ein Problem oder ist es eher ein kultureller Unterschied, den ich akzeptieren lernen muss oder eben nicht
Ja, ist es einfach ein kulturelles Phänomen oder ist es pathologisch...?

Ich fürchte nur, dass Du da nicht wirklich weiterkommen wirst:

Erstmal wirst Du kaum sicher feststellen können, ob es pathologisch ist oder nicht. Mit diesem Problem haben wir uns hier wahrscheinlich alle herumgeschlagen - ich auch: Trinkt sie nur viel oder ist das schon irgendwie eine Abhängigkeit? Du kriegst es nicht raus, höchstens dadurch, dass Du abwartest, ob es immer schlimmer wird ... Na toll ...

Aber selbst wenn es "nur" kulturell und nicht pathologisch ist, dann wird es Dich doch immer noch genauso stören, denn es ist Dir zu viel, zu oft, zu heftig.

Mit dieser Frage kommst Du also einfach nicht weiter. Stattdessen: Kann ich damit leben, wie er trinkt, oder nicht? Das kannst Du schon eher beantworten.

Wenn ja, dann OK. Wenn nicht: Wird er es ändern, wenn Du ihn darum bittest? Und zwar sofort und auf Dauer?

Wenn ja, dann OK. Wenn nicht, dann heißt Distanzieren im Endeffekt: Trennung. Es ist ein riesengroßer Mist, aber darauf läuft es hinaus.

LG
WildRover


Mein Freund trinkt manchmal mehrere Tage hintereinander, manchmal wochenlang nicht. Manchmal kommt er nächtelang nicht nach Hause weil er auf Sauftour ist. Wenn er trinkt, dann kippt er das Bier runter wie Wasser. Das hat mit Genusstrinken nichts mehr zu tun. Er hat ständig Blackouts danach und wird verbal fies. Er trinkt wenn er Stress hat und depressiv ist als Kur und Lösung zu all seinen Problemen.
Hi WildRover,

nein er wird es nicht ändern, wenn ich ihn darum bitte. Das habe ich schon mehr als einmal getan. Und es wird immer schlimmer. Mittlerweile kommt er fast jede zweite Nacht nicht nach Hause und kommt in der früh oder am Vormittag zurück...

@Sunshine Ich brauche keine Samthandschuhe und schätze die Ehrlichkeit hier, das ist mit ein Grund, warum ich mich hier angemeldet habe. Ich denke, hier kennen auch vermutlich alle die Diskrepanz zwischen dem, was der Verstand sagt und dem, was man letztlich tut. Nein, ich werde keine Kraft mehr aus dieser Beziehung schöpfen, das weiß ich. Ich bin einfach unendlich verzweifelt und fühle mich verloren.

@Morgenrot Stimmt, das sind alles Nebenschauplätze. Ich bin unglücklich mit dem Alkoholkonsum meines Partners, egal in welchem Kulturkreis ich beschlossen habe zu leben.

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 05.04.2018, 12:14

Liebe Julia,
Du hast die Gesamtsituation erfasst, schönst auch nichts mehr und hast begriffen, worum es geht.
Das ist erstmal ein ganz wichtiger Schritt.
Außerdem hast Du Dir Hilfe gesucht, indem Du hier hergekommen bist..
Auch eine gute Entscheidung.
Du hast also schon einiges geschafft !

Nun musst Du nur noch in die konkrete Handlung kommen. Das ist auch nochmal schwer, ich weiß das.
Aber Du wirst es tun müssen, wenn es Dir wieder besser gehen soll.
Opfere Dich bitte nicht für eine Sache auf, auf die Du eh keinen Einfluss hast.
Das ist völlig sinnlos und kostet Dich wertvolle Lebenszeit, die Du mit vielem schönen füllen könntest.
Nein, ich werde keine Kraft mehr aus dieser Beziehung schöpfen, das weiß ich. Ich bin einfach unendlich verzweifelt und fühle mich verloren.
Ja, das verstehe ich.
Das eine resultiert aber auch aus dem anderen.
Du kannst in dieser Beziehung keinerlei Kraft schöpfen, sondern sie kostet Dich nur sehr viel Kraft.
Eine Beziehung sollte doch aber auch eine Bereicherung sein !!
Aus der man auch mal Kraft schöpfen kann und so funzt das ja eigentlich auch normalerweile.
Diese Bereicherung kannst Du aber in einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker niemals finden, das kann ich Dir schon mal versprechen.

Gegen die Verzweiflung und das Verlorenheitsgefühl kannst Du was tun, Du müßtest aber aus dieser Beziehung raus.
Einiges wird dann von ganz allein "wieder gut", bei anderen brauchst Du evtl. therapeutische Hilfe.
So war es bei mir auch mit meiner Alkoholkrankheit, als ich sie stoppen konnte, konnte auch vieles wieder gut werden und heilen.
Wir haben alle diese Kraft in uns !! Daran glaube ich ganz fest.
Wir müssen aber auch bereit sein, zu handeln und Hilfe anzunehmen, wenn wir welche brauchen.
Mitunter kann es sehr sinnvoll sein, in gewissen Fällen auch anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Das kann einem auch nochmal einen kräftigen Schub geben, eine Situation, die ausweglos erscheint, doch noch zu verlassen.

Nimm bitte alle Hilfe in Anspruch, die Du brauchst und bekommen kannst.
Ich drücke Dir die Daumen, das Dein Leben wieder richtig schön werden kann.

LG Sunshine

WildRover2017
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Re: Distanz aber wie?

Beitrag von WildRover2017 » 05.04.2018, 14:33

JuliaTara hat geschrieben:Mittlerweile kommt er fast jede zweite Nacht nicht nach Hause und kommt in der früh oder am Vormittag zurück...
Alle zwei Tage, das hältst Du doch nicht lange aus, ob er nun abhängig ist oder nicht. Da ist ein Ende mit Schrecken doch wohl eindeutig besser als ein Schrecken ohne Ende ...

Alles Gute und viel Kraft, Julia!

Chuck81
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Beitrag von Chuck81 » 05.04.2018, 21:39

Hi!
Also ich konnte mich nicht emotional abgrenzen. Ich hab die räumliche Trennung gebraucht.

CoA12307
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Registriert: 02.02.2018, 11:54

Beitrag von CoA12307 » 05.04.2018, 23:27

Liebe Julia,

Versuch es mal, dich mit einem Gedanken zu beruhigen: Stell dir vor, je mehr er sich austobt, je heftiger er säuft, desto schlimmer werden die Erfahrungen, die er macht und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er von alleine aufhört.

Wie würde er reagieren, wenn du dich völlig gelassen und kühl zeigst? Wenn du dir denkst, soll er trinken so viel er will, es ist sein Körper, nicht deiner. Und seine Verantwortung.

Kannst du, anstatt dir Sorgen um ihm zu machen, Sorgen um DICH machen? Kannst du, anstatt dich zu fragen, was er gerade macht und wo er ist, dich lieber fragen, wie es DIR geht und was DU gerade brauchst?

Hast du neben dem Alkoholiker noch andere Dinge, mit denen du dich gerne Beschäftigst? Menschen? Ein Hobby? Ein Beruf?

Inzwischen mache ich das so: Ich bleibe Single und auf möglichst gesunder Distanz mit Alkoholikern. Wenn ich eine zwischenmenschliche beziehung zu einem Alkoholiker habe, dann denke ich: Soll er trinken, so viel er will. Aber nicht in meiner Anwesenheit. Und wenn er aggressiv wird, schicke ich ihn weg oder flüchte. Vielleicht kannst du dir auch vorstellen, er sei ein Kater. Kater oder auch Katzen bleiben oft Nächtelang weg. Aber eigentlich kommen sie immer wieder zurück. So war es jedenfalls bei meinen Katzen.

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