Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Trennung ist der letzte Ausweg

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Hull

Beitrag von Hull » 17.04.2018, 13:03

Wie kommt es denn, dass grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass es nur der Alkohol ist? Wenn die kognitive Wahrnehmung im betrunkenen Zustand völlig daneben ist, wird sie im Umkehrschluss im nüchternen Zustand nicht plötzlich durch Geisterhand einwandfrei funktionieren. Der stets in den Vordergrund gerückte Glaube, derjenige hätte zu Beginn eine ganz andere Persönlichkeit gehabt, lässt allerdings im Umkehrschluss die Möglichkeit zu, die Person hätte sich zu Beginn schlichtweg verstellt.

Es geht also nicht nur in die eine Richtung. Vielleicht hilft dir das bei der Durchsetzung deiner Entscheidung.

Grüße

la vie
neuer Teilnehmer
Beiträge: 238
Registriert: 03.03.2018, 06:08
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Beitrag von la vie » 17.04.2018, 22:39

Hallo Sandra, du hast ja schon ordentlich konsequent DEINE Tagesplanung erlebt, ich gratuliere.

Wie Hull denke auch ich,
dass sich die Persönlichkeit nicht total in eine andere verändert. Und Verstellen zu Beginn der Partnerschaft ist ja grundsätzlich verständlich, aber aus meiner Sicht zu anstrengend.

Eine völlig neue Persönlickeit entstehr so nicht, aber das Wesen verändert sich mit zum Teil katastrophalen Folgen, wenn die eigenen Fähigkeiten überschätzt werden, sich der Bezug zur Realität verringert und sich eine großspurige Art breit macht.

Liebe Sandra, Kraft, Gefuld und Lebensfreude pur für dich.

Sandra P
neuer Teilnehmer
Beiträge: 29
Registriert: 12.11.2015, 17:46

Beitrag von Sandra P » 18.04.2018, 12:14

Ich glaube nicht, dass er sich 39 Jahre verstellen konnte. Die ersten Jahre hat er immer Alkohol getrunken, früher wurde meiner Meinung auch in der Gesellschaft mehr getrunken wie jetzt. aber das war im Rahmen und nicht täglich. Durch ein belastendes Ereignis wurde der Konsum damals immer stärker und es kam zur Abhängigkeit. Daraufhin hat er nach einer Entgiftung 18 Jahre überhaupt nichts getrunken. In dieser Zeit lief alles soweit gut. Dann begann das wieder nach eingen Schicksalsschlägen und Problemen, die er mit Alkohol lösen oder vielleicht verdrängen wollte. Mir kommt es vor, wie wenn das zwei verschiedene Menschen sind. Wenn er nüchtern ist kommen diese Beleidigungen überhaupt nicht und wenn ich ihm erzähle was er mir wieder im Suff an den Kopf geworfen hat, verdrängt er es und will es nicht hören. Ich habe den Eindruck, dass er glaubte, dass er nach soviel Jahren den Alkohol im Griff hat, will aber nicht wahrhaben, dass er Suchtkrank ist und Hilfe benötigt weil er es alleine nicht schafft, einfach immer nur den Starken markieren.

LG
Sandra

CoA12307
neuer Teilnehmer
Beiträge: 85
Registriert: 02.02.2018, 11:54

Beitrag von CoA12307 » 28.04.2018, 22:55

Liebe Sandra,

Was ist, wenn du erstmal ausziehst und du dir dein hab und gut später mit einem Anwalt zurückholst? Du brauchst ausserdem einen neuen Job! Lass die Firma pleite gehen, es ist seine Verantwortung, oder? Wozu gibt es die Schuldner-beratung? Man Kann Insolvenz Anmelden und sowas schon so regeln, dass man davon kommt. Wir leben heute ja nicht mehr im wilden westen.
Mach dir keine Sorgen wegen dem Trinken. Es ist sein Körper, nicht deiner. Je mehr er trinkt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass er von alleine aufhört. Ob er gesund werden will, das ist ganz allein seine Entscheidung, nicht deine.

Dass er jetzt in diesem Zustand und in der Situation ausziehen kann, glaube ich nicht. Das wird ihn völlig überfordern. Weil er ja auch berufliche Probleme zu haben scheint. Lass ihm lieber noch etwas Zeit. Nutze die Zeit, in der er weg ist, für dich. Unternimm etwas, das dir Spaß macht. Hab Geduld mit ihm. Esseidenn, er ist gewalttätig. Das wäre nicht tolerabel. Wenn er Vorwürfe macht, soll er das machen. Du brauchst nicht auch mit Vorwürfen reagieren. Du brauchst ihm das Geschwätz auch nicht unbedingt glauben, wenn du nicht möchtest.

JuliaTara
neuer Teilnehmer
Beiträge: 36
Registriert: 23.02.2018, 11:45

Beitrag von JuliaTara » 30.04.2018, 11:43

Sandra P hat geschrieben: Wenn er nüchtern ist kommen diese Beleidigungen überhaupt nicht und wenn ich ihm erzähle was er mir wieder im Suff an den Kopf geworfen hat, verdrängt er es und will es nicht hören. Ich habe den Eindruck, dass er glaubte, dass er nach soviel Jahren den Alkohol im Griff hat, will aber nicht wahrhaben, dass er Suchtkrank ist und Hilfe benötigt weil er es alleine nicht schafft, einfach immer nur den Starken markieren.

LG
Sandra
Liebe Sandra,

deine Situation kommt mir sehr bekannt vor. Ich bin zwar mit meinem XY nicht verheiratet und auch nicht so lange zusammen aber er ist alkoholkrank. Und er trinkt aufgrund von Schicksalsschlägen und Problemen aus der Vergangenheit. Betrunken sagt er unglaublich gemeine Dinge zu mir, fies und beledigend und sehr verletzend. Wenn ich ihm das am nächsten Tag erzähle, weiß er nichts und ist schockiert oder traurig und sagt nur, es tut ihm leid. Bringt mir nur leider nichts.

Er ist ein wunderbarer Mann, da ist nur der Alkohol. Nein, stimmt so nicht. Nächtelang weg bleiben, obwohl ich ihm so oft und unter Tränen gesagt habe, wie furchtbar das für mich ist, ist für mich nicht die Definition eines wunderbaren Mannes bzw. Menschen. Natürlich verstehe ich, dass es im Leben zu Situationen kommen kann, wo man verzweifelt ist und zur Flasche als letztem Ausweg greift. Ich sehe für mich keinen anderen Ausweg als Trennung.

Wie geht es dir gerade?

Liebe Grüße
Julia

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3982
Registriert: 25.07.2013, 11:35

Beitrag von Sunshine_33 » 30.04.2018, 12:39

Hallo Julia,
Und er trinkt aufgrund von Schicksalsschlägen und Problemen aus der Vergangenheit.
Ein Alkoholiker trinkt, weil er trinken MUSS.
Weil er abhängig von dieser Droge Alkohol geworden ist.
Und lange Zeit auch einfach, weil er trinken WILL.

Andere Menschen mussten auch Schicksalsschläge erleiden und schleppen Probleme aus der Vergangenheit mit sich herum.
Kein Mensch wird wohl lebenslang frei von Blessuren bleiben.
Aber es trinken deshalb nicht alle Menschen bis in den Alkoholismus hinein ! :idea:
Er ist ein wunderbarer Mann, da ist nur der Alkohol.
Das denken viele gern vom alkoholkranken Partner, um sich die Sache weiterhin schön zu reden.
Um nicht handeln zu müssen.
Nur abwarten, irgendwann wird alles wieder gut und "er" wieder der wunderbare Mensch, der er ohne die Alkoholkrankheit ist.
Und im Himmel ist Jahrmarkt...
Nein, stimmt so nicht.
So ist es leider oft.
Das es eben nicht stimmt, das der XY ohne den Alk ein wunderbarer, fehlerfreier, perfekter Mensch wäre.

Oder ich wiederhole mal die brutalen Worte eines anderen Alkoholkranken, der mir mal folgendes sagte:
"Ein Arsc*loch bleibt n Arsc*loch, egal ob nass oder trocken."
Tja.
So ähnlich sehe ich das auch.
Der Alkohol kann einen Menschen nicht um 100% verändern, diese Macht hat nicht mal diese Droge.
Er kann aber durchaus die negativsten Seiten in einem besonders gut zum Vorschein bringen.
Da sein müssen sie aber schon vorher. Der Alkohol "macht" sie nicht.

Wenn man nicht immer weiter schlecht behandelt werden will, bleibt tatsächlich nur die Trennung.
Egal ob der andere säuft oder sich auch trocken (oder auch grundsätzlch !) verletzend, egoistisch, ablehnend oder anderweitig partnerschaftszerstörend verhält.

Eine Trennung tut zwar im ersten Moment sehr weh, ist aber langfristig gesehen der einzige Weg, um in bestimmten Fällen wieder glücklich werden zu können.
Ich würde immer das Ende mit Schrecken wählen als ein Schrecken ohne Ende.

LG Sunshine (trockene Alkoholikerin)

JuliaTara
neuer Teilnehmer
Beiträge: 36
Registriert: 23.02.2018, 11:45

Beitrag von JuliaTara » 01.05.2018, 09:51

Sunshine_33 hat geschrieben:Hallo Julia,
Und er trinkt aufgrund von Schicksalsschlägen und Problemen aus der Vergangenheit.
Ein Alkoholiker trinkt, weil er trinken MUSS.
Weil er abhängig von dieser Droge Alkohol geworden ist.
Und lange Zeit auch einfach, weil er trinken WILL.

Andere Menschen mussten auch Schicksalsschläge erleiden und schleppen Probleme aus der Vergangenheit mit sich herum.
Kein Mensch wird wohl lebenslang frei von Blessuren bleiben.
Aber es trinken deshalb nicht alle Menschen bis in den Alkoholismus hinein ! :idea:
Er ist ein wunderbarer Mann, da ist nur der Alkohol.
Das denken viele gern vom alkoholkranken Partner, um sich die Sache weiterhin schön zu reden.
Um nicht handeln zu müssen.
Nur abwarten, irgendwann wird alles wieder gut und "er" wieder der wunderbare Mensch, der er ohne die Alkoholkrankheit ist.
Und im Himmel ist Jahrmarkt...
Nein, stimmt so nicht.
So ist es leider oft.
Das es eben nicht stimmt, das der XY ohne den Alk ein wunderbarer, fehlerfreier, perfekter Mensch wäre.

Oder ich wiederhole mal die brutalen Worte eines anderen Alkoholkranken, der mir mal folgendes sagte:
"Ein Arsc*loch bleibt n Arsc*loch, egal ob nass oder trocken."
Tja.
So ähnlich sehe ich das auch.
Der Alkohol kann einen Menschen nicht um 100% verändern, diese Macht hat nicht mal diese Droge.
Er kann aber durchaus die negativsten Seiten in einem besonders gut zum Vorschein bringen.
Da sein müssen sie aber schon vorher. Der Alkohol "macht" sie nicht.

Wenn man nicht immer weiter schlecht behandelt werden will, bleibt tatsächlich nur die Trennung.
Egal ob der andere säuft oder sich auch trocken (oder auch grundsätzlch !) verletzend, egoistisch, ablehnend oder anderweitig partnerschaftszerstörend verhält.

Eine Trennung tut zwar im ersten Moment sehr weh, ist aber langfristig gesehen der einzige Weg, um in bestimmten Fällen wieder glücklich werden zu können.
Ich würde immer das Ende mit Schrecken wählen als ein Schrecken ohne Ende.

LG Sunshine (trockene Alkoholikerin)
Hallo Sunshine,

zunächst einmal bin ich absolut deiner Meinung, dass auch andere Menschen Schicksalsschläge erleiden aber nicht jeder zum Säufer wird. Ich will das auch nicht mehr so sehen bzw. versuchen, ihm Verständnis auf dieser Ebene entgegen zubringen.

Ich bin leider rückfällig geworden. Zwar bin nicht ich die Alkoholikerin aber die Co-Abhängige und ich habe mich dazu überreden lassen, zu ihm zurück zugehen. Alles ist schlimmer geworden, das Saufen beinahe täglich, nachts so gut wie nicht mehr Zuhause. Jetzt wird hier jeder sagen: Was hast du dir denn anderes erwartet? Nichts, ich habe es gewusst und bin doch zurück. Dumm, naiv. Absolut! Und das Beste daran ist: Ich gebe mir jetzt auch noch die Schuld an seinem Saufen. Das hatte ich davor nicht. Jetzt denke ich, habe ich etwas gesagt oder getan, das ihn dazu gebracht hat von Zuhause wegzubleiben? Super, werden sich hier jetzt alle denken. Gut gemacht!

Seltsamerweise fühle ich mich total erleichtert, wenn er weg ist oder ich mich mit andere Leuten treffe. Frei und entspannt. Sobald ich zu ihm gehe, verkrampfe ich innerlich total. Also warum bitte tue ich mir das an? Ich habe mich geschämt, das im Forum zu sagen. Weil ich so stolz auf mich war, dass ich ausgezogen bin. Aber es musste raus, weil es mir gerade richtig mies geht.

Grüße
Julia

Gotti
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3519
Registriert: 04.02.2008, 19:01

Beitrag von Gotti » 02.05.2018, 09:15

Hallo Julia!

Also erstmal finde ich es gut und auch mutig von dir, zuzugeben, dass du wieder zu ihm zurückgegangen bist, obwohl du die Trennung schon durchgezogen hast!
Die meisten hier im Forum - so denke ich - und auch in den SHGs ist das ähnlich - habe ich selbst erlebt - kommen einfach nicht mehr, schreiben nicht mehr weiter....
Du bist an dem Punkt angekommen, wo du erneut feststellen musst:
Entweder gehen oder bleiben!
Alles drumrumreden hilft jetzt nichts, denn du weißt ja Bescheid, wie es ablaufen muss, um dir Besserung deiner Krankheit zu geben.
Also wünsche ich dir jetzt nur die Kraft und - den Mut hast du!!!!!! - erneut zu gehen. Aber diesmal entgültig, denn sonst gehst DU vor die Hunde.
Liebe Grüße und einen guten Neuanfang, Gotti!

Antworten