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Trennung ist der letzte Ausweg

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
la vie
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Beitrag von la vie » 12.04.2018, 22:08

Liebe Sandra,
was mir hilft, um klare Gedanken zu behalten sind 2-3 Sätze hier aus dem Forum von Forenteilehmern. Sie erden mich. Sie nehmen mir den „Schecken“ vor dem anstehenden Aufgaben auf meinem Weg. Ich denke dadurch pragmatisch und gehe ja raus, Stück für Stück ein Tag nach dem anderen aus meinem Co-Verhalten. Vieleicht findest du auch hier solche Gedankengilfen für dich, die du dir aufsagen kannst, um nicht im Gedankenstrudel zu versinken. Ich habe mir meine finanziellen Mittel und Rahmenbedingungen für meine Wohnsituation vor Augen geführt, danach Planungsschritte gefasst. Dazu gehe ich raus, Familien- und Freundetreffen genieße ich sehr, da sie selten sind, wegen der Fahrtwege. Ich kann mir vertauten Menschen telefonieren, vermeide dabei zunehmend DAS Thema (es sei denn, es ist eine Notsituation. ), damit ich den Blick auf die wundervollen Dinge setze. Ich vermeide, in traurige Gedanken zu tauchen, damit ich nicht wieder rückfällig werde in meinem Co-Verhalten.
Du wirst sehen, wie egal dir die Gedanken der Leute mit der Zeit werden, wenn du dich mit dir wohl fühlst. Nimm dir Zeit. Ich nehme auch das Tempo aus allem heraus, verteile Aufgaben auf mehrere Tage... GEDULD ist sehr wichtig. Ich nehme mir kühle Nachrichten nicht mehr zu Herzen, antworte nur, um Fakten zu klären. Wenn ich sehr traurig bin (leider noch 1-2x täglich) freue ich mich, dass es weniger wird, ich bewege mich im Tag aktiv und nehme wieder mit Freude am Alltag teil, auch wenn noch immer dicke Hürden zu nehmen sind. ES GEHT, liebe Sandra. Kopf in Wegrichtung, nicht nach unten, sprich mit den Nachbarn über banale Dinge oder lass es, sie sind sie und du bist du. Du entscheidest für dich.
Ich bin XY sogar dankbar, dass wir uns nicht sehen, das war erst nicht zu ertragen, hilft aber mit der Zeit sehr und die Gedanken daran, wie es ihm gerade gesundheitlich geht verblassen.
Viel zu viel geschrieben, ich hoffe es hilft dir ein wenig weiter.
la vie

Sandra P
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Beitrag von Sandra P » 16.04.2018, 12:16

einen schönen guten Tag,
ich möchte mal wieder einen Zwischenstand zu meiner Situation geben. Ich habe meinem Mann, nachdem er einige Tage wieder in seiner Firma übernachtet hat, letzte Woche einen Brief per Einschreiben geschickt, dass ich mich von ihm trenne und dass er bis zum 30.06.2018 ausziehen soll. Als der Brief ankam hat er mich 10 x auf meinem Handy angerufen. Da ich auf der Arbeit war bin ich erst überhaupt nicht drangegangen, erst beim 11. Mal. Da hat er mir dann am Telefon wieder Vorwürfe gemacht, dass ich ihn unter Druck setze und ihn psychisch fertig mache. Ich habe mich auf keine Diskussion eingelassen und das Gespräch beendet. Dann kam er auch wieder über Nacht nach Hause, war sehr kleinlaut, da ich für seine Firma die Buchhaltung mache und er das finanzielle, auch was die Firma betrifft, immer mir überlassen hat. Ich habe kein Gespräch mit ihm angefangen, war nur kurz angebunden und habe das geschäftliche erledigt. Gestern war ich den ganzen Tag nicht zu Hause und war mit dem Fahrrad unterwegs. Gegen Abend um 20:30 Uhr kam ich dann nach Hause. Er fing dann gleich an wo warst du? Ich habe dann nur geantwortet unterwegs, du lebst ja dein Leben und ich jetzt meins. Die Situation, dass ich alleine was unternehme, kein gemeinames Essen vorbereite und er den ganzen Sonntag alleine ist, war für ihn anscheinend sehr ungewohnt und er lief wie hysterisch in der Wohnung herum und machte mir immer wieder Vorwürfe. Entgegen meines sonstigen Verhaltens habe ich überhaupt nicht darauf reagiert und weiter fern gesehen. Das machte ihn noch nervöser und er warf mir wieder vor, dass ich sein Leben zerstöre, er heute einen schönen Tag hatte (weil ich ja weg war). Daraufhin habe ich nur gesagt, wenn ich dein Problem bin, dann verstehe ich nicht, warum du heute wieder getrunken hast. Daraufhin ist er wieder in seine Firma gefahren, hat mehrfach die Türen geknallt und war weg. Von dort hat er noch 3 mal bei mir angerufen, was sonst auch noch nicht der Fall war, sonst hatte ich immer versucht ihn zurückzuhalten, dass er geht und ihm nachtelefoniert. Am Telefon dann nochmal die gleichen Vorwürfe, worauf ich dann einfach aufgelegt habe. Meine Gleichgültigkeit von gestern hat ihn wahrscheinlich total irritiert. Ich kann das Verhalten einfach nicht nachvollziehen, er hatte vor 1 1/2 Jahren doch schon die gleiche Situation, dass er gesundheitlich gemerkt hat, dass es nicht mehr geht und sich zu einer Entgiftung angemeldet hat. Ich kann nicht verstehen, dass er nicht selbst merkt, dass er den Alkohol einfach nicht unter Kontrolle hat und der Drang immer schlimmer wird. Er kann doch nicht wirklich glauben, dass er es kontrollieren kann. Will man das als Suchtkranker einfach nicht wahrhaben?
Ich hoffe, dass mein Verhalten richtig ist und kann eigentlich nur abwarten und mich weiter auf mich selbst konzentrieren.

LG Sandra

conbira
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Beitrag von conbira » 16.04.2018, 14:27

Sandra P hat geschrieben:einen schönen guten Tag,

Ich hoffe, dass mein Verhalten richtig ist und kann eigentlich nur abwarten und mich weiter auf mich selbst konzentrieren.
.
Hallo Sandra, Dein Verhalten ist goldrichtig. Du tust etwas für dich. Und das ist in der Co Abhängikeit glaube ich sehr wichtig. Ich habe das genau so gemacht. Ich habe gemerkt, dass er sich selbst meint und seitdem nenne ich das meinen "Lotuseffekt". Die Vorwürfe die kommen, hören sich immer gleich an. Und sie gehen, wenn er damit nicht durchkommt, auch irgendwann unter die Gürtellinie. Aber halte durch. Ich habe bei Al Anon gelernt, das man bei Auseinandersetzungen auch freundlich bleiben kann. Das heißt nicht, das du ihn bauchpinseln mußt, aber ein freundliches NEIN ist besser als ein unfreundliches JA. Es sind kleine Schritte und kleine Erfolge. Ich wünsche Dir viel Kraft, conbira

Sandra P
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Beitrag von Sandra P » 16.04.2018, 15:28

Vielen Dank an conbira und la vie,
ich werde mir eure Ratschläge zu Herzen nehmen und versuche mich weiter auf mich zu konzentrieren, auch wenn es schwer fällt. Ich weiß halt nie, ob er nach Hause kommt oder in welchem Zustand, das macht mir meistens Angst. Ich merke schon, wenn er ein paar Tage nicht da war, geht es mir besser. Diese ständigen Vorwürfe, er kommt mit allen Leuten klar nur mit mir nicht, gehen ganz schön an die Substanz. Den anderen Leuten ist sein Zustand ja egal, die entfernen sich, wenn es ihnen nicht passt, aber ich bin ja die, die sofort merkt wenn er getrunken hat.
LG
Sandra

Sandra P
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Beitrag von Sandra P » 16.04.2018, 15:46

Vielen Dank liebe conbira und la vie,
ich werde mir eure Ratschläge zu Herzen nehmen und versuche mich weiter auf mich zu konzentrieren, auch wenn es schwer fällt. Ich weiß halt nie, ob er nach Hause kommt oder in welchem Zustand, das macht mir meistens Angst. Ich merke schon, wenn er ein paar Tage nicht da war, geht es mir besser. Diese ständigen Vorwürfe, er kommt mit allen Leuten klar nur mit mir nicht, gehen ganz schön an die Substanz. Den anderen Leuten ist sein Zustand ja egal, die entfernen sich, wenn es ihnen nicht passt, aber ich bin ja die, die sofort merkt wenn er getrunken hat.

Vielleicht hat noch jemand einen Ratschlag, wie geht ihr damit um wenn er mit seinen Vorwürfen sehr laut wird. Sobald irgendwo ein Fenster aufsteht bekommt das die ganze Nachbarschaft mit und ich kann es nicht verhindern.
LG
Sandra

Speranza
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Beitrag von Speranza » 17.04.2018, 08:28

Hallo Sandra!
Vielleicht hat noch jemand einen Ratschlag, wie geht ihr damit um wenn er mit seinen Vorwürfen sehr laut wird. Sobald irgendwo ein Fenster aufsteht bekommt das die ganze Nachbarschaft mit und ich kann es nicht verhindern.
Das kenne ich zur Genüge und viele Jahre war mir das schrecklich peinlich wenn er so rumgeschrien oder mich beschimpft hat. Aber in der Trennungsphase habe ich mir gedacht ich bin ja nicht für ihn verantwortlich wenn er sich so benimmt. Ich habe langsam aufgehört mich fremdzuschämen.

Er ist schliesslich erwachsen und für sein Tun selber verantwortlich. Er blamiert sich und meistens weiss die Nachbarschaft eh was los ist. Ich habe ihn einfach brüllen lassen es war mir piepegal was andere Menschen dachten.

LG Speranza

conbira
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Beitrag von conbira » 17.04.2018, 09:15

Sandra P hat geschrieben:Vielen Dank liebe conbira und la vie,
Diese ständigen Vorwürfe, er kommt mit allen Leuten klar nur mit mir nicht, gehen ganz schön an die Substanz.

Vielleicht hat noch jemand einen Ratschlag, wie geht ihr damit um wenn er mit seinen Vorwürfen sehr laut wird. Sobald irgendwo ein Fenster aufsteht bekommt das die ganze Nachbarschaft mit und ich kann es nicht verhindern.
ist

Hallo Sandra,

ja das ist so. Er ist überall beliebt, keiner kann sich vorstellen dass er mit mir so umgeht, ich stehe oft als Lügnerin da.

Dazu kann ich dir nur sagen, schau dich an. Du weißt wer du bist. Schau genau hin...und die Vorwürfe werden unhaltbar sein. Er meint sich selbst.

Geh aus dem Zimmer wenn es anfängt. Spring nicht auf sein Karussel. Spiel nicht sein Spiel. Sag nichts zu deiner Verteidigung, denn du bist nicht Schuld. Die Uhrsache ist der Alkohol. Nach einiger Zeit wirst du merken, dass es weniger und weniger wird.

Und nun zur Nachbarschaft. Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Wenn sie sich über euch amüsieren, haben sie selbst was im argen, sind froh, dass es woanders auch so ist, oder vielleicht noch schlimmer Wenn sie fair sind, haben sie Mitgefühl, und sehen darüber hinweg.

Einen lieben Gruß und ganz viel Kraft.

Sandra P
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Beitrag von Sandra P » 17.04.2018, 10:32

Vielen Dank für eure Ratschläge, manchmal denke ich, dass nur mir so etwas passiert, aber durch eure Reaktionen scheint das ja das Krankheitsbild des Abhängigen zu sein. Ich habe jetzt auch einmal im Internet recherchiert was ich machen kann, falls er zu dem gesetzten Termin nicht freiwillig aus der Wohnung geht. Dann muss ich mir einen Anwalt suchen, der dies gerichtlich festlegt, dass er aus der Wohnung ausziehen muss, was möglich ist bei Alkoholkrankheit. Ich hoffe halt immer noch, dass irgend ein auslösender Moment, eventuell dass er beim Autofahren angehalten wird oder eine andere Situation, damit er von selbst die Reißleine zieht. Dass ich dies nicht herbeiführen kann habe ich mittlerweile schon kapiert.
Es hilft mir schon, dass ich mir hier den Frust einfach mal son der Seele schreiben kann und ich freue mich über jede Rückmeldung.
Liebe Grüße und nochmal vielen Dank.
Sandra

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