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Ist eine Trennung unumgänglich ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Aurora
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Aurora » 01.06.2018, 11:04

Hallo Mira,

in einer Beziehung ist es ein Nehmen und Geben, das stimmt. Das mache ich freiwillig, nicht weil es sich so gehört. Jetzt, in meiner zweiten Ehe, die ich als erste richtige und normale Beziehung sehe, die ich habe.

Aber ich verstehe dich gut. Denn so waren ja meine Gedanken früher, in der Ehe mit meinem ersten Mann, Alkoholiker, nass, auch. Ich habe mich schuldig gefühlt, verantwortlich dafür, dass er immer mehr saufen musste. Er hat mir das ja auch so klar gemacht, ich wäre eine so furchtbare, unzumutbare Person, das könne er nur im Suff ersäufen. Ich würde ihn ja dazu treiben. Das waren immense Schuldgefühle, die ich da hatte. Und ich habe mich falsch gefühlt und mich immer mehr verdreht, um seinem Bild ( und dem Bild das ich hatte, wie ich zu sein hatte) zu entsprechen. Hat nicht funktioniert, denn er hat immer was gefunden und ich habe mich wieder schuldig gefühlt.
Wir stritten , nein ich stritt: ich würde zur Furie : immer Irrer : ich fing an ihn zu beschimpfen wenn er sich betrunken aufführte, verlor jeden Respekt vor ihm .. ich wurde rasend vor Wut, dann weinte ich wieder und flehte ihn an mir zu sagen was los ist, ein paar mal bin ich so ausgerastet dass ich handgreiflich wurde und auf ihn losging. So ging das immer weiter. Er beschimpfte mich : ich sei paranoid und bilde mir das ja wohl ein. Ich zweifelte wieder an mir selbst... doch ich wurde immer öfter von Freunden und Verwandten auf seinen Zustand angesprochen: da zweifelte ich wieder an ihm . Da war doch noch eine Flasche Sekt ? Wo ist die plötzlich hin ? Wieso ist der gin leer. Mein Verdacht konkretisierte sich immer mehr : doch umso mehr ich ihn drängte mir die Wahrheit zu sagen, umso mehr machte er dicht. Dann reichte es mir : ich fotografierte alle Flaschen: am nächsten Tag die bittere Erkenntnis: 2 Sektflaschen weg, und im Vodka und im gin war plötzlich deutlich mehr Inhalt als zuvor. Ich konfrontierte ihn mit den Bildern . Wieder belog er mich.
Das könnte direkt von mir geschrieben sein, damals... echt!

Wenn dein Mann sich also jetzt schlecht fühlt, dann sollte er zum Arzt gehen. Und nicht einen auf Leiden machen, damit du dich wieder verantwortlich fühlst. Ich sage damit nicht, dass dein Mann ein böser Mensch ist oder das absichtlich macht. Oft werden Menschen immer wieder bemuttert, das sind sie so gewohnt. Bei meinem Ex war das so, seine Mutter hat ihn so lange als kleinen Jungen behandelt, ihm alles abgenommen, bis sie ihn in meine Obhut gegeben hat. Nun hatte ich für ihn zu sorgen, was ich auch machte. Er hatte also gar nicht gelernt, seine Dinge selbst zu regeln. Er hat sozusagen nur die Mütter gewechselt.

Das kann natürlich bei euch anders sein, ich sage dir ja nur meine Erfahrung. Entweder du erkennst da was für dich auch daraus oder ich liege falsch. Sehe es also bitte nicht als Angriff sondern als Möglichkeit, da mal hinzuschauen.

Liebe Grüße
Aurora

Mira0512
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Mira0512 » 01.06.2018, 11:07

Hallo Morgenrot, so hab ich das mit kümmern eben nicht gemeint. Sondern : ich hätte mich mehr für ihn interessieren sollen: ihn vielleicht auch mal fragen wie es ihm so geht und uns mehr um die Beziehung zu kümmern : auch mal wieder was gemeinsam machen usw . Ich hab neben 3 Kindern und allem anderen sicher keine Zeit mich um jemanden 24 Stunden zu kümmern. Ich möchte das eben ab jetzt ändern: meine Eltern passen morgen mal auf die Kinder auf und wir werden mal ein paar Stunden den etwas zu zweit machen: auch mal Zeit zum reden haben usw. er scheint bisher keine entzugserscheinungen zu haben. Beim Hausarzt war er und hat dort auch Bescheid gegeben dass er nächste Woche einen Termin bei einem Facharzt hat und dass er bis dahin auf eigene Faust nichts trinken möchte.

Ich hoffe das klappt alles und ich hoffe er tut das nicht nur wegen uns sondern sieht ein dass er es für sich und seine Gesundheit tun muss.

Ich selber bin aber wirklich sehr durch den Wind. Richtig ruhelos und innerlich aufgewühlt.

Er ist kaum wieder zu erkennen : als hätte ich meinen Mann wieder. Aber Hoffnungen mach ich mir eventuell nicht zu viele . Ich habe dich arg Angst vor einer Enttäuschung

Mira0512
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Mira0512 » 01.06.2018, 11:13

Hallo Aurora, ich fühle mich glaube ich im Moment überhaupt von allen angegriffen. Das liegt sicher nicht an dir. Ich denke meine Seele hat einfach sich gelitten und mein Ego hat einen Knacks abbekommen.
Bei uns ist es tatsächlich eher umgekehrt : er ist der kümmerer: er ist derjenige der aufsteht und mir alles bringt und derjenige der alles für mich macht. Desweegen hab ich wohl gerade eher den umgekehrten Drang mal was für ihn zu machen. Er hat alles in sich hineingefressen und hat sich geschämt und wollte mich nicht belasten. Er dachte er schafft das alleine. Deswegen will ich ihm jettt zeigen dass er sich auch auf mich verlassen kann. Und ich bin übrigens ein Drache 😂😂😂 also das muss man mir wirklich nicht einreden: ich bin sowas von launisch und zwar schon immer ...

Aber wir haben uns bis letztes Jahr wirklich immer gut ergänzt und waren meistens sehr harmonisch . Bis wohl der Alkohol kam. Und ich bin fast erleichtert einen Grund zu kennen. Denn sonst hätte ich mich getrennt. So einen Mann an meiner Seite wollte ich nicht mehr haben.

Mira0512
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Mira0512 » 01.06.2018, 11:14

Und ich bin sehr froh mich hier austauschen zu können und andere Meinungen zu hören. Ich muss gerade einfach schreiben....

Morgenrot
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Morgenrot » 01.06.2018, 23:32

Hallo Mira,

Schrib auf, was dir in den Sinn kommt, das schreiben hier hat mir auch immer geholfen, obwohl ich gerade nicht soviel schreibe.

Entschuldige, wenn ich dich falsch verstanden habe.

Aber Hoffnungen mach ich mir eventuell nicht zu viele . Ich habe dich arg Angst vor einer Enttäuschung
das kann ich gut verstehen, das geht mir genauso. Mein XY trinkt jetzt seit Anfang Oktober nichts mehr, aber ich bleibe skeptisch und warte erst einmal ab.
Dazu hat er zu lange getrunken.
Ich spüre aber durchaus Veränderungen und glaube auch langsam, das er es ernst meint. Durch die lange Trinkzeit ist sehr viel an Vertrauen kaputt gegangen und das wird auch noch dauern um es wieder aufzubauen.


lg Morgenrot

Gotti
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Re: Ist eine Trennung unumgänglich ?

Beitrag von Gotti » 02.06.2018, 07:45

Hallo Mira!

Ganz herzliches Willkommen hier angekommen zu sein! Das ist für DICH der erste Schritt und ich wünsche dir, dass ganz viele folgen werden.
Du schreibst deine Geschichte und sie klingt wie so viele andere hier, wie meine auch! Leider - ich schreibe es auch leider immer wieder - habe ich zu lange zugeschaut, abgewartet und neu gehofft, dass ER sich ändert, etwas an unserer gemeinsamen Situation etwas ändert, sich Hilfe holt, und und und... Deine Gedanken ähneln auch meinen damals, als er mir immer wieder "einreden" wollte, nüchtern zu sein, wo ich glaubte selbst "shizophren" zu sein, ... Ich habe das ganze "Repertoire" mitgemacht und ausgehalten, bis ich eben nicht mehr konnte. Alles aussen herum noch dazu ( hatte ja meine Eltern zu versorgen ) machten mich richtig krank. Dass ich das 33 Jahre ausgehalten habe - für viele ein Rätsel. Aber es war da ja immer wieder die Hoffnung: ab heute keinen Alkohol mehr- alles wegräumen - ich gehe zum Arzt, zur SHG - .... Jedes Mal nur Tage, Wochen, mal vier Monate... ER hat nicht wirklich gewollt, denn die Sucht war stärker.
ICH bin nach den langen Jahren gegangen. Habe alles zurückgelassen, für mich aufgearbeitet, mich verändert.
Schuld - fühlte ich lange Jahre. Tief in mir drin wohl auch noch der Kinder wegen, die ich nicht früher aus der Situation geholt habe. Aber manchmal harren Kinder viel lieber in kaputten Ehen aus, als getrennt zu sein. Ist jetzt sowieso egal, denn jetzt sind sie erwachsen und lieben mich noch immer. Das zählt.
Es gibt leider kein Patentrezept, keine Garantie, dass es dein Mann schaffen wird. Ich wünsche es dir trotzdem! Es gibt ein paar Männer, die es geschafft haben! Aber wichtig ist, dass du für dich jetzt etwas änderst. Hier zu schreiben hilft schon mal! :D
Vielleicht magst du auch eine Gruppe suchen, und mit Gleichgesinnten austauschen. Persönlicher Austausch ist - finde ich - intensiver, eben "näher", und ich möchte meine Telefonate nicht missen! Es tut einfach gut, Menschen zu haben, die MEIN Problem verstehen. Für die Gesellschaft haben wir kein "Problem".
Viel guten Austausch hier und einen schönen Tag wünscht dir Gotti!

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