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Angst vor Rückfall

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Sandstrand2
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Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 04.07.2018, 12:40

Hallo Ihr Lieben,
ich will mich mal kurz vorstellen, ich bin nicht ganz neu hier, ich hatte aber früher einen anderen Namen und habe im geschützten Bereich geschrieben. Vielleicht sollte ich da auch wieder hin, aber ich habe im Moment wirklich sehr wenig Geld.
Mein Mann war über sechs Jahre trocken, wobei, eigentlich hatte er seine Sucht nur verlagert, aber ich konnte mit der anderen Sucht besser leben. Deshalb hab ich mir die Sache schön geredet und war auch über längere Zeiträume glücklich mit ihm. Das eine Problem ist, dass er nun innerhalb von drei Monaten zwei Rückfälle hatte, und das andere Problem ist, dass er, wenn er seine Ersatzsucht nicht befriedigen kann, furchtbar aggressiv und beleidigend wird. Nur mit Worten, aber trotzdem. Außerdem kostet seine Sucht nach wie vor viel Geld, weswegen wir in Wahrheit auch immer Pleite sind. Ich glaube, ich stehe kurz vor einem Burnout und will mich davor schützen, bin ganz dünnhäutig geworden, weine wieder viel, kann mich nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren, die sich immer mehr anhäuft. Mein Mann arbeitet nicht, ich sorge finanziell für die vierköpfige Familie, er kocht zwar, holt regelmäßig die Kinder von der Schule und macht manchmal handwerkliche Dinge im Haus, aber sobald ich (etwa zwei Stunden später) nach Hause komme, setzt er sich auf die Terrasse und raucht und braucht Pause, weil er sich total überfordert fühlt. Dass ich den ganzen Tag (full time) arbeite, zählt für ihn überhaupt nicht (da ich im Büro ja meine Ruhe habe), ich mache auch sonst fast alles, gehe einkaufen, wasche die Wäsche etc. Er macht nur manchmal, je nach Laune, ansonsten hat er von 8 Uhr morgens (da nehme ich die Kinder mit) bis 16 Uhr frei (Kinder sind in Ganztagsschule). Natürlich bin ich schuld an seinem Unglück und werde deshalb auch immer beschimpft, aber das brauche ich hier wohl niemandem zu sagen...
Die zwei Rückfälle haben mich nun alarmiert, er hat jeweils nicht viel getrunken, das erste Mal nur eine Flasche Bier, das zweite Mal dann aber schon jeweils zwei drei Flaschen (so genau weiß ich es nicht) über drei Tage. Ich muss gestehen, ich weiß, dass man nicht wegen der Kinder in einer Beziehung bleiben soll, die einen fertig macht, aber meine Kinder sind noch klein und vergöttern ihren Papa. Aber ich weiß auch, dass ich es nicht noch einmal schaffen würde, wenn mein Mann wieder anfangen würde zu trinken.
Was habt ihr für Erfahrungen mit stufenweisen Rückfällen gemacht, kommt der dritte bestimmt oder kann man so etwas noch in den Griff bekommen?
Danke für Euren Rat
Herzliche Grüße
Sandstrand2

Sunshine_33
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sunshine_33 » 04.07.2018, 13:41

Hallo Sandstrand,
Willkommen zurück.

Dein Mann ist doch längst rückfällig, und Du weißt es doch im tiefsten Innersten auch, nicht wahr?
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann er wieder so viel und mehr als früher säuft.
Bei dem einen gehts schneller, beim anderen eben langsamer.
DIe einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist, sich sofort wieder in ärztliche Behandlung zu begeben und neu zu entziehen.
Evtl. ne LZT hintendran zu hängen.
Und zurück in die SHG:
Hat er eine SHG? Wenn Nein, warum nicht?

Hier im CO-Bereich solle es aber nicht um ihn gehen, sondern um Dich.
Darum meine Frage an DICH:
Warum bleibst Du mit so einem Menschen zusammen?
Der nicht nur süchtig ist (nach was auch immer, Alk andere Süchte) sondern Dich auch noch schamlos ausbeutet.
Deine Kinder vergöttern den Papa?
Also ich weiß nicht, aber kann denn ein Vater, der sich so verhält, überhaupt ein Vorbild für die Kinder sein?
Inwiefern denn, wenn der sich nicht mal zur Arbeit bemüht, sondern Dich alles ranschleppen lässt und sich derweil n lustigen Lenz macht?
Also ich möchte meinen Kindern nicht so einen Vater als Vorbild präsentieren wollen, ich würde zusehen, auch GERADE wegen der Kinder,
dem Ganzen so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten.
Denn für was soll er denn ein Vorbild sein? Dafür, wie man möglichst sein ganzes Leben auf Kosten anderer lebt?
Hartz4 als späteren Berufswunsch oder was?
Aber ich weiß auch, dass ich es nicht noch einmal schaffen würde, wenn mein Mann wieder anfangen würde zu trinken.
Bist Du denn in dieser Beziehung überhaupt glücklich? Auch wenn er nicht wieder säuft?
Er TUT es aber bereits wieder... also zieh bitte endlich Deine Konsequenzen, auch gerade den Kindern und Dir selbst zuliebe.
Oder Du leidest halt weiter... und gehst wirklich dran kaput.
Dein Leben. Deine Entscheidung.

LG Sunshine

Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 04.07.2018, 14:06

Liebe Sunshine,
danke für Deine Antwort, Du hast ja Recht, auch wenn ich das natürlich so nicht hören wollte. Leider sind die Dinge auch bei mir etwas komplexer, da meine Kindheit da hineinspielt. Ich bin auch schon das Kind eines Alkoholikers und meine Mutter ist bei ihm geblieben. Während mein Bruder ihr das vorwirft, hätte ich meine "quasi heile" Familie nicht missen wollen, und meinen Vater schon gar nicht. Können Kinder nicht auch verstehen, dass Papa krank ist? Im Moment sind meine Kinder halt noch total glücklich mit ihrem Papa und das will ich ihnen nicht nehmen. In Wahrheit würde er nämlich im Fall einer Trennung nicht um die Ecke wohnen und die Kinder trotzdem von der Schule abholen können, wie das bei anderen Scheidungskindern vielleicht der Fall ist. Aber ja, es geht hier darum, wie ich mich fühle. Ich möchte vor allem klare Grenzen setzen lernen und Kräfte sammeln, mich selbst nicht überfordern und auf mich achten. Ich möchte es mir verzeihen können, wenn ich selbst eine Zeit lang nicht so produktiv bin, wie ich es vielleicht sein sollte, und auch immer mal wieder an mich denken...
Danke, Sunshine, und liebe Grüße
Sandstrand

Sunshine_33
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sunshine_33 » 04.07.2018, 14:17

Und:
Ich glaube, ich stehe kurz vor einem Burnout und will mich davor schützen, bin ganz dünnhäutig geworden, weine wieder viel, kann mich nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren, die sich immer mehr anhäuft.
Also ich glaube, Du bist schon mittendrin in einem sog. "Burnout"
Das sind doch ganz typische Symptome dafür.
Dann brauchst Du selbst auch Hilfe !
Was hälst Du denn davon, selbst zum Arzt zu gehen, um dort um Hilfe FÜR DICH zu bitten ?
Eine nahe Angehörige von mir hatte auch ein Burnout wegen Überlastung, was auch mit ihrem kranken Mann
zu tun hatte (kein Alkoholproblem, eine andere Krankheit) und mit der Überforderung durch die
ganze Situation, es sind auch Kinder da.
Es gibt dann beispielsweise die Möglichkeit einer Tagesklinik, also ambulante Hilfe.
Das würde ja auch bei Dir passen, denn die Kinder sind ja tagsüber gut untergebracht.
Leider sind die Wartelisten meist lang bei derartigen Einrichtungen, von daher wäre es wichtig, gleich zu
handeln und nicht noch lange zu warten.
Was meinst Du dazu?

LG Sunshine

Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 04.07.2018, 14:25

Danke, liebe Sunshine, ich dachte auch schon an eine Kur.... es gibt doch zu vieles, das ich hier nicht schreiben kann. Aber es tut schon gut, Euch wieder an der Seite zu wissen. Ich lasse mir das alles durch den Kopf gehen und tauche wahrscheinlich ganz bald im geschützten Bereich wieder auf ;-)
Liebe Grüße
Sandstrand

Sunshine_33
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sunshine_33 » 04.07.2018, 14:40

Ich möchte vor allem klare Grenzen setzen lernen und Kräfte sammeln, mich selbst nicht überfordern und auf mich achten.
Ja, verstehe ich sehr gut, liebe Sandstrand.
Aber ich befürchte, das wird in dieser Beziehung nichts. :?

Wie willst Du Kräfte sammeln können, wenn da jemand ist, der Dir endlos Kräfte abzieht, und da auch kein Ende in Sicht ist?
Wärst Du wirklich glücklich, und wäre wirklich alles supi-dupi, wenn er ein trockenes bzw. suchtfreies Leben führen würde?
Da ist doch noch viel mehr im Argen, oder?
Dein Mann macht sich ja auf Deine Kosten (nicht nur finanzielle Kosten!) ein bequemes Leben, während Du schuftest, um alles am laufen zu halten.
Und als Dank wirst am Ende auch noch beschimpft und so auch gedemütigt.

Grenzen ziehen bei einem Menschen, der evtl. keine Deiner Grenzen akzeptiert? Weil er nämlich keine Achtung (mehr) vor Dir hat und denkt,
tun und lassen zu können, was er grade möchte?
Desweiteren überschreiten Süchtige schon durch ihre Sucht immer wieder Grenzen anderer Menschen, das ist ja auch nichts ungewöhnliches.
Ich weiß nicht, es hört sich ja immer so nett an, lernen zu wollen Grenzen zu setzen, aber ich weiß nicht, ob man damit tatsächlich auch erfolgreich ist, wenn man dem Grenzverletzer immer wieder ausgesetzt ist?
Ich bezweifel, das das ein gutes Training ist.
Ich könnte da mehr dran glauben, wenn man sich erstmal komplett dem Einfluss des Grenzverletzers entzieht und das dann wirklich in Ruhe lernt.

Außerdem wird sich mir wohl nie erschließen, warum man sich wohl von einem geliebten Menschen abgrenzen sollte? Das ergibt überhaupt keinen Sinn, darum ist man doch keine Beziehung eingegangen, oder?
Sollte es nicht mehr ums Zusammenhalten und die Gemeinsamkeit in einer Bezieung gehen?
Und nicht um das Gegenteil?
Mir ist schon klar, das man sich vom verletzenden Verhalten eines Partners aus Selbstschutzgründen abgrenzen möchte. Um erstmal zur Ruhe zu kommen.
Aber das kann doch immer nur ein erster Schritt aus der Beziehung heraus sein, so sehe ich das zumindest.
Abgrenzung als Beziehungsgraundlage kann ich jedenfalls nicht als besonders positiv einstufen. Dann kann man ja besser gleich allein bleiben, oder?
Hat man keinen weiteren Ärger und gut is.

Ja, und als CO-Abhängige in einer aktiven CO-Abhängigkeitsbeziehung auf sich selbst besser achten wollen... wie "gut" das funzt, kann man hier ja überall immer wieder nachlesen.
Ich denke, auch das funzt nicht wirklich gut. Vielleicht mal ne kurze Zeit lang, aber dann fällt man wieder allzu leicht in alte Gewohnheiten zurück.
Denn die grundsätzliche Situation ändert sich ja nicht dadurch.

Du siehst also, ich bin bei Deinem Vorhaben sehr skeptisch.... :?

LG Sunshine

Sunshine_33
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sunshine_33 » 04.07.2018, 15:01

ich dachte auch schon an eine Kur....
Also ich kann Dir mal von dieser Tagesklinik berichten, wie das da so ablief.
Der Schwerpunkt dieser Klinik lag auf Depressionen und Burnout.
Man konnte erstmal morgens seine Kinder im Kiga oder der Schule abliefern und dann gab es ein gemeinsames Frühstück.
Dann war die ersten Wochen sehr viel Relaxen angesagt, Spaziergänge, mal ein Buch in Ruhe lesen, oder einfach mal 2 oder 3 Stunden zu schlafen in einem der Ruheräume.
Es gab auch Gruppengespräche und es wurde einiges in der Gruppe zusammen gemacht.
Auch spezielle Spiele, Rollenspiele, Konzentrationsübungen und auch Bewegungstherapie war dabei.
Unter anderem auch Übungen, um sich besser gegen Stress abgrenzen zu können. Und vieles mehr. Es wurden einem sozusagen Werkzeuge in die Hand gegeben, wo man später mit arbeiten kann.
Wichtig waren auch die gemeinsamen Mahlzeiten, wo sich in Ruhe zusammen hingesetzt wurde, auch das kommt bei überlasteten Müttern oft zu kurz, da wird oft nur was im Vorbeigehen gegessen und das ist nicht gut.
Man lernt also auch, wieder besser auf sich selbst zu achten.
Auch depressive Menschen müssen oft erst wieder lernen, einen gewissen Tagesrhythmus zu finden und gut auf sich zu achten.
Naja, und Depression und Burnout gehen ja auch oft miteinander einher, das eine kann sich aus dem anderen auch ergeben.
Es gab auch Einzelgespräche, wo natürlich auch die eigenen spezielle Situation angesprochen wurde. Auch die partnerschaftliche Situation, falls vorhanden.
Diese Gespräche waren aber leider etwas rar, wie so oft in solchen EInrichtungen, aber mit etwas Nachdruck kann man da auch was machen.

Es war also nicht so, das das Innerste nach Außen gezerrt wurde und da jeder n Seelenstriptease hinlegen mußte.
Es gab auch keine Mega-Vergangenheitsbewältigungs-Therapien, sondern in dieser Klinik ging es eher darum,
Werkzeuge für die jetzgie Situation zu bekommen und lernen, damit umzugehen.
Rückblicke in die Vergangenheit gab es aber schon, um verstehen zu können, warum es zur Erkrankung kam.
Und es war viel Entspannung angesagt, um in Ruhe wieder zu sich zu finden.
Nach der Therapie holte man dann seine Kinder wieder ab und der Feierabend lief dann Zuhause ab.

Ich finde, sowas ist ne gute Sache. Ich wäre da auch manchmal ganz gern mal mitgegangen :lol: , denn es hörte sich wirklich alles sehr gut an.
Wollte ich Dir mal jetzt so mit auf den Weg geben... :wink:

LG Sunshine

Sandstrand2
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Re: Angst vor Rückfall

Beitrag von Sandstrand2 » 04.07.2018, 15:17

Liebe Sunshine,
ich gebe ja auch zu, dass es primär die Kinder sind, die noch zu klein sind, um dahinter zu schauen, und derzeit eine glückliche Kindheit leben. Frage bleibt, ob man hier nur schreiben darf, wenn man auch schon bereit ist, sich von seinem alkoholkranken Mann zu trennen (wie die Alkoholiker selbst, die erst trocken sein müssen), oder ob man auch als noch in der Partnerschaft lebende, also "noch Co-Abhängige" sich hier austauschen darf?
Tausend Dank noch mal für all Deine Worte und Deine Zeit!
Liebe Grüße
Sandstrand

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