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Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Hull

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Hull » 17.08.2018, 14:52

Hallo Yvonne,

es wurde hier in letzter Zeit öfter diskutiert, ob "Alkoholismus" eine wirkliche Krankheit ist und welche Verhaltensweisen zu dieser Krankheit gehören. Ein "kranker" Hund, der Menschen verletzt, wird z. B. mit Recht eingeschläfert. In einer konsequenten Gesellschaft würde auch keine Rücksicht auf eine vermeintliche "Krankheit" genommen werden, ganz egal, ob dies Mitleid erzeugt oder nicht. Es hilt dem Opfer nicht im Geringsten, wenn der Täter in einer krankhaften Wahrnehmung handelte.

Grüße

Yvonne78

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Yvonne78 » 17.08.2018, 15:25

Hallo Hull,

es beruhigt mich etwas, daß ich nicht die Einzigste bin, die das so sieht.

Ein wenig mehr Strenge und Konsequenz könnte letzlich auch Leben retten...nicht nur das von Alkoholikern, sondern auch von potentiellen Opfern.

Daß es eine Krankheit ist, ist mir klar, aber der alkoholkranke Mensch sollte trotzdem für sein Handeln die vollen Konsequenzen tragen. Anderenfalls könnte man ja auch sagen, daß...so er z.Bsp. unzurechnungsfähig ist beim Autounfall, man ihm gleichfalls die Geschäftsfähigkeit entziehen könnte...denn Unzurechnungsfähigeit zöge sich ja dann durch sein gesamtes Leben. Das aber widerum verstößt dann eher gegen sein Persönlichkeitsrecht ( oder gegen was auch immer ).

Wie auch immer...Normalo´s wie mir will das Verstehen nicht so gelingen und ich muss es hinnehmen wie es andere bestimmen.

Penta
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Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Penta » 17.08.2018, 18:47

Liebe Yvonne,

willkommen hier!

Zunächst vorneweg: Ich bin nicht der Meinung, dass Alkoholiker nicht die Verantwortung für ihr Handeln tragen. Ich erlebe Alkoholiker, die sich für Alkoholiker und damit krank halten und durchaus die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Andererseits kenne ich Menschen, die sich für gesund halten und dennoch ziemlich schwer damit tun, Verantwortung zu übernehmen.
Die Frage nach Alkoholismus als Krankheit ist für mich etwas Anderes, als die nach der Übernahme der Verantwortung für sein eigenes Tun.

Die Ahndung von Straftaten führt in den seltendsten Fällen dazu, dass ein Opfer Genugtuung oder gar Heilung erfährt.
Das ist vollkommen unabhängig davon, ob ein Täter Alkoholiker, also krank, oder nicht ist und deshalb ein ganz eigenes Problem.
In den vergangenen Jahren wurde beim Opferschutz nachgebessert. Allerdings noch nicht genug, da gebe ich dir vollkommen Recht.

Eine andere Frage ist, ob es im Interesse deines Wohlergehens jetzt Sinn macht, sich dieser allgemeinen Ungerechtigkeit zu widmen und große Kriege gegen gesellschaftliche Zustände zu führen oder ob du einen Weg findest, der dir ermöglicht, wieder einen unbeschwerten Alltag zu erleben.
Ich halte sehr viel davon, eine Haltung zu haben. Wenn diese Haltung dann aber dazu führt, verbittert und zerknautscht vor Wut durch die Welt zu laufen, finde ich sie kontraproduktiv.
Ich hab mir für nächste Woche ein*pikantes*Date angelacht mit einem alten Bekannten...das wird mir sicher helfen, mein Selbstbewusstsein wieder auf zu frischen und meine große Liebe endgültig ab zu haken.
Viel Glück dafür!

Grüße, Penta

Yvonne78

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Yvonne78 » 18.08.2018, 08:52

Guten Morgen Penta,

genau deshalb habe ich mich hier angemeldet. Viele verschiedene Horizonte, die mir helfen, meinen zu finden.
Natürlich bin ich nach wie vor zerknirscht über den misslichen Umstand, daß bislang nur ich die Konsequenzen tragen musste. Natürlich war ich ein Co, aber man darf nicht verwechseln, daß der Alkoholiker auch in das Leben der Familie...und in meins eingreift und ich demzufolge viele Karren aus dem Dreck ziehen musste, um nicht selbst unterzugehen. Und ja, das zerknirscht mich immernoch, denn mein Mann muss sich nur um sich selbst kümmern. Alles Andere ist ihm rille. Nur aus diesem Grund wünsche ich ihm ein verhältnismäßig hartes Gerichtsurteil und nicht all zu viel Verständnis. Denn: wieso müssen nur die Anderen alles ausbaden...die, die nicht gesoffen haben ???
Und auch wenn ich kein direktes Opfer bin ( so wie seine Unfallopfer ), so würde es mir doch Genugtuung verschaffen, wenn er mal einen ordentlichen Ordungsgong erfährt. Schliesslich lebt er in der Blase eines Minderjährigen, der für seine Taten nicht verantwortlich gemacht werden kann...weil er ja soooo krank ist. Merke...mein Verständnis ist am Ende...dem geht aber eine schier endlose Zeit von Verständnis, helfen wollen und Enttäuschungen voraus. Der Alkohol hat mich sozusagen dazu gebracht, so zu denken. Ich habe mal...2 oder 3 Tage meine Gedanken aufgeschrieben:

Der übermächtige Feind!
Er ist immer da....du kannst ihn sehen, ihn riechen...fühlen. Er ist ein Formwandler und hat einzig den Schaden im Sinn. Er zerstört Familien, Leben...Liebe. Es ist völlig egal was du dagegen zu tun versuchst, er wird gewinnen....immer...denn er ist ausser Konkurrenz. Kein Mensch kann ihm als Glücklichmacher das Wasser reichen. Er lässt lügen und betrügen, macht Gesundheit zu Krankheit....Liebe zu Hass...und tarnt sich doch als Freund in der Not. Wann und wie auch immer er dir begegnet...lass dich nicht blenden von seinem tröstenden Charme, sondern laufe....laufe bis du nicht mehr kannst...und dann laufe weiter bis du deine innere Stärke gefunden hast um laut * NEIN * zu schreien...NEIN zur Blendung NEIN zur Vernichtung NEIN zum Untergang

*** Alkohol

Das macht Alkohol mit Co´s !

LG Yvonne

Penta
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Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Penta » 18.08.2018, 13:25

Liebe Yvonne,
Natürlich darfst du wem auch immer alles wünschen, was du möchtest. Ich gehe jedoch davon aus, dass deine Wünsche wohl nicht erhört werden.

Du schreibst, dass du ein Co warst. Also bist du heute keiner mehr?

Grüße Penta

Yvonne78

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Yvonne78 » 18.08.2018, 14:09

@Penta: nein...NEIN :-)
Iwar mit meinem Mann 6 Jahre zusammen und zweieinhalb verheiratet. Das Ausmaß seiner Krankheit kam erst heraus, als er im letzten Sommer einen epileptischen Entzugs-Anfall hatte. Er war auch schon vorher mehrmals die Woche hacke...aber ich wollte es als Unart sehen und es gab oft Streit. Seitdem hat er unter Alkoholeinfluss soviel Mist gebaut, wärend ich hinter ihm aufräumte ( nicht nur um seine, sondern auch meine Haut zu retten ). Er hat mein Unternehmen ruiniert , Straftaten im Strassenverkehr begangen, darauf hin eine Langzeit gemacht. Ich freute mich auf den Neuanfang mit meinem nüchternden Mann...er aber hatte einen anderen Anfang im Sinn. Er belog mich, nutzte mich aus, wissentlich er die Familie mit mir nicht aufrecht erhalten wollte, machte mit einer Alkoholikerin rum ( weil die ihn ja so gut versteht ) und trat unser Leben in den Dreck.

Von diesem Moment an wußte ich, daß uns nichts mehr verbindet ( ausser das Kind ) und demzufolge bin ich auch keine Co mehr. Klar, ein wenig Entzug war schon da...aber ich hab viel zu viel vor, als daß ich mich noch weiter in dieser Rolle befinden kann / möchte !

Hull

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Hull » 18.08.2018, 14:38

Hallo Yvonne,

so sehr es in diesem Forum auch mmer wieder bestritten wird, ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich behaupte, dass die Erklärungen hier nicht in einer "Alkoholkrankheit" zu suchen sind, sondern ganz einfach in der Persönlichkeit deines Ex-Ehemannes. Die Alkoholkrankheit ist nicht alles, sie passt nur sehr gut in das Gesamtbild des Täters. Für gewisse Taten sind Vorsatz und Kalkül notwendig.

Grüße

Yvonne78

Re: Mehr als verzweifelt - könnt ihr mir helfen

Beitrag von Yvonne78 » 19.08.2018, 09:32

Hallo Hull,

ich denke, die Geister werden sich bis zum bitteren Ende darüber streiten, welchen Anteil die Krankheit und welchen der Charakter hat.
Unstrittig ist für mich, daß der Alkoholiker sich nach jahrelangem Saufexzess viel Hirn wegsäuft und damit auch Eigenschaften wie Empathie und Gewissen. Mein Mann war über 30 Jahre drauf...da bleibt nach der Entziehung offensichtlich nicht so viel übrig. Er wird immer wieder dämliche Entscheidungen treffen und ganz überheblich denken, daß er die Dinge im Griff hat. Weitsicht oder das Bewusstsein über Konsequenzen sind Fehlanzeige. Deshalb wird er sich auch weiterhin von seiner Alki-Familie bequatschen lassen, was ihn letzlich ins Grab bringen wird. Ich merke auch jetzt in den wenigen, kurzen Gesprächen, die nötig sind wegen Ämtern und Kind, daß da nicht so viel mehr als warme Soße im Kopp ist. Warum ich ihn geheiratet habe? ...warscheinlich weil ihn der Alkohol so geschickt ummantelt hat, daß es nicht so auffiel. Will sagen...jeder, der denkt, daß der Alkohol keine Spuren hinterlässt, dem wünsche ich ein nicht allzu knallhartes Erwachen. Dazu fällt mir ein Spruch ein, den ich mal im Internet gefunden habe:

Für den, der tot ist, ist es nicht schlimm tot zu sein
schlimm ist es nur für die Anderen.
Genauso ist es, wenn jemand doof ist....

In diesem Sinne grüßt dich Yvonne

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