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Alkoholismus und Egoismus

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Yvonne78

Re: Alkoholismus und Egoismus

Beitrag von Yvonne78 » 23.08.2018, 18:17

Liebe Emma,

bei uns war es etwas anders...er ist eher so der depressive Typ. Wenn er getrunken hatte, war ich die Jenige, die auf ihn eingedroschen hat...also verbal ;-) Jetzt nach der Trennung ist es immernoch so. Ich war damals...und bin es heute so wütend auf ihn...also bekommt er meine Wut ab...wer denn sonst? Er steht dann immer da, weiß nicht was er sagen soll und hat keine Antworten auf meine Frage....das macht noch wütender. Er ist sensibel...das stimmt schon...aber nur was seine eigenen Belange betrifft. Was mich verletzt oder mir schadet, das war ihm schon immer egal...das weiß ich jetzt. Deswegen hat das mit den Ich-Botschaften auch nie wirklich funktioniert. Die Schuld an seinem Dilemma schieben mir andere in die Schuhe...seine Familie....selbst alles Alkoholiker. Heisst: als seine Alkoholsucht begann war ich 4 Jahre alt...so hohl sind die. Egal...das Manipulative stimmt. Schliesslich habe ich 6 Jahre lang gedacht, daß er meine große Liebe ist und umgekehrt.
Das mit der Therapie hat ja bei uns nicht so toll geklappt. Er ist zwar noch trocken...denke ich...aber so ohne den Alkohol ist er wie ein Sahnekuchen...nur ohne Sahne und so´n trockenes Ding will ich dann auch nicht. Schliesslich habe ich ihn ja * unwissentlich * mit dieser Krankheit kennengelernt.

Meinen Bedürfnissen kann ich im Moment nicht nachgeben...ich wäre dann wegen Körperverletzung dran :-)

LG Yvonne

Aurora
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Registriert: 02.05.2007, 13:47

Re: Alkoholismus und Egoismus

Beitrag von Aurora » 28.08.2018, 10:47

Yvonne schrieb:
aber eine chronische Krankheit ist eine Geissel...egal was es ist. Wir reden ja über eine Krankheit, die allgegenwärtig ist und euch jeden Tag beschäftigt...egal ob eine Woche trocken oder zwanzig Jahre. ..
.

Aha. Du scheinst ja ALLES über die Alkoholkrankheit zu wissen...
Also ich beschäftige mich ganz sicher nicht jeden Tag mit meiner Alkoholrankheit, und das wäre auch kein erstrebenswertes Leben für mich.
Es gibt ein ziemlich buntes Leben neben meiner Alkoholkrankheit mit meiner Familie und Freunden und Bekannten, die Krankheit ist nur ein Teil von mir.
Meine Alkoholkrankheit ist zwar in mir, aber ich bin symptomfrei, sozusagen.
Ja, ich habe eine chronische Krankheit, aber die Alkoholkrankheit macht mir weder Schmerzen noch quält sie mich sonst irgendwie.
Sie macht sich bei mir im ganz normalen Alltag nicht mal bemerkbar.
Was zu beachten ist, das ist bei mir längst in Fleisch und Blut übergegangen, so wie Zähneputzen, um das mal so lapidar zu sagen.
Im Gegensatz zu vielen anderen chronischen Krankheiten habe ich persönlichen Einfluss auf meine Alkoholkrankheit und muss nicht leiden.
Auch wenn Du der Meinung bist, das die Alkoholkrankheit eine Geissel ist, erlebe ich das völlig anders.
Und mitunter kann Krankheit sogar eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung sein.
Gerade bei unserer Krankheit ist das gar nicht mal sooo selten der Fall.

...und auch du bist gefährdet, bis zum Ende deiner Tage
Ja, das ist so. Aber auch dieses Wissen belastet mich nicht (mehr), ich vertraue auf mich selbst, das erlaube ich mir einfach.
Ich konnte mir eine stabile Trockenheit aufbauen in den letzten 16 Jahren, was auch etwas ist, auf was man bauen darf.
Das ist meine persönliche Meinung und so mache ich das auch
...und nur, weil du dank Selbsthilfegruppen oder was sonst noch Erleuchtung erfahren hast, heisst das noch lange nicht, daß du mich kennst.
Erleuchtet? Nu mach aber mal n Punkt. :lol:
Ich war in genau EINER realen SHG vor längerer Zeit für ca. 1 Jahr und ich bin in DIESER SHG.
Desweiteren hatte ich ärztliche Betreuung bei und nach meiner damaligen Entgiftung. Weiter nichts.
Alles klar?

ABER: nicht alles , was ich an eigenen Erfahrungen darbiete hier, ist Hass auf meinen Mann...
Sorry, aber es kommt für mich so rüber. Ich kann das leider nicht anders empfinden.
Ich habe das Gefühl, das Du alle (Dir unangenehmen) Verhaltensweisen von Deinem EX dem Alkohol zuschreibst.
Und das dann auch noch anderen alkoholerkrankten Menschen so überstülpst.
So einfach isses aber nu mal nich,aber das ist am bequemsten so, nicht wahr?
Und auch immer noch einfacher, als nach den eigenen Anteilen in der Abhängigkeitsbeziehung zu schauen.
Denn die sind ja auch immer da beim CO.

Da du eine von denen zu sein scheinst, die nicht hören wollen, was ein Co zu sagen hat, mach ich mal lieber einen Bogen um dich
Das kannst Du gern tun, ich halte es ja möglichst ebenso.
Ich bin nämlich wegen dem MITEINANDER in dieser Gruppe und nicht für ein GEGENEINANDER.
Darum interessiert mich auch sehr wohl, was ein CO zu sagen hat !
Aber Deine Pauschalisierungen einer Krankheit auf eine gewisse abschätzige Art (und das ist noch nett ausgedrückt) werden wohl kaum zu einem Miteinander beitragen.
Ich für meinen Teil werde Deine Pauschalisierungen jedenfalls nicht so so stehen lassen bzw. mir auch noch überstülpen lassen.
Ich fühle mich davon verunglimpft.

Sunshine

Emma2010
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Re: Alkoholismus und Egoismus

Beitrag von Emma2010 » 28.08.2018, 17:37

Hi Yvonne,

wie geht es dir? Hast in einem Thread geschrieben:
> Das ist auch das Mühsame für die Familie, die immer mehr versucht, Probleme aus dem Weg zu schaffen.
> Je mehr ich geklärt habe, umso mehr hat er gesoffen.

Und: > Da du eine von denen zu sein scheinst, die nicht hören wollen, was ein Co zu sagen hat,...

Was bedeutet es für dich Co zu sein? Weißt, wenn ich da so an meine aktive Zeit zurück denke, fällt mir ein ganzer Rattenschwanz an
Grenzüberschreitungen ein, wie z.B. dem Süchtigen das Leergut wegräumen, seine Termin vereinbaren, Fahrtendienste übernehmen,
sein Konto checken, Ausreden erfinden bei Familienfeiern, etc.pp

Man tut und macht, in der Hoffnung, dass sich die Situation mit dem Abhängigen entspannt, und dennoch ändert sich rein gar nichts.
Das ist Co sein und der Co fühlt sich auch noch gut dabei, ist so hilfsbereit, so fleißig und verantwortungsvoll?
Doch ist diese Verhaltensweise in Punkto Sucht nicht desto trotz ziemlich daneben. Wahrscheinlich füllt sich der Süchtige sogar unwohl, bemuttert, fremdbestimmt und ähnliches.

Ich bin damals mit einigen Geschwistern bei meiner Mutter aufgewachsen, mein Vater war früh verstorben, klar musste man da zusammenhalten,
mithelfen, sich gegenseitig unterstützen. Bis mir in der Beziehung mit einem Suchtkranken alles über den Kopf gewachsen ist und von
Co-Abhängigkeit noch nie was gehört hatte, dachte ich noch meine Hilfsbereitschaft ist eine gute Eigenschaft, mich anzupassen, bin
rücksichtsvoll, zurückhaltend, so gesehen war meine Kinderstube ein gutes Lernfeld, um eine gute Co zu sein.

Nachdem mich nun schon einige Zeit mit meinen Gedanken, Gefühlen und Prägungen auseinandergesetzt habe, denke mal kenne ich
meine Auslöser. Derzeit lebe nach 2 Jahren Singledasein, wieder in einer Partnerschaft, genau genommen ist es die erste normale
Partnerschaft.
Zusammengefasst: Er macht seins und ich mach meins. Wenn wir zusammen sind reden wir drüber. Ansonsten unternehmen wir was und wir genießen unsere Zeit.
Genau genommen, brauche eh keinen Mann, damit ich jemanden zur Hand habe, der mir hilft, der für mich einspringt, soviel Selbstständigkeit
lernt man als Single. Auch mein Partner benutzt mich nicht als seine Hilfskraft, wär ja noch schöner.

Als Co, als junge Frau wusste ich es nicht besser, was normal ist. Selbstbewusstsein hatte auch keins.

Es macht mich oft schon nachdenklich, wenn das "Ich bin Co" von den Usern hier, so leicht über die Lippen kommt.
So als würde man sagen, ich bin Atheist oder bin Vegetarier.
Nein, Co-Abhängigkeit ist selbst verletzend, es macht krank, macht unzufrieden, einsam und arm.

Yvonne, ich glaube, machst es schon besser, als ich damals, lass dich nicht vom Schreiben abhalten, auch wenn mal etwas Gegenwind bekommst. Mir selbst ist wichtig, die unbewussten Gedanken auszugraben und aufzuschreiben, und damit wieder Platz für Neues ist.

In diesem Sinne, ein frohes Schaffen!
LG Emma

Yvonne78

Re: Alkoholismus und Egoismus

Beitrag von Yvonne78 » 28.08.2018, 21:41

Hallo Emma,

weißt du, warum mir * ich bin / war ein Co * so leicht über die Lippen geht? Ich habe aufgehört, ein Geheimnis aus dem Problem meines Mannes zu machen. Wir leben in einem kleinen Dorf...da muss man mit offenen Karten spielen, sonst wirds nicht gut. Jeder hier weiß Bescheid und hält zu mir und den Kindern. Mein Mann ist ja eh weg, obwohl ich Anfang des Jahres noch um Absolution für ihn und seine Krankheit gebeten habe. Die hätte er auch von allen Dorfbewohnern bekommen...das am Rande.
Alles, was ich gemacht habe, habe ich als gute Ehefrau und Partnerin getan. Daß uns das ins Abseits schiessen wird, habe ich nicht geahnt. Wie auch?...unser Leben war ja dank mir in Ordnung.
Inzwischen geht´s uns ganz gut...ich denke kaum noch an meinen Mann und es ist mir tatsächlich egal, ob es ihm gut geht oder nicht.

Emma, danke für deine offenen Worte...und immer raus mit den hässlichen Gedanken ;-)

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