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Getrennt von nassem Alkoholiker

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Hull

Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Hull » 14.08.2018, 18:39

Rispinos hat geschrieben:
14.08.2018, 18:14
Wenn er trinkt, dann trinkt er. Er kann nicht stop sagen oder ablehnen. Ab dem 3. Bier erhöht sich die Schluckgeschwindigkeit, das 4. Bier wird sehr schnell gelehrt. Und dann... ist es ein Fass ohne Boden. Ich hab sehr oft nicht mehr mitgezählt. In diesem Zustand passieren auch die haarsträubendsten Sachen. Nicht immer hat er mich grob beschimpft, aber manchmal. Immer aber zumindest leicht: Hat mir erklärt, ich soll verschwinden bzw. mir vielleicht sogar den Finger gezeigt. Und meistens kann er sich am nächsten Tag daran nicht mehr erinnern.
Vielleicht kann ich dir mit einem Einblick in meine Erlebnisse einen möglichen Ausblick für die Zukunft mit deinem Partner geben. Wenn ich das erste Bier öffnete, war klar, dass mindestens 10 weitere folgen mussten, dafür hätte ich jeden Widerstand aus dem Weg geräumt. Ich habe betrunken Autounfälle - zuletzt ohne Führerschein (wozu braucht man diesen überhaupt?) - (mit)verursacht, Menschen körperlich verletzt (verbal sowieso), unzählige Hausverbote erhalten, Zechen geprellt, Beamten beleidigt, bin in fremden Wohnungen aufgewacht, hatte S** Verkehr mit Frauen, die ich niemals anfassen würde, Freundschaften zerstört usw. Die Liste ist lang, im Prinzip bin ich auch heil aus diesen gut 20 Jahren herausgekommen, obgleich es in einer konsequenten Gesellschaft im Prinzip nichts anders als eine Strafanstalt o.ä. infrage käme. Ich kann dir dennoch heute versichern, dass ich für keine einzige Tat Reue verspüre, ich würde es nicht noch Mal so machen - sonst würde ich es schließlich immer noch so machen -, aber dies eher aus gesundheitlichen Gründen und aus der Erkenntnis, dass ich meine Zeit sinnlos verschwendet habe. Freunde oder der Partner hatten niemals einen Einfluss. Es ist natürlich nicht gesagt, dass dein Partner auch so extrem veranlagt ist, aber gewisse - für Außenstehende kaum verständliche - Verhaltensweisen sind keine Besonderheit.

Grüße

Rispinos
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Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Rispinos » 14.08.2018, 19:18

Hull hat geschrieben:
14.08.2018, 18:39
Rispinos hat geschrieben:
14.08.2018, 18:14
Wenn er trinkt, dann trinkt er. Er kann nicht stop sagen oder ablehnen. Ab dem 3. Bier erhöht sich die Schluckgeschwindigkeit, das 4. Bier wird sehr schnell gelehrt. Und dann... ist es ein Fass ohne Boden. Ich hab sehr oft nicht mehr mitgezählt. In diesem Zustand passieren auch die haarsträubendsten Sachen. Nicht immer hat er mich grob beschimpft, aber manchmal. Immer aber zumindest leicht: Hat mir erklärt, ich soll verschwinden bzw. mir vielleicht sogar den Finger gezeigt. Und meistens kann er sich am nächsten Tag daran nicht mehr erinnern.
Vielleicht kann ich dir mit einem Einblick in meine Erlebnisse einen möglichen Ausblick für die Zukunft mit deinem Partner geben. Wenn ich das erste Bier öffnete, war klar, dass mindestens 10 weitere folgen mussten, dafür hätte ich jeden Widerstand aus dem Weg geräumt. Ich habe betrunken Autounfälle - zuletzt ohne Führerschein (wozu braucht man diesen überhaupt?) - (mit)verursacht, Menschen körperlich verletzt (verbal sowieso), unzählige Hausverbote erhalten, Zechen geprellt, Beamten beleidigt, bin in fremden Wohnungen aufgewacht, hatte S** Verkehr mit Frauen, die ich niemals anfassen würde, Freundschaften zerstört usw. Die Liste ist lang, im Prinzip bin ich auch heil aus diesen gut 20 Jahren herausgekommen, obgleich es in einer konsequenten Gesellschaft im Prinzip nichts anders als eine Strafanstalt o.ä. infrage käme. Ich kann dir dennoch heute versichern, dass ich für keine einzige Tat Reue verspüre, ich würde es nicht noch Mal so machen - sonst würde ich es schließlich immer noch so machen -, aber dies eher aus gesundheitlichen Gründen und aus der Erkenntnis, dass ich meine Zeit sinnlos verschwendet habe. Freunde oder der Partner hatten niemals einen Einfluss. Es ist natürlich nicht gesagt, dass dein Partner auch so extrem veranlagt ist, aber gewisse - für Außenstehende kaum verständliche - Verhaltensweisen sind keine Besonderheit.

Grüße
Nein, so extrem ist er nicht unterwegs, aber es geht in die Richtung. Er hat sie nicht dafür entschuldigt, Reue nie ausgesprochen, gezeigt in einer gewissen Form aber schon. Für mich halt zu wenig, aber das ist eine andere Sache. Warum hast Du niemals Reue gezeigt? Hat es Dir nie leid getan? Ich kann das nicht verstehen...

Rispinos
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Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Rispinos » 14.08.2018, 21:00

Wie hast Du dann plötzlich den Entschluss gefasst, dass es "jetzt" reicht?

Hull

Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Hull » 15.08.2018, 00:25

Rispinos hat geschrieben:
14.08.2018, 21:00
Wie hast Du dann plötzlich den Entschluss gefasst, dass es "jetzt" reicht?
Der Preis für die paar Stunden "Glückseligkeit" wurde zu hoch. "Glückseligkeit" war es - wie aus den Erlebnissen zu entnehmen ist - natürlich schon ewig nicht mehr. Freitag, Samstag gesoffen, bis Dienstag verkatert, teilweise erst Mittwoch wieder voll einsatzfähig. Dazu gab die realistische Gefahr, durch Strafen der Justiz oder sonstige Unfälle das Leben ernstlich zu verbauen, den endgültigen Ausschlag, tatsächlich auch nie mehr trinken zu können, selbst wenn ich es wollte. Schuld, Reue, Depressionen, Angst, Selbstzweifel o.ä. habe ich in meinem Leben nie empfunden. Ich weiß, was es ist, kann es beschreiben, bei Anderen erkennen, es auch vorgeben, aber es bleibt ein abstraktes Gefühl. Für mich waren mehr der Erlebnishunger, der Kampf gegen die Monotonie, megalomane Ziele, daraus folgend der krankhafte Ehrgeiz und die Flucht aus dem Stumpfsinn des Alltags die Gründe, weshalb ich Alkohol missbraucht habe.

Um wirklich nüchtern zu werden, muss aber zumindest die Nutzlosigkeit des Trinkens erkannt werden, so weit ist dein Partner lange nicht und deshalb sehen die meisten es hier so, als würde er scheitern.

Rispinos
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Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Rispinos » 15.08.2018, 08:14

Hull hat geschrieben:
15.08.2018, 00:25
Rispinos hat geschrieben:
14.08.2018, 21:00
Wie hast Du dann plötzlich den Entschluss gefasst, dass es "jetzt" reicht?
Der Preis für die paar Stunden "Glückseligkeit" wurde zu hoch. "Glückseligkeit" war es - wie aus den Erlebnissen zu entnehmen ist - natürlich schon ewig nicht mehr. Freitag, Samstag gesoffen, bis Dienstag verkatert, teilweise erst Mittwoch wieder voll einsatzfähig. Dazu gab die realistische Gefahr, durch Strafen der Justiz oder sonstige Unfälle das Leben ernstlich zu verbauen, den endgültigen Ausschlag, tatsächlich auch nie mehr trinken zu können, selbst wenn ich es wollte. Schuld, Reue, Depressionen, Angst, Selbstzweifel o.ä. habe ich in meinem Leben nie empfunden. Ich weiß, was es ist, kann es beschreiben, bei Anderen erkennen, es auch vorgeben, aber es bleibt ein abstraktes Gefühl. Für mich waren mehr der Erlebnishunger, der Kampf gegen die Monotonie, megalomane Ziele, daraus folgend der krankhafte Ehrgeiz und die Flucht aus dem Stumpfsinn des Alltags die Gründe, weshalb ich Alkohol missbraucht habe.

Um wirklich nüchtern zu werden, muss aber zumindest die Nutzlosigkeit des Trinkens erkannt werden, so weit ist dein Partner lange nicht und deshalb sehen die meisten es hier so, als würde er scheitern.

Danke, Hull, für Deine Beschreibung. Deine Erzählungen klingen sehr ähnlich, wie das, was ich in den letzten Monaten mitgemacht habe. Scheinbar ist er aber nicht so wortgewandt wie Du - so einen Text könnte er gar nicht schreiben. Das ist ja auch sein Problem: Verbalisierung. Er zeigt leichte Reue, er fasst sie aber nicht in Worte, auch nicht, wenn man ihn darauf anspricht - weil er es einfach nicht kann. Er empfindet Gefühl, hat aber keine Worte dafür. Sehr starke Gefühle kann er verbalisieren, vor allem natürlich Wut und Hass. Liebe und Freude nur sehr schwer bis gar nicht, man sieht es ihm aber an. Ich habe mich insgesamt 3 x wegen eines Vorfalls im Suff von ihm getrennt, jetzt bei Trennung 3 auch ganz konkret angesprochen, was meines Erachtens nach das Problem ist. Er hat zugemacht wie eine Auster, der Grund für die Trennung liegt seines Erachtens nach ganz woanders. Der Schalter geht um von einem Moment auf den anderen. Waren wir am Vortag noch vereint und scheinbar sehr sehr glücklich, herrscht am nächsten Tag der pure Hass. Etwas, womit ich nur sehr schwer umgehen kann, weil ich es nicht verstehe. Wenn ich jemanden sehr lieb habe, dann hasse ich ihn nicht im nächsten Moment. Das aber auch nur, wenn ich ihn auf Alkohol angesprochen habe. Er hat mich jetzt komplett geblockt, ich müsste ihm einen Brief schreiben, um nochmal an ihn heranzukommen. Er hat mich komplett aus seinem Leben geworfen, für ihn funktioniert das. Und das alles "nur", weil ich eine Entschuldigung für sein Verhalten wollte, überhaupt wissen wollte, warum er mich beschimpft hat und ihm gesagt habe, dass er meines Erachtens nach ein Problem hat. Ich habe mich wirklich bemüht, es nicht als Vorwurf ankommen zu lassen, sondern meine Sorge zum Ausdruck gebracht, weil er mir wichtig ist. Keine Kritik-, Konflikt- und Reflektionsfähigkeit von ihm, leider.

Abgesehen von der Zukunft mit ihm, die er mir nicht bieten kann (seine Ausrede), will ich ihm ja nur sein Bier verbieten. Sein Onkel und seine Tante, die auch sehr viel trinken, die haben das leider komplett ins Lächerliche gezogen... dabei ist der Onkel Psychologe und sollte es besser wissen. Weil dieser Onkel 2 akademische Grade hat und auch so eine Art Mentor (er war der Lehrherr meines Ex-Freundes), ist scheinbar das, was er sagt, die absolute Wahrheit. Dem Onkel (der selber zu viel trinkt) ist das scheinbar nicht wirklich bewusst, dass mein Ex-Freund mehr oder weniger seine Worte als die eigenen übernimmt. Ich habs immer wieder bemerkt und auch im Zuge der Trennung jetzt, weil Aussagen kamen, die unmöglich von meinem Ex-Freund selber kommen konnten (schon gar nicht seine Wortwahl), sondern die er sehr sicher 1:1 übernommen hatte.

Jedenfalls ist das Umfeld natürlich auch nicht gerade förderlich - ich bin also leider komplett machtlos, ganz abgesehen davon, dass ich die Grenzen des Kontakts nicht überschreiten darf. Heutzutage ist man schneller ein Stalker, als man will. Ich muss ihn also in Ruhe lassen und akzeptieren, dass er mich komplett blockt.

Ich hoffe für ihn, dass er irgendwann das Bewusstsein bekommt, was er sich und seinem Umfeld mit seinem Verhalten und dem Alkohol eigentlich antut. Seine Frau hat ihn nach 15 Jahren Ehe verlassen, er weiß weder warum, noch hat er für sie gekämpft. Ich bin gegangen und statt sich zu fragen warum und darüber zu reden (das wäre Beziehungsarbeit), zieht er sich in Hass zurück und nimmt es einfach so hin. Es wäre gar nicht so weit gekommen, wenn er gleich am nächsten Tag von Suff 15 Minuten mit mir darüber geredet hätte. Wir wären jetzt noch miteinander. Will er nicht. Das tut weh, aber wenn es ihm nicht wichtig ist, was soll ich dann noch?

Sunshine_33
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Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Sunshine_33 » 15.08.2018, 08:40

Guten Morgen Heidi,

Du hast an mich Fragen gestellt und ich bin zu dem Entschluß gekommen, sie nicht zu beantworten.
Ich mag nämlich nicht mit meiner Suchtgeschichte dafür herhalten, das Du weiterhin Deinen nassen XY von A-Z analysierst.
Dafür ist dieses Forum auch nicht da !
Ich habe Verständnis dafür, das man das kranke Verhalten des anderen verstehen möchte, aber es bringt Dich persönlich nicht weiter.
Denn so dreht sich weiterhin alles um den nassen Alkoholiker, und nicht um Dich selbst.
Und daran möchte ich einfach nicht auch noch dran beteiligt werden.
Verstehst Du, wie ich es meine?

Alle Deine Gedanken drehen sich nur um ihn, jeder Text handelt ausschließlich von ihm.
Dabei ist das hier uninteressant, hier kennt doch jeder das Verhalten von nassen Alkokolikern, entweder aus eigener Erfahrung oder eben als Angehöriger oder auch CO.
Hier sollte es um DICH gehen, es geht hier um Hilfestellung zur Selbsthilfe, in Deinem Fall also, das DU DIR selbst helfen kannst.
(Was natürlich nicht ausschließen soll, sich auch anderweitige, nötige Hilfe zu holen !)
Und nicht darum, immer weiter den nassen XY nun auch noch mit unserer Unterstützung zu analysieren.

Ich wünsche Dir, das Du den Blick endlich wieder auf DICH lenken kannst, und auf DEIN LEBEN schaust und darin DEINE
Baustellen bearbeiten kannst.
Und ich kann Dir beinahe versprechen, das der Schmerz über die Trennung vergehen wird.
Wäre das anders, wäre die Menschheit längst ausgestorben :wink:
Ich kann Dir nur raten, Dich Deinen eigenen Baustellen zuzuwenden, damit Du nicht nochmal in so eine schmerzliche Situation gerätst.

Du hast an anderer Stelle schon geschrieben, das Du Dir eingestehen musst, das Du im Grunde einer Jugendliebe (und somit wohl auch einem Jugendtraum?) hinterher gelaufen bist.
Und genau das ist auch oft die Sache, es geht gar nicht so sehr um den andern MENSCHEN, sondern um die eigenen Träume, die gerade platzen.
Von daher bin ich immer skeptisch, wenn ich von der großen aufopferungsvollen Liebe lese, denn in Wiklichkeit geht es meist ebenso
darum, das eigene Leben nicht ändern und Träume nicht aufgeben zu wollen.
Auch wenn sie längst zum persönlichen Alptraum geworden sind... :(
Ich sehe da also auch immer eine große Portion Egoismus bei solchen Geschichten.

Hull schildert hier sein Verhalten während seiner Saufzeit und wie es sein trockenes Leben empfindet.
Kann und darf und soll er ja auch.
Ich möchte dem aber auch mal entgegensetzen, das andere Alkoholiker, nass wie trocken, völlig anders empfinden können.
Ich habe durchaus Schuldgefühle gehabe, auch während meiner Saufzeit schon.
Und ich habe sehr wohl bereut, andere Menschen mit Worten gekränkt und verletzt zu haben.
Und ich habe mich selbst dafür gehasst, nicht mehr zuverlässig sein zu können durch die Sauferei.
Ich habe schwer gelitten in meiner Abhängigkeit, es war mein persönlicher Alptraum, den ich auch beinahe nicht überlebt hätte.
Der Alkohol kann ein schweres Trauma hinterlassen, mit dem man noch jahrelang zu kämpfen hat.
So war es auch bei mir.
Abhängig saufen ist kein Vergnügen, es ist eine Qual für jeden Betroffenen, auch wenn man das in der nassen Zeit nicht sehen oder gar zugeben möchte.
So habe ich es empfunden und ich weiß es aus vielen Gesprächen mit anderen Betroffenen, das es für sie ebenso war.
Auch hier im Forum kann man es immer wieder so nachlesen.

LG Sunshine

Rispinos
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Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Rispinos » 15.08.2018, 09:27

Liebe Sunshine,

Du hast mir eh einige Fragen beantwortet und dafür danke ich Dir. Es steht ja auch jedem offen, was er preisgibt. Wenn Du mir nicht mehr dazu schreiben möchtest, verstehe und akzeptiere ich es.

Menschen sind unterschiedlich. Damit ich in die Verarbeitung gehen kann, muss ich verstehen und brauche auch Antworten, deshalb recherchiere ich so genau und möchte wissen, was Betroffene erlebt haben.

Für mich war es bis zum Schluss nicht wirklich klar, ob er wirklich ein Alkoholproblem hat und wenn ja, wie weit fortgeschritten es ist. Ich möchte wissen, ob es der Alkohol ist, der ihn zu diesem Menschen macht, oder ob er tatsächlich "so ein Idiot" ist und der Alkohol das nur verstärkt. Ich lenke das Problem nur vorerst auf ihn, aber ich brauche diese Phase, um dann in die eigene Verarbeitung zu gehen.

Deshalb hier auch meine Fragen. Ich bin eh schon ein gutes Stück weitergekommen und weiß dann bald sehr genau, wo ich bei mir ansetzen muss. Es kränkt mich noch immer und ich möchte nur verstehen, warum ein Mensch sich so wie er verhält. Wenn er es mir nicht sagt, dann muss ich mir woanders Antworten holen...

Alles Liebe,
Heidi

Hull

Re: Getrennt von nassem Alkoholiker

Beitrag von Hull » 15.08.2018, 10:05

Rispinos hat geschrieben:
15.08.2018, 09:27
Liebe Sunshine,

Du hast mir eh einige Fragen beantwortet und dafür danke ich Dir. Es steht ja auch jedem offen, was er preisgibt. Wenn Du mir nicht mehr dazu schreiben möchtest, verstehe und akzeptiere ich es.

Menschen sind unterschiedlich. Damit ich in die Verarbeitung gehen kann, muss ich verstehen und brauche auch Antworten, deshalb recherchiere ich so genau und möchte wissen, was Betroffene erlebt haben.

Für mich war es bis zum Schluss nicht wirklich klar, ob er wirklich ein Alkoholproblem hat und wenn ja, wie weit fortgeschritten es ist. Ich möchte wissen, ob es der Alkohol ist, der ihn zu diesem Menschen macht, oder ob er tatsächlich "so ein Idiot" ist und der Alkohol das nur verstärkt. Ich lenke das Problem nur vorerst auf ihn, aber ich brauche diese Phase, um dann in die eigene Verarbeitung zu gehen.

Deshalb hier auch meine Fragen. Ich bin eh schon ein gutes Stück weitergekommen und weiß dann bald sehr genau, wo ich bei mir ansetzen muss. Es kränkt mich noch immer und ich möchte nur verstehen, warum ein Mensch sich so wie er verhält. Wenn er es mir nicht sagt, dann muss ich mir woanders Antworten holen...

Alles Liebe,
Heidi
Langfristig und bei einer genügend hoher Dosis, die typischerweise mit den Jahren ansteigt, beeinflusst der Alkohol die Menschen negativ, das ist wirklich bei allen gleich. Mir scheint, dass dein Partner kaum über eine realistische Selbstwahrnehmung verfügt. Wer bei Problemen ständig schweigt, weiß nichts oder will nichts dazu sagen. Wohl eine Kombination aus beidem. Allerdings verändert der Alkohol auch nicht alles, wie auch die Abstinenz nicht alle negativen Charaktereigenschaften auf magische Weise in's Gegenteil verkehrt. Den Klassiker, den man hier immer wieder liest, ist der, dass "er" oder "sie" früher perfekt war, durch den Alkohol alles verdorben wurde und nach der vermeintlichen Heilung alles wieder perfekt sein wird. Von einer Geschichte, die aber tatsächlich so stattfand, habe ich hier noch nie gelesen. Zu Reue, Schuld usw. habe ich geschrieben, dass ich diese Gefühle noch niemals kannte, auch nicht als Kind. Es ist auch heute in der Nüchternheit nicht anders, natürlich aber war dies im Rausch noch deutlich verstärkt, wodurch sich viele Taten zumindest erklären lassen, auch wenn die Beweggründe von den "normalen" Menschen nicht nachempfunden werden können. Bei Sunshine mag dies völlig anders sein.

Ich finde deine geistige Arbeit, die du hier mit Denken, Lesen und Schreiben zur Lösung deiner Probleme ableistest, völlig legitim. Dass der Anfang oft ein wenig holprig ist, liegt in der Sache in sich begründet, sonst hättest du schließlich nicht so viele Jahre gelitten (was natürlich deine und niemand anderes Schuld ist und nach dieser Erkenntnis auch deine und niemand anderes Aufgabe ist, dich wieder nach oben zu holen).

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