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2 Alkoholiker und ein Kind

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Sunny1976
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Sunny1976 » 16.10.2018, 21:27

Hallo Yvonne,
auch ich war in unserer Ehe diejenige, die sich getrennt hat. Nicht weil ich ihn nicht mehr geliebt habe zu dem Zeitpunkt, aber er hat sich mittlerweile so schlimm benommen, dass es keine andere Wahl mehr gab. Das letzte bißchen Stolz was ich noch hatte wollte ich mir nicht kaputt machen lassen.

Er hat es also auch darauf angelegt.

Dieses Tief, in was Du gerade steckst kenne ich sehr gut. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer anstatt besser. Ich hatte nach der Trennung auch erst ein Hoch, war froh das ich meine Ruhe hatte und das es die richtige Entscheidung war. Dann hat mein Ex-Mann eine neue Frau kennen gelernt. Die natürlich viel besser war als ich, hat nicht gemeckert, war total entspannt und er war natürlich auch noch nie so glücklich wie mit ihr. Und - das hat mir mein ganzes Selbstbild in dem Moment zerstört - hat er auch noch gesagt, das sie ihm so gut tut und er auch nicht mehr trinken muss. Maximal vielleicht mal so ein bis zwei Bierchen am Abend! Ich habe da wieder an allem gezweifelt, vor allem an mir. Habe wieder gedacht, das er nur weil ich so schlimm war getrunken hat. Na ja, jedenfalls bin ich damals auch in ein extremes Tief gerutscht. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und habe unendlich gelitten. Was mir damals sehr geholfen hat, war das ich mir therapeutische Hilfe für mich gesucht habe. Ich bin jede Woche zu einer sehr tollen Therapeutin gegangen und es wurde dadurch auch besser. Es ging nicht mehr um ihn, in dem Moment ging es einfach nur um mich und wieder aus dem Tief heraus zu kommen.

Du hattest ja schon mal berichtet, das Du auch mal mit jemanden gesprochen hast. Dort ging es aber wohl eher um das Thema mit Eurem Kind, wenn ich mich richtig erinnere. Vielleicht überlegst Du ja mal, ob Du nicht auch für Dich Hilfe suchst?

Yvonne78

Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Yvonne78 » 17.10.2018, 06:24

Hallo Sunny,
deine Geschichte klingt ja genauso wie meine...das ist erschreckend. Wobei mein Hirn mir ja sagt: er hat sich eine Alkoholikerin ausgesucht...was sagt das schon über mich? Klar meckert die nicht rum und himmelt ihn an. Das habe ich am Anfang auch...ich war ja sehr verliebt in ihn und offensichtlich braucht er das. Da spielt es keine Rolle, ob es eine 40 jährige mit Zukunftswünschen ist, oder eine alte Säuferin. Auch mir hat er damals vorgesäuselt, daß es wie im Märchen mit mir sei...heute erzählt er das´ner Anderen und davor seinen beiden Ex-Frauen. Ausgetauscht werden tut nunmal weh und die Selbstzweifel bleiben so lange, bis einen mal wieder jemand vom Gegenteil überzeugt...neuer Mann...Therapeut.
Aber weißte...dein Mann trinkt nach wie vor und bei ein, zwei Bierchen wird es nicht bleiben und auch die neue Frau wird ihn nicht wie von Zauberhand zum trockenen Alkoholiker machen können. Mein Mann hatte auch so Phasen, wo er nichts oder kaum was trank und dann kamen fiktive Problemchen....den Rest kennst du ja selbst.
Ich fühle mich selbst auch wie ein Alkoholiker: 6 Jahre im Vollrausch ( als Co ) und dann der kalte Entzug. So viele Verhaltensweisen, die nun überflüssig sind, so viel mehr Zeit zum grübeln...die neugewonnene Freiheit vollgestopft mit Trauer und Wut. Und dann die Frage der Fragen: wieso geht´s ihm gut und mir nicht??? Er hat es nicht verdient...hat er doch alles kaputt gemacht. Wieso ist er nicht unglücklich?...er hat gefälligst zu leiden.
Wäre unser Kind nicht, wäre ich nicht auch noch regelmäßig dem Objekt des Ungemach ausgesetzt. Jedes Mal bekomme ich ein Bild vorgesetzt, von einem fröhlichen, unabhängigen, frisch verliebten Menschen, während ich mich wie aufgefressen fühle. Nur für die Kindesübergabe ziehe ich mich extra hübsch an, überschminke mein Leid ein wenig ...nur damit es wenigstens so scheint, als ginge es mir gut...bloß keine Schwäche zeigen. Das Resultat ist dann : Mensch hab Geduld, es gibt noch so viele andere Männer.....und das vom eigenen Ehemann...eine Ohrfeige nach der Anderen.
Ich bin jetzt gerade wieder an so einem Punkt, wo ich mir überlege, was der Unterschied wäre, wäre er einfach nur gestorben. Das klingt hart, aber so wären mir wenigstens die ganzen Demütigungen erspart geblieben.

So ich mach mal Schluss....die Tränen laufen schon wieder

Aurora
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Aurora » 17.10.2018, 09:04

Liebe Yvonne,

ach Mensch, lass dich drücken...

Es ist so unglaublich schwierig, weil ja auch so unglaubliche Verletzungen bei dir sind. Das geht nicht auf Knopfdruck weg. Wie auch? Wäre klasse, wenn es sowas gäbe, solchen Knopf.

Vielleicht kannst du aber nach dem großen Weinen versuchen, dir etwas Schönes zu machen. So aus Trotz? Ich meine, dein Ex vermasselt dir ja immer noch den Tag, wenn du in deinem Schmerz hängen bleibst. Was nicht heißen soll, dass der Schmerz nicht berechtigt ist! Ist er sehr wohl. Aber vielleicht siehst du eine Möglichkeit, ihn für einen Moment einfach mal beiseite zu schieben. Vielleicht kannst du einen schönen Kaffee trinken gehen. Dich in die Wanne legen und entspannen. Dir einfach was Gutes antun, etwas, was für dich in deiner Lebenssituation gut ist. Und wenn es nur für 15 Minuten ist, dann hast du schon etwas gewonnen. Ich finde, du bist eine starke Frau! Damit meine ich, du stellst dich deinen Gefühlen, lässt sie zu und doch gehst du nicht unter damit! Das ist gut, denn das ist er nicht wert.

In einem anderen Thread hast du geschrieben:
Also ich habe mich hier eingefunden, um mich auszuheulen, meine Geschichte zu jammern und dafür Verständnis einzuheimsen. Ja so war meine Stimmung damals, als ich mich hier angemeldet habe. Ich hatte auch die Hoffnung, daß man mir erklärt, wieso mein Mann so ist wie er ist....es gab hilfreichen Input. Heute jammere ich immernoch und lese viel vom Leid der Anderen. Viel helfen kann ich nicht, aber ich weiß wenigstens, daß ich nicht alleine und nicht bescheuert bin
Genau das ist doch der Sinn der Selbsthilfe. Hier und überall. Und indem du das hier aufschreibst hilfst du auch schon anderen Menschen. Die vielleicht in einer ähnlichen Lage stecken wie du. Und die sehen, dass solche Gefühle normal sind und dass es aber auch Wege da heraus gibt. Denn du bist auf dem Weg da heraus. Und du hast ja auch schon sehr sinnvolle Beiträge bei anderen Menschen hier geschrieben, also gibst du damit auch was weiter! Ich finde es gut, dass du hier bist!

Liebe Grüße
Aurora

Yvonne78

Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Yvonne78 » 17.10.2018, 20:44

Ach Aurora...dich würde ich jetzt gerne mal drücken....drücken ist schön und drücken hilft. Wenn ich hier im Dorf unterwegs bin, werde ich auch viel gedrückt..also vorher schon, aber jetzt erst recht. Ich glaube, das stärkt den Zusammenhalt und soll Kraft geben.

Ich danke dir sehr für die netten Worte...ich fühle mich verstanden und nehme dieses wohlige Gefühl mit ins Bett...also du verstehst schon...vielleicht träume ich ja dann mal nicht so viel Blödsinn.

Ps: untergehen ist keine Option...und wenn es manchmal nur die Kinder sind, wegen denen ich aufstehe....irgendwann wird es auch noch mehr andere Gründe geben.

Mira0512
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Mira0512 » 17.10.2018, 20:45

Oh Yvonne, ich glaube ich würde auch völlig durchdrehen. Mach so viel du kannst für dich! Mach Sport (mir hilft das immer ..: auch jetzt: ich denk mir manchmal: falls das nichts mehr werden sollte bin ich wenigstens noch bereit für den Markt 🙈) , geh zum Friseur und rede mit deinen Freundinnen. Irgendwann kommt ein neuer Mann und am Ende lachst du wieder. Das Leben geht immer weiter und Unkraut vergeht ja nicht. Und seine alte bekommt sichere auch irgendwann ihre Tage und wird zum gleichen Monster mutieren wie alle anderen Frauen auch.

Sunny1976
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Sunny1976 » 17.10.2018, 21:09

Hallo Yvonne,
Yvonne78 hat geschrieben:
17.10.2018, 06:24
Ich fühle mich selbst auch wie ein Alkoholiker: 6 Jahre im Vollrausch ( als Co ) und dann der kalte Entzug. So viele Verhaltensweisen, die nun überflüssig sind, so viel mehr Zeit zum grübeln...die neugewonnene Freiheit vollgestopft mit Trauer und Wut. Und dann die Frage der Fragen: wieso geht´s ihm gut und mir nicht??? Er hat es nicht verdient...hat er doch alles kaputt gemacht. Wieso ist er nicht unglücklich?...er hat gefälligst zu leiden.
Das ist am Anfang alles ungerecht, das verstehe ich sehr gut. Habe ich damals auch gedacht. Aber diese Gedanken halten Dich auch weiter in Deiner Situation gefangen. Versuche vielleicht einfach mal die Fragen umzudrehen:

- Wie schaffe ich es, das es MIR wieder gut geht?
- Er hat MICH nicht verdient! Ich lasse mir nicht alles von ihm kaputt machen!
- ICH will nicht länger leiden!

Ich glaube, gerade als Co-Abhängige, das es ganz wichtig ist das eigene Wohlbefinden nicht mehr von anderen Menschen abhängig zu machen. Wieder den eigenen Weg finden, sich glücklich zu machen. Es ist - wie Du schon schreibst - ein Entzug, den Du da mit machst. Und die ganze freie Zeit - die sich sonst immer um den xy gedreht hat - will wieder gefüllt werden. Sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren fand ich sehr schwierig. Ich hatte ja immer was um die Ohren mit meinem trinkenden Partner. Mich gab es irgendwie gar nicht mehr richtig. Je mehr Du wieder Dein Leben in den Mittelpunkt stellst, je mehr verblasst, was er tut. Oder wie glücklich er gerade mit der anderen ist...

Und möchtest Du denn wirklich einen Mann haben, wo Du genau weißt, das er immer nur angehimmelt werden möchte und wenn mal Probleme auftauchen lieber die Frauen tauscht? DU hast alle Möglichkeiten der Welt, Du kannst Dir einen tollen neuen Mann suchen der zu DIR passt. Auf den Du Dich verlassen kannst. Und auch wenn das noch etwas dauert, so hast Du gerade alle Freiheiten der Welt. Sein Leben - wenn er weiter trocken bleiben will - ist derzeit bestimmt anstrengend. Und stell Dir nur vor er wird rückfällig...

Um Dir meine Geschichte zu Ende zu erzählen - das mit der neuen Freundin war nach ein paar Monaten vorbei und er trinkt weiter. Und nicht nur ein bis zwei Biere... Auch wenn jetzt wieder eine neue Frau bei ihm kommen sollte - mir wäre es mittlerweile egal. Denn ich weiß für mich, dass ich so ein Leben nicht mehr haben möchte. Selbst wenn er es irgendwann mal schaffen sollte trocken zu werden - auch dann einfach nicht mehr. Ich habe ihm mittlerweile verziehen, wir sind heute fast sowas wie befreundet. Aber ich lebe mein Leben, und da hätte er als Partner nie wieder Platz.

Yvonne78

Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Yvonne78 » 18.10.2018, 06:14

Liebe Mira.....ich musste gerde schmunzeln...beim Friseur war ich...bevor mein Mann aus der Therapie kam...ich wollte auch was verändern, ihm gefallen...jetzt ist da erstmal nichts mit abschneiden :-) Und Sport...naja, ich bin da so´n Muffel, aber gestern habe ich exzessiv 6 Stunden lang Hecken geschnitten ( mein Nebenjob ) und dann tat mir alles weh...und das war mir schön, weil ich kaum an ihn gedacht habe.
Liebe Sunny...mein Glück sind ja die Kinder. Nagut, der Große ist mit seinen 17 mit arbeiten beschäftigt und braucht Mama nicht mehr so, aber der Kleine freut sich über die viele Zeit. Wenn ich darüber nachdenke, wie oft er meine Kinder im Auto umher gefahren hat unter Alkohol...und wie oft ich nichts davon wusste könnte ich schreien. Natürlich will ich so einen Mann nicht mehr wieder haben...ich hänge eher in einer Art Zeitschleife fest, in der ich nur den liebevollen Ehemann und Vater sehen kann...wenn´s hässlich wird, springt die Uhr einfach wieder zurück und ich sehe nur noch rosa. Wieso macht mein Hirn das?

Ich sehne mich nach dem Tag, an dem mir auch alles egal sein kann...am Liebsten hätte ich keinen Kontakt zu ihm...aus den Augen aus dem Sinn sozusagen. Aber so lange das Kind im Spiel ist...so lange kontrolliere ich auch noch irgendwie...bei Whatsapp z.Bsp...da war seit gestern abend um 8 nicht mehr...das ist ein schlechtes Zeichen und mir kommt ein schlimmer Verdacht auf. Am Dienstag will er das Kind wieder holen...wie kann ich herausfinden, ob er wieder säuft?? Zugeben wird er es nicht...ein Dilemma.

Rattenschwanz
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Re: 2 Alkoholiker und ein Kind

Beitrag von Rattenschwanz » 18.10.2018, 06:24

Yvonne78 hat geschrieben:
18.10.2018, 06:14
...das ist ein schlechtes Zeichen und mir kommt ein schlimmer Verdacht auf. Am Dienstag will er das Kind wieder holen...wie kann ich herausfinden, ob er wieder säuft?? Zugeben wird er es nicht...ein Dilemma.
Das wäre doch das Beste, wenn er wieder säuft oder?

Dann könntest du endlich sagen: Siehste, hab ich doch gewusst.

:roll:

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