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Entgiftung und was kommt danach?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Amy
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Re: Entgiftung und was kommt danach?

Beitrag von Amy » 14.10.2018, 09:14

Liebe Yvonne,

es tut mir wirklich sehr leid, was du erleben musstest. Ich kann mir vorstellen, wie es dir nun geht und wie verletzt du bist. Es zeigt mir aber auch, was von uns "Co" alles abverlangt wird und wie bereitwillig wir erst einmal alles erdulden, bevor wir hoffentlich irgendwann einmal an einen Tiefpunkt kommen, an dem wir etwas ändern. Ich hoffe, ich bin nun an solch einem Punkt und schaffe es.

Gestern kam mein ältester Sohn zu Besuch. Da er schon vor einigen Jahren ausgezogen ist, konnte ich die letzten 3 Jahre den Rückfall seines Vaters vor ihm verbergen. Er hat in seiner Kindheit so vieles mitgemacht und war die letzten Jahre so intensiv mit seinem Studium und dem Aufbau seines Lebens beschäftigt, dass ich ihn nicht mit den Problemen seines Vaters belasten wollte. Er sollte endlich einmal in Ruhe und unbelastet sein eigenes Leben führen können. Da sich mittlerweile jedoch vieles zugespitzt hat, dachte ich gestern, dass ich es ihm erzählen muss. Er war natürlich enorm geschockt und meinte, er müsste sich jetzt erst einmal klar darüber werden, ob er überhaupt noch Kontakt zu seinem Vater haben möchte. Er hätte für den Rückfall vor 3 Jahren und der Tatsache, was mein Mann seinen Angehörigen damit antut, keinerlei Verständnis. Krankheit hin oder her.

Er zeigte jedoch enormes Verständnis für mich und der Tatsache, dass ich eigentlich mit meinem Mann nicht länger zusammen leben will. Seiner Meinung nach hätte ich mich eh schon vor 20 Jahren trennen sollen. Er hat mich also in meinen Absichten bestärkt und das tat gut. Wir haben dann lange überlegt, wie so eine Trennung vonstatten gehen könnte. Eins ist klar, mein Mann wird nie ausziehen, was natürlich die einfachste Lösung wäre. Für mich ist das Ausziehen schwieriger, da noch 2 Söhne bei mir leben und ich auch 2 Hunde habe, die ich mitnehmen müsste. Mal davon abgesehen, dass die Miete für eine entsprechend große Wohnung mein Budget überschreitet, müsste ich auch erst einmal eine finden, deren Vermieter 2 große Hunde mit aufnimmt. Ich bin mir sicher, dass es hier bestimmt eine Lösung gibt, aber die findet sich sicherlich nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Eine Lösung brauche ich aber gleich. Wenn mein Mann in einer Woche aus der Entgiftung kommt, möchte ich definitiv nicht wieder mit ihm unter einem Dach leben. Ich habe Angst, dass sich sofort die gleichen Gewohnheiten wieder einschleichen und er mich ganz schnell wieder in seinen Bann zieht, so dass ich wieder genauso funktioniere, wie er es möchte. Natürlich werde ich auf ihn einwirken, dass er auszieht. Das wird er aber nicht tun. Rauswerfen kann ich ihn nicht, da unser Haus zur Hälfte ihm gehört und er das auch immer wieder betont. Die einzige "Notösung", die ich mir im Moment vorstellen könnte, wäre eine räumliche Trennung innerhalb unseres Hauses. Wir haben unter dem Dach 2 Zimmer und ein Bad, die nicht benutzt werden. Hier könnte er sofort nach der Entgiftung einziehen und ich wäre wenigstens in "meinen Räumen" nicht mit ihm konfrontiert. Das habe ich zwar in der Vergangenheit auch schon immer mal von ihm gefordert und er hat sich massiv dagegen gewehrt, aber hier habe ich noch die größte Hoffnung, dass ich das nächste Woche durchsetzten könnte.

Nun meine Frage. Ich bin mir sicher, der eine oder andere von euch hat das schon praktiziert hat. Macht eine solche Lösung überhaupt Sinn? Man hat das "Problem" ja dann immer noch um sich rum und wird irgendwie doch ständig damit konfroniert. Bringt das tatsächlich eine Erleichterung oder ist das nur eine halbherzige Lösung, die das Leiden für mich nur verlängert? Was meinen Mann angeht, habe ich natürlich auch meine Zweifel. Sollte er sich darauf einlassen, hat sich für ihn ja nichts geändert. Er sitzt weiterhin im gemachten Nest, nach Außen hin wirkt alles normal und die Tatsache, dass er dadurch von mir und den Kindern räumlich getrennt ist, ist ihm doch egal. An uns hat er doch eh kein Interesse mehr.

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

Liebe Grüße
Amy

Yvonne78

Re: Entgiftung und was kommt danach?

Beitrag von Yvonne78 » 15.10.2018, 07:08

Liebe Amy...dein Dilemma findet auch bei mir Verständnis...um so mehr freut es mich, daß dein Sohn so zu dir steht. Mein 17jähriger hat gerade eben wieder meine geballte Ladung Verzweiflung abbekommen und reagiert erstaunlich erwachsen. Eigentlich will ich das nicht, aber wohin soll ich flüchten, wenn es mich wieder ergreift? Ich kann mich nicht mehr immer zusammen reissen, denn auch ich habe keine Kraft mehr so zu tun, als wäre mit mir alles in Ordnung.
Dein Gefühl ob des hohen Rückfallrisikos ist nicht unbegründet, dein Notfallplan sehr wagemutig. Am deiner Stelle würde ich es auch so probieren, auch wenn die Idee recht aussichtslos scheint, aber du hast viel zu verlieren. Letzendlich aber wirst du, auch wenn ihr getrennte Räumlichkeiten habt, nur auf den Rückfall warten.
Ich habe damals auch eine räumliche Trennung versucht...bin mit den Kindern in den Garten gezogen...oder mein Mann schlief im Garten. Das Resultat war, daß er noch exzessiver soff und sich von seiner Alkifamilie zu Partys abholen ließ. Die Böse war ich...ich hatte ihn im Stich gelassen. Allerdings war das auch vor der Therapie. Selbst die Trennung durch die Therapie führte nur dazu, daß er sich gleich der Nächstbesten an den Hals warf...anstatt an sich zu arbeiten oder an unserer Familie....ich schweife ab.

Wenn dein Mann eh kein Interesse mehr an euch hat ( diese Gefühlskälte kenne ich nur all zu gut )...was hindert euch, das Haus zu verkaufen, euch zu trennen und jeder geht seinen Weg?

Amy
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Re: Entgiftung und was kommt danach?

Beitrag von Amy » 15.10.2018, 12:47

Hallo ihr Lieben,

heute morgen ist mein Mann zur Entgiftung gefahren. Gestern Abend und heute morgen war es wirklich nochmal so richtig schlimm. Nach all den Anfeindungen und schrecklichen Szenen die letzten Wochen, stand er gestern Abend vor mir und hat einfach nur geheult, hilflos wie ein kleines Kind. Heute Morgen hat er dann das erste Mal in 22 Jahren über seine Alkoholsucht gesprochen. Darüber wie schlecht es ihm körperlich geht und was das Trinken mit ihm macht und wie er sich dabei fühlt. Ich war total überrascht und hatte nur noch Mitleid mit ihm. Ich bin mir nicht sicher, ob es aufgrund der bevorstehenden Entgiftung nun doch "Klick" bei ihm gemacht hat oder, ob er nur auf die Tränendrüse drücken wollte, weil er nach dem Klinikaufenthalt ja wieder ein Auffanglager benötigt. Wie immer steh ich jetzt mal wieder vor dem Problem, dass ich ihm auf der einen Seite soooooooo gerne helfen möchte, auf der anderen Seite kann ich ihn aber einfach nicht mehr ertragen. Das Gefühlschaos nimmt kein Ende. Hätte er diese beiden Szenen nicht einfach lassen können, dann würde mir vieles leichter fallen.

Jetzt versuche ich erst mal, die kommenden Tage nicht so viel an ihn zu denken und meine "sturmfreie Bude" zu genießen.

Sunny1976
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Re: Entgiftung und was kommt danach?

Beitrag von Sunny1976 » 15.10.2018, 22:03

Hallo Amy,

ich kann Dich sehr gut verstehen, das Deine Gefühle gerade verrückt spielen. Und auch wenn es bei ihm jetzt KLICK gemacht hat und er sich endlich öffnet, so hast Du trotzdem das Recht, Dich weiter auf Dich zu konzentrieren und Dein Leben in Angriff zu nehmen. Manchmal ist das Vertrauen einfach verbraucht, die Liebe erloschen. Ob er jetzt auf die Tränendrüse drücken wollte, weil er merkt, das Du Dich von ihm entfernst oder nicht - Du solltest jetzt einfach erst mal an Dein Leben denken. Er bekommt jetzt Hilfe beim Entzug.

Eine Woche ist natürlich keine lange Zeit, um einfach mal für Dich zu sein und Dir Gedanken zu machen, wie Du Dir Dein weiteres Leben vorstellt. So wie ich das aber in Deinen Beiträgen verstanden hatte möchtest Du keine Zukunft mit ihm, auch nicht, wenn er jetzt den Entzug macht und danach nicht mehr trinkt. Das ist auch Dein gutes Recht.

Deine Lösung mit der Aufteilung des Hauses sehe ich eher kritisch. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, das so eine Abgrenzung richtig statt finden kann. Und mal ganz ehrlich - es gibt viele Paare, die ein gemeinsames Haus haben und sich trennen. Wenn noch Kinder im Haushalt leben ist es eigentlich eher der Mann, der dann erstmal auszieht. Wie wäre es, wenn Du Dir diesbezüglich einfach mal juristischen Rat holst? Wenn man sich trennt würde es jedenfalls keinen Sinn ergeben, auf Dauer die Räumlichkeiten aufzuteilen. Vielleicht lässt sich mit Deinem Mann ja auch besser reden, wenn er aus dem Entzug kommt und keinen Alkohol trinkt?

Ich wünsche Dir jedenfalls ein paar ruhige Tage, nutze sie für Dich und mach etwas schönes!

Liebe Grüße
Sunny

lütte69
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Re: Entgiftung und was kommt danach?

Beitrag von lütte69 » 16.10.2018, 11:00

Hallo Amy,

mir war es damals nicht möglich mit meinem Mann unter einem Dach zu leben. Ich hätte mich nicht auf mich konzentrieren können, sondern hätte seine Worte immer zu sehr an mich ran gelassen. Es war schon schwierig genug, die Telefonate zu verarbeiten. Drücke Dir die Daumen, dass Du eine kleine Heimat für Dich findest.

Wünsche Dir eine entspannte Woche, in der Du zur Ruhe kommen kannst. Lass ihn seinen Entzug machen und kümmere Du Dich um Dein Leben, das ist jetzt die Hauptsache.

sonnige Grüße
Lütte

sorra
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Re: Entgiftung und was kommt danach?

Beitrag von sorra » 16.10.2018, 14:08

Hallo Amy!

Ich bin in keiner vergleichbaren Situation, kann diese deshalb nur limitiert nachvollziehen, aber von dem was ich hier herauslese, klingt es für mich so, als hättest du deine Entscheidung schon getroffen.
Es klingt so, als wäre die Liebe erloschen, wie es Sunny schon treffend formuliert hat.
Ich habe das Gefühl, dass du nun zwiegespalten bist zwischen Liebe und Verantwortungsgefühl und hier nach einer "Erlaubnis" zum Trennung suchst.
Natürlich ist es nicht gut für den Heilungsprozess deines Mannes, wenn er seine Familie als Unterstützung nicht hat, das ist völlig logisch.
Trotzdem kannst du dich trennen, wenn die Situation nicht mehr für dich tragbar ist.
Ich möchte mir da ehrlich gesagt kein Urteil anmaßen, ihr seid wohl einige Zeit zusammen und da ist das schwer so eine Entscheidung zu treffen. Zudem sind Menschen aus unterschiedlichen Gründen zusammen, nicht jeder braucht eine lodernde Flamme an Liebe, um bei jemanden zu bleiben. Deshalb musst du es für dich entscheiden. Aber wie gesagt, ich habe das Gefühl, gedanklich bist du schon getrennt, du hast nur, verständlicherweise, Angst davor deinen Mann zu verletzen bzw. ihn ins Unglück zu stürzen. Aber diese Angst wird dich nicht weiterbringen.

Diese räumliche Trennung finde ich auch keine gute Idee, aus den gleichen Gründen, die meine SchreibkollegInnen nannten. Dein Mann wehrt sich da ja auch dagegen, es sollte immer klare Abgrenzung bzw. Rahmenbedingungen gegeben sein. Ich würde das mit dem Auszug auch juristisch klären, und weiß von meiner Familie, dass bei der Scheidung meiner Eltern mein Vater ausziehen musste, da die Kinder bei der Mutter waren (aber das Haus war auch gemietet und kein Eigentum).

Alles Liebe,
sorra

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Re: Entgiftung und was kommt danach?

Beitrag von la vie » 29.11.2018, 08:20

Schönen Morgen Amy,
wie geht es dir? Hast du für dich einen Weg gefunden?
LG
la vie

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