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Kein Licht am Ende des Tunnels

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Moony007
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Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Moony007 » 24.10.2018, 10:16

Hallo liebes Forum,

ich bin Moony, seit 2 Jahren mit einem Alkoholiker zusammen.

Als ich ihn kennen lernte wusste ich nichts von seiner Krankheit.
Nach einiger Zeit kam sein erster Rückfall und als ich ihn dann im Krankenhaus besucht habe, war ziemlich schnell alles klar auch wenn er damals nicht ganz mit der Sprache raus rückte. Dennoch war für mich klar, ich lasse diesen Mann nicht fallen. In meinem ganzen Leben hab ich mich noch nie einer Person so nah und vertraut gefühlt, es war innerhalb kürzester Zeit so als wären wir schon immer eins gewesen.

Leider häuften sich die Rückfälle. Ein paar Wochen komplett nüchtern, dann jeden Tag trinken bis an die 4 Promille Grenze. Das ca. 1-2 Wochen lang, dann in die Entgiftung. Immer wieder und wieder. Und jedes Mal das Versprechen, dass er es dieses Mal wirklich verstanden hat. Dass er selbst nicht mehr kann und will. Dass ich ihm eine große Stütze sei und er so froh ist mich zu haben. Dass er noch nie so etwas wie mit mir mit einem anderen Menschen erlebt hat. USW... ich weis gar nicht was alles noch. Auf jeden Fall natürlich für mich sehr schön zu hören. Denn auch mir ging es genauso. Daher dachte ich auch: wir schaffen das, ich muss ihm nur zeigen ich bin an seiner Seite und werde ihn unterstützen.

Leider wurde es mit der Zeit immer schlimmer. Auch in seinen trockenen Zeiten gab es immer mehr Streit. Ich wurde beschimpft, erniedrigt, jeder Fehler den ich mal gemacht hatte wurde mir bis ins Unermessliche immer wieder vorgehalten. ICh wusste teilweise gar nicht mehr was abgeht. Mir war regelrecht schwindlig vor lauter Beschuldigungen und Streit. Regelmäßig war ich eine H.;und das war noch eines der Nettesten Dinge die ich hören durfte. ich gehe soweit zu sagen, dass dies schon stark narzisstische Züge hatte. Egal was war, ich konnte es nicht mehr Recht machen. Ich war immer auf der Hut, unruhig und nervös. Hatte ständig Angst etwas falsch zu machen. Aus Angst davor, wieder fertig gemacht zu werden. Es ging immer um ihn und seine Bedürfnisse. Ich durfte und darf keine Probleme haben, auch wenn er das abstreitet und der Meinung ist er tut alles für mich. Wenn ich mal "dagegen" ging musste ich mit einem Rückfall seinerseits rechnen - der dann natürlich meine Schuld war. Ende des Lieds war aber immer: irgendjemand anders war Schuld. Wir ( meist Familie und ich ) wüssten doch alle gar nicht wie es ihm damit geht und wie sehr er unter allem leidet. Und wir sollten doch endlich mal Rücksicht nehmen und nicht immer auf ihm und dem Alkoholkonsum rumhacken dann würde er von ganz alleine aufhören. und ganz am Ende, während der Entgiftung dann wieder große Liebesbekundungen, Tränen,tief in die Augen schauen und noch so vieles mehr und jedes Mal fall ich drauf rein. Denke daran wie schön es auch manchmal sein kann.

In den zwei Jahren habe ich nun bald alles durch. Terror, Schläge & Gewalt, Aggressionen und Beleidigungen, Kaputtmachen und Verstecken meiner Sachen, Polizeieinsätze weil er irgendwo randaliert, Geld für Alk klauen usw. und das schlimme: er lässt mich während seiner betrunkenen Zeiten nie in Ruhe. Nonstop ist er da, quasselt mich voll gönnt mir keine Ruhe; ich komme nicht einmal dazu zu schlafen oder zu essen und fühle mich extremen Belastungen ausgesetzt. Ich werde von Nachbarn und Ladenbesitzern angesprochen was denn bei uns los sei, das könne doch nicht nur Alk sein da wären doch bestimmt auch Drogen im Spiel - alle bekommen es irgendwie schon mit. Dieses " an sich denken" ist mir gar nicht möglich weil er nicht von meiner Seite weicht selbst wenn ich dies mit Nachdruck fordere. Vor einiger Zeit war ich so am Ende, dass ich mir aus lauter Verzweiflung die Pulsadern aufgeschnitten habe. Nicht, um mich umzubringen sondern um ihm ein Zeichen zu setzen.

Wenn ich das selbst lese denke ich schon: oh Gott!!! Weg von da und zwar so schnell wie möglich. und doch entschuldige ich es immer wieder. Denke, der Arme, habe Mitleid. und natürlich ist da immer noch Liebe. Noch immer gibt es Momente, in denen ich mich bei niemandem sonst so wohl fühle, so verstanden. Und doch weis ich: so haben wir keine Zukunft. ich will auch keine Zukunft mit einem Mann, der mich so behandelt. Der absolut unkontrollierbar ist. Bei dem schon der nächste Tag ganz anders sein kann. Ständig lebe ich mit dieser Angst "was ist morgen". Mit den Schuldgefühlen die er mir immer macht. Anfangs wusste ich nicht was da los ist. Habe immer gedacht, es liegt an mir ich müsste mir nur mehr Mühe geben. Mittlerweile bin ich in mehreren SHGs und weis, dass er mich gezielt manipuliert und genau weis wie er mich wieder rumkriegt.

ICh kann nicht mehr. Ich bin am Ende. Ich bin ständig müde, kann nicht mehr richtig arbeiten. Ich weis niht mehr mit wem ich noch sprechen soll, meine Familie und Freunde haben kein Verständnis mehr ( ich verstehe sie ja sogar ). Ich bin ständig krank und schwächle, ich komm einfahc nicht mehr hoch. Einfachste Dinge wie einkaufen oder sauber machen finden nicht mehr statt, ich bin zu ausgelaugt davon zu "überleben". Ich denk nur noch: ein Tag nach dem anderen durchstehen.

Jetzt ist er wieder entgiften. und vor ein paar Tagen noch habe ich mir gesagt jetzt ist Schluss. und knicke schon wieder ein. Ich will selbst nicht mehr bleiben aber irgendwie ist es, als ob einfach ein Schalter kippt wenn ich ihn sehe und alles Schlechte vergessen ist. Wie komme ich nur raus aus dieser Situation?!

Es steckt noch so viel mehr in der Geschihte, kann es nur selbst nicht ganz erklären aber ich denke ihr versteht was ich meine, wie ich fühle...

LG von Moony

lütte69
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Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von lütte69 » 24.10.2018, 16:01

Hallo Moony,

herzlich willkommen im Forum. Was würdest Du Deiner besten Freundin raten, die dir gerade das, was Du geschrieben hast, erzählt? Ist es die "große Liebe" wert, sich selbst aufzugeben? Du merkst selbst, dass Du schon körperlich leidest. Für mich liest sich das wie Beine in die Hand und so weit weg wie möglich.

sonnige Grüße
Lütte

Correns
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Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Correns » 24.10.2018, 16:48

Mist! der vorige Beitrag war nicht für Moony sondern für Tini gedacht.

Bei Dir Moony sehe ich die Situation überhaupt nicht so "ruhig".
Hier ist dringender Handlungsbedarf.
Mein erster Impuls beim Lesen war "sofort fliehen"

Viele Grüße
Correns

Aurora
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Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Aurora » 24.10.2018, 16:57

Hallo Correns,

erledigt...

Lieber Gruß
Aurora

Yvonne78

Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Yvonne78 » 24.10.2018, 17:22

Mooney...herzlich willkommen und ich nehme mir mal klare Worte raus:

Du bist einfach nur ein klassischer Co...nicht mehr und nicht weniger.

Und: du schreibst, da ist noch Liebe...entschuldige, aber wer liebt, der schlägt und beschimpft nicht.

Ich habe selbst auch blöde Zeiten durch....war auch Co und befinde mich immernoch im Trennungsschmerz, aber es wird. Du hingegen solltest dir mal ganz schnell Hilfe suchen...jemanden, der dir sagt, wie krank deine Beziehung ist und wie krank du inzwischen bist. Sich die Pulsadern aufschneiden...damit ein Alki aufhört zu saufen...hats denn geholfen???

Es ist ehrlich nicht böse gemeint...ich schwöre...aber deine Geschichte liest sich wie eine Horrorgeschichte aus der du unbedingt ausbrechen musst, wenn dir dein Leben irgendwas Wert ist. Du kannst ihn nicht ändern...egal was du dir aufschneidest...aber du kannst dich ändern!

LG Yvonne

Moony007
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Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Moony007 » 24.10.2018, 17:22

Hmm...mein Beitrag ist auch nicht mehr da...oder hab ich ihn nicht abgesendet? Hier nochmal, in etwa:

von einigem Abstand aus betrachtet geb ich euch da völlig Recht; würde mir das jemand erzählen ich würde es nicht glauben, dass man ernsthaft noch in Erwägung zieht zu bleiben.

Leider ist dieses Denken noch nicht vom Kopf ins Herz.

Und dann immer noch diese Zweifel. Was ist, wenn er es dieses Mal ernst meint? was ist, wenn ich ihm entmutige durch meine negative Haltung? er sagt ja selbst, er weis dass er ein Problem hat und aufhören will. Das glaub ich ihm sogar, aber jedes Mal ist die Sucht dann doch stärker. er gehört nicht zu denen, die täglich trinken. für ihn gibt es nur ganz oder gar nicht. und irgendwann brennen dann seine Sicherungen durch und ab dem ersten Schluck ist alles verloren udn es endet regelmäßig im Desaster.

er sagt, er wünscht sich einfach mal Ruhe. Und dass wir nicht alle auf ihm rumhacken sondern ihn unterstützen - aber wie?! er meinte er will Zuspruch und dass er es gut gemacht hat in die Entgiftung zu gehen - aber bei der 15ten entgiftung in einem 12 monatigen Zeitraum kann man ja auch nicht mehr viel positiv sehen :(

und doch lässt er in mir immer wieder die Hoffnung aufkeimen dass er es verstanden hat dieses Mal. Ich kann es nicht erklären, ich kennt es aber bestimmt; er wirkt so glaubhaft. Und grad wenn er es dann mal wieder lässt will ich ihm nicht den Rücken kehren. Er sagt er denkt schließlich auch an mich und nun sei endlich meine ZEit gekommen, er weis wie viel ich durchgemacht habe und er schämt sich dafür. Er will es gut machen und nun zum Beispiel endlich meinen Kleiderschrank zusammen bauen usw. (Dinge, die bis jetzt auf der Strecke geblieben sind).

Das ist mein Funken Hoffnung in ihn. Und auch der Funken den ich irgendwie löschen muss um gehen zu können. Ich wünschte mir nur er wäre irgendwo gut aufgehoben, dann würde es mir leichter fallen.

Habe das Gefühl langsam durch zu drehen, ich kann meine ganzen Emotionen gar nicht mehr richtig ordnen. Wut, Trauer, Enttäuschung, Hoffnung, Euphorie, Angst... Alles im Wechsel und das täglich. Habe das GEfühl ich hab die Beziehung zum "normalen" Leben irgendwie verloren :(

Aurora
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Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Aurora » 24.10.2018, 18:11

Hallo Moony,

ich hab nur den Beitrag von Correns gelöscht!

Diese Hoffnung ist sooo blöd! Ich habe das ja auch so empfunden damals. Immer der Gedanke, dass er es jetzt endlich schafft aufzuhören. Er war dann immer so überzeugend... Und ich wollte es allzu gerne glauben weil ich meinen eigenen Traum an diese Beziehung und mein Leben mit ihm nicht aufgeben wollte. Weil ich meine Komfortzone nicht aufgeben wollte. Obwohl es wahrlich ja kein Komfort war, wie ich da gelebt habe.
Ich wünschte mir nur er wäre irgendwo gut aufgehoben, dann würde es mir leichter fallen.
Aha! Kenne ich... verdammte Falle! In der habe ich auch lange genug gesessen. Warum muss er "gut aufgehoben" sein? Er ist doch erwachsen und braucht keinen Babysitter! Das ist dieses Gefühl der Verantwortung, dass wir Cos oft haben. "Ohne mich geht er ganz unter", so in etwa. Aber diese Macht haben wir ja nicht, andere vor dem Untergang zu bewahren.
Eher gehst du selbst unter... bist ja schon dabei. Denn wo ist dein Halt?
Habe das GEfühl ich hab die Beziehung zum "normalen" Leben irgendwie verloren :(
Und es ist auch ein Gefühl von Schuld, ihn "im Stich" zu lassen. Aber so ist das ja nicht! Wenn dir eine Beziehung nicht gut tut darfst du sie jederzeit beenden. Damit muss der Partner dann klar kommen und du hast keine Schuld in dem Sinne an seinen negativen Gefühlen. Es sind seine Gefühle und die darf und muss er selbst durchleben.

Er manipuliert dich aber gerade sehr wunderbar, er drückt alle Knöpfe, die du hast. Damit du weiterhin für ihn funktionierst. Wie eine Marionette. Er ruft alle Gefühle in dir hervor, die dir ein Loslassen schwer machen sollen und das ja auch tun.
Ich wünschte mir nur er wäre irgendwo gut aufgehoben
Er nimmt keinerlei Rücksicht auf dich und deine Gefühle, auf dich als Person. Er misshandelt dich psychisch und physisch. Und du möchtest, dass er doch nur irgendwo gut aufgehoben ist? Warum eigentlich :roll: ? Das ist eine ernstgemeinte Frage.

Liebe Grüße
Aurora

Yvonne78

Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Yvonne78 » 24.10.2018, 19:07

Ihr Lieben...dieses Manipulative kenne ich auch zu gut...nicht zuletzt deswegen bleiben Co´s in dieser Starre gefangen. Abartiger Weise ist das mit den Gewissensbissen nur für uns so schlimm...der Trinkende selbst ...also ich rede jetzt nur für uns 3...benutzt vermeintliche Gewissensbisse, um uns wieder ein schlechtes Gewissen zu machen...ein nie endender Teufelskreis.

Also wenn ich eins gelernt habe aus meiner eigenen Erfahrung dann, daß niemand anderes für´s eigene Seelenheil und Glück verantwortlich ist als man selbst. Man darf sich nie einreden lassen, daß man für die Sauferei eines Alki´s verantwortlich ist...also es sei denn, man hat ihm einen Zugang gelegt und verabreicht heimlich intravenös. Da diese Option zumindest bei uns eher abwägig scheint, haben wir uns nun wirklich nichts vorzuwerfen!!!

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