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Kein Licht am Ende des Tunnels

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Aurora
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Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Aurora » 29.11.2018, 09:09

Hallo Moony,

ich kann mich dem Beitrag von Sunny voll und ganz anschließen!

Liebe Grüße
Aurora

Missnoalk
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Geschlecht: Weiblich

Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Missnoalk » 29.11.2018, 21:43

Ich kann dazu nur aus eigener Erfahrung berichten. Vielleicht ist etwas hilfreiches dabei.

Ich war mit einem Mann zusammen, der mich nüchtern auf Haenden getragen hat. Zu beginn. Die Phasen des Nüchtern seins wurden kürzer und aus klamm wurde triefend nass.
Was dem folgte waren Gewaltausbrüche sondergleichen.
Anfangs verdrängt man die vielleicht. er war ja doch so lieb. man versteckt sich im bad und wartet bis das gewitter vorrüber ist.
Und dann wird es stetig unsteter.
Kaum noch zu überblicken wann es passiert, was man getan hat "damit" er "sich nicht mehr beherrschen konnte".

Ich hab das nur kurze Zeit mitgemacht. Weniger weil ich "stark" war sondern, weil meine Angst vor dem was er mir antun köennte grösser war als die Angst zu gehen. Manchmal, und da sehe ich Parallelen zu Alkoholikern, muss der Leidensdruck erst gross genug sein.

Zu meinem Fall konkret.

Ich wurde verprügelt und gequält und das unregelmässig und immer mit der Manipulation, dass ich es verdient hätte.
Eines Abends war es so schlimm da war ich unter der Dusche nachdem ich ( wohlmöglich war ich da auch co abhängig wer weiss das heute so genau) ihm Sonntags zu fuss von der Tanke im nächsten Ort Bier gekauft hab (ich musste das tun weil ich am Samstag weg war und er auf mein geld angewiesen war weil er keins mehr hatte).
Da kam er unverhofft ins Bad hielt mir den Mund zu und liess das duschwasser in meine Nase laufen. Dies ging gefühlt eine Ewigkeit. Ich kriegte keine Luft wehrte mich und wurde letztlich gewürgt und an die Wand gedrängt. Dann kam das blackout. Danach spielte er es runter und sagte ich würde keinen Spass verstehen. Ich war in Panik. Packte meinen Kram und wollte die Treppe hoch ( Kellerwohnung). Er packte mich und ich fiel die Treppe runter. Blutige knie und Platzwunde auf der Stirn plus angebrochenes Jochbein inklusive.
da schaltete sich der Überlebensmechanismus ein. jaund Amen sagen, entschuldigen und ihn mit Liebe überhäufen. Und der Plan zu gehen sobald es save ist.
Am übernächsten Tag musste er weg, ich war so gut und so liebevoll und war auch schon drauf und dran mir und ihm das ganze Schauspiel wirklich zu glauben. Und so passierte es auch. ich bin nicht weg.
Am gleichen Abend machte ich ihm tolles essen und machte auch sonst alles was er wollte. Es kamen Alkoholikerfreunde von ihm und es wurde sehr viel getrunken. Ich selbst hab damals kaum getrunken (andere story). Er war brav und ich wollte nicht das sie gehen. Sie gingen. Er wollte sehr gefährliche S** Dinge. Sehr schlimme. Ich lehnte ab (und das war damals so selten bei mir, dass es auch im nachhinein nochmal deutlich macht wie schlimm es war was er wollte). Es kam zum Streit. Ich wurde schlimm verprügelt. Sehr mies. So schlimm, dass er sich betrinken "musste" um das zu ertragen...dann war er wie ausgeschaltet.
In dem Moment hab ich gespürt jetzt muss es sein.
Ich hab damals nur halb bei ihm gewohnt.
Packte schnell meinen Koffer, zog mich an und raus. Ohne Ziel. Er kam sogar noch kurz nach war aber zu betrunken.
Ich hab die Nacht auf der Strasse in einer nahgelegenen Grossstadt verbracht. schien mir sicherer als bei Ihm. Am nächsten morgen bin ich zu meinen Eltern gefahren weil ich einen Ort brauchte wo ich nicht allein bin.
Damit hatte ich auch danach noch zu kämpfen und die Anrufe und Anschuldigungen aber auch die Erklärungen und Liebesschwüre blieben nicht aus.
Ich weiss nicht was passiert wäre wär ich nicht Nachts abgehauen.


Das meinen paar Groschen zu der Geschichte.

Raten kann ich nichts aber vielleicht hilft ja auch das geschriebene weiter.

Emma2010
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Registriert: 06.10.2010, 08:40

Re: Kein Licht am Ende des Tunnels

Beitrag von Emma2010 » 30.11.2018, 08:56

Liebe Missnoalk,

finde es ganz schön mutig von dir, uns einen Teil deines damals realen Grauens mitzuteilen. Es hat mich wieder dran erinnert, dass
als meine gedacht bessere Hälfte(XY), immer mal wieder nach einer Sauferei übers Limit, seine cholerischen Wutausbrüche hatte.
In meiner Panik habe ich mindesten 2 x die Polizei da gehabt (auch weil ich wusste, dass irgendwo Waffen im Haus sind) und die mir behilflich waren, unversehrt die Koffer zu packen und zu gehen.

Als Gipfel der Frechheit, empfand ich meistens seine Anrufe und seine Reue Tage danach. So unter dem Motto: Ja wirst mir schon einen
Grund geben haben, wenn mir so wie du behauptest, der Hut hoch gegangen ist. Dran erinnern konnte sich ja nimmer?
Wenigsten zugeschlagen hat er nicht, wenn auch öfter angedroht, glaube das wäre für mich die Grenze gewesen.

Im Nachhinein weiß gar nicht, warum ich auf seine Anrufe, noch drauf reagiert habe. Warum mich immer wieder betüdeln lies?
Heute erkläre es mir so: Meine Herkunftsfamilie hat sich wenig um mich gekümmert und die Beziehungen bis dato, auch nie
was fixes. Von daher war mir das Klammern vom Trinker nicht ganz unangenehm. Kurios oder?

Dass du Missnoalk, nun die Kraft gefunden hast, uns deine traumatischen Erlebnisse zu berichten, finde ich klasse. Du musst schon
viel für dich aufgearbeitet und reflektiert haben.
Jetzt, wie ich von dir gelesen habe, gehst im eigenen Faden zudem gezielt deinen eigenen Gewohnheiten auf den Grund?
Ich finde, nur so geht es, man muss selbst das Zepter in die Hand nehmen. So konnte ich meine erhoffte Freiheit
zurückgewinnen.

Ich wünsche dir alle Hilfe, die du brauchst auf deinem weiteren Weg, sowie eine friedliche Adventzeit.
Liebe Grüße Emma

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