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Wut und totale Aggression

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Aurora
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von Aurora » 15.11.2018, 10:12

Liebe Tati,

ich kann mir sehr gut vorstellen, wie das in dir brodelt. Das war bei mir auch nicht anders, mein Fädchen von damals, als ich hier angekommen bin, heißt auch "Liebe und Hass". Ich hatte das in mir, Hass. Und war erschrocken über meine ganzen "bösen" Gefühle und Handlungen gegenüber meinem Exmann. Ich habe Dinge gemacht, da habe ich mich entsetzlich geschämt für hinterher, denn das war nicht "ich". Bzw. war ich es ja doch, denn diese Gefühle gehören zum menschlichen Gefühlsleben auch dazu. Aber ich habe sie vorher noch nie so intensiv gefühlt und exzessiv ausgelebt. Schon alleine wie mein Exmann auf dem Sofa gesessen hat hat mich explodieren lassen... Ganz schlimm.

Ich hatte gerade vor einiger Zeit auch wieder so viel Wut in mir. Auf meine Brüder im Zusammenhang mit der Pflege meiner Eltern. Um die sie sich in meinen Augen zu wenig kümmerten. Aber - ich habe auch nichts getan, um sie mit in's Boot zu holen. Und da ist es mir ganz deutlich geworden, wie das so mit dieser Wut ist und dass das auch genau zu meiner damaligen Wut passt!

Ich war wütend auf mich! Zuallererst auf mich. Denn mein Exmann damals hat sich genau das erlaubt, was ich mir nicht erlaubt habe. Nämlich so zu leben, wie er es für sich als gut befand. Er hat ja nicht gesagt, dass ich nicht ausgehen darf, er hat nicht gefordert, Schränke nach leeren Flaschen zu durchsuchen. Er hat nicht verlangt, dass ich ihn bewache. Ich habe mir diese Dinge selbst vorgeschrieben, meine Freiheit selbst aufgegeben.

Diese Wut hatte aber auch noch weitere Gründe. Es war die Wut dass ich nicht schaffte, ihn vom Suff weg zu bekommen. Wut also auch auf mich und meine vermeintliche Unfähigkeit, meine Machtlosigkeit. Durch die er meine Träume einer heilen Familie kaputt machte.

Und Wut darauf, dass er mich immer wieder enttäuschte. Er machte dicke Versprechungen mit dem Saufen aufzuhören - und eine Stunde später saß er besoffen auf dem Sofa. Wut also, dass ich vermeintlich nicht gehört und gesehen wurde, dass ich nicht wichtig für ihn war.

Wut auf mich, dass ich nicht schaffte, mich zu lösen davon, dass meine Schuldgefühle, meine Verantwortungsgefühle und meine Angst mich irgendwie da fesselten. Wut darauf, dass er mich in diese Lage brachte, immer und immer wieder.

Soooo viel Wut...

Und dann, liebe Tati, vergiss nicht, dass du dein Kind verloren hast. Auch Trauer macht Wut! Ob die da jetzt aber mit dabei ist weiß ich nicht. Aber du darfst das nicht unterschätzen. Du bist in einem psychischen Ausnahmezustand durch den Tod deines Sohnes! Ich sag dir das aus leidvoller eigener Erfahrung :( . Es ist so wichtig dass du Zeit hast, endlich deinen Schmerz zu fühlen und deine Trauer zu durchleben. Dir ist das schlimmste passiert, was einer Mutter passieren kann... Du Liebe, ich nehme dich einfach in den Arm. Wie alt durfte dein Sohn werden, magst du das sagen?

Du hast also doppelte Päckchen zu tragen. Auf der einen Seite macht dich der Verlust deines Sohnes schwach und verletzlich und hilflos.Auf der anderen Seite willst du stark sein und Kraft haben, dich zu trennen. Ein weiterer Verlust! Mach dir das bewusst! Eine Trennung, auch wenn dieser Mann dich kaputt macht, ist ein weiterer Verlust. Eines Menschen, eines Lebenstraumes. Vielleicht bist du darauf auch noch wütend, auf dein Schicksal... Es ist doch alles voller Verlust gerade bei dir... und Verlust tut weh, unendlich weh, macht Schmerz und Wut...

Hast du therapeutische Hilfe? Das ist für einen Menschen alleine ja kaum zu tragen gerade. Es ist gut, dass du hier bist und nun wenigstens mit dem ganzen Schlimmen mit deinem Mann nicht mehr alleine bist. Das kann dir gut helfen, dich zu sortieren.

Ich mag dich einfach nur mal drücken und dir viele Kraftpäckchen schicken.

Aurora

kingjuliansmum
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von kingjuliansmum » 15.11.2018, 13:00

missnoallk
hallo … ich finde nicht das mein verhalten in mir begründet ist denn ich bin niemals so gewesen. Ich empfinde keine Wut und keinen Zorn im ich sag mal en Leben ,,,, erst wenn das ganze Theater wieder von vorne losgeht . Ich übernehme schon mein ganzes Leben lang die Verantwortung fur mein Handeln selbst. Ich habe diesen Text geschrieben weil ich eben nicht weiss wie ich mit dieser Wut umgehen soll … und nein ein Boxsack oder raus gehen und schreien hilft auch nicht . Und zum Thema opfer … ich fühle mich definitiv nicht als Opfer … eher als dumm weil ich das alles so mitmache und nicht weiss wie ich da raus komme. Und ich bin trotz allem davon überzeugt das meine Wut sehr wohl mit dem Alkoholismus meines Mannes zu tun hat da ich es jetzt doch schon des Öfteren gehört habe und ich weiss Gott nicht die einzige bin der es so geht . Es ist doch komisch dass ein Mensch immer ruhig und friedlich war und auf einmal voll am Rad dreht . Das hat nichts damit zu tun finde ich das diese Wut in mir begründet ist sondern doch sehr mit der Hilflosigkeit mit der man dem Alkohol gegenüber steht . Und ohne die Verantwortung abzugeben... ist definitiv der Alkohol schuld . Das ist nun einmal so .,,,,, wenn ich sagen würde ich bin Schuld an meiner Wut und an meinem Handeln … jaaa wäre das die typische aussage eines co alkis.Denn ich bin nicht schuld . Dieses Verhalten ruft der Alkoholismus meines Mannes in mir hervor .

Missnoalk
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von Missnoalk » 15.11.2018, 14:17

Du hast mich falsch verstanden bzw verwechselst Ursache/Auslöser mit Verhalten.

Klar ist der Auslöser der Alkoholismus ob er die Ursache ist weisst nur Du (bzw ob es der einzige Auslöser ist).

Was Du mit dem Auslöser anstellt ist auf jedenfall nur in deiner Verantwortung.
Es bringt ja nichts zu sagen "Ich bin so wegen dem Alkoholismus meines Mannes" dann hast Du für Dich zwar ne wunderbare Erklärung und kannst wohlmoeglich auch Dir selbst besser verzeihen aber das ist ähnlich als wuerde ein Alkoholiker sagen "ich trinke ja weil ich so traurig bin (als Beispiel)". Alles moeglich Auslöser und eventuell sogar Teil der Ursache aber doch nicht wirklich hilfreich wenn es ans handeln geht
Genau so wenig wie man Trauer aus seinem Leben streichen kann kannst Du den Alkoholismus deines Mannes loesen.
Was Du kannst, ist mit dem Auslöser anders umgehen. Ob Du ihn aus Deinem Leben streichst, anders darauf reagierst, Dich emotional distanzierst oder oder musst Du wissen aber handeln musst Du und sonst niemand.

Einhorn
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von Einhorn » 15.11.2018, 14:30

Liebe Tati,

auch von mir ein herzliches willkommen in diesem Forum. Ich wünsche Dir, dass es Dir hilft Dich selbst zu finden und Dir die schwere Zeit zu erleichtern, auch wenn manchmal vielleicht Worte kommen, die Du nicht so gerne hörst. Aber sie sind immer bedingungslos ehrlich.

Vom Inhalt kann ich Aurora nur zustimmen. Wenn Du ganz tief in Dich hinein spürst, wird Dir irgendwann bewusst werden, dass es letztendlich doch Wut auf sich selbst ist.

Aber das schält sich erst ganz langsam heraus und geht besser wenn man etwas Abstand hat.
Vorher ist man zu angespannt um sich wirklich selbst zu spüren.

Ich war auch felsenfest überzeugt, dass die Wut vom alkoholbedingten Verhalten meines Mannes abhängt. Oder die Wut auf den Alkohol selbst. Auch die Wut so hilflos zu sein.

Als ich mich dann wirklich auf mich selbst und meine Gefühle konzentriert habe, kam dann so langsam die Erkenntnis. :idea: Die Wut ist in mir und dafür trage ich die Verantwortung. Niemand hat "Schuld", die Gefühle sind einfach da und niemand kann sie erstmal beeinflussen. Beeinflussen kann ich nur, wie ich mit meiner Wut umgehe. Das setzt aber voraus dass ich mir die Wut erstmal rein als Gefühl eingestehen und erspüren muss ohne sofort einen Verursacher zu suchen. Das Gefühl einfach so annehmen wie es ist, nur mit Bauch, nicht mit dem Kopf. Dann wird die Dein Gefühl für Dich auch zeigen wo Dein Weg hingeht.
Und damit ging bei mir die Wut und kommt nur noch selten wieder.

Das ist das was Aurora Dir sagen wollte mit Verantwortung. Die Verantwortung für DICH, DEIN Seelenleben und DEIN Wohlbefinden.

kingjuliansmum
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von kingjuliansmum » 15.11.2018, 21:07

Aurora hat geschrieben:
15.11.2018, 10:12
Liebe Tati,

ich kann mir sehr gut vorstellen, wie das in dir brodelt. Das war bei mir auch nicht anders, mein Fädchen von damals, als ich hier angekommen bin, heißt auch "Liebe und Hass". Ich hatte das in mir, Hass. Und war erschrocken über meine ganzen "bösen" Gefühle und Handlungen gegenüber meinem Exmann. Ich habe Dinge gemacht, da habe ich mich entsetzlich geschämt für hinterher, denn das war nicht "ich". Bzw. war ich es ja doch, denn diese Gefühle gehören zum menschlichen Gefühlsleben auch dazu. Aber ich habe sie vorher noch nie so intensiv gefühlt und exzessiv ausgelebt. Schon alleine wie mein Exmann auf dem Sofa gesessen hat hat mich explodieren lassen... Ganz schlimm.

Ich hatte gerade vor einiger Zeit auch wieder so viel Wut in mir. Auf meine Brüder im Zusammenhang mit der Pflege meiner Eltern. Um die sie sich in meinen Augen zu wenig kümmerten. Aber - ich habe auch nichts getan, um sie mit in's Boot zu holen. Und da ist es mir ganz deutlich geworden, wie das so mit dieser Wut ist und dass das auch genau zu meiner damaligen Wut passt!

Ich war wütend auf mich! Zuallererst auf mich. Denn mein Exmann damals hat sich genau das erlaubt, was ich mir nicht erlaubt habe. Nämlich so zu leben, wie er es für sich als gut befand. Er hat ja nicht gesagt, dass ich nicht ausgehen darf, er hat nicht gefordert, Schränke nach leeren Flaschen zu durchsuchen. Er hat nicht verlangt, dass ich ihn bewache. Ich habe mir diese Dinge selbst vorgeschrieben, meine Freiheit selbst aufgegeben.

Diese Wut hatte aber auch noch weitere Gründe. Es war die Wut dass ich nicht schaffte, ihn vom Suff weg zu bekommen. Wut also auch auf mich und meine vermeintliche Unfähigkeit, meine Machtlosigkeit. Durch die er meine Träume einer heilen Familie kaputt machte.

Und Wut darauf, dass er mich immer wieder enttäuschte. Er machte dicke Versprechungen mit dem Saufen aufzuhören - und eine Stunde später saß er besoffen auf dem Sofa. Wut also, dass ich vermeintlich nicht gehört und gesehen wurde, dass ich nicht wichtig für ihn war.

Wut auf mich, dass ich nicht schaffte, mich zu lösen davon, dass meine Schuldgefühle, meine Verantwortungsgefühle und meine Angst mich irgendwie da fesselten. Wut darauf, dass er mich in diese Lage brachte, immer und immer wieder.

Soooo viel Wut...

Und dann, liebe Tati, vergiss nicht, dass du dein Kind verloren hast. Auch Trauer macht Wut! Ob die da jetzt aber mit dabei ist weiß ich nicht. Aber du darfst das nicht unterschätzen. Du bist in einem psychischen Ausnahmezustand durch den Tod deines Sohnes! Ich sag dir das aus leidvoller eigener Erfahrung :( . Es ist so wichtig dass du Zeit hast, endlich deinen Schmerz zu fühlen und deine Trauer zu durchleben. Dir ist das schlimmste passiert, was einer Mutter passieren kann... Du Liebe, ich nehme dich einfach in den Arm. Wie alt durfte dein Sohn werden, magst du das sagen?

Du hast also doppelte Päckchen zu tragen. Auf der einen Seite macht dich der Verlust deines Sohnes schwach und verletzlich und hilflos.Auf der anderen Seite willst du stark sein und Kraft haben, dich zu trennen. Ein weiterer Verlust! Mach dir das bewusst! Eine Trennung, auch wenn dieser Mann dich kaputt macht, ist ein weiterer Verlust. Eines Menschen, eines Lebenstraumes. Vielleicht bist du darauf auch noch wütend, auf dein Schicksal... Es ist doch alles voller Verlust gerade bei dir... und Verlust tut weh, unendlich weh, macht Schmerz und Wut...

Hast du therapeutische Hilfe? Das ist für einen Menschen alleine ja kaum zu tragen gerade. Es ist gut, dass du hier bist und nun wenigstens mit dem ganzen Schlimmen mit deinem Mann nicht mehr alleine bist. Das kann dir gut helfen, dich zu sortieren.

Ich mag dich einfach nur mal drücken und dir viele Kraftpäckchen schicken.

Aurora
Ach du Liebe.. vielen vielen Dank für deine Lieben Worte . Mein Sohn wurde knapp 20 Jahre alt .. er hatte Mukoviszidose. Wir haben immer an einem Strang gezogen .. waren ein team.. bis zum Schluss . Er hatte es in seiner Patientenverfügung so geregelt das die Geräte abgeschalten werden sollen falls sein vorheriger ZUstand nicht wieder herzustellen ist ... ich habe es akzeptiert ... ich habe 20 Jahre lang mit ihm gekämpft und immer all seine Wünsche respektiert ,,, so auch seinen letzten . Ich habe wenn es um Ihn ging nie an mich gedacht .... aber dieser Kampf 20 Jahre lang hat mich so blöd sich das anhören mag .... nicht so mürbe gemacht wie die drei Jahre mit meinem Mann . .... weil mein Sohn eben gekämpft hat um sein Leben .... never change a winning team hat er immer zu mir gesagt .... und mein was macht mein Mann ???? wirft seines einfach so weg .... just for fun ...... hauptsache dicht sein .

Aurora
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von Aurora » 16.11.2018, 09:48

Liebe Tati,

und das ist dann auch nochmal klar, warum du so wütend bist! Dein Sohn durfte nur knapp 20 Jahre lang leben... und dein Mann lebt noch und es scheint ihm nicht wert zu sein, etwas daraus zu machen. Er darf leben, dein Sohn nicht.

Das macht wütend! Als meine Tochter und der Kleine damals gestorben waren hatte ich solche Wut auch, Lange hatte ich die! Die beiden sind seit 6 1/2 Jahren tot und ich merke erst seit diesem Sommer ungefähr, dass diese Wut weg ist. Wenn ich zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern gesehen haben, die genervt waren oder so, dann hätte ich sie anschreien können, dass sie dankbar sein sollen, dass sie ihre Kinder noch hätten. Ich war neidisch, wenn ich Mütter mit ihren großen Töchtern zusammen gesehen habe und dieser Neid hat mich auch wütend darauf gemacht. Wenn ich schwangere Frauen gesehen habe mit einer Zigarette oder mit mehreren Kindern dann dachte ich voller Wut, warum dürfen die ein Kind nach dem anderen bekommen und meine Tochter musste beim 2. Kind sterben... All sowas.

Da kommen ja mehrere Sachen bei dir zusammen. Du siehst, wie dein Mann sein Leben weg wirft während dein Junge noch so viel vor sich hatte und nicht leben durfte, obwohl er so dafür gekämpft hat. Dass du da wütend bist kann ich echt gut verstehen.

Es ist schön, dass du die Zeit mit deinem Sohn so intensiv genutzt hast und immer für ihn da warst, dass du ihn respektiert hast. Und er dich auch, so wie ich das lese. Diese 20 Jahre durftest du ihn haben! Das kann dir niemand mehr weg nehmen. Das ist gelebte gemeinsame Zeit! Ich durfte diese Zeit sogar 29 Jahre lang mit meiner Tochter haben! Dafür bin ich sehr dankbar. Auch ich war immer für sie da und heute bin ich froh um jede Minute.

Jetzt stellt sich da eine andere Frage...

Du musstest die eigene leidvolle Erfahrung machen, dass ein Leben schnell zu Ende sein kann. Auch deines kann ja plötzlich zu Ende sein! Warum sollst du dir denn nun deine eigene Lebenszeit mit einem Menschen verderben, der dir nicht gut tut? Der dich kaputt macht und wütend. Meinst du nicht, dass du mehr verdienst? Du hast deinen Sohn voller Aufopferung gepflegt und das war schön so, für euch beide. Nun brauchst du aber nicht einen neuen Pflegefall in Form eines Abhängigen, der seine Sucht in vollen Zügen auslebt.

Jetzt bist du dran mit Leben!

Liebe Grüße
Aurora

kingjuliansmum
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von kingjuliansmum » 16.11.2018, 15:19

Aurora hat geschrieben:
16.11.2018, 09:48
Liebe Tati,

und das ist dann auch nochmal klar, warum du so wütend bist! Dein Sohn durfte nur knapp 20 Jahre lang leben... und dein Mann lebt noch und es scheint ihm nicht wert zu sein, etwas daraus zu machen. Er darf leben, dein Sohn nicht.

Das macht wütend! Als meine Tochter und der Kleine damals gestorben waren hatte ich solche Wut auch, Lange hatte ich die! Die beiden sind seit 6 1/2 Jahren tot und ich merke erst seit diesem Sommer ungefähr, dass diese Wut weg ist. Wenn ich zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern gesehen haben, die genervt waren oder so, dann hätte ich sie anschreien können, dass sie dankbar sein sollen, dass sie ihre Kinder noch hätten. Ich war neidisch, wenn ich Mütter mit ihren großen Töchtern zusammen gesehen habe und dieser Neid hat mich auch wütend darauf gemacht. Wenn ich schwangere Frauen gesehen habe mit einer Zigarette oder mit mehreren Kindern dann dachte ich voller Wut, warum dürfen die ein Kind nach dem anderen bekommen und meine Tochter musste beim 2. Kind sterben... All sowas.

Da kommen ja mehrere Sachen bei dir zusammen. Du siehst, wie dein Mann sein Leben weg wirft während dein Junge noch so viel vor sich hatte und nicht leben durfte, obwohl er so dafür gekämpft hat. Dass du da wütend bist kann ich echt gut verstehen.

Es ist schön, dass du die Zeit mit deinem Sohn so intensiv genutzt hast und immer für ihn da warst, dass du ihn respektiert hast. Und er dich auch, so wie ich das lese. Diese 20 Jahre durftest du ihn haben! Das kann dir niemand mehr weg nehmen. Das ist gelebte gemeinsame Zeit! Ich durfte diese Zeit sogar 29 Jahre lang mit meiner Tochter haben! Dafür bin ich sehr dankbar. Auch ich war immer für sie da und heute bin ich froh um jede Minute.

Jetzt stellt sich da eine andere Frage...

Du musstest die eigene leidvolle Erfahrung machen, dass ein Leben schnell zu Ende sein kann. Auch deines kann ja plötzlich zu Ende sein! Warum sollst du dir denn nun deine eigene Lebenszeit mit einem Menschen verderben, der dir nicht gut tut? Der dich kaputt macht und wütend. Meinst du nicht, dass du mehr verdienst? Du hast deinen Sohn voller Aufopferung gepflegt und das war schön so, für euch beide. Nun brauchst du aber nicht einen neuen Pflegefall in Form eines Abhängigen, der seine Sucht in vollen Zügen auslebt.

Jetzt bist du dran mit Leben!

Liebe Grüße
Aurora
Aurora hat geschrieben:
16.11.2018, 09:48
Liebe Tati,

und das ist dann auch nochmal klar, warum du so wütend bist! Dein Sohn durfte nur knapp 20 Jahre lang leben... und dein Mann lebt noch und es scheint ihm nicht wert zu sein, etwas daraus zu machen. Er darf leben, dein Sohn nicht.

Das macht wütend! Als meine Tochter und der Kleine damals gestorben waren hatte ich solche Wut auch, Lange hatte ich die! Die beiden sind seit 6 1/2 Jahren tot und ich merke erst seit diesem Sommer ungefähr, dass diese Wut weg ist. Wenn ich zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern gesehen haben, die genervt waren oder so, dann hätte ich sie anschreien können, dass sie dankbar sein sollen, dass sie ihre Kinder noch hätten. Ich war neidisch, wenn ich Mütter mit ihren großen Töchtern zusammen gesehen habe und dieser Neid hat mich auch wütend darauf gemacht. Wenn ich schwangere Frauen gesehen habe mit einer Zigarette oder mit mehreren Kindern dann dachte ich voller Wut, warum dürfen die ein Kind nach dem anderen bekommen und meine Tochter musste beim 2. Kind sterben... All sowas.

Da kommen ja mehrere Sachen bei dir zusammen. Du siehst, wie dein Mann sein Leben weg wirft während dein Junge noch so viel vor sich hatte und nicht leben durfte, obwohl er so dafür gekämpft hat. Dass du da wütend bist kann ich echt gut verstehen.

Es ist schön, dass du die Zeit mit deinem Sohn so intensiv genutzt hast und immer für ihn da warst, dass du ihn respektiert hast. Und er dich auch, so wie ich das lese. Diese 20 Jahre durftest du ihn haben! Das kann dir niemand mehr weg nehmen. Das ist gelebte gemeinsame Zeit! Ich durfte diese Zeit sogar 29 Jahre lang mit meiner Tochter haben! Dafür bin ich sehr dankbar. Auch ich war immer für sie da und heute bin ich froh um jede Minute.

Jetzt stellt sich da eine andere Frage...

Du musstest die eigene leidvolle Erfahrung machen, dass ein Leben schnell zu Ende sein kann. Auch deines kann ja plötzlich zu Ende sein! Warum sollst du dir denn nun deine eigene Lebenszeit mit einem Menschen verderben, der dir nicht gut tut? Der dich kaputt macht und wütend. Meinst du nicht, dass du mehr verdienst? Du hast deinen Sohn voller Aufopferung gepflegt und das war schön so, für euch beide. Nun brauchst du aber nicht einen neuen Pflegefall in Form eines Abhängigen, der seine Sucht in vollen Zügen auslebt.

Jetzt bist du dran mit Leben!

Liebe Grüße
Aurora
Liebe Aurora
Oh mein Gott das tut mir schrecklich schrecklich leid . Das ist ja auch alles so schlimm. Vielleicht möchtest du sagen weshalb deine beiden Lieben gehen mussten .
Ja du hast völlig recht . Da kommt bestimmt ein ganz grosser Teil meiner Wut her . Er musste gehen ... so ein wundervoller Mensch .... hat gekämpft und doch verloren . Und mein Mann wirft sein Leben mit vollem Bewustsein weg. Jeden Tag aufs Neue . Mir geht es auch so wie dir ... ich wenn Mütter sehe mit Söhnen in seinem Alter muss ich ganz schnell weg .. weil ich es nicht aushalte . Mein kleiner Sohn ist fast 20 und lebt seit letztem Jahr beim Papa wegen des Studiums. Es ist also gar nichts mehr aus meinem alten Leben da .... ausser meiner Hunde . Ich würde mir so oft wünschen das mein Mann einmal diesen Schmerz erlebt .... er hat selbst zwei söhne mit 16 und 10 . Die beiden kommen aber nicht mehr weil ich es nicht mehr eingesehen habe das er bis abends um 19 Uhr im bett liegt und ich mich kümmern muss . Man muss dazu sagen der grosse ist ein toller Junge ... aber der kleine ist sehr speziell... man kann nichts unternehmen weil er es von zuhause nur gewohnt ist vor plays.... usw. geparkt zu werden . Es zählen keine Werte oder Rituale ... es wird sich über behinderte Menschen lustig gemacht obwohl man selbst auf der sonderschule ist ... naja lauter solche dinge eben .. und ich war eben komplett allein damit konfrontiert die ganze Zeit ...also hab ich der Mutter der Kinder gesagt ob sie es ok findet das ich ihre Kinder jedes WE habe und der Vater besoffen schläft weil ich das nämlich nicht mehr möchte . Ja jetzt jammert mein Mann natürlich rum wie sehr er die Jungs vermisst .... und das macht mich auch schon wieder wütend in dieser Situation .... er hat zwei gesunde wenn auch nicht sehr schlaue söhne ... und sieht sie nur nicht wegen seiner Sauferrei ... also kann es nicht so schlimm sein ...
Die letzten zwei Tage waren jetzt etwas besser ... er hat gar nicht getrunken ..... normalerweise waren es immer wodka und oder bier und das wirklich jeden tag . Heute hätte er doch termin zur entgiftung gehabt .... ich hab doch zu ihm gesagt er braucht gar nicht zu gehen .. kostet nur geld und bringt nichts .... jetzt fängt er etwas an zu grübeln ... sonst war ich immer voll hinter ihm gestanden .. und jetzt diese Aussage von mir ..... ich bin mir jedoch durchaus bewusst das auch das nur mal wieder eine neue Momentaufnahme ist ... Hoffnung hab ich schon lange keine mehr . Und du hast völlig recht ... Jetzt bin ich mal dran m it leben ........ ich habe schon angefangen .. ich gehe wieder stundenweise arbeiten ... habe tiermedizin studiert .... hab mich zu zwei fortbildungen angemeldet und suche mir gerade neue Freunde mit denen ich mich mit den Hunden treffen kann .... ich werde diesen Weg weiter gehen .. ganz langsam .. schritt für schritt ......
allles alllles liebe

Aurora
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Re: Wut und totale Aggression

Beitrag von Aurora » 19.11.2018, 09:50

Liebe Tati,

am Ende ihrer 2. Schwangerschaft, die vorher völlig normal verlaufen war, bekam meine Tochter starke Schmerzen. Im Krankenhaus wurde dann festgestellt, dass der kleine Junge in ihrem Bauch tot war. Es muss wohl ein Plazentainfarkt gewesen sein. Sie musste das Kind natürlich zur Welt bringen, was aber nicht auf natürlichem Weg geklappt hat. Beim Notkaiserschnitt hat sie eine Lungenembolie gehabt. Ihr Blut war ziemlich verklumpt und diese Schmerzen waren wohl das Zeichen einer Bauchvenen-Thrombose gewesen. Sie wurde eine Stunde lang reanimiert...

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Wenn dein Mann seine Söhne sehen möchte, muss er sich ja auch selbst darum kümmern, denke ich mal. Es war sehr nett von dir das zu organisieren, aber es hat ihn anscheinend nicht großartig interessiert. Ich finde, du hast da völlig richtig gehandelt.
Jetzt bin ich mal dran m it leben ........ ich habe schon angefangen .. ich gehe wieder stundenweise arbeiten ... habe tiermedizin studiert .... hab mich zu zwei fortbildungen angemeldet und suche mir gerade neue Freunde mit denen ich mich mit den Hunden treffen kann .... ich werde diesen Weg weiter gehen .. ganz langsam .. schritt für schritt ......
Das finde ich super :D !

Mein Sohn lebt zur Zeit auch nicht in Berlin sondern in Bonn. Dort hat er eine gute Arbeit. Aber Bonn ist so weit weg und er fehlt mir. Gerade war er aber 2 Wochen hier, mein Exmann ist ja verstorben und mein Sohn hat sich da um viele Dinge kümmern müssen. Es war ein gutes Gefühl ihn in der Nähe zu wissen und wir haben uns auch öfter gesehen. Mein Verhältnis zu ihm hat sich durch den Tod meiner Tochter verändert, ist intensiver geworden und Zeit mit ihm ist noch kostbarer. Auch mein Sohn hat sich verändert, er ist näher an mich ran gerückt und ruft doch öfter an und so, das hatte er vorher nicht so gemacht.

Ich wünsche dir eine gute Woche und liebe Grüße
Aurora

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