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Hilfe oder Vertrauensbruch?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3946
Registriert: 25.07.2013, 11:35

Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von Sunshine_33 » 28.01.2019, 11:03

Hallo destiny90,
Nach einem Totalausfall ist er meistens gesprächsbereit und einsichtig und auch gewillt, etwas zu ändern. Stunden später aber möchte er bereits nicht mehr darüber sprechen, es ist ihm unangenehm und von dem absoluten Änderungs-Willen merkt man dann leider auch nicht mehr viel.
Das ist total typisch für nasse Alkoholiker, bei mir war es ebenso.
Und in diesen Momenten wußte ich auch wirklich, das was passieren müsste.
ABER... ich habe NICHT gehandelt, sondern noch viele Jahre weiter gesoffen !
Habe mir immer wieder vorgemacht, das ich das allein schaffe. Allein schaffen muss!
Das ich wirklich KRANK bin, habe ich gar nicht realisiert, Alkoholiker sind schließlich immer nur die anderen.
Und das ich meine Krankheit nicht allein stoppen kann, sondern dringend Hilfe brauche, war mir auch nicht klar.
Ich musste erst einen viel krasseren Tiefpunkt erreichen, bis ich endlich Hilfe bekam und vor allem auch annehmen konnte.

Ich habe wenig Hoffnung, das Dein XY Freitag in die Suchtberatung geht.
Es werden oftmals nur die Wogen wieder geglättet, selbstverständlich auch durch Zusagen, nun was gegen den Suff zu unternehmen.
Meist bleibt es aber bei diesen Worten, und die Sauferei geht weiter.
Unter Umständen noch Jahre und Jahrzehnte, falls der Körper nicht vorher schlapp macht und man einfach in der Kiste landet.
Und man macht auch nicht nur anderen was vor, man macht auch sich selbst noch sehr lange was vor.
Bei mir war es jedenfalls so, ich wollte die Wahrheit gar nicht sehen. Also habe ich alles getan, das sie vor mir selbst auch
verschleiert bleibt. Mit viel Alk selbstverständlich.
Vielleicht muss ich mich trennen, vielleicht kommt auch alles ganz anders.
Erst einmal warte ich noch ab, ob er tatsächlich zu seinem Termin geht. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt.
Ich denke, er wird nicht hingehen.
Er hat seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht.
Du kannst auch jetzt schonmal Pläne machen, was Du tun wirst, wenn er weiter säuft.
Ich kann Dir nur ganz dringend raten, da die Biege zu machen, und zwar so schnell wie möglich.
Seine Ex hat schon das richtige gemacht, aber auch sie scheint ja noch in einer Art Helferrolle zu stecken.
Ihr könnt aber beide nicht helfen, solange er nicht will, aber das habt ihr ja schon erkannt.
Und auch dann wären die Mittel sehr begrenzt, ein nasser Alkoholiker kann seinen Weg in ein trockenes Leben nicht auf andere Menschen
aufbauen!
Das muss er allein bewerkstelligen und dafür ist er auch ganz allein verantwortlich !
Angehörige können aber eine große Stütze sein, das möchte ich nicht bestreiten.
Mein Mann war es mir auch, und auch meine Tochter. Sie glaubten an mich und das hat mir auch viel Kraft gegeben.
Aber konkret helfen konnten sie mir nicht auf meinem Weg. Einfach Dasein ist aber auch schon viel, finde ich.
Heute früh hat er mir geschrieben, dass er wieder Alpträume hatte und das bedeutet für mich -> heute wird er wieder trinken.
Ebenso beliebt bei nassen Alkies wäre:
In China ist ein Sack Reis umgefallen.
In China ist kein Sack Reis umgefallen.
Draussen scheint die Sonne.
Draussen scheint nicht die Sonne.

Auch wenn es sich böse anhören mag, so läuft die Nummer !
Je dramatischer der Grund, um so ein besseres Alibi zum Saufen !
Dazu kommt auch noch die Schlechtigkeit der Welt und überhaupt und so...

So, nun ging es im Grunde auch nur um Deinen Säufer in meinem Beitrag, so sollte das aber nicht sein bei CO-Abhängigen.
Deine Welt sollte sich mal langsam wieder um Dich selbst drehen, nicht wahr?
CO-Abhängige haben schließlich meist genug eigene Baustellen, um die sie sich mal kümmern sollten.
Also, fang an damit, anstatt weiterhin wie das Karnickel auf die Schlage zu starren... denn das bringt DICH persönlich überhaupt nicht weiter.
Mache nicht Dein Leben und am besten nicht mal einen Tag vom Verhalten eines anderen Menschen abhängig!
Sondern KÜMMERE Dich bitte um DICH selbst und DEIN Wohlergehen.
Denn auf anderes hast Du eh keinen Einfluss.
Alle anderen Gedanken wie zum Beispiel der "der nötigen Hilfeleistung" wäre nur der "typische Größenwahn von CO-Abhängigen".
Du kannst momentan nichts helfen... und vielleicht auch nie.

LG Sunshine

Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer
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Registriert: 25.07.2013, 11:35

Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von Sunshine_33 » 28.01.2019, 11:24

was, wenn er zu dem Termin geht und dir dann erzählt, sie hätten ihm gesagt, er ist kein Alkoholiker? :shock:
Das ist meine Erfahrung. Ich war bei dem Gespräch auch nicht dabei, hab es ihm aber geglaubt und wieder meine Wahrnehmung bezweifelt.
Oh ja, selbst das kriegen wir als nasse Alkies fertig :roll:
Oder man geht erst gar nicht hin zur Suchtberatung, tut aber so, als wäre man dagewesen.
Lügen gehört ja eh schon zu unserem Alltag, also was macht schon noch ne weitere Lüge ?
Also glaube mal besser keinem nassen Alkie, denn wir lügen das Blaue vom Himmel runter, wenn wir es für nötig halten.

Ich habe es sogar noch krasser bei einem ehemaligen Freund miterlebt:
Vom mir auf das Thema angesprochen, sagte er, das es ja gar nicht sicher sei, das er Alkoholiker sei.
Sein Psychologe hätte ihm das so gesagt. Aha.
(Zu dem Zeitpunkt hatter er wohl so und die 8-10 Entgiftungen hinter sich und mehrere Psychatrie-Aufenthalte)
Sag ich zu ihm, nun ja, selbst ein Psychologe könne das ja nicht 100% diagnostizieren, man wisse es im Grunde
nur selbst, ob man abhängig säuft.
Er hat es aber so ausgelegt, das er kein Alkoholiker wäre, weil der Psychologe ihm das nicht diagnostiziert hat.
Und trank natürlich weiter...
Irgendwann hatte er sich schizophren gesoffen, die Psychiatrie wurde beinahe zum Dauerwohnsitz.
Und noch ein paar Jahre später fand man ihn tot Zuhause in seinem Bett, mit reichlich Promille im Blut.
Er hatte sich schlicht und ergreifend tot gesoffen :cry:
So kann das traurige Ende aussehen, wenn jemand seine Krankheit Alkoholismus nicht wahrhaben will.
Er und ich waren gleichaltrig... und er ist schon vor einigen Jahren gestorben...so ist die häßliche Seite des Alkoholismus.
Es liegt an uns selbst, ob wir das stoppen wollen oder eben den anderen Weg wählen mit Weiterlügen, Weitersaufen und all den anderen Begleitsymptomen unserer Krankheit.

Ich möchte mich auch noch allen anderen Worten von lütte anschließen !

LG Sunshine

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