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Hilfe oder Vertrauensbruch?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

lütte69
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von lütte69 » 07.01.2019, 12:30

Hallo Destiny,

wie waren der Termin und das Wochenende?

sonnige Grüße
Lütte

destiny90
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 10.01.2019, 15:49

Hallo Lütte,

sorry, es gab einiges zu tun am Wochenende und Anfang der Woche, daher erst jetzt die Antwort.
Es war ein sehr guter Termin. Zwar habe ich nicht sehr viel Neues erfahren, da ich bereits vorher viel gelesen habe. Trotzdem war es wichtig für mich, einmal darüber mit jemandem sprechen zu können.
Auch habe ich einige Adressen von SHG bekommen. Das wird mir sicher helfen.
Ansonsten war das Wochenende zweigeteilt. Samstag hatte er getrunken, aber sich noch so irgendwie im Griff. Sonntag hat er nichts getrunken, war aber ziemlich zittrig und schlecht gelaunt. Gegen Abend sind dann auch wieder einige Türen zugeflogen. Er ist früh ins Bett gegangen und auch Montag und Dienstag hat er "nur" etwas Bier getrunken.
Er hat dann aber so schlecht geschlafen, dass natürlich gestern der Griff zur Flasche wieder vorprogrammiert war.
Heute sind seine Kinder wieder für eine Nacht da. Ich habe ihm gestern gesagt, falls er heute einen schlechten Tag hat, soll er klären, dass die Kinder nicht kommen. Ob er sich daran hält, werde ich später sehen. Versprochen hat er es mir.
Ich habe bei meinem Gespräch mit der Suchtberatung gelernt, dass es grundsätzlich nicht meine Aufgabe ist, die Kinder oder seine Ex ins Boot zu holen (schon gar nicht die Kinder) und ich zuerst einmal mit ihm sprechen muss. Ihm klarmachen muss, was die Konsequenzen sind, wenn er so weitermacht. Wenn er die Konsequenzen kennt, ist es seine Entscheidung, was er daraus macht.
Es wird sicher noch einiges passieren, dennoch fühle ich mich durch die Anmeldung hier und mein Gespräch letzte Woche etwas gestärkt.

destiny90
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 11.01.2019, 07:59

Update: Er hat sein Versprechen nicht gehalten. Als ich nach Hause kam, war er schon total betrunken und die Kinder waren schon da. Wir hatten eine heftige Diskussion deswegen. Aber ich vermeide den Streit, wenn er in diesem Zustand ist. Es bringt dann überhaupt nichts. Er hat mir gestern mehrfach gesagt, ich solle wieder ausziehen und dass es seine Sache wäre, wenn er trinkt. Und dass es mich nichts angehe, weder was oder wieviel er trinkt, noch was die Kinder angeht. Ich hätte nichts mit den Kindern zu tun und solle mich nicht einmischen. Diese Aussagen kamen ständig im Wechsel mit: Ich habe dich total lieb und bin froh, dass du da bist.
Er hat Recht, wenn er sagt, dass es seine Entscheidung ist, zu trinken. Aber es geht mich sehr wohl etwas an, wenn die Kinder darunter leiden. Ob ich nun die Mutter bin, oder eine Außenstehende. Das Wochenende haben wir für uns und ich werde einen Zeitpunkt abwarten, an dem er nüchtern ist und dann muss ich mit ihm sprechen.
So geht es auf jeden Fall nicht weiter.
Wenn er keine Einsicht zeigt und weiterhin nicht bereit ist, sich Hilfe zu holen, werde ich mir eine Wohnung suchen. Aber vorher dafür sorgen, dass die Kinder ihn in diesem Zustand nicht mehr erleben müssen.
Und es tut weh - sehr weh!
Denn eigentlich möchte ich nur, dass er aufhört zu trinken und ich mit ihm zusammen glücklich bin.
Ich weiß, dass ihr dieses Gefühl kennt. :-)

Caruso
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von Caruso » 11.01.2019, 09:59

destiny90 hat geschrieben:
11.01.2019, 07:59
Update: Er hat sein Versprechen nicht gehalten. Als ich nach Hause kam, war er schon total betrunken und die Kinder waren schon da.
Hallo Destiny90,

dieser Satz ist sehr bezeichnend. Als Alki kann er das nicht mehr steuern. Er wird Dir das Blaue vom Himmel erzählen, um wieder trinken zu können. Das habe ich früher nicht anders gemacht und meine Frau hat es mir immer wieder geglaubt, dass ich aufhöre. Sie hat mich geliebt und tut das glücklicherweise auch heute noch. Mit Ihrer Nachgiebigkeit hat sie mich natürlich in dem Glauben gelassen, dass es in Ordnung ist, was ich tue. Bei mir war der Leidensdruck dann irgendwann so hoch, dass ich aufgehört habe zu trinken. Die Entscheidung kam allerdings von mir. Solange er nicht begreift, dass er alles kaputt macht, wird er auch nicht den Willen haben, mit dem Trinken aufzuhören. Sein persönlicher Tiefpunkt ist wohl noch nicht erreicht.

Liebe Grüße
Caruso

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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 11.01.2019, 12:05

Hallo Caruso,
vielen Dank für deine Worte. Gab es bei dir einen Auslöser für die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann und darf? Etwas, dass den Leidensdruck hat zu groß werden lassen? Ich bin wohl auch viel zu nachgiebig und verständnisvoll. Ich habe sogar manchmal den Eindruck, er würde sich wünschen, dass ich mehr Druck mache und den Stein endlich ins Rollen bringe. Nach gestern habe ich jetzt wohl auch keine andere Wahl mehr, um die Kinder zu schützen. Aber es fällt mir unendlich schwer.
Hast du dir dann Hilfe geholt und in welcher Form? Oder hast du es tatsächlich alleine geschafft?

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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von Caruso » 11.01.2019, 13:06

Hallo destiny90,

der Auslöser bei mir war ein Besäufnis mit Freunden. Wir waren zu einer Gruppenunternehmung in einen, ich nenne es mal Sauftempel gefahren. Ein all inclusive Wochenende, wie es viele Vereine verbringen. Ich habe auf der Anreise, entgegen meiner üblichen Gewohnheiten mal keinen Alkohol getrunken. Warum, kann ich Dir gar nicht genau sagen. Als wir ankamen, gab es dann ein Buffet. Was sich da abspielte, hat mir persönlich die Augen geöffnet. Die meisten Menschen dort waren total besoffen, nicht mehr in der Lage, noch einigermassen ihr Essen zu sich zu nehmen. Ich war ja früher auch genau so. Das war für mich der Tiefpunkt. Am Abend dieses Tages, habe ich mich noch einmal richtig betrunken und seitdem nie wieder. Ich bin dann einen sehr gefährlichen Weg gegangen. Das wurde mir allerdings erst im Nachhinein bewusst. Ich habe keine ärztliche Hilfe in Anspruch genommen, auch keine Therapie gemacht. Ich habe hier gelesen und geschrieben und Gott sei Dank, hat es bei mir so geklappt. Das war das, was ich mit dem persönlichen Tiefpunkt meine. Meiner war damals erreicht.

Liebe Grüße
Caruso

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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von destiny90 » 11.01.2019, 15:15

Sind deine Freunde von damals noch immer deine Freunde?

Caruso
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Re: Hilfe oder Vertrauensbruch?

Beitrag von Caruso » 11.01.2019, 15:29

destiny90 hat geschrieben:
11.01.2019, 15:15
Sind deine Freunde von damals noch immer deine Freunde?
Hallo destiny90,

mit einigen dieser Herren bin ich noch befreundet, oder sagen wir mal eher bekannt. Von den 10 Leuten, die wir damals waren, sind aber nur noch 4 in meinem Bekanntenkreis übriggeblieben. Alle 4 trinken kaum bis gar keinen Alkohol.

Viele Grüße
Caruso

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