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...the day after... und neu in diesem Forum

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Mcfly
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Mcfly » 19.01.2019, 15:27

Liebe Klaudia. Dann schreibe ich dir mal wie es mir ging. Ich habe mich recht bald räumlich von meinem Alkoholiker getrennt und der war bei weitem nicht so heftig drauf wie deiner. Wir wollten die Beziehung weiterführen,halt in zwei Wohnungen. Am Abend seines Auszuges hatte er ne Neue, die er mir zwei Monate vorenthalten hat. Ich wusste nichts und habe mich halt gewundert warum er sich nicht mehr mit mir treffen wollte. Irgendwann habe ich eingesehen,dass wir keine Beziehung mehr haben und habe mich Offiziell getrennt. Zwei Monate später hatten wir telefonisch Kontakt. Er wollte mir erzählen,wie schlecht es ihm geht,er hat seine Beziehung „rückabgewickelt“ und würde gestalkt werden........er wollte allen Ernstes Rückhalt von mir...... Als das ins leere lief hat er sofort wieder eine gehabt. Und alle drei denken wir,es war die große Liebe......echt jetzt????? Und ich.....habe gelitten . Weil MEIN Suchtmittel weg war. Gott sei Dank wollte er mich nicht mehr sehn!,,,, Ich musste mit meinem Entzug klar kommen. Ich habe bei Alanon eine SH Gruppe gefunden und zwei Sponsorinnen. Ich habe tolle Freunde,mit denen ich viel geredet habe. Ich habe aus meinem Umfeld Alkohol verbannt. Habe mir einen Chor gesucht und singe mehr. Gehe viel spazieren und ins Fitnessstudio. Jetzt nach fast einem Jahr stehe ich gefestigt da und habe keine Ahnung mehr,was ich mir da eigentlich angetan habe. Ich fange an mich selber wirklich gern zu haben und würde mir das was in meiner ach so tollen Beziehung so passiert ist sicher nicht nochmal bieten lassen. Was mir auch geholfen hat war eine plus-minus Liste. Sehr aufschlussreich!!!!!! Ganz liebe Grüße Mcfly

ideja
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von ideja » 20.01.2019, 03:54

hallo Klaudia,
du kannst hier sehr viele Geschichten lesen, ohne etwas zu schreiben.
du wirst deine Situation in vielen anderen wieder erkennen. auch die antworten die du bekommst, werden ähnlich ausfallen.
aber, du wirst in dir auch was bewegen.
ich stehe auch noch am Anfang meines Forums dabeisein, und spüre wie ich mich bewege, ob vor, zurück oder im Kreis, das ist unwichtig.

wichtig ist das ICH etwas tue. nicht gleich den Handtuch werfen.

lg ideja

destiny90
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von destiny90 » 21.01.2019, 08:07

Auch ich kopiere meine Zeilen aus der Vorstellungsrunde:
Hallo Klaudia,

wow! Ich bin sprachlos!
Deine Geschichte ist meiner so ähnlich. Nur, dass bei uns (bisher) kein Blut geflossen ist. Aber ansonsten finde ich mich da absolut wieder.
Und ich habe den Wunsch, mich mit dir auszutauschen. :-)
Ich habe hier bisher schon ganz viele verschiedene Geschichten gehört und auch sehr hilfreiche Tipps bekommen.
Auch ich bin noch nicht soweit, dass ich gehen kann. Aber ich weiß, ich muss es tun. Das ist "unsere" einzige Chance. Und wenn nicht das, dann ist es zumindest "meine" Chance.
Viele Grüße
destiny

Klaudia123
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Klaudia123 » 21.01.2019, 20:29

Ihr Lieben,
ich danke Euch für Euere Worte, Euere Gedanken und auch fürs Verständnis, für die Zeilen hinter den Zeilen, in denen ich deutlich spür "die wissen, wovon sie reden und was zu tun war".

Nicht geschieht ohne Grund und jeder Mensch, den man in sein Leben einziehen läßt, ist aus einem bestimmten Grund da, bedient etwas im andern.
Das ist in meinem Leben bisher meine Erfahrung gewesen.
Mein großes Thema im Leben ist das der Nähe zu Menschen und der gleichzeitigen Fähigkeit, mich abzugrenzen.
Somit passt es total, dass mein Freund in mein Leben getreten ist bzw. ich ihn eingeladen habe.

Ich verstehe immer mehr, dass ich nur eins tun kann und muss: mein Leben leben.
Es ist auch letztlich das einzige, was ich für ihn tun kann.
Es klingt so banal, aber es ist nicht banal und es ist auch nicht einfach umzusetzen. Denn mit meinen Gefühlen für ihn, die ich als sehr intensiv erlebe und fühle, bin ich in Sorge um ihn. Und wer sich um den andern sorgt, "läßt ihn nicht einfach allein".

So richtig und hilfreich genau das wohl im Endeffekt ist (für beide), so gegensätzlich ist es eben zu dem, wie ja jeder für einen geliebten Menschen da sein will.

Entschuldigt bitte, dass ich etwas gebraucht habe, um hier wieder zu schreiben.
Da sind zum einen Pflichten und zum anderen brauchte ich ein paar Stunden mit mir, um Euere Gedanken nicht nur zu lesen, sondern auch richtig zu verstehen und ihnen Platz in mir zu schaffen.

LG Klauda

Aurora
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Aurora » 22.01.2019, 16:58

Liebe Klaudia,

ich finde es gut, dass du hier bist, es gab schon sehr viele Leute, die konnten mit diesen Sachen, die dir auch geschrieben wurden, -noch- nicht umgehen. Und fühlten sich erschlagen. Aber das möchte ja hier niemand, Ratschläge können aber bei Menschen sehr schnell als Schläge ankommen, vor allem, wenn die Menschen schon sowieso sehr verunsichert sind und kein Selbstbewusstsein haben. Wie das bei Cos sehr oft der Fall ist.

Du stellst dich den Dingen und bist klar im Vorteil damit. Und du bist ehrlich, zu dir, zu allen, indem du sagst, dass du -noch- nicht aufgeben möchtest.

Alle Dinge hier sind ein Angebot. Du darfst dir aussuchen was zu dir passt und was nicht. Ich habe mich auch nicht von einem auf den anderen Tag getrennt, im Gegenteil, als meine Freundin mal davon sprach war ich stinkesauer auf sie. Irgendwann habe ich aber für mich begriffen, dass es für mich der einzige Ausweg war.
Denn mit meinen Gefühlen für ihn, die ich als sehr intensiv erlebe und fühle, bin ich in Sorge um ihn. Und wer sich um den andern sorgt, "läßt ihn nicht einfach allein".
Genau das ist eine der größten Schwierigkeiten im Zusammenleben mit einem Abhängigen. Du siehst hinter dem Volltrunkenen ja den Mann, wie du ihn mit deinem Augen auch siehst oder kennst. Vielleicht hast du dir Gründe für seine Sucht überlegt, ich hatte das damals schon. Und darum tat mir mein Exmann auch leid. Er war ein Opfer in meinen Augen. Und er war ja ein Mensch. Und wenn er so betrunken war tat er mir leid. Wenn er geweint hat zum Beispiel. Längere Zeit war das in mir so Mitleid und meine Helferpersönlichkeit konnte das kaum mit ansehen. Ich musste doch was tun um ihn da raus zu holen. Ihm zu helfen.

Hilfe fand er auch toll, also er fand es gut ein warmes Zuhause zu haben, ordentliche Kinder, gutes Essen auf dem Tisch, eine Ehefrau, die sich kümmerte. Ihm den Weg ebnete für seine eigene Bedürfnisbefriedigung. Er konnte ja seiner Sucht in Ruhe nachgehen, ich habe mich um alles gekümmert. Denn hinter dem betrunkenen Mann sah ich auch den hilflosen Buben, der nicht erwachsen werden durfte. Oder wollte. Das rührte mich so an.

Später hat es mich ihn hassen lassen...

Wobei er aber keine Hilfe wollte war dabei, wenn es um Veränderungen ging. Also wenn ich ihn bat, mal über sich nachzudenken, ihn bat, mit dem Saufen aufzuhören, da was zu ändern, sich professionelle Hilfe zu suchen. Er wollte das nicht ändern oder er konnte das - noch- nicht. Er hat wohl erkannt, wie es um ihn stand. Aber ändern wollte er nichts. Es war viel einfacher es so zu lassen wie es war. Er hatte ja im Prinzip auch alles was er brauchte.

Nun stand ich da und war am Ende. Die viele Hilfe, das Sorgen und Kümmern und die viele Angst um ihn, das hatte mich zermürbt. Im Laufe der Jahre kamen noch viele Dinge dazu, bedingt sicher auch durch die Sucht und dem Kontrollverlust. Er wurde immer gemeiner und gehässiger, verletzte mich verbal und vernachlässigte alles. Und er hat mich nicht mehr geachtet. Ich war zu einem Gebrauchsgegenstand geworden. Und er hat mich benutzt. Auch s.exuell. Ich habe mich benutzen lassen. Denn noch immer dachte ich, dass er mir leid täte. Ich habe mein Leben hinten angestellt. Irgendwann hatte ich kein eigenes Leben in dem Sinne mehr. Ich wurde gelebt, zuerst mal durch ihn und dann auch noch durch seinen stark übergriffigen Bruder und dessen Frau.

Da waren es dann ganz andere Dinge geworden, die mich an dieser Beziehung haben festhalten lassen.
Mein großes Thema im Leben ist das der Nähe zu Menschen und der gleichzeitigen Fähigkeit, mich abzugrenzen.
Das zum Beispiel...

Und Ängste aller Art...
Ich verstehe immer mehr, dass ich nur eins tun kann und muss: mein Leben leben.
Dass du das verstanden hast ist so unglaublich wertvoll! Ich habe Jahrzehnte dafür gebraucht, dabei ist das doch das Selbstverständlichste der Welt. Und ja, du kannst dein Leben leben... und das gleiche Recht hat er eben auch. Und da sind wir wieder am Anfang.

Liebe Grüße
Aurora

Mcfly
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Re: ...the day after... und neu in diesem Forum

Beitrag von Mcfly » 23.01.2019, 13:20

Liebe Klaudia. Ich wollte dich mit meinem Ratschlag schnell zu gehen auch sicher nicht überfordern oder überrollen. Ich war nur schockiert,dass dein Freund eine Platz Wunde die er dir ,wie auch immer,zugefügt hat als Kratzer abtut. Da gehen bei mir alle Warnlampen an. Ich wünsche mir für dich,dass du schauen kannst was du möchtest....nur für dich in deinem Leben.... Und dass du für dich selber der wertvollste und wichtigste Mensch bist oder wirst. Es ist dein Leben und nur deins was an erster Stelle stehen sollte. Schau mal von außen drauf und stelle dir vor deine beste Freundin oder gar deine Tochter würde dir erzählen,dass ihr das so passiert ist,wie du es beschrieben hast......was würdest du fühlen,was würdest du dir für sie wünschen????? Viel Kraft und viel Liebe für dich selber wünsche ich dir. Mcfly

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