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Umgang mit Unberechenbarkeit

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Einhorn
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Einhorn » 26.01.2019, 21:59

Das Buch wird Dir keine Schuldgefühle machen - keine Sorge ;-)
Ich habe mich danach das erste Mal wirklich verstanden und umsorgt gefühlt
Lass es einfach wirken und zieh Deine ganz persönlichen Schlüsse daraus. Manches wird Dir vielleicht erst beim 2. oder 3 mal klar

Biene1967
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Biene1967 » 27.01.2019, 09:13

Hallo Einhorn,

ich habe schon so viele Bücher gelesen, die sich mit solchen Themen befassen.
Irgendwann kam immer der Punkt, an dem es auf mehr oder weniger deutliche Weise hieß:
"Sei anders (als Du bist), dann ist alles besser"
Genau da bin ich dann wieder im Schuldgefühl. Weil ich so bin, wie ich bin, ist es so kompliziert.
Und weil ich da dann herauslese, dass erlebte Verletzungen nur auf meine ganz persönliche Wahrnehmung zurückzuführen sind.

Ich habe gerade ein aktuelles Beispiel: Mit einer Bekannten gehe ich manchmal am Sonntag laufen. Gestern schreibe ich ihr, ob sie heute Zeit hat, und es kommt keine Antwort. Sowas ärgert mich.
Liegt das wieder an meiner Art? Sie könnte ja auch einfach absagen, das wäre doch kein Problem.

Ich kann gar nicht mehr unterscheiden, ob ich komisch ticke und alles, was andere tun, lassen oder sagen, angemessen ist.

Wo liegt die Grenze zwischen meiner Sensibilität und komischem Verhalten der Anderen?
Ist es denn nicht DAS Totschlagargument gegen Leute wie uns: "Du bist so kompliziert".
Übersetzt: Sei anders.

Bin gespannt auf das Buch und werde dann berichten :D

Einhorn
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Einhorn » 27.01.2019, 12:49

Hallo Biene,
das mit dem Laufen ist ein gutes Beispiel ;-)
Das es Dich ärgert, ist normal und in Ordnung. Du hast das Recht Dich zu ärgern.

Das einzige was vielleicht an unserer Art liegt, ist , dass für uns Zuverlässigkeit ein kleines bisschen wichtiger ist, weil es eben unseren Wertvorstellungen entspricht. Das ist einfach so und es gibt keinen Grund das zu ändern.

Interessant könnte allerdings sein, zu ergründen was genau dieses Gefühl des Ärgers bei Dir auslöst. Da könnte vieles in Betracht kommen, deswegen mal ein paar Beispiele oder Denkanstöße. Es könnte auch sein, dass Du an Dir ganz andere Punkte entdeckst..
- du könntest das Gefühl haben nicht wichtig genug zu sein um abzusagen
- Du könntest Dich gekränkt fühlen
- Du könntest Dich zurück gesetzt oder abgewiesen fühlen
- Du bist vielleicht enttäuscht oder traurig
- Du nimmst wahr, dass Deine Bekannte gegen Deine Wertvorstellungen verstoßen hat
- Du nimmst es vielleicht persönlich
- Du fragst Dich möglicherweise warum sie so reagiert hat

Bei all Deinen Überlegungen gehst Du jedoch wahrscheinlich von der Vorstellung aus, jeder würde so zuverlässig handeln wie Du?
Vielleicht hatte Deine Bekannte einfach keine Lust zu antworten, oder etwas besseres Vor, Vielleicht hatte sie auch keine Möglichkeit zu antworten, vielleicht hat sie nicht daran gedacht, oder sich keine Gedanken gemacht, dass Du auf Antwort wartest.....Oder, oder , oder..
Welche Gründe sie auch immer hatte, ich bin mir sicher, es lag wahrscheinlich nicht in ihrer Absicht Dich zu verletzen.

Du tickst doch deswegen nicht komisch und es gibt kein Grund darüber nachzudenken ob es angemessen ist ob Du dich ärgerst.
Du ärgerst Dich und damit basta :-)
Und wenn Du das Bedürfnis hast, ihr mitzuteilen, dass Du Dich geärgert hast, dann tu es. Dran ist nichts kompliziert.
Allemal besser als innerlich zu grollen. Sie kann doch keine Gedanken lesen ;-)

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag. Vielleicht bekommst Du ja Lust alleine zu Laufen wenn Dir das Laufen ein Bedürfnis ist.
Oder einfach einen Spaziergang. Oder etwas anderes was Dir heute Freude bereiten könnte.
Einhorn

lütte69
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von lütte69 » 28.01.2019, 10:23

Hallo Biene,
"Sei anders (als Du bist), dann ist alles besser"
Dazu möchte ich mal ein paar Gedanken hier lassen. Wer definiert besser oder schlechter? Wer definiert anders? Als ich hier ankam, war ich felsenfest davon überzeugt, dass, wenn mein Mann eine Therapie macht und nicht mehr trinkt, mein Leben perfekt wird - naja, vielleicht nicht perfekt, aber wieder gut. Ich kann dir verraten, dass das nicht eingetreten ist. Ich/wir sind an diesem Punkt gelandet, weil wir so waren, wie wir waren - das hieß für mich, es muss was geändert werden. Einfacher für mich wäre gewesen, mein Mann hätte sich geändert :roll: - hat er aber nicht. Hier hat man mir dann auch noch zu verstehen gegeben, dass er mit seinem Leben machen kann, was er will und wenn er saufen will, dann darf er das. An dem Drops hatte ich lange zu lutschen. Also, er muss sich nicht ändern, wenn er nicht will, hatte ich 2 Möglichkeiten - ich ändere mal ein bisschen was oder ich eben nicht. Wohin es mich führt, wenn ich alles beim Alten belasse, hatte ich ja schon gesehen. Ich glaube auch, dass ich nicht bewusst den Vorsatz gefasst hatte mich zu ändern, sondern ich hatte das Gefühl, dass ich mich so langsam auflöse, wenn ich nicht anfange, irgendwas anders zu machen. Ein gewaltiger Schritt war mein Auszug. Es hat mich fast zerrissen, denn mein Herz hat gehofft, ich wollte nicht die Böse, Egoistische. Kaltherzige sein - mein Verstand hat gesagt, es ist der richtige Schritt. Ich hab viele Bücher gelesen, bin zur Therapie gegangen und hab hier geschrieben. So nach und nach hab ich aus dem großen Berg, der vor mir lag, meinen Weg gestaltet.

Was hieß für mich "sei anders"? Ich glaube es war wichtig, mich wieder wahrzunehmen, mich zu spüren, herauszufinden, was ich mag, was ich nicht mag und mir zu sagen, dass ich das auch darf, dass ich mich nicht verbiegen muss, damit andere eventuell zufrieden sind (da bin ich immer noch am üben). Im Grunde sind wir in Ordnung so wie wir sind - eben alle verschieden und auf die ganz eigene Art speziell. Aber wir sind nicht starr, wir können denken und uns an unsere Umwelt anpassen oder unsere Umwelt anders gestalten. Wir haben die Chance dazu. Manchmal fällt es schwer, die zu sehen oder die Konsequenzen - aus dem was wir sehen - zu ziehen.

Du musst nicht anders sein - meine Meinung. Nur, du bist mit Deinem Leben derzeit unzufrieden und wichtig ist doch herauszufinden, was Du machen kannst, damit Du wieder zufrieden bist, denn dass wir den anderen nicht ändern können, steht - denke ich - fest. Wenn ich etwas verändern will, muss ich eben ein paar Dinge mal anders machen als bisher. Das heißt nicht, dass aus einem eher introvertierten Menschen ne Rampensau wird. Es sind so Kleinigkeiten, die ich gestern so gemacht habe, aber heute eben mal anders mache, um zu sehen, ob mir das Resultat eventuell besser gefällt.

Und noch was habe ich aus meiner Vergangenheit gelernt "Ich kann dem anderen nicht hinter die Stirn schauen". Du kannst Dir den ganzen Nachmittag das Hirn über deine Lauf-Bekannte zermartern oder Du gehst alleine Laufen und hast einen schönen Tag. Vielleicht kommt irgendwann eine Entschuldigung, die Du auch nachvollziehen kannst, aber Dein Nachmittag war "versaut", wenn Du nicht losgelaufen bist. Das sind so die Kleinigkeiten, die Du anders machen könntest.

Ich wünsche Dir Mut, Dinge anders zu machen
sonnige Grüße
Lütte

Mcfly
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Mcfly » 28.01.2019, 15:53

Liebe Biene. Also ich war anders als ich noch keinen Alkoholiker in meinem Leben hatte. Ich war lustig,frech,forsch habe mein Ding gemacht und war aber trotzdem hilfsbereit und empathisch. Nach einem Jahr mit meinem „Liebsten“ war ich traurig,vorsichtig,eingeschüchtert und unsicher. Und mir hat jegliche Kraft gefehlt mir oder meinen Freunden mal was gutes zu tun. Ich war süchtig und krank. Um dann wieder anders zu sein,ändere ich mich ja nicht,sondern werde wieder so,wie ich eigentlich bin. Ein alkoholkranker Mensch bringt dich nicht vorwärts,sondern nur an den Abgrund. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut für dich selbst. Liebe Grüße Mcfly

Biene1967
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Biene1967 » 29.01.2019, 20:36

Liebe Foristen,
nun ist das Buch von Luca Rohleder angekommen.
Ich muss mal schauen, ob ich mit dieser Art klarkomme.
Mich schreckt ehrlichgesagt diese "esoterische" Aufmachung ein wenig ab ...
Auch die Wortwahl ist gewöhnungsbedürftig: "Wenn Sie erst einmal erwacht sind" und "neu entdeckte innere Göttlichkeit".
Puh ...
Ich finde mich gerade viel mehr wieder im Hörbuch von Bärbel Wardetzki, die Sprache ist mir angenehmer.
Ich schaue natürlich trotzdem hineín

Sunshine_33
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Sunshine_33 » 29.01.2019, 21:17

Auch die Wortwahl ist gewöhnungsbedürftig: "Wenn Sie erst einmal erwacht sind" und "neu entdeckte innere Göttlichkeit".
Ach Du meene Jüte :shock: :lol: :lol:

Bei bestimmten Online-Anbietern wie beispielsweise Amaz*n kann man übrigens Bücher auch zurücksenden, auch wenn sie geöffnet wurden :wink:
Ich hatte mal ein Bastelbuch für Kinder bestellt, was extrem minimalistisch und unübersichtlich war, hätte ich es im Laden gesehen,
hätte ich es niemals gekauft.
Habe mich richtig drüber geärgert und dann festgestellt, das ich es zurück senden kann. Habe ich dann auch gemacht, allerdings wurde mir nicht
der gesamte Neupreis zurück erstattet.
Egal, hab es trotzdem zurück gesendet, das Buch wäre sonst im Regal vergammelt.

Ich hatte übrigens auch mal einige Lebensratgeber, weiß nicht, ob man die so nennt?
Mir hat keines der Bücher jemals auch nur irgendwie weiter geholfen, habe sie dann alle auf einen Rutsch entsorgt und war froh,
das ich sie los war :lol:
Heute würde ich sowas überhaupt nicht mehr kaufen, zumal man viele Infos auch so übers net bekommt, wenn man sie denn unbedingt benötigt.

Was die CO-Abhängigkeit mit all ihren Facetten und Entstehungsgeschichten angeht, da denke ich, daß das Lesen der Geschichten der Betroffenen hier im Forum auch enorm hilfreich sein kann.
Hier schreibseln nicht irgendwelche Psychologen, die gar nicht selbst betroffen sind, sondern Menschen, die das selbst alles erlebt haben und einige haben sogar Wege hinaus gefunden.
Was mich persönlich betrifft, ich tausche mich immer am lohnendsten mit Selbst-Betroffenen aus, denn die wissen wirklich, wovon sie reden (oder auch schreiben).
Alles andere ist mir zu theoretisch und auch zu unauthentisch.
Ich kenne doch die Autoren gar nicht, wer weiß, was das für Freaks sind, siehe oben :wink:
Okay, die Leute hier kenne ich auch kaum persönlich, aber die kann ich wesentlich besser einschätzen als ein mir unbekannter Autor, dessen Qualifikation ich nicht mal kenne.

LG Sunshine, die so gar keinen Zugang zur Esoterik hat, wie man wohl erkennen kann :lol:

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