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Umgang mit Unberechenbarkeit

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Biene1967
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Biene1967 » 22.01.2019, 20:32

Danke Sunny!
Und doch eine Nachfrage: Wie KANN man denn locker und entspannt bleiben, wenn man so wechselhaft behandelt wird? Wenn man sich zeitweise vorkommt, als sei schon die Art zu Atmen eine Zumutung?
Ich habe das zeitweise als unfair empfunden - der Alkoholkranke benimmt sich schlecht, hat wirklich unangenehme Angewohnheiten (u.a. im Hygienebereich oder beim ungenierten "Entgasen"), ist aber andererseits anspruchsvoll und möchte mit guter Laune belohnt werden.
Das fällt mir schwer, da sonnig zu bleiben ....
Wenn der Partner sich benimmt wie ein Pubertier ,-) und man selbst soll fröhlich lächelnd die Laune verbessern.
Verleugnet man sich da nicht auch?

Sunny1976
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Sunny1976 » 22.01.2019, 21:41

Liebe Biene,
man KANN gar nicht locker und entspannt bleiben wenn sich der Partner so benimmt! Ich wollte das damit auch nicht zum Ausdruck bringen, sondern das „unsere“ Art mit der Situation umzugehen für den anderen vielleicht auch anstrengend war. Das heißt jetzt nicht, das ich Verständnis mit dem Alkoholiker habe!

Ich empfand es auch extrem schwierig in solchen Momenten ruhig zu bleiben, die coole nette Verständnisvolle Frau zu spielen, das hat bei mir am Ende überhaupt nicht mehr funktioniert. Ehrlich gesagt glaube ich, das es den wenigstens Menschen gelingen wird, fröhlich und glücklich zu sein wenn man so behandelt wird!

Den Schuh, das nur „ich“ total unentspannt bin, nur am meckern und alle Stimmung kaputt mache, den sollte man sich gar nicht mehr anziehen. Im Grunde wissen wir es doch heute besser, oder?

Aber ein bisschen Unsicherheit wird wahrscheinlich immer bleiben... :cry:

Mcfly
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Mcfly » 23.01.2019, 19:37

Hallo liebe Biene, ich lasse dir auch mal ein paar Gedanken hier. Ich bin auch hochsensibel und für mich war das Buch von Luca Rohleder, „ die Liebe empathischer Menschen „ein ziemlicher Augenöffner. Die Stimmungsschwankungen haben mir auch extrem zu schaffen gemacht,aber mehr in Hinblick auf meine Ängste ,verlassen zu werden. - Eins meiner Kindheitstraumata-. Und sein Schweigen war die schlimmste Bestrafung. Das hatte er schnell raus und wusste dass ich alles tue ,um das zu beenden. Ich war wirklich süchtig. Vor allem nach der Nähe,die in guten Zeiten möglich war. Schon eher symbiotisch. Das hat zu Anfang sein und mein emotionales „ Liebesloch „( eigentlich ein Defizit aus Kindertagen) stopfen können,dann nicht mehr. Ja und dann hat er seiner Sucht,dem Alkohol,gefrönt und ich meiner Sucht nach seiner Nähe. Und dieses komm her geh weg Spielchen ist ein solcher Stress, den ich dann mit Riesen großer Liebe.....der größten überhaupt im ganzen Universum ....verwechselt habe. Bei mir ging es nur durch Trennung und radikaler Kontaktsperre ,um aus dieser Sucht rauszukommen. Dazu alle möglichen Selbsthilfegruppen und arbeiten mit dem inneren Kind, meditieren,lesen,Sport und komplette Suchtmittelfreiheit (Zigaretten,Alk,Süsskram). Jetzt ,nach knapp einem Jahr geht es mir ziemlich gut und ich fange mich an zu fragen,was an diesem Mann denn nun so toll war. Ganz liebe Grüße Mcfly

Einhorn
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Einhorn » 23.01.2019, 23:07

Liebe Biene,
ich kann mich Mcfly eigentlich nur anschliessen und hätte Dir genau dieses Buch auch empfohlen.
und plötzlich passte einfach alles zusammen...und ich bin dem Menschen der es mir schon vor langer Zeit ans Herz gelegt hatte zutiefst dankbar
Einhorn

Sunshine_33
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Sunshine_33 » 24.01.2019, 12:38

Hallo Biene,
ohne jetzt die vorhergehenden Antworten gelesen zu haben...
Wird man automatisch unsicher, tastend, zaghaft, wenn man mit dieser Unberechenbarkeit konfrontiert wird?
Ja natürlich, was denn sonst? Stärken wird es einen wohl eher nicht, oder? :wink:
Ist man automatisch gestresst, weil man in hab-acht-Stellung ist?
Also ich wäre es mit Sicherheit.
Ist das nur bei Co-Abhängigen so oder ist auch ein gesunder Mensch so anfällig für wechselhafte Launen?
Ich bin nicht CO-abhängig, aber trotzdem anfällig für die Launen anderer.
Ich bin ein sehr empathischer Mensch und fange so auch oft Stimmungen auf und kann so auch oft vorhersagen, wie der andere
in Kürze handeln wird (wenn ich ihn gut kenne).
Das ist einerseits eine Gabe, andererseits aber auch ein "Fluch" :wink:
Ich musste lernen, mich abzugrenzen. Was auch bedeutet, einfach mal Situationen zu verlassen, Gespräche zu beenden,
innerliche Grenzen zu ziehen etc.
Meist klappt das auch ganz gut, aber nicht immer.
Und da sehe ich ein Problem bei CO-Abhängigen Menschen, sie lassen oft ihre Grenzen überrollen, suchen sogar immer noch nach Anerkennung,
selbst wenn der andere noch so schlecht drauf ist oder sie sogar schlecht behandelt.
Und werden dabei auch immer mehr zum "Fähnchen im Wind".
Es fehlt an Abgrenzung, an NEIN-Sagen-Können, an Selbstbewußtsein etc.
Bitte nicht als Vorwurf sehen, so ist es nicht gemeint, auch ein CO hat ja seine Vorgeschichte, auf die er teilweise keinen oder kaum Einfluss hatte, beispielsweise, wenn die Abhängigkeit zu anderen schon in der Kindheit angelegt wurde.
Bin ich selbst "schuld", weil ich verunsichert war?
Ist der damalige Vorwurf, ich sei (nicht mehr) locker und entspannt berechtigt oder eine angemessene Folge dieser Komm-her-geh-weg-Wechsel?
Es würde mir wirklich helfen zu verstehen, ob ich zu sensibel bin oder ob meine Sensibilität eine logische Folge war.
Das kann ich nicht beurteilen.
Und: Wird die Co-Abhängigkeit durch dieses Wechselspiel noch gefüttert / verstärkt?
Das ist auf jeden Fall so.
Es ist bekannt, das ambivalentes Verhalten Abhängigkeit fördert oder sogar entstehen lässt.
(Kannst Du an auch diversen Stellen im net ergoogeln).
Und das kann auch "gesunden" Personen so passieren, das das ambivalente Verhalten des Partners in eine psychische Abhängigkeit führt.
Nur lassen die sich das nicht ewig bieten, sondern ziehen daraus wohl eher die Konsequenzen?

LG Sunshine

Biene1967
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Biene1967 » 24.01.2019, 18:05

Ich danke Euch für Eure Antworten und Anregungen - hier und auch per PN.
Was mich immer noch sehr umtreibt, ist ein Schuldgefühl.
Ich bin "schuld" an den Launen, weil ich sensibel bin oder eben irgendwann nicht mehr "easy" und locker.
Das wird durch die Argumentation des Spiegelns fast noch verstärkt.

Zusammengefasst: Wäre ich anders, hätte man mich nicht so behandelt.
So ungefähr.
Oder auch anders erklärt: Ich hätte die schlechte Laune beheben können, wenn ich anders wäre.
Vielleicht aber auch ein bisschen größenwahnsinnig, wenn man meint, das beeinflussen zu können.
Oder eben auch eine Facette der Coabhängigkeit: Ich kann etwas tun (lassen), damit es gut wird.

Sunny1976
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Sunny1976 » 24.01.2019, 19:33

DU BIST NICHT SCHULD an den Launen Deines Gegenübers!

Das mal zuallererst! Jeder Mensch ist wie er ist. Der eine sensibler, der andere eben anders. Du gibst Dir die Schuld daran, das du nicht mehr locker sein konntest. Dein Gegenüber hat doch aber durchweg deine Grenzen überschritten. Hättest Du denn auch bei einem anderen Menschen zugelassen, das diese dauernd überschritten werden?

Wärst du anders, wärst du doch aber nicht mehr Biene... Und eh bist du doch nicht dafür geboren worden um die schlechten Launen eines anderen zu beheben! Und selbst wenn Du "anders" gewesen wärst, was wäre das denn für ein Leben mit einem Alkoholiker? Es gibt Menschen die in Partnerschaften zusammen leben, aber jeder nur auf sich fokussiert ist. Manchmal bewundere ich Frauen, die alles an sich abprallen lassen können, egal wie sich der Mann benimmt. Aber andererseits habe ich akzeptiert, das ICH neunmal nicht so ein Mensch bin! Man kann sich doch nicht immer verstellen, weil man denkt, man muss alles mal locker sehen!

Man ist wie man ist... und das ist auch gut so! Hab dich mal selbst lieb, denn du bist bestimmt ein liebenswerter und ganz toller Mensch!!!

Sunshine_33
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Re: Umgang mit Unberechenbarkeit

Beitrag von Sunshine_33 » 24.01.2019, 19:34

Ich bin "schuld" an den Launen, weil ich sensibel bin oder eben irgendwann nicht mehr "easy" und locker.
Ach Unsinn, das ist ganz typisches Säufergelaber !
Man sucht sich Schwachstellen, um den anderen runter zu machen, dann ist der nämlich gefügiger und funzt wieder geschmeidiger.
Das ist reine Manipulation.
Fall nicht auf sowas herein !
Zusammengefasst: Wäre ich anders, hätte man mich nicht so behandelt.
Hmmmm... das Problem ist, das CO-Abhängige schlecht Grenzen ziehen können und dann entsprechend von gewissen Leuten ausgenutzt werden.
Wärest Du anders, hätte man Dich wohl gar nicht erst so behandeln können, nicht wahr?
Aber ist es denn anders herum fair, einen Menschen auszunutzen, der schlecht Grenzen setzen kann?
Ich kann sowas nicht, wenn ich merke, da ist mir jemand nicht gewachsen, hacke ich nicht weiter auf ihm rum, weil das unfair ist.
Ein nasser Alkoholiker wird das aber anders machen, der entscheidet sich lieber für die Manipulation, weil sie der eigenen Sucht dienlich ist.
Oder auch anders erklärt: Ich hätte die schlechte Laune beheben können, wenn ich anders wäre.
Nö, hättest Du nicht !
Ich muss direkt etwas darüber schmunzeln, denn es ist schlichtweg unmöglich, es einem nassen Alkoholiker recht zu machen.
Da könntest Du biegsam wie ein Grashalm sein, er würde trotzdem was an Dir finden, um seinen eigenen Frust auszulassen.
Oder wie hörte ich es erst gestern in einem alten "Columbo"?
"Nichts ist schlimmer als ein nüchterner Trinker".
Damit wurde es auch kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Denn so ist es nun mal.
Mal davon abgesehen, das ein Trinker kaum mal wirklich nüchtern ist, jedenfalls sicher nicht am Tag darauf. Aber das ist n anderes Thema.

Nein Biene, Du hättest seine schlechte Laune nicht beheben können, egal was Du getan hättest.
Nur wird das ein nasser Alkie kaum zugeben, dann passt ja seine kleine Säuferwelt nicht mehr zusammen.

LG Sunshine

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