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Die Unwissenheit den Alkoholkonsum meines Vaters durch die Co-Abhängigkeit gefördert zu haben?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Naii
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Die Unwissenheit den Alkoholkonsum meines Vaters durch die Co-Abhängigkeit gefördert zu haben?

Beitrag von Naii » 02.02.2019, 23:23

Hallo.
Ich bin neu hier im Forum.
Mein Vater ist leider letztes Jahr an Selbstmord gestorben.
Ich selbst bin ein Co-Abhängiges Kind gewesen. Habe mich als ich 14 war sogar gegen meine Mutter gestellt, um meinen Vater jedes Wochenende zu besuchen. Es war eben so, dass ich mein Leben nach meinen alkoholkranken Vater gerichtet habe. Er war leider sehr agressiv und immer sauer auf mich. Meine Co-Abhängigkeit definiert sich dadurch, dass ich ihm von klein auf gefallen wollte, mich abgekapselt habe, um auf ihn "aufzupassen" und auf sehr viele Dinge verzichtet habe, da ich nicht wusste ob es ihn sorgt oder wütend macht. Mit 12, nachdem sich meine Mutter von ihm getrennt hat, bin ich dann zu ihm gegangen und habe mich um ihn gekümmert und den Haushalt geschmissen, da es verheerend bei ihm aussah.
Dann letztes Jahr habe ich ihn leider tot in seiner Wohunung gefunden, ich weiß nicht ob es allein am Alkohol lag, aber ich denke das war der Grund, warum sein Leben außer Kontrolle geriet.

Nun zu meiner eigentlichen Frage:
Ich dachte eigentlich ich würde ihm damit wieder Kraft geben, ihn dazu ermutigen weiterzumachen, ihn dazu ermutigen aufzuhören. ich wollte ihm helfen davon frei zu kommen. Aber letztens bin ich mit meinem Therapeuten auf das Thema Co-Abhängigkeit gekommen, worüber ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe. Ich denke jetzt anstatt ihm zu helfen, habe ich ihn eher dazu gebracht noch weiter zu trinken. Wegen mir konnte er saufen und saufen... weil ich ihm sozusagen gezeigt habe: Hey, keine Sorge, ich mache das schon für dich...

Diese Gedanken gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich fühle mich schuldig an dem Selbstmord meines Vaters. Ich habe das Gefühl sein Alkoholproblem nur noch schlimmer gemacht zu haben. Es frisst mich auf, ich komme mit den Gedanken nicht klar. Als Co-Abhängiger fällt es mir natürlich schwer nachzuvollziehen wieso er diesen Weg gewählt hat. Ich höre oft nur das Wort "ich" von Alkoholikern. Aber was ist denn mal mit uns? Ich habe meine Kindheit geopfert, er hat sich als Dank umgebracht, oder teilweise auch wegen mir?

Naii
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Re: Die Unwissenheit den Alkoholkonsum meines Vaters durch die Co-Abhängigkeit gefördert zu haben?

Beitrag von Naii » 02.02.2019, 23:30

Ich denke ich habe es nicht klar rübergebracht:

Als sich meine Eltern getrennt haben, bin ich nicht zu meinem Vater gezogen, sondern bin ihn jeden Tag besuchen gegangen. Oft auch heimlich,weil ich wusste dass meine Mutter sich dann Sorgen gemacht hätte.

Sunny1976
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Re: Die Unwissenheit den Alkoholkonsum meines Vaters durch die Co-Abhängigkeit gefördert zu haben?

Beitrag von Sunny1976 » 03.02.2019, 11:00

Hallo Naii,

das ist ja schrecklich, ich stelle es mir ganz schlimm vor wie es war, den eigenen Vater tot aufzufinden. Das tut mir sehr leid und muss unendlich schwierig für Dich sein!

Zu Deiner Frage: Ja, es ist so, dass wenn einem Alkoholiker immer weiter geholfen wird, ihm das Leben erleichtert wird etc. dann noch weniger Grund da ist, aufzuhören. Aber Dir die Schuld dafür zu geben, weil Du das sozusagen noch weiter unterstützt hast? Nein, das würde ich nicht!

An erster Stelle warst Du auch noch ein Kind - Co-Abhängigkeit hin oder her. Man will ja in erster Linie helfen. Als Kind kannst Du das alles doch noch gar nicht so begreifen. Auch wenn Du Dich von Deinem Vater fern gehalten hättest wäre das ja keine Garantie, das er irgendwann aufgehört hätte. Es gibt Alkoholiker, die finden nie ihren Tiefpunkt. Auch wenn alles schon verloren ist hören sie nicht auf und trinken sich tot.

Für Angehörige ist es immer schwer, das alles zu begreifen. Wie ein Leben so aus den Fugen geraten kann, wie sich das Wesen des geliebten Angehörigen verändert. Es ist eine schlimme Krankheit und zerstört oftmals nicht nur das Leben vom Süchtigen sondern auch das der Angehörigen.

Gut, das Du das mit einem Therapeuten versuchst aufzuarbeiten. Deine Vergangenheit kannst Du nun leider nicht mehr ändern, aber Deine Zukunft. Versuche aus dem Strudel der Selbstvorwürfe raus zu kommen, jeder ist für sein Leben verantwortlich. Auch Dein Vater hatte die Chance, sein Leben zu ändern. Er hat sie leider nicht genutzt, konnte es vielleicht einfach nicht mehr. Aber Du bist nicht der Grund, warum er darin festhing.

Ich wünsche Dir viel Kraft
Alles Liebe
Sunny

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